Beeindruckender Turnaround von Logitech

Logitech-Chef Bracken Darrell: Sein Unternehmen hat sich neu erfunden. Foto: Walter Bieri/Keystone

Turnaround-Situationen sind für Investoren oft spannend – und ertragreich. Eine beeindruckende Wiedergeburt ist Logitech gelungen. Noch vor drei Jahren glaubte am Markt kaum jemand, dass der Hersteller von Computerzubehörgeräten langfristig überleben wird. Wer braucht im Zeitalter des Tablet-Computers noch Maus und Keyboard? Damals konnten die Logitech-Aktien zu weniger als 7 Franken gekauft werden. In der Zwischenzeit hat sich das Unternehmen unter dem neuen Management von Bracken Darrell neu erfunden und beispielsweise mit drahtlosen Lautsprechern innovative Produkte lanciert. Der Aktienkurs notiert mittlerweile um 25 Franken – allein im letzten Jahr ist er gut 80 Prozent gestiegen. Damit ist die Luft freilich dünner geworden; das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2017 beträgt stolze 25. Dennoch glaube ich, dass Logitech an der Börse nochmals etwas Schub erhalten könnte. Die Analysten der UBS haben die Aktien vergan­gene Woche hochgestuft. In der Nacht vom 24. auf den 25. Januar wird das Unternehmen über den Geschäftsgang im wichtigen Weihnachtsquartal berichten. Am Markt steigt die Erwartung, dass die Zahlen positiv überraschen werden. Kaufen

Volatiler Solarmarkt

Ein Turnaround der harten Sorte ist Meyer Burger. Ist nun die Zeit reif, um in die Aktien des Thuner Solarzulieferers einzusteigen? Ich bin skeptisch. Nach einer massiven Kapitalerhöhung und der Auswechslung des langjährigen Chefs Peter Pauli hat Meyer Burger wieder Geld in der Kasse. Das Unternehmen wird im Frühjahr eine ­fällig werdende Obligation über 130 Millionen Franken refinanzieren können. Aber: Hans Brändle, der neue Chef, hat sein Amt erst vor drei Wochen angetreten. Seinen strategischen Plan für das Unternehmen muss er noch vorstellen. In seiner letzten Anstellung als Spartenchef bei OC Oerlikon hat er einen guten Job gemacht. Er hat sich als knallharter Sanierer profiliert und seine Einheit profitabel durch die Zeit nach der Finanzkrise von 2008 manöv­riert. Ob dieses oder ein ähnliches Rezept auch im äusserst volatilen, in vielen Ländern von Regierungsentscheiden abhängigen Solarmarkt funktioniert, muss er erst zeigen. Operativ ist Meyer Burger derzeit ordentlich unterwegs, die Auftragslage hellt sich auf. Ein Silberstreifen ist also am Horizont sichtbar. Mir ist der Einstieg allerdings noch zu riskant und zu spekulativ. Bis ich ein Bild von Brändles Plänen habe, bleibe ich an der Seitenlinie. Abwarten

Nachfragebelebung in China

Ein Unternehmen, auf das ich 2017 setze, ist Brändles vorma­liger Arbeitgeber OC Oerlikon. Klar, Grossaktionär Viktor Vekselberg hat mit der Industriegruppe, vor allem was die Wahl der Verwaltungsräte betrifft, nicht immer glücklich agiert. Doch jetzt scheint Oerlikon die Form allmählich zu finden. Der Konzern hat sich noch stärker als früher der lukrativen Oberflächentechnik verschrieben und will in die anverwandte additive Fertigung (metallbasierter 3-D-Druck) vordringen. Das bietet eine attraktive Langfristperspektive. Derweil hat Oerlikon in den restlichen Geschäftsfeldern, Kunstfaseranlagen und Drive Systems (Getriebe für Bergbau- und Landmaschinen), gerade eine Krise durchgestanden. In China soll sich nun endlich die Nachfrage nach Kunstfaseranlagen beleben, und in der Getriebeproduktion dürften Sparmassnahmen ihre Wirkung zeigen. 2017 sollten beide Sparten wieder deutlich bes­sere Ergebnisse erzielen. Diese günstigen Aussichten haben den Aktienkurs schon auf 11 Franken gehievt, doch das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. Kaufen

Kursanstieg um 12 Prozent

Eine knifflige Sache ist AMS. Der österreichische Hersteller von Sensorchips, dessen Aktien an der Schweizer Börse gehandelt werden, ist in der Vergangenheit oft mit glückloser Kommunikation aufgefallen. Doch in den letzten Wochen ist das Interesse an den Aktien spürbar gestiegen. Meh­rere Banken – UBS, Barclays und Credit Suisse – haben die Titel hochgestuft. Seit Anfang Jahr ist der Kurs bereits gut 12 Prozent gestiegen. Der Grund: AMS hat im Oktober eine sehr clevere Akquisition angekündigt. Mit der Übernahme von Heptagon wird AMS neue technische Möglichkeiten haben, die eigenen Sensorchips zu bündeln, und damit für Kunden wie Apple und Samsung attrak­tiver werden. Das ergibt die Perspektive, dass AMS beispielsweise im iPhone 8 von Apple einen deutlich wichtigeren Part wird spielen können als bisher. Die mittelfristigen Aussichten sind sehr attraktiv. Die Krux dabei: Die nächsten zwei Quartale werden für AMS noch schlecht aussehen. Es ist also durchaus möglich, dass der Markt zunächst enttäuscht reagiert und der Aktienkurs nochmals taucht. Wer langfristig denkt, kann kaufen. Wer das Timing für seinen Einstieg optimal erwischen will, setzt kurzfristig auf eine Enttäuschung – und kauft dann. Abwarten/Kaufen

Übernahmeunterlagen sind in den USA

Gute Nachrichten für Syngenta: Der chinesische Chemieriese Chemchina hat bei den US-Wettbewerbsbehörden planmässig die nötigen Unterlagen für die Übernahme des Basler Agrochemie- und Saatgutkonzerns eingereicht. Ein Entscheid aus Washington sollte bis Mitte Februar vorliegen. Ich rechne mit grünem Licht. Die EU-Wettbewerbsbehörden sollten ihren Entscheid am 12. April fällen. Ich rechne nach wie vor damit, dass die Übernahme alle Bewilligungen erhalten wird. Die ­Aktien von Syngenta werden mit rund 433 Franken immer noch unter dem Angebot von Chemchina gehandelt. Dieses entspricht umgerechnet rund 470 Franken. Kaufen

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