Warum man seine Pensionierung bereits ab 50 planen sollte

Pensionierung: Vorausschauend planen lohnt sich. Foto: Getty

Pensionierung: Vorausschauend planen lohnt sich. Foto: Getty

In Zeitungen wird viel vor sinkenden Renten gewarnt. Bis jetzt habe ich mich nie damit beschäftigt. Doch seit meinem 50. Geburtstag bin ich sensibler für das Thema und mache mir Gedanken wegen meiner Altersvorsorge. Ab wann soll man sich mit seiner Pensionierung befassen? K.F.

Je früher Sie sich mit Ihrer Altersvorsorge beschäftigen, desto besser. Als Daumenregel gilt: Ab 50 sollte man sich Gedanken machen, wie man sich seine Pensionierung vorstellt und welche Ziele man für sein eigenes Alter verfolgt. Man mag einwenden, dass die Zeitspanne zwischen 50 und dem offiziellen Rentenalter für Männer von 65 und derzeit von 64 bei Frauen eine lange Zeitspanne ist und sich vieles ändern kann. Das stimmt. Doch diese Jahre braucht es, falls man seine Altersvorsorge noch aktiv beeinflussen will.

Konkret rate ich den über Fünfzigjährigen, sich zu erkundigen, mit welcher AHV-Rente sie später einmal rechnen dürfen und wie hoch gemäss aktuellem Vorsorgeguthaben die Pensionskassenrente ausfallen würde. Die Erfahrung zeigt, dass viele dann negativ überrascht werden, weil sie mit mehr Geld gerechnet hatten.

Zum einen gilt es, zu prüfen, ob man bei der AHV keine Lücken hat, denn dadurch wird die Rente geschmälert. Zum andern sieht man zusammen mit der PK-Rente, wie viel Geld man nach der Pensionierung tatsächlich zur Verfügung hat. Anhand dieser Angaben kann man sich vorstellen, ob man den bisherigen Lebensstandard beibehalten kann oder ob man sich nach der Pensionierung einschränken muss.

Oft träumen über Fünfzigjährige auch von einer vorzeitigen Pensionierung. Eine solche ist an sich gemäss Gesetz ab dem 58. Altersjahr möglich. Ab dann kann man sein PK-Kapital oder eine Rente beziehen. Vorausgesetzt, dass man sich dies wirklich leisten kann. Denn durch den vorzeitigen Bezug kommt es bei der Pensionskasse zu starken Leistungseinschränkungen. Dies ebenso bei der AHV. Hier darf man zwei Jahre vor dem offiziellen Pensionierungsalter eine Rente beanspruchen. Doch auch da sinkt die lebenslange Rente durch die Frühpensionierung. Man muss also mit doppelten Einbussen leben.

Wer sich bereits mit 58 frühpensionieren lässt, muss zudem die Lücke bis zum frühzeitigen AHV-Rentenbezug, bei Männern also bis 63, überbrücken. Zudem sind bis zum offiziellen Rentenalter AHV-Beiträge für Nichterwerbstätige zu zahlen. Dieser Betrag geht vom Haushaltsbudget weg. Zu berücksichtigen ist ferner, dass die Umwandlungssätze in der 2. Säule, also bei den Pensionskassen, weiter sinken dürften. Man sollte also auch ein Szenario mit tieferen Umwandlungssätzen machen, was bedeutet, dass man von der Pensionskasse weniger Rente erhält.

Wenn man all diese Aspekte auflistet, kann man eher abschätzen, wie viel Geld man nach der Pensionierung zur Verfügung hat. Dies ist dann die Basis dafür, sich Gedanken darüber zu machen, wie man seinen Lebensabend verbringen will. Wer Traumreisen rund um die Welt machen möchte oder teure Freizeitbeschäftigungen pflegt, benötigt weit mehr Kapital als jemand, der bereit ist, bescheiden zu leben. Wichtig ist auch die Wohnsituation, welche das Budget stark in Anspruch nimmt. Auch da sollte man sich überlegen, wie man im Alter wohnen möchte, und die dafür nötigen Kosten realistisch budgetieren.

Wer dann sieht, dass es finanziell eng wird, hat als Fünfzigjähriger in den verbleibenden Jahren bis zur Pensionierung noch die Chance, die allfällige Lücke zwischen dem bisherigen Vorsorgeguthaben und den gewünschten Einnahmen für die Fortführung des bisherigen Lebensstandards zu füllen, indem er freiwillig mehr für seine Altersvorsorge spart. Eine Möglichkeit dafür bietet die steuerbegünstigte Säule 3a. Indem man in die 3. Säule einzahlt, verbessert man nicht nur seine Altersvorsorge, sondern spart auch noch Steuern während des Erwerbslebens.

All diese Aspekte zeigen Ihnen, dass es sich durchaus lohnt, sich frühzeitig ab 50 intensiv mit der eigenen Altersvorsorge zu befassen und die eigene Pensionierung zu planen. Dabei ist es meist sinnvoll, sich von der Bank oder Versicherung beraten zu lassen und sich alle Möglichkeiten, um die Vorsorge zu optimieren, aufzeigen zu lassen. Dann hat man die Grundlagen, um Prioritäten zu setzen und für sich zu entscheiden, wie der finanzielle Rahmen im Alter aussehen sollte. Jedenfalls kann man so sein Alter auf einer realistischen finanziellen Grundlage planen.

Das Emittentenrisiko sollte man nicht unterschätzen

Immer öfter werden interessant erscheinende strukturierte Produkte wie Reverse Convertibles auch von weniger bekannten Banken angeboten. In den Termsheets wird auf die diversen Risiken hingewiesen, die mit einer solchen Anlage verbunden sind; explizit wird auch das Emittentenrisiko erwähnt. Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang die Qualität von Namen wie Corner Bank, EFG, Leonteq? M.R.

Bei strukturierten Produkten wird das Emittentenrisiko von den Anlegerinnen und Anlegern oft vernachlässigt. Das kann sich als fataler Fehler entpuppen. Dies hatte der Fall Lehman Brothers gezeigt. Als die US-Grossbank pleiteging, verloren auch hierzulande Kleininvestoren, die strukturierte Produkte der Pleitebank hielten, im grossen Stil Geld. Anders als Spareinlagen ist das Emittentenrisiko nicht durch die Einlagensicherung der Banken abgedeckt. Strukturierte Produkte sind letztlich Schuldverschreibungen der Bank. Somit bleibt das Restrisiko bei Ihnen. Zwar bleiben Wertschriften bei einem Bankenzusammenbruch immer im Besitz der Kunden. Wenn aber das Emittentenrisiko genau bei dieser Bank liegt, nützt Ihnen dies nichts. Sie verlieren Ihr Geld.

Daher lohnt es sich, nicht nur auf die eigentlichen Anlagerisiken, welche ein strukturiertes Produkt beinhaltet, zu achten, sondern ebenso auf das Emittentenrisiko der Bank, welche das Produkt herausgibt. Ein Weg, um das Risiko zu beurteilen, besteht auch darin, dass man schaut, wer hinter einer Bank steht. Wer sind also die Hauptaktionäre? Die von Ihnen erwähnten Banken EFG und Leonteq sind an der Schweizer Börse kotiert. Hinter Leonteq steht die Raiffeisen-Gruppe als Grossaktionärin. Bei der EFG ist die griechische Latsis-Familie Grossaktionärin. Die privat gehaltene Tessiner Cornèr Bank ist im Hauptbesitz der Familie Cornaro.

Wenn Sie das Emittentenrisiko ganz ausschliessen möchten, sollten Sie möglichst nur strukturierte Produkte von Banken wählen, welche über ein Top-Rating der Ratingagenturen verfügen. Ausschliessen können Sie das Emittentenrisiko auch, indem Sie Produkte von Kantonalbanken mit voller Staatsgarantie kaufen. Bei den meisten anderen Banken verbleibt bei strukturierten Produkten aber für Sie als Investor ein Restrisiko.

Tiefere Gebühren haben einen Preis

Ich bin Swissquote-Kunde fast der ersten Stunde. Als eifriger Nutzer muss ich hin und wieder telefonischen oder schriftlichen Kontakt halten. Ich habe per Mail und wiederholt schriftlich bei Swissquote interveniert, weil ich infolge häufigen dortigen Personalwechsels eine fachlich kompetente Ansprechperson möchte. Aber ich erhielt nie eine Antwort. Ist denen ihr Betrieb über den Kopf gewachsen? W.M.

Ich denke nicht, dass der Swissquote der Betrieb über den Kopf gewachsen ist, wie Sie es poetisch ausdrücken. Vielmehr legt der Onlinebroker anders als traditionelle Banken weniger Wert auf den direkten Kontakt mit der Kundschaft. Anders als bei herkömmlichen Banken bekommt man bei einem Onlinebroker keine persönliche Beratung und hat in der Regel auch keinen persönlichen Ansprechpartner, der einen bei Anlageentscheiden oder anderen Bankangelegenheiten unterstützen kann.

Onlinebroker richten sich in erster Linie an Investoren, die zu günstigen Konditionen möglichst selbstständig handeln können und wollen. Der Kontakt erfolgt über das Portal und üblicherweise nicht personalisiert. Dafür profitiert man als Nutzer von tieferen Gebühren als bei den klassischen Banken. Natürlich verstehe ich, dass Sie einen persönlichen Ansprechpartner in Bank- und Anlagefragen wünschen. Doch dafür sind Sie meines Erachtens bei einem Onlinebroker an der falschen Adresse.

Wenn es Ihnen wichtig ist, eine kompetente Ansprechperson zu haben, mit der Sie sich mündlich oder schriftlich austauschen können, empfehle ich Ihnen, sich an eine herkömmliche Bank zu wenden. Diese bietet eine persönliche Beratung, und von dieser dürfen Sie auch erwarten, dass Sie bei einer Anfrage innert kurzer Zeit eine Antwort erhalten, die auf Ihr Anliegen eingeht. Dafür sind die Gebühren entsprechend höher. Denn für die Banken sind die Personalkosten meist der teuerste Budgetposten.

Entsprechend sind viele Banken dazu übergegangen, persönliche Beratung mit höheren Gebühren zu verrechnen. Viele Institute, darunter auch die beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS, bieten inzwischen auch Pauschalpakete mit verschiedenen Bankdienstleistungen sowie Vermögensverwaltungstools und persönlicher Beratung zu pauschalen Fixpreisen an. Da Ihnen der persönliche Kontakt wichtig ist, empfehle ich Ihnen, solche Dienstleistungspakete verschiedener Banken zu prüfen und zu vergleichen. Von einem Onlinebroker mit einer Tiefpreisstrategie dürfen Sie indes keine Beratung und Kontaktpflege durch einen Kundenberater erwarten.