Sparkonto-Zinsen machen das Kässeli nicht voll

Übervolles Sparschwein? Nicht mit Zinsen vom Sparkonto. Foto Getty Images

Übervolles Sparschwein? Nicht mit Zinsen vom Sparkonto. Foto: Getty Images

Ich habe einen Betrag von 60’000 Franken angespart und in den nächsten vier Jahren wird sich der Betrag mit meiner AHV verdoppeln. Nun drängt mich mein Mann, etwas mit meinem Geld zu «machen», was mich vor nicht geringe Probleme stellt, da ich in Geldangelegenheiten eine eher konservative Einstellung habe. Wie soll ich nun vorgehen? S. E.

Ihr Mann hat im Grundsatz schon recht, wenn er Sie auffordert, etwas aus Ihrem Geld zu machen, wie Sie schreiben. Denn derzeit erhalten Sie auf dem Sparkonto kaum mehr einen Zins. Wenn man die Gebühren mitberücksichtigt, verliert man teilweise mit dem Sparbatzen sogar Geld. Die besten Renditechancen bieten derzeit Aktien.

Da Sie mir aber schreiben, dass Sie eine konservative Einstellung haben, rate ich Ihnen von einem Engagement in Aktien ab. Denn erstens müssen Sie an den Aktienbörsen jederzeit mit Rückschlägen rechnen und zweitens – das scheint mir fast noch wichtiger – sollten Sie bei einer Anlage Ihres Sparbatzens immer auch ein gutes Bauchgefühl haben. Das wäre bei Ihnen bei Aktien kaum der Fall, erst recht, wenn es an den Börsen turbulent zu und her ginge. Eine Anlagemöglichkeit bieten auch sichere Obligationen. Doch auch diese werfen in Schweizer Franken nur noch mickrige Rendite ab und lohnen sich nach Abzug der Gebühren oft nicht mehr.

Selbst konservative Immobilienanlagen sind angesichts der bereits stark gestiegenen Immobilienpreisen nicht einfach blind zu empfehlen. In Ihrem Fall würde ich mir überlegen, ob Sie wenigstens einen Teil Ihres Ersparten in einem breit diversifizierten Strategiefonds bei Ihrer Bank investieren möchten. Lassen Sie sich von Ihrer Bank entsprechende Vorschläge unterbreiten. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass Sie einen Fonds wählen, der nicht zu hohe Gebühren verrechnet, sonst ist Ihre Rendite gleich wieder weg. Denn Rest des Spargeldes würde ich trotz allem konservativ auf dem Sparkonto parkieren. Wenn Sie etwas vergleichen, finden Sie Banken, die immer noch etwas mehr Zins zahlen als die Konkurrenz.

Überlegen können Sie sich noch etwas ganz anderes: Wie Sie mir schreiben, leben Sie mit Ihrem Mann in einem Eigenheim. Falls Sie noch eine Hypothek auf der Liegenschaft haben, könnte es sich allenfalls lohnen, mit einem Teil des Ersparten die Hypothek zu reduzieren. Damit sparen Sie den Zins, den Sie sonst der Bank zahlen, und erreichen mit einer sicheren Anlage eine bessere Rendite als auf dem Sparkonto.

Die Immobilienbesitzer steuerlich entlasten

Umstrittener Eigenmietwert hin oder her: Vergessen wir bitte nicht, dass die gewöhnlichen Haus- und Wohnungsbesitzer meistens lange jeden Rappen auf die Seite gelegt und auf Ferien und Luxus verzichtet haben. Soll man etwa das Sparen für ein vernünftiges Ziel torpedieren? Die Darlehensgeber laufen ein minimales Risiko, da bei einer Überschuldung des Darlehensnehmers noch immer ein reeller Wert zur Schuldenbegleichung da ist. Ein Abbau der Hypo-Schulden zum Sicherer-Machen des Finanzmarktes ist wie Hustensirup gegen ein Krebsgeschwür einsetzen. Y. F.

Es stimmt, dass es hierzulande sehr viel Fleiss braucht, damit man sich in der Schweiz Wohneigentum leisten kann. Hierzulande sind die Preise für den Boden und die Gebäude enorm hoch. Man muss in der Regel auf vieles verzichten, damit man sich ein Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen kann. In der Realität gehören diese eigenen vier Wände dann aber oft mehrheitlich der Bank. Ohne Hypotheken könnten sich die meisten gar keine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus finanzieren. Daher sind Hypotheken durchaus sinnvoll.

Eine andere Frage ist, ob es sinnvoll ist, dass man die Hypothekarzinsen von den Steuern abziehen kann und gleichzeitig einen Eigenmietwert bezahlen muss. Ideal für die Hausbesitzer wäre, wenn man auf den Eigenmietwert ganz verzichten würde und gleichzeitig trotzdem die Zinsen für die Hypotheken abziehen könnte. Denn die Hausbesitzer haben ja viel gearbeitet und wie Sie schreiben auf einiges verzichtet, damit sie überhaupt eine eigene Wohnung oder ein Haus kaufen konnten. Gerade für junge Familien wäre dies eine Chance, dass sie doch noch Wohneigentum erwerben könnten. Die finanzielle Hürde für den Hauskauf wäre etwas geringer.

Doch mit einem Verzicht des Eigenmietwertes wären die Mieterinnen und Mieter nicht zufrieden und erst recht der Staat: Dieser verzichtet kaum jemals auf bisherige Steuereinnahmen, obwohl dies sinnvoll wäre, da er dann haushälterischer mit dem Geld der Bürger umgehen müsste. Weniger ist auch bei den Steuern für die Allgemeinheit letztlich mehr. Denn so bleibt das Geld bei Ihnen, bei der Bürgerin und beim Bürger, wo es eigentlich hingehört.

Für die Abschaffung des Eigenmietwertes spricht, dass die Hausbesitzer steuerlich entlastet würden. Sie müssten nicht nochmals eine zusätzliche Steuer bezahlen. Dies würde ich begrüssen. Ob man dann weiterhin Zinsen für Hypotheken bei den Steuern abziehen kann oder nicht, ist eine politische Entscheidung. Ein Verzicht auf einen Abzug würde zumindest einen Anreiz schaffen, dass man weniger Schulden macht. Denn hohe Schulden sind auch nicht in Ihrem Interesse. Dann zahlen Sie primär der Bank viel Zinsen. Mit null Schulden könnten Sie sich diese Zinsen sparen und das Geld stattdessen ins Haus investieren oder sonst für sich nutzen.

Ob es beim umstrittenen Eigenmietwert bleibt oder nicht, ist eine politische Entscheidung, welche letztlich das Volk fällen muss. Es gibt für beide Positionen politisch und ökonomisch durchaus Argumente. Für die Immobilienbesitzer wie Sie brächte die Abschaffung dieser Steuer allerdings eine steuerliche Entlastung, was ich für sinnvoll halte.

Ein sinnvoller Schritt, der genau überlegt sein will

Ich habe 75’000 Franken zur freien Verfügung. Wie soll ich diesen Betrag am besten einsetzen? Soll ich die Hypothek einer vermieteten Wohnung reduzieren oder freiwillig in eine meiner beiden Pensionskassen einzahlen? Bei der einen Kasse könnte ich maximal 56’000 Franken und bei der zweiten 77’000 Franken einzahlen. M. W.

Mit einer freiwilligen Einzahlung in die Pensionskasse haben Sie zwei Pluspunkte: Sie stärken Ihre Altersvorsorge. Das ist angesichts der Tatsache, dass wir als Folge der Niedrigzinsen und der demografischen Entwicklung künftig weniger Altersgeld zur Verfügung haben, wichtig. Zusätzlich können Sie Steuern sparen. Und zwar erheblich. Denn Sie dürfen den Einkaufsbetrag von Ihren Steuern voll abziehen. Das bringt eine erhebliche Steuerersparnis.

Für eine Reduktion der Hypothek hingegen spricht, dass Sie mit der Teilamortisation weniger Zins an die Bank zahlen müssen. Der Effekt dürfte aber deutlich geringer sein als die Steuerersparnis durch den freiwilligen Einkauf in die Pensionskasse.

Vor einem solchen Schritt sollten Sie aber die Solidität jener Kasse, bei der Sie einzahlen möchten, genau prüfen. In eine Kasse mit einem zu geringen Deckungsgrad unter 100 Prozent würde ich nicht freiwillig einzahlen. Freiwillige Einkäufe sollte man nur in Kassen tätigen, die sehr robust sind. Im schlimmsten Fall müssen Sie bei einer wenig soliden Kasse mit Kürzungen rechnen.

Miteinbeziehen in Ihre Erwägungen würde ich die 3. Säule: Haben Sie bereits eine 3. Säule und den maximal möglichen Betrag einbezahlt? Auch diesen können Sie von den Steuern abziehen. Mit der 3. Säule diversifizieren Sie Ihre Altersvorsorge, was sinnvoll ist.

Weiter sollten Sie auch Ihre gesamte finanzielle Situation im Auge behalten: Den vollen Betrag in die Pensionskasse einzahlen würde ich nur, wenn Sie auch sonst noch genügend Reserven für Unvorhergesehenes besitzen. Es ist wichtig, dass man immer ein finanzielles Polster auf der Seite hat, um bei unerwarteten Ereignissen die nötige Flexibilität zu behalten. Genau diese, die Flexibilität, bietet Ihnen die Pensionskasse nämlich nicht. Das Geld, das Sie freiwillig in die Kasse einschiessen, ist bis zur Pensionierung gebunden und kann nur schwierig – etwa zur Finanzierung von selbst genutztem Wohneigentum oder beim Sprung in die berufliche Selbstständigkeit – vorzeitig bezogen werden.

Sofern Ihre Kasse robust ist, Sie genügend sonstige Reserven verfügen, die 3. Säule bereits nutzen und das Kapital wirklich langfristig nicht brauchen, stufe ich eine freiwillige Einzahlung als sinnvoll ein. Darüber kommen Sie dann in einen Genuss einer erfreulichen Steuerersparnis.

1 Kommentar zu «Sparkonto-Zinsen machen das Kässeli nicht voll»

  • Hanspeter Meier sagt:

    Einen Einkauf in die Pensionskasse halte ich fuer wenig sinnvoll wenn es noch Jahrzehnte bis zur ordentlichen Pensionierung dauert. In Anbetracht der heutigen Lage muss gesagt werden, dass in 20 bis 30 Jahren wohl nur noch ein Bruchteil des Geldes vorhanden ist. Meine Devise: Entweder selbständig das Geld in einem Aktien/Obligationen/Fonds/etc. Depot verwalten oder die Hypthek abzahlen, bzw. reduzieren.

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