Tresorfach: Das Risiko tragen Sie selbst

Schliessfach in einer Bank: Diskretion ist zugesagt, ein Restrisiko bleibt immer. Foto Keystone

Schliessfach in einer Bank: Diskretion ist zugesagt, ein Restrisiko bleibt immer. Foto Keystone

Da wir noch einige Hunderttausend Franken in bar auf verschiedenen Banken haben, wollen wir nun ein Banksafe mieten und rund 350’000 Franken dort deponieren, damit wir keine Negativzinsen bezahlen müssen. Können wir dieses Bargeld im Banksafe versichern? P.C.

Nein, Geld, das Sie in einem Banksafe deponieren, können Sie nicht versichern. Auch weiss die Bank nicht, was Sie genau in Ihrem Tresorfach aufbewahren. Das ist Teil der Diskretion, welche diese Dienstleistung beinhaltet. Auch wenn es in der Bank brennt und der Tresor beeinträchtigt wäre, hätten Sie keinen Versicherungsschutz. Das ist der Nachteil eines Tresorfachs. Dieses Risiko müssten Sie selbst tragen.

Allerdings stufe ich die Gefahr, dass Sie Ihr Geld in einem Banksafe aufgrund eines Raubes oder eines Brandes verlieren, als sehr gering ein. Erstens sind Banktresore hierzulande gegen Einbrüche so gut geschützt wie wenig sonst, und zweitens ist auch der Brandschutz ausgezeichnet. Aber es stimmt: Es bleibt dennoch ein Restrisiko.

Wenn es Ihnen damit nicht wohl ist, müssten Sie sich grundsätzlich fragen, ob es sinnvoll ist, Bargeld im Bankfach zu parkieren. Noch jedenfalls muss man als Privatkunde bei der grossen Mehrheit der Banken in der Schweiz keine Negativzinsen zahlen. Solange die Schweizerische Nationalbank die Negativzinsen nicht noch mehr ausweitet, dürften die Institute davor zurückschrecken, die Negativzinsen an die Privatkunden weiterzugeben. Stattdessen haben die Banken die Margen bei den Hypotheken ausgeweitet und generell die Gebühren erhöht. So hat man einfach indirekt Negativzinsen.

Kurzfristig müssen Sie kaum schon mit effektiven Negativzinsen auf Ihrem Ersparten rechnen. Patrik Gisel, der Chef der Schweizer Raiffeisenbanken, beispielsweise hat sich in einem Interview mit der SonntagsZeitung ausdrücklich dagegen ausgesprochen, dass man die Negativzinsen an die Sparer weiterbelastet. Da Sie Ihr Geld bereits diversifiziert auf mehrere Banken verteilt haben, geniessen Sie jetzt schon eine hohe Sicherheit.

Wenn Ihnen diese aufgrund des Risikos der Negativzinsen nicht genügt, könnten Sie ja bereits einmal ein Tresorfach mieten und einen kleineren Betrag und allenfalls andere Wertsachen dort deponieren. Alles Ersparte würde ich aber nicht in den Banksafe legen. Denn momentan haben wir nach wie vor keine Negativzinsen, und auf einigen Banken bekommen Sie je nach Konto immerhin noch ein wenig Zins, auf den ich nicht freiwillig verzichten würde.

Umwandlungssätze dürften weiter sinken

Bundesrat Berset spricht immer von der Rentenreform. Da soll der Umwandlungssatz gesenkt werden. Wie funktioniert dies genau – vor allem was hätte dies für mich als Angestellte für Folgen? E.H.

Der Umwandlungssatz ist eine wichtige Kennzahl, welche definiert, zu welchen Konditionen Ihr bei der Pensionskasse angespartes Alterskapital zum Zeitpunkt der Pensionierung in eine Rente umgewandelt wird. Der Umwandlungssatz ist somit für die Höhe Ihrer Rente ausschlaggebend. Momentan liegt der Umwandlungssatz für den obligatorischen Bereich gemäss Gesetz noch bei 6,8 Prozent. Im Zuge der von Sozialminister Bundesrat Berset angestossenen Rentenreform soll diese Kennzahl schrittweise von 6,8 auf nur noch 6 Prozent reduziert werden. Dies ist politisch aber stark umstritten. Letztlich dürfte das Volk darüber abstimmen. In der Vergangenheit wurden entsprechende Kürzungsbegehren in der Volksabstimmung abgelehnt.

