Rendite: Riesige Unterschiede auf dem Freizügigkeitsgeld

Hohe Beträge: Nicht einfach auf Freizügigkeitskonten liegenlassen. Foto: Getty

Hohe Beträge: Nicht einfach auf Freizügigkeitskonten liegen lassen, sondern investieren. Foto: Getty

Ich bin 58 Jahre alt und habe zwei Freizügigkeitskonti mit je einem hohen Betrag auf zwei Kantonalbanken deponiert. Mir wird angeboten, das Geld auf das Swisscanto BVG 3 Portfolio 10 zu investieren. Sicherheit ist für mich wichtig. Aber etwas kalkuliertes Risiko geht schon. Wie ist Ihre Meinung dazu? D.K.

Aus meiner Sicht ist es sehr empfehlenswert, hohe Beträge nicht einfach ungenutzt auf Freizügigkeitskonten liegenzulassen, die derzeit praktisch keinen Zins mehr abwerfen. Sinnvoll ist ein Investment in spezielle Anlageinstrumente im Rahmen der Vorsorge besonders dann, wenn man das Freizügigkeitskapital während mehrerer Jahre parkieren muss – wie wahrscheinlich bei Ihnen im Hinblick auf eine spätere Pensionierung. Indem Sie Ihr Freizügigkeitsgeld in Wertschriften anlegen, haben Sie die Chance, eine deutlich höhere Rendite zu erwirtschaften als der Zins auf dem Freizügigkeitskonto.

Wie gross der Unterschied ist, zeigt der Renditevergleich: Auf dem Freizügigkeitskonto bekommt man derzeit je nach Anbieter nur noch 0,2 Prozent Zins. Zum Teil auch weniger. Bei einem parkierten Kapital von 600’000 Franken beträgt der Jahreszins nur gerade 1200 Franken. Bei einer mit Wertpapieren erreichten angenommenen Rendite von 3 Prozent würde man mit dem gleichen Geld pro Jahr 18’000 Franken erwirtschaften. Natürlich gibts diese Rendite nicht gratis: Der Preis ist das erhöhte Risiko, welches man mit dem Wertschriftensparen eingeht.

Die von Ihnen erwähnten Swisscanto BVG 3 Portfolios investieren das Kapital professionell und breit diversifiziert in Aktien, Obligationen und Immobilien. Je nach Risikobereitschaft kann man einen höheren oder tieferen Aktienanteil wählen und so im positiven Fall seine Renditechancen erhöhen. Da Sie mir schreiben, dass Sie grossen Wert auf Sicherheit legen, kommt für Sie der von Ihrer Bank empfohlene Swisscanto BVG 3 Portfolio 10 in Betracht. Dabei handelt es sich um einen Dachfonds, der aktiv verwaltet wird und das Kapital zu rund drei Vierteln in Anleihen, 15 Prozent in Immobilien und nur zu 10 Prozent in Aktien anlegt.

Aktuell liegt der Obligationenanteil wegen der extrem tiefen Zinsen auf gut 69 Prozent und der Immobilienanteil etwas erhöht auf knapp 20 Prozent. Der weitaus grösste Teil der Anlagen erfolgt in Schweizer Franken. Die Währungsrisiken sind gering. Grösste Aktienpositionen des Dachfonds sind die Schweizer Schwergewichte Novartis, Roche und Nestlé. Punkto Gebühren ist der Fonds mit einer Verwaltungsgebühr von 0,9 Prozent nicht billig, aber auch nicht übertrieben teuer.

Etwas günstiger fahren würden Sie mit dem Swisscanto BVG 3 Index 45, da dieser passiv verwaltet wird. Allerdings beträgt bei diesem Vehikel der Aktienanteil 45 Prozent. Überlegen würde ich mir in Ihrem Fall, ob Sie den Gesamtbetrag auf den zwei Freizügigkeitskonten nicht auf mehrere dieser Fonds verteilen möchten: Sie könnten zum Beispiel ein Fünftel des Geldes stockkonservativ auf dem Konto liegen lassen, drei Fünftel in den Swisscanto BVG 3 Portfolio 10 und das letzte Fünftel in den kostengünstigen Swisscanto BVG 3 Index 45 investieren. So erreichen Sie aus meiner Sicht ein recht gutes Chancen-Risiken-Verhältnis und eine hohe Diversifikation.

Aber: Ein Restrisiko bleibt immer, sobald Sie in Wertschriften anlegen. Selbst beim konservativen Swisscanto BVG 3 Portfolio 10 müssen Sie mit Kursschwankungen leben. Dafür haben Sie aber die Chance, über die Jahre mehr Rendite zu erreichen. Ich halte das Risiko für vertretbar. Doch Sie müssen selbst entscheiden, ob Sie mit diesem Restrisiko leben können. Denn es ist Ihr Geld. Und nur Sie selbst müssten auch allfällige Verluste tragen.

1 Kommentar zu «Rendite: Riesige Unterschiede auf dem Freizügigkeitsgeld»

  • Schlingu sagt:

    ein so hoher Obligationenanteil bei den aktuellen Zinsen? Da kann man eigentlich nur verlieren, weiter sinken werden die Zinsen kaum und bei einem Zinsanstieg wird je nach Duration des Portolios ein „anständiger“ Verlust auf dem Obligationenteil anfallen.

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