Vorsorgefonds: Achten Sie auf die Gebühren!

Besser entspannen bei guten Vorsorgefonds: Gebühren sollten nicht einen grossen Teil der Rendite wegfressen. Foto: Getty

Besser entspannen bei guten Vorsorgefonds: Gebühren sollten nicht einen grossen Teil der Rendite wegfressen. Foto: Getty

Ich bin 50 Jahre alt und habe nun fast 100’000 Franken in der 3. Säule. Nun möchte ich in Vorsorgefonds investieren, bin aber etwas ratlos. Ich schwanke zwischen Vorsorgefonds der Postfinance und von Swisscanto. Ich möchte nicht zu risikoreich investieren. Hätten Sie mir einen Ratschlag? P.S.

Weil das Geld in der 3. Säule während vieler Jahre liegen bleibt, kann man bei solchen Vorsorgefonds eher einen höheren Aktienanteil wählen, da automatisch ein langer Anlagehorizont vorgegeben ist. Genauso wichtig ist aber, auch auf die Gebühren der Vorsorgefonds zu achten. Denn angesichts der rekordtiefen Zinsen und den mickrigen Erträgen, die man mit Obligationen erwirtschaftet, die hauptsächlich in den Vorsorgefonds liegen, fressen die Gebühren bei vielen Vehikeln einen Grossteil der ohnehin schon tiefen Rendite weg. Darum ist es von Bedeutung, Fonds mit bescheidenen Gebühren zu nutzen.

Eine Möglichkeit dazu bieten passiv verwaltete Fonds. Punkto Entwicklung sind diese in der Regel nicht schlechter als aktiv geführte Fonds. Vergleicht man ihre Entwicklung aber unter Einbezug der Gebühren, fährt man damit meist besser. Leider gibt es hierzulande aber noch nicht wirklich viele passive verwaltete Vorsorgefonds für die 3. Säule. Da Sie nicht zu grosse Risiken eingehen möchten, kämen für Sie zum Beispiel der Swisscanto (CH) Vorsorge Fonds 20 passiv V oder der Swisscanto (CH) Vorsorge Fonds 45 passiv V infrage. Beide Vehikel werden passiv verwaltet und verfügen über eine vergleichsweise tiefe Kostenkennziffer TER von 0,42 Prozent. Zum Vergleich: Viele Vorsorgefonds verrechnen über ein Prozent. Über die Jahre hinweg macht dieser Unterschied einiges aus.

Auch die von Ihnen erwähnte Postfinance bietet mit dem passiv verwalteten PostFinance Pension 75 einen passiv verwalteten Vorsorgefonds. Allerdings liegt die Kostenkennziffer mit 0,94 Prozent deutlich höher. Auch verfügt er über einen hohen Aktienanteil, der wahrscheinlich nicht Ihren Vorstellungen entspricht. Über die erwähnten Fonds hinaus empfehle ich Ihnen, sich von Ihrer Hausbank weitere passive verwaltete Vorsorgefonds offerieren zu lassen. Dabei sollten Sie auf die Kostenkennziffer TER achten. Zwar kommen meist noch weitere Gebühren dazu. Als Vergleichsbasis ist diese Ziffer aber hilfreich.

Gerade weil die Gebührenunterschiede beträchtlich sind, würde ich auf jeden Fall einen passiv verwalteten Fonds vorziehen. So bleibt Ihnen über die Jahre hinweg mehr von Ihrem Vorsorgekapital, und es fliesst weniger an die Bank in Form von für Sie wenig produktiven Gebühren weg.

Nicht alle Kantonalbanken bieten eine Staatsgarantie

Habe ich richtig verstanden, dass die Staatsgarantie in zwei Jahren nicht nur bei der Postfinance, sondern bei allen Banken nicht mehr gewährt wird? T.D.

Nein. Die volle Staatsgarantie wird lediglich bei der Postfinance abgeschafft. Fast alle Kantonalbanken der Schweiz verfügen auch künftig über eine Staatsgarantie. Bei ihnen haftet der Kanton als Eigentümer für die Verbindlichkeiten des Bankinstitutes. Doch Vorsicht: nicht bei allen.

Drei Kantonalbanken haben Sonderregelungen: Keine Staatsgarantie besitzen die Waadtländer Kantonalbank und die Berner Kantonalbank. Und nur eine beschränkte Garantie bietet die Genfer Kantonalbank. Alle übrigen Kantonalbanken gewähren eine volle Staatsgarantie.

Ob dies auch in Zukunft so bleibt, ist letztlich eine politische Entscheidung. Immer wieder kommt die Frage der Staatsgarantie auf das politische Parkett. Auch beklagen sich Konkurrenten, die von den Kantonen gewährte Staatsgarantie schaffe im Wettbewerb ungleiche Spiesse. In nächster Zeit rechne ich nicht damit, dass die Staatsgarantie bei den kantonalen Instituten abgeschafft wird, da diese bei den Kundinnen und Kunden sehr beliebt ist. Dazu kommt, dass es die Staatsgarantie auch nicht gratis gibt. Die Kantonalbanken entschädigen die Kantone für die Gewährung der Staatsgarantie und profitieren von den Gewinnen der Banken. Auf diese Einnahmen wollen die Kantone in Zeiten mit angespannten Budgets auch künftig ganz sicher nicht verzichten.

Auch auf Kundenseite hat die Staatsgarantie einen Preis: Jene Institute mit voller Staatshaftung bieten den Kundinnen und Kunden in der Regel einen tieferen Zins auf den Einlagen als Konkurrenzbanken. So gesehen, zahlen Sie auch als Sparer einen kleinen Preis für die Staatsgarantie, indem Sie in Kauf nehmen, dass Sie auf Ihrem Sparbatzen keinen Zins mehr erhalten oder nur noch einen sehr mickrigen Ertrag erwirtschaften. Bei allen Banken in der Schweiz unterstehen Einlagen pro Kunde – nicht pro Konto – bis maximal 100’000 Franken dem Konkursprivileg. Sie sind damit faktisch gut gesichert.

Wer deutlich höhere Cashbestände als 100’000 Franken auf seinen Konten parkiert, kann zusätzlich auf die Staatsgarantie zurückgreifen, welche die meisten Kantonalbanken bieten, und erreicht damit für sein Kapital eine sehr hohe Sicherheit.

Warum Banken Privaten oft vom Kauf von Renditeliegenschaften abraten

Meine Mutter möchte sich die Hälfte ihrer Pensionskassengelder auszahlen lassen und investieren. Das Vermögenszentrum rät ihr, dass Geld anzulegen. Da meine Mutter nicht sehr risikofreudig ist, hat sie sich nach der Option, eine Immobilie zu kaufen, erkundigt. Das Vermögenszentrum hat ihr davon abgeraten. Was ist Ihre Einschätzung? I.F.

Ob eine solche Investition in Immobilien gewinnbringend ist oder nicht, hängt stark vom Kaufpreis, dem Zustand der Liegenschaft und den Renditemöglichkeiten ab, welche diese bietet, sowie von den finanziellen Möglichkeiten Ihrer Mutter. Generell stufe ich Immobilien weiterhin als eine recht sichere und auch für konservative Investoren gewinnbringende Investition ein. Allerdings sind die Immobilienpreise in den letzten Jahren bereits stark gestiegen, insbesondere Renditeliegenschaften in Schweizer Städten waren und sind nach wie vor gesucht.

Gerade weil viele institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Versicherungen angesichts der rekordtiefen Zinsen grosse Mühe haben, mit konservativen Anleihen noch eine vernünftige Rendite zu erzielen, haben sie vermehrt Renditeliegenschaften erworben. Auch vermögende Privatanleger sind häufiger in diesem Segment aktiv. Dies hat dazu geführt, dass nicht nur die Preise für solche Immobilien deutlich gestiegen, sondern auch die Renditechancen gesunken sind.

Trotzdem würde ich den Kauf eine Renditeliegenschaft nicht generell als schlechte Option einstufen. Letztlich muss jedes einzelne Objekt geprüft werden. Erst dann kann man sagen, ob sich die Investition renditemässig auszahlt oder nicht. Wenn Privatanleger Renditeliegenschaften erwerben möchten, hält sich die Begeisterung der Banken darüber oft in Grenzen. Die Banken fahren in der Regel nämlich besser, wenn jemand bei ihnen sein Vermögen in Wertpapieren anlegt. So fliessen mehr Gebühren, als wenn die Bank den Kunden stattdessen bestenfalls noch eine Hypothek verkaufen kann. Deshalb raten Banken nicht selten zusammen mit den oben erwähnten Argumenten von einem Kauf einer Renditeliegenschaft ab.

Ich empfehle Ihrer Mutter, möglichst eine Vielzahl von Liegenschaften zu prüfen. Bei der Beurteilung des Zustandes des Objektes und des Kaufpreises lohnt es sich, fachliche Unterstützung von Immobilienexperten beizuziehen. Anhand der konkreten Objekte kann Ihre Mutter dann selbst entscheiden, ob für Sie die Rechnung aufgeht oder nicht.