Drum rechne, wer sich frühpensionieren lässt

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Kostspielige Alternative: Nur wenige können sich eine Frühpensionierung leisten. (iStock)

Ich wünsche fünf oder sechs Monate früher in Rente zu gehen. Auf was muss ich achten? R. S.

Eine Frühpensionierung ist teuer – so teuer, dass sich die meisten diesen Wunsch nicht erfüllen können. Denn man hat durch diesen Schritt nicht nur keinen Lohn mehr, sondern zusätzlich auch weniger Geld in der Pensionskasse und allenfalls eine tiefere AHV-Rente bis zum Lebensende. Statt bis zur ordentlichen Pensionierung zu sparen, beginnt man bei einer Frühpensionierung schon früher das über die Jahre angesparte Kapital aufzubrauchen. Zudem fehlt neben dem Sparteil von Arbeitnehmer und Arbeitgeber während der Zeit des vorzeitigen Pensionseintritts bis zum regulären Pensionsalter auch die erwirtschaftete Rendite.

Wenn jemand bei der Pensionskasse schon früher die Rente bezieht, wird in der Regel ein tieferer Umwandlungssatz angewandt. Dies kann die Rente erheblich schmälern. Das Gleiche gilt bei der AHV. Wenn man die AHV-Rente früher in Anspruch nimmt, wird diese aufgrund dieses Entscheids bis zum Lebensende gekürzt. Hält man sich vor Augen, dass man möglicherweise noch 30 Jahre lebt, verzichtet man in diesem Fall auf ein kleines Vermögen. Zu berücksichtigen gilt es ferner, dass man nicht mehr in die 3. Säule einzahlen und die Beiträge von den Steuern abziehen kann, weil man aus dem Berufsleben aussteigt. Zudem müssen bis zum ordentlichen AHV-Alter noch AHV-Beiträge geleistet werden, da die AHV-Beitragspflicht erst mit dem ordentlichen Pensionsalter endet.

In Ihrem Fall sind die beschriebenen Auswirkungen weit weniger gravierend, da Sie ja nur ein halbes Jahr früher in Rente gehen möchten, als bei jemandem, der sich mehrere Jahre vor dem AHV-Alter pensionieren lassen möchte. Wie hoch die finanziellen Konsequenzen ausfallen, können Sie sich von Ihrer Pensionskasse und Ihrer AHV-Stelle ausrechnen lassen. Dann können Sie anhand der Fakten entscheiden, ob Ihnen der vorzeitige Rückzug aus dem Arbeitsalltag so viel Geld wert ist. Wenn jemand allerdings wie Sie bereits nahe vor der Pensionierung steht, würde ich wohl eher auf eine Frühpensionierung verzichten und stattdessen versuchen, die wenigen Monate zu überbrücken. Etwa durch eine Reduktion des Arbeitspensums auf Teilzeit. Oder durch unbezahlte Ferien. Oder noch besser durch eine Kompromisslösung mit dem Arbeitgeber. Wenn die Chemie im Job nicht mehr stimmt, ist es vielleicht auch im Interesse des Arbeitgebers, dass Sie vorzeitig austreten. Denn er spart unter Umständen Kosten.

Daher rate ich Ihnen, das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen und die Ausgangslage offen zu diskutieren. Falls er nicht Hand bietet für einen guten Kompromiss, können Sie immer noch anbieten, Teilzeit zu arbeiten. Falls Sie keine Lösung erzielen, wäre auch zu prüfen, ob es sich für Sie nicht lohnen würde, wenn Sie sowohl PK- und AHV-Rente aufschieben und erst ab dem regulären Rentenalter beziehen und das halbe Jahr ohne Erwerbseinkommen mit Ihrem Ersparten selbst überbrücken.

Meines Erachtens sollten Sie sich vor einem Entscheid von einