Mehr Rente durch Frühpensionierung

Wer sich früher pensionieren lässt, sichert sich zwar den hohen Umwandlungssatz, verliert aber Geld, weil er weniger eingezahlt hat. Foto: Getty Images

Wer sich früher pensionieren lässt, sichert sich zwar den hohen Umwandlungssatz, verliert aber Geld, weil er weniger eingezahlt hat. Foto: Getty Images

Wir arbeiten beim Staat. Nun senkt die Pensionskasse die Umwandlungssätze, und wir erwarten auch künftig weitere Senkungen, auch wegen der Rentenreform. Da wir schon 59 und 61 sind, fragen wir uns, ob wir nicht schon früher in Pension gehen sollen zu den alten Umwandlungssätzen. Was meinen Sie? N. F.

Der Umwandlungssatz bestimmt massgeblich mit, wie viel Rente Sie nach einer Pensionierung bekommen. Denn mit dieser Zahl wird Ihr auf dem Pensionskassenausweis aufgeführtes Altersguthaben bei der Pensionierung in eine Rente umgewandelt. Diese wichtige Messgrösse wird gesetzlich geregelt und beträgt derzeit noch 6,8 Prozent. Allerdings nur für den obligatorischen Teil des Altersguthabens.

Bei einer ordentlichen Pensionierung mit 65 Jahren bei Männern und 64 bei Frauen würden Sie mit einem BVG-Alterskapital von 100’000 Franken eine bis ans Lebensende garantierte Rente von 6800 Franken pro Jahr bekommen. Sinkt der Satz auf 6 Prozent, beträgt die Rente jährlich 800 Franken weniger. Gesetzlich nicht geregelt ist der Umwandlungssatz auf dem überobligatorischen Teil.

Weil die Lebenserwartung der Versicherten gestiegen ist und die rekordtiefen Zinsen die Renditen sinken liessen, haben viele Kassen den Umwandlungssatz auf dem überobligatorischen Teil bereits gesenkt und werden ihn noch weiter reduzieren. Darüber hinaus berät das Parlament im Rahmen der Rentenreform auch über eine Senkung des gesetzlichen Umwandlungssatzes auf dem obligatorischen Teil des Altersguthabens.

Zwar dürfte es letztlich zu einer Volksabstimmung über dieses heikle Geschäft kommen. Dennoch müssen Sie ernsthaft damit rechnen, dass die Umwandlungssätze sinken, da der Handlungsbedarf in vielen Kassen hoch ist. In Ihrem Fall kann es sich durchaus lohnen, dass Sie in den Ruhestand treten, bevor die Umwandlungssätze noch mehr in den Keller gehen. Bevor die Senkungen umgesetzt sind, gelten für Sie noch die alten, höheren Sätze. Sie würden auf Ihrem Altersguthaben eine Rente auf der Basis eines Umwandlungssatzes von 6,8 Prozent für den obligatorischen Bereich sowie eines noch nicht ganz so stark gesenkten Satzes für den überobligatorischen Bereich erhalten.

Da die Rente ja lebenslang gilt, dürfte sich dies für Sie auszahlen. Allerdings müssen Sie berücksichtigen, dass Ihre Rente bei einer Frühpensionierung mit jedem Jahr, das Sie im Hinblick auf das ordentliche Rentenalter weniger arbeiten, gekürzt würde. Wie viel das im Detail bezogen auf Ihr effektives Altersguthaben ausmacht, können Sie sich von Ihrer Pensionskasse ausrechnen lassen. Dann können Sie entscheiden, ob sich für Sie dieser Schritt wirklich lohnt oder nicht.

Eine weitere Möglichkeit, um auf die Senkung des Umwandlungssatzes zu reagieren, wäre ein Kapitalbezug. Denn dann würde ja Ihr Guthaben nicht in eine Rente umgewandelt, sondern ausbezahlt. Doch dann müssten Sie sich selbst um die Verwaltung des Alterskapitals kümmern oder diese delegieren. Sollte dabei etwas schiefgehen, kann es im Alter finanziell eng werden. Zudem tragen Sie dann das finanzielle Risiko, dass Sie vielleicht das Glück haben, sehr alt zu werden. Bei der lebenslangen Rente trägt dieses Langlebigkeitsrisiko die Pensionskasse.

Wenn Sie sich das Alterskapital auszahlen lassen, sind Sie darauf angewiesen, dass Ihr Geld reicht, egal, ob Sie mehr oder weniger alt werden. Es gilt also, auch die mit einem Kapital verbundenen Risiken genau abzuklären. Darum empfehle ich Ihnen, sich einerseits von Ihrer Pensionskasse genau informieren zu lassen, anderseits von einer Fachperson Ihrer Hausbank oder Versicherung die verschiedenen Varianten durchrechnen und sich beraten zu lassen. Denn in jedem Fall geht es für Sie um viel Geld.

 

4 Prozent Dividendenrendite in Aussicht

Ich wohne im Kanton Schwyz. Da ist auch Kühne + Nagel zu Hause. Fahre ich gut, wenn ich auf diese Aktie aus meinem Kanton setze? T. S.

Die Kursentwicklung der Aktie kann ich nicht voraussagen, aber ich halte die Chancen für hoch, dass Sie an den Papieren von Kühne + Nagel Freude haben werden. Die kürzlichen Halbjahreszahlen haben gezeigt, dass der global tätige Logistikkonzern operativ gut unterwegs ist. Mit einigen Zahlen lag das Unternehmen sogar über den Erwartungen. Dies, obwohl die Weltkonjunktur im ersten Semester an Tempo verloren hat.

Kühne + Nagel ist gut aufgestellt, um auch im zweiten Halbjahr starke Ergebnisse zu liefern. Dem Konzern gelingt es, nicht nur bestehende Verträge zu halten, sondern auch profitables Neugeschäft zu generieren. Ausserdem zeigt die Analyse der Zahlen, dass Kühne + Nagel zulasten der Konkurrenz laufend Marktanteile gewinnt, obwohl die Marktbedingungen angesichts der unsicheren Situation in Asien und den Schwellenländern und der sich abschwächenden Weltkonjunktur schwierig sind.

Wichtig ist, dass Sie realistische Erwartungen haben: Kühne + Nagel ist nicht eine Aktie, von der Sie schnell grosse Kurssprünge nach oben erwarten dürfen. Aber die Firma ist meines Erachtens ein solides Langfrist-Investment. Sie sollten also nicht mit dem schnellen Gewinn rechnen, sondern einen Anlagehorizont von mehreren Jahren haben. Für ein langfristiges Engagement bei Kühne + Nagel spricht auch die beachtliche Dividendenrendite. Diese liegt bei rund 4 Prozent. Angesichts der mickrigen Zinsen, die man auf Schweizer-Franken-Obligationen erhält, ist Kühne + Nagel auch aus dieser Optik durchaus eine Überlegung wert.

 

Hypothekenrisiken im Auge behalten

Ich habe von meiner Raiffeisenbank das Angebot erhalten, zusätzliche Anteilsscheine bis 10’000 Franken zu kaufen. Im Moment beträgt die Verzinsung 2,5 Prozent. Als Alternative wurde mir die nachrangige Additional-Tier-1-Anleihe von Raiffeisen Schweiz mit aktuellem Zinssatz 3 Prozent vorgeschlagen. Wie beurteilen Sie dies? B. H.

Die Anteilsscheine Ihrer lokalen Raiffeisengenossenschaft stufe ich als recht attraktiv ein. Die Verzinsung ist mit 2,5 Prozent hoch. Zum Vergleich: Auf dem Konto erhalten Sie je nach Bank rund 0,1 Prozent Zins, und die Rendite der Eidgenössischen Bundesobligationen ist sogar negativ. Auch andere sehr sichere Frankenanleihen werfen weniger als 1 Prozent Zins ab. So gesehen, ist die Verzinsung der Anteilsscheine fürstlich.

Die Risiken halten sich meines Erachtens in Grenzen, sind aber keineswegs bei null. Sollte Ihre lokale Genossenschaft in Schieflage geraten, wäre das in die Anteilsscheine investierte Geld zwar in Gefahr. Denn die Anteilsscheine sind nicht durch die Einlagensicherung der hiesigen Banken gedeckt. Doch selbst dann gehe ich davon aus, dass Raiffeisen Schweiz einspringen würde. Darüber hinaus verfolgen die Raiffeisen-Institute eine konservative Strategie und sind auf das weniger riskante Inlandgeschäft fokussiert.

Das ist bedeutend für die zweite Anlage, welche Ihnen als Alternative angeboten wurde. Hier haftet nicht die lokale Genossenschaft, sondern die Raiffeisenbank Schweiz. Wie alle grossen Banken hierzulande benötigt sie mehr Kapital und muss ihre Reserven verstärken. Im Falle von Raiffeisen hat die Schweizerische Nationalbank den hohen Anteil von Raiffeisen im Hypothekengeschäft als riskant kritisiert. Tatsächlich ist Raiffeisen sehr stark im Hypothekensegment aktiv. Sollte es zu einer massiven Zinserhöhung und einem Immobiliencrash hierzulande kommen, wäre die Gruppe wohl wie viele Kantonalbanken auch mit hohen Immobilienabschreibern konfrontiert.

Um für ein solches Szenario besser gewappnet zu sein, muss Raiffeisen die Kapitaldecke verstärken. Einen Weg dazu bietet die nachrangige Additional-Tier-1-Anleihe. Solche Tier-1-Anleihen sind riskante Obligationen, die im Krisenfall in Eigenkapital umgewandelt werden. Sie würden ihr Geld verlieren. Die Risiken sind somit weit höher, als wenn Sie eine sehr sichere Bundesobligation halten, und das Rating entsprechend im klar tieferen B-Bereich. Im Krisenfall haben Sie also einen massiv schlechteren Schutz als bei einer herkömmlichen Anleihe.

Dafür ist der Zins auch wesentlich höher. Dennoch wird am Markt immer wieder kritisiert, dass der Zins für solche Papiere angesichts der stark erhöhten Risiken im Krisenfall deutlich höher liegen müsste. Bei beiden Anleihen steht und fällt Ihre Anlage mit der Strategie und dem Geschäftsgang der Raiffeiseninstitute. Persönlich rechne ich vorderhand weder mit steigenden Zinsen noch mit einem Immobiliencrash im Inland.

Dennoch würde ich in Ihrem Fall die Anteilsscheine Ihrer lokalen Raiffeisengenossenschaft der Tier-1-Anleihe vorziehen. Auch bei diesen besteht ein Restrisiko. Es ist aber überschaubar, wenn Sie sich dessen bewusst sind. Ich empfehle Ihnen, bei einer Zeichnung der Anteilsscheine die Geschäftsentwicklung Ihrer Genossenschaft genau im Auge zu behalten. Doch das sollten Sie auch bei anderen Firmen tun, bei denen Sie Anteilsscheine oder Aktien besitzen.