Neuer Freund ist kein Grund, den Scheidungsunterhalt zu streichen

Neue Beziehung: Der Ex-Ehemann muss weiterhin zahlen. Foto: Getty

Neue Beziehung: Der Ex-Ehemann muss weiterhin zahlen. Foto: Getty

 

Mein Mann und ich sind seit drei Jahren getrennt. Nun habe ich mich neu verliebt und beabsichtige, mit meinem Freund zusammenzuziehen. Kann mein Mann deswegen seine Unterhaltsbeiträge an mich stoppen, wenn ich das mache? S.G.

Nein. Automatisch geht dies nicht. Damit Ihr Mann die Unterhaltsbeiträge an Sie streichen kann, müsste ein qualifiziertes Konkubinat bestehen. Als ein solches gilt, wenn ein Paar fest zusammenlebt, sich gegenseitig finanziell unterstützt und das Zusammenleben bereits seit mehreren Jahren andauert und somit gefestigt ist. Mehr noch: Qualifiziert ist ein Konkubinat, wenn es ein eheähnliches Zusammenleben ist und sich die Partner Beistand leisten und unterstützen.

Davon unterschieden wird indes ausdrücklich eine Wohngemeinschaft zwischen zwei Partnern. Es genügt gemäss Bundesgericht nicht, dass Sie künftig nur mit ihrem Freund zusammenleben, sondern für ein qualifiziertes Konkubinat müsste auch ein gegenseitiger Unterstützungswille vorliegen, wie man ihn aus der Ehe kennt. Im Klartext bedeutet dies: Das Bundesgericht hat die Schwelle, dass der Unterstützungsbeitrag wegfällt, weil der oder die Unterstützungsberechtigte eine neue Beziehung eingegangen ist, bewusst hoch angesetzt hat.

Möglich ist aber, dass der Unterstützungsbeitrag gekürzt werden kann, wenn Sie mit ihrem Freund zusammenleben. Und zwar deshalb, weil vor Gericht argumentiert werden kann, dass durch Ihr Zusammenleben mit Ihrem Freund Ihre Lebenshaltungskosten, etwa für Ihre Wohnung, Versicherungen usw., geringer ausfallen, weil diese geteilt werden können.