Für Sie als Angestellte hätte die Senkung des Umwandlungssatzes von 6,8 auf 6 Prozent zur Folge, dass Sie weniger Rente bekommen. Die Rechnung ist einfach: Bei einem Umwandlungssatz von 6,8 Prozent erhalten Sie pro 100’000 Franken angespartes Alterskapital eine Jahresrente von 6800 Franken. Bei einem Satz von nur noch 6 Prozent wären es stattdessen 6000 Franken. Die Differenz pro 100’000 Franken beträgt 800 Franken.

Noch einschneidender ist die Entwicklung im überobligatorischen Bereich. Hier sind die Vorsorgeeinrichtungen nicht an den gesetzlich vorgeschriebenen Umwandlungssatz von 6,8 Prozent gebunden, sondern können die Kennzahl selbst festlegen. Dies hat zur Folge, dass viele Vorsorgeeinrichtungen den Umwandlungssatz bereits unter 6 Prozent gesenkt haben. Auch dies bedeutet faktisch eine Rentenkürzung. Ich gehe davon aus, dass dies nicht dabei bleiben wird: Da die Pensionskassen und Versicherungen angesichts der rekordtiefen Zinsen auf dem Kapitalmarkt und den fragwürdigen Negativzinsen der Nationalbank grosse Mühe haben, auf den ihnen anvertrauten Geldern eine ansprechende Rendite zu erwirtschaften, dürften die Umwandlungssätze im überobligatorischen Teil noch weiter sinken.Daher rate ich Ihnen, unbedingt Ihre freiwillige Altersvorsorge über die 3. Säule auszubauen.

Bundesobligationen mit langer Laufzeit sind unattraktiv

Ein Bekannter hat mir als sehr sichere Anlage die Obligation der Eidgenossenschaft mit 0,5 Prozent Zins und Laufzeit bis 30.’Mai 2058 empfohlen. Hier sei mein Geld sicher. Darum würden auch Pensionskassen darauf setzen. Was denken Sie? M.M.

Die Sicherheit kann ich bestätigen. Für die Anleihe steht die Schweizerische Eidgenossenschaft gerade, welche weltweit zu den sichersten Schuldnern zählt. Trotzdem rate ich Ihnen als Privatperson von einem Kauf dieser Anleihe ab. Erstens verlieren Sie mit dieser Anlage Geld. Sie müssen eine Negativrendite in Kauf nehmen. Zweitens ist Ihr Kapital über einen sehr langen Zeitraum von über 40 Jahren gebunden. Zwar könnten Sie die Anleihe auch früher über den Markt verkaufen. Ob dann für Sie die Rechnung aufgeht, ist alles andere als sicher. Drittens müssen Sie später mit Kursverlusten bei diesem Papier rechnen. Derzeit haben wir rekordtiefe Zinsen. Dies wird auch noch einige Zeit so bleiben. Kaum aber während 42 Jahren.

Obwohl momentan vieles dafür spricht, dass die Zinssätze noch lange tief bleiben, dürfen Sie nicht davon ausgehen, dass dies immer so bleibt. Im Gegenteil: Falls die sehr lockere Geldpolitik irgendwann einmal Früchte trägt und die Konjunktur und die Teuerung anziehen, würden auch die Zinsen wieder steigen. Denkbar ist sogar, dass es dann zu einer stärkeren Inflation kommt. Für Ihre lang laufende Anleihe wäre dies kursmässig negativ. Denn die Anlegerinnen und Anleger würden dann nicht mehr auf Obligationen mit so tiefen Zinsen setzen, sondern auf besser rentierende Anleihen ausweichen. Ihr Papier würde an Attraktivität verlieren. Natürlich könnten Sie den Titel auch dann bis zum Verfall behalten. Doch würden Sie in Kauf nehmen, dass Sie weiter extrem wenig Zins erhalten, obschon dann vielleicht wieder viel mehr bezahlt würde.

Nicht überzeugend finde ich das Argument Ihres Bekannten, dass auch Pensionskassen solche Anleihen kaufen würden. Zwar stimmt es, dass institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen sehr lang laufende Bundesanleihen erwerben, selbst wenn eine Negativrendite besteht. Da diese Grossanleger der Nationalbank für hohe Einlagen sogar einen Negativzins von Minus 0,75 Prozent entrichten müssen, machen die institutionellen Investoren eine andere Rechnung. Solange die Negativrendite deutlich unter dem Negativzins liegt, den sie der SNB zahlen müssen, kann es für sie interessant sein, solche Papiere zu halten. Sie fahren immer noch besser, als wenn sie der Nationalbank direkt oder indirekt über eine Bank den Negativzins abliefern müssen.