Bankgeheimnis: Jetzt Geld in die Schweiz holen

Der automatische Informationsaustauschkommt: bei ausländischen Konten können sich Schweizer nicht aufs Bankgeheimnis berufen. Foto: Dominique Meienberg

Der automatische Informationsaustausch kommt: Bei ausländischen Konten können sich Schweizer nicht aufs Bankgeheimnis berufen. Foto: Dominique Meienberg

Ausländer mit Konten in der Schweiz werden ab 2017 vom automatischen Informationsaustausch erfasst. Schweizer mit Konten im Ausland, zum Beispiel in Frankreich, werden aber bereits ab 2016 erfasst. Hier wird offensichtlich nicht mit gleicher Elle gemessen, wieso? E. H.

Ziel des automatischen Informationsaustauschs (AIA) ist es, die grenzüberschreitende Steuerhinterziehung zu verhindern. Das ist in erster Linie ein politisches Anliegen. Darum musste die Einführung des AIA von der Politik abgesegnet werden. Die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen wurden von der Schweizerischen Bundesversammlung im letzten Dezember angenommen. Das hat zur Folge, dass die gesetzlichen Bestimmungen für den automatischen Informationsaustausch per 1. Januar 2017 in Kraft treten.

Ab dem nächsten Jahr werden somit auch in der Schweiz Daten gesammelt. Ab 2018 erfolgt dann ein erster Datenaustausch. Andere Länder haben den AIA aber bereits früher eingeführt als die Schweiz. Das ist der Grund, dass Konten im Ausland bereits erfasst werden, die Daten im Inland aber noch nicht. Mit der Einführung des AIA wird sich das ausgleichen. Wenn Sie als Schweizer ein Konto bei einer Bank im Ausland führen, können Sie sich nicht auf das Schweizer Bankgeheimnis berufen. Dieses gilt nur in der Schweiz.

Die Einführung des AIA hat zur Konsequenz, dass künftig Steuerdaten jährlich automatisch an die Steuerbehörden der teilnehmenden Staaten übermittelt werden. Das Schweizer Bankgeheimnis bleibt zwar formell weiterhin bestehen. Für ausländische Kunden wurde es aber faktisch aufgehoben. Denn mit dem AIA werden die Steuerdaten ja ausgeliefert. Daten von Schweizer Kunden werden aber nicht weitergegeben. So gesehen, gibt es tatsächlich unterschiedliche Massnahmen. Das halte ich auch für richtig. Vermehrt wird die Forderung aufgestellt, dass auch im Inland ein automatischer Informationsaustausch von Kundendaten an die Steuerämter erfolgen soll. Ich lehne das ab.

Letztlich sind das aber alles rein politische Entscheide. Ob man den AIA gutheisst und das Bankgeheimnis auch noch im Inland lockern will, ist eine Frage des politischen Standpunkts. Für mich ist klar: Obwohl die Schweiz den AIA für ausländische Kunden einführt, bedeutet dies nicht, dass automatisch die gleichen Regeln auch für Schweizer Kunden gelten müssen. Ich sehe keinen Grund, warum wir das Bankgeheimnis auch noch im Inland aufweichen sollten. Meines Erachtens sollten wir unbedingt das Bankgeheimnis im Inland schützen. Es schützt die Privatsphäre jeder Bürgerin und jedes einzelnen Bürgers.

 

Die Weltwirtschaft tut sich schwer

Wir halten einen Fonds, der weltweit in Aktien investiert. Die US-Börsen haben Rekorde erreicht. Aber die Weltwirtschaft hat schon bessere Zeiten erlebt. Geht es künftig mit der Weltwirtschaft wieder aufwärts, was meinen Weltaktienfonds beflügeln würde? M. C.

Leider muss ich Ihre Hoffnungen etwas dämpfen. Anders als in den USA, wo das konjunkturelle Wachstum auf robusten Beinen steht und sich ansprechend entwickelt, erleben wir derzeit eine schwächelnde Weltwirtschaft. Das weniger hohe Wachstum in China und Schwellenländern in Asien und die Krisen in Brasilien und Russland haben der Weltkonjunktur einen schmerzlichen Dämpfer versetzt. Im laufenden Jahr dürfte die Weltwirtschaft kaum mehr als 2,5 Prozent zulegen. Und auch im nächsten Jahr liegt meines Erachtens nur wenig mehr drin. Dabei müsste das spottbillige Geld, welches die Notenbanken der USA, Europas und Japans seit Jahren in das internationale Finanzsystem pumpen, die Konjunktur eigentlich anstossen.

Doch die Milliarden der grosszügigen Währungshüter kommt entweder nicht bei den Konsumenten an, oder aber diese geben es nicht aus und horten es. Hauptgrund für Letzteres sind die zahlreichen Unsicherheitsfaktoren, mit denen wir konfrontiert sind. Neben den beträchtlichen geopolitischen Risiken ist mit dem Brexit, dem angekündigten Austritt Grossbritanniens aus der EU, ein weiterer Unsicherheitsfaktor insbesondere für die europäische Wirtschaft dazugekommen.

Eine tickende Bombe für das Finanzsystem sind ferner die Berge von faulen Krediten in Italien. Wenn diese Bombe explodiert, geraten nicht nur weitere italienische Banken in Schieflage, sondern wird auch das gesamte Bankensystem in Europa erneut auf die Probe gestellt. Wenige Wachstumsimpulse kommen auch aus der Öl- und Gasindustrie, welche weiter unter den tiefen Ölnotierungen leiden.

Zwar helfen die tiefen Rohstoffpreise, dass die Teuerung in vielen Weltregionen gering oder teilweise sogar rückläufig ist. Trotz der tiefen Preise greifen die Konsumenten aber nur verhalten zu. In vielen westlichen Ländern führen die tiefen Zinsen zudem dazu, dass viele Leute vermehrt für ihre Altersvorsorge sparen, weil sie angesichts der geringen Anlagerenditen ansonsten ihre Vorsorgeziele nicht erreichen. Auch das ist Geld, das später im Konsum fehlt.

Nicht gerade vertrauenerweckend auf die Konsumenten wirken auch die politischen Entwicklungen in der Türkei – einst einer der Hoffnungsträger für die Weltwirtschaft. Immerhin präsentiert sich die US-Wirtschaft derzeit als Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft. Die bevorstehende Präsidentschaftswahl beinhaltet aber ebenfalls beträchtliche Risiken. Sowohl die Wahl des Republikaners Donald Trump als auch die seiner demokratischen Gegnerin Hillary Clinton würden in der Wirtschaft auf wenig Begeisterung stossen.

Vielmehr sorgt die Wahl im November für neue Fragezeichen in der Wirtschaftswelt und das Risiko eines Wachstumsdämpfers für die bis jetzt recht gut laufende US-Wirtschaft. Der grosse Aufschwung der Weltwirtschaft lässt auf sich warten. Derzeit fehlen schlicht die starken Impulse für ein stärkeres Wachstum der Weltwirtschaft.

 

Starker Franken ist nicht nur negativ

Jeden Tag werden wir mit der Stärke des Frankens konfrontiert. Woher rührt sie? An die Börse kommt nicht viel. Kann es sein, dass die Nationalbank überfordert ist? Was soll ich mit meinem Euro-Konto tun? W. L.

Die derzeitige Politik der Schweizerischen Nationalbank ist in der Tat nicht unumstritten. Auch ich habe meine Zweifel, ob die Einführung der massiven Negativzinsen hierzulande nicht mehr Schaden anrichtet, als sie uns etwas bringt. Tatsache ist, dass die Sparer und die Altersvorsorge unter den Negativzinsen leiden. Pensionskassen und Versicherer müssen der SNB Negativzinsen zahlen. Das ist Geld, welches später den Versicherten fehlt. Darüber hinaus bekommen die Sparer und Versicherten auf ihrem Sparbatzen angesichts der rekordtiefen Zinsen keine Rendite mehr. Nach Gebühren ist die Rendite oft negativ.

Offensichtlich ist das bei den Bundesobligationen, deren Rendite im Minus notiert. Für unsere Altersvorsorge ist das fatal: Es fehlt das Geld des dritten Beitragszahlers neben den Versicherten und den Arbeitgebern: des Kapitalmarkts. Weil die angelegten Gelder immer weniger hergeben, müssen wir künftig deutlich mehr für unsere Altersvorsorge sparen und erhalten weniger Rente. Die Nationalbank begründet die Negativzinsen mit dem starken Franken. Würde sie die Zinsen nicht im Negativbereich behalten – also faktisch Strafzinsen verlangen –, würde laut SNB noch weit mehr Geld in den Franken fliessen, und dieser wäre noch stärker.

Bewiesen ist diese Annahme aber nicht. Auch wissenschaftlich gibt es keine eindeutigen Studien, welche diese Annahme einwandfrei belegen. Die negativen Folgen für die Sparer und die Altersvorsorge hingegen sind bewiesen. Ich würde es vorziehen, wenn die SNB die Negativzinsen bald wieder aufheben und unsere Altersvorsorge entlasten würde. Ohnehin sind die Negativzinsen eine gefährliche Marktverzerrung, welche nicht nachhaltig ist. Das Problem ist, dass die SNB von der Europäischen Zentralbank abhängig ist. Und diese wird die Zinsen wohl noch einige Zeit tief lassen.

Auch da habe ich allerdings Zweifel, ob die Politik des spottbilligen Geldes wirklich aufgeht. Bis jetzt jedenfalls greift diese Strategie nicht. Das Geld kommt nicht oder nur zu wenig in den Unternehmen an. Vor diesem Hintergrund müssen Sie davon ausgehen, dass der Euro noch längere Zeit günstig bleibt. Möglicherweise sitzen Sie auf Währungs-Buchverlusten. Wenn Sie die Euro nicht anlegen möchten, wozu ich Ihnen allerdings rate, können Sie diese immerhin auf Ferienreisen in Europa nutzen: Da die Preise dort tief sind, haben Sie die Verluste gegenüber dem Franken nicht realisiert, sondern erhalten einen realen Gegenwert.

Die Frankenstärke, die Sie in Ihrer Frage erwähnen, hat schon damit zu tun, dass insbesondere bei geopolitischen Krisen und Turbulenzen an den Märkten vermehrt Geld aus dem Ausland in den Franken fliesst. In den grossen Börsenschwergewichten wie Nestlé, Roche, Novartis oder auch in den Grossbanken CS und UBS ist ebenfalls viel ausländisches Geld parkiert. Für ausländische Investoren ist der Franken ein Hort der Sicherheit. Doch ist das wirklich so schlecht?

Natürlich ist es für Exportunternehmen und den Tourismus härter, sich im internationalen Kontext zu bewähren. Allerdings frage ich mich: Was wäre die Alternative? Wollen wir wirklich eine schwache Währung wie den Euro oder früher die italienische Lira? Nein, da ziehe ich trotz der Herausforderungen, welche der harte Franken für den Export und den Tourismus zur Folge hat, den starken Franken eindeutig vor. Eine starke Währung ist immer auch ein Vertrauensbeweis: in unsere Wirtschaft und die Stabilität der Schweiz.