Gold: Absicherung für schlechte Zeiten

Gold halten: Nicht als Spekulation, sondern als Diversifikation. Foto: Getty

Gold halten: Nicht als Spekulation, sondern als Diversifikation. Foto: Getty Images

Soll ich Gold in 100-Gramm-Barren kaufen oder besser Goldzertifikate? Ist der Einstieg beim jetzigen Kurs geeignet? Wo kauft man am besten Goldbarren und wo Zertifikate? Die Bank sagt zu allem Ja, sofern sie ihre Kommission verdienen kann. Danke für eine Beratung, für die ich bereit bin, einen Obolus zu entrichten. U. D.

Danke für Ihr freundliches Angebot, «einen Obolus zu entrichten». Das müssen Sie nicht, da meine Beratung für die Leserinnen und Leser der «SonntagsZeitung» kostenlos ist. Ich nehme für meine Beratungsarbeit bewusst kein Geld von den Fragestellern an, damit ich meine Unabhängigkeit wahren und Ihnen wirklich frei eine Antwort geben kann, ohne dass ich auf irgendwelche finanziellen Interessen oder auf Eigeninteressen via Gebühren Rücksicht nehmen müsste. Zu Ihrer Frage wegen des Goldpreises: Ob jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt ist, kann ich Ihnen nicht sagen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sich der Goldpreis noch weiter erholt. Einen starken Anstieg erwarte ich aber nur, wenn es an den Finanzmärkten wieder massiv bachab gehen würde.

Gold ist aus meiner Sicht eine Absicherung. Wenn alle anderen Anlageklassen tauchen, die Börsen crashen und das Finanzsystem wie während der Finanzkrise in Schräglage gerät, dürften die Investoren wieder vermehrt auf Gold setzen. Zusätzlich abhängig ist der Goldpreis von der Nachfrage aus der Industrie sowie der Schmuckbranche. Von dieser Seite würde ich mir derzeit angesichts der langsamer laufenden Weltkonjunktur keine grossen Impulse erhoffen. Dennoch macht es für mich Sinn, Gold zu halten – aber nicht als Spekulation, sondern lediglich als Diversifikation in einem breit aufgestellten Depot. Als Versicherung für Krisenzeiten.

Das bringt mich zu Ihrer ersten Frage, ob Sie Gold in Barrenform oder als Zertifikate kaufen sollen. Die Antwort hängt von Ihren eigenen Zielen sowie Ihren Motiven für den Goldkauf ab. Wenn Sie dem Finanzsystem misstrauen und irgendwann einen Zusammenbruch erwarten, fahren Sie mit Goldbarren, die Sie physisch halten können, besser. Allerdings sollten Sie diese in einem Bankfach oder wenigstens in einem sicheren Tresor anderswo aufbewahren. Mit den Goldzertifikaten können Sie einfach und günstig Gold kaufen, allerdings haben Sie nicht physisch Zugriff auf das gelbe Metall.

Wenn Sie Gold rein als Anlage wählen, würde ich die Zertifikate vorziehen. Falls es Ihnen aber darum geht, Gold als Notreserve für den absoluten Krisenfall zu halten, empfehle ich Ihnen physisches Gold in kleinen Barren. Ob physisch oder als Zertifikate: Anders als Aktien oder Anleihen wirft Gold keinen Zins oder eine Dividende ab. Sie verzichten somit auf eine Rendite – sichern sich aber für schlechte Zeiten ab.

Auf genaue Indexabbildung und Handelbarkeit achten

Oft empfehlen Sie für die Anlage Exchange Traded Funds. Wenn ich solche kaufe, worauf muss ich achten? B. A.

Abgesehen von der wichtigsten Frage, auf welche Märkte und welche Anlageklasse Sie mit dem Produkt setzen, sollten Sie wie bei einem Fonds auch bei den Exchange Traded Funds (ETF) auf die Gebühren achten. Ausgewiesen werden diese mittels der Total Expense Ratio (TER). In der Regel sollte diese bei einfachen ETFs nicht über 0,2 Prozent liegen. Gerade in Zeiten tiefer Zinsen und Renditen spielen die Gebühren eine Rolle, da Sie Ihre Gesamtrendite schmälern.

Weiter ziehe ich Produkte, welche einen Index praktisch genau abbilden, vor. Im Rahmen der physischen Replikation werden die Titel eines Indizes – etwa des SMI oder SPI – möglichst genau gemäss der effektiven Gewichtung im Index gekauft. Auch stufe ich Produkte, welche an der Börse kotiert sind und bei denen ein Marketmaker für die Kursstellung verantwortlich ist, aufgrund ihrer einfachen Handelbarkeit als vorteilhafter ein. Ein hohes Marktvolumen und eine möglichst enge Geld-Briefkurs-Spanne – genannt Spread – sind ebenfalls zu beachten.

Hier schneiden bei vielen Produkten die Grossbank UBS sowie der Anbieter iShares, welche den hiesigen ETF-Markt beherrschen, gut ab. iShares ist Teil des an der New Yorker Börse gehandelten US-Finanzkonzerns Black Rock – eines der weltweit grössten Vermögensverwalter.

Juristenfutter

Ich habe die CS aufgefordert, mir die zu Unrecht kassierten Retrozessionen zurückzuzahlen. Wie gut stehen meine Chancen, die eingeheimsten Retrozessionen zu bekommen? B. G.

Offen gesagt, stufe ich Ihre Chancen nicht als sehr hoch ein. Viele Kundinnen und Kunden von verschiedenen Banken haben in den letzten Jahren versucht, Retrozessionen zurückzuerhalten. Viele haben irgendwann entnervt aufgegeben. An sich hat das Bundesgericht klar entschieden, dass solche Provisionen, welche Produkteanbieter an Vermögensverwalter für den Verkauf und das Halten von Finanzprodukten durch die Kunden bezahlen, der Kundschaft gehören. Retrozessionen führen zu Interessenkonflikten. Deshalb verzichten einige Banken heute auf diese Provisionen und haben ihre Gebührenmodelle in der Vermögensverwaltung überarbeitet.

Das Problem beim Retrozessionsurteil des Bundesgerichtes ist, dass das oberste Gericht nicht entschieden hat, wie weit zurück die Retrozessionen zurückgefordert werden können. Seither streiten sich die Juristen über Verjährungsfristen. Banken betrachten Forderungen über fünf Jahren in der Regel als verjährt. Andere Juristen beharren auf zehn Jahren Verjährungsfrist. Viele Banken haben ihre Geschäftsbedingungen schon früh angepasst. Dabei stimmen die Kunden im Kleingedruckten oft zu, dass die Bank die Retrozessionen behalten darf. Wenn entsprechende Unterlagen vorliegen, wird es für Sie als Kunde gleich nochmals schwieriger, obwohl auch solche Erklärungen von Juristen in Zweifel gezogen werden.

Unterstützung für Kleinanleger bietet der Schweizerische Konsumentenschutz. Einige Banken haben sich in der Vergangenheit immerhin kulant gezeigt. Je nachdem wie wichtig dem Institut die Kundenbeziehung mit Ihnen ist, besteht eine grössere Chance, dass eine einvernehmliche Lösung gefunden wird. Wenn die Bank Ihren Anspruch auf eine Rückforderung schriftlich ablehnt, dürfte es ohne Unterstützung eines Anwalts sehr schwierig werden, Ihre Retrozessionen zurückzubekommen. Ob es sich für Sie lohnt, einen Anwalt beizuziehen, kann ich nicht beurteilen. Infrage kommt dies ohnehin nur, wenn die zur Diskussionen stehenden Retrozessionen eine hohe Summe ausmachen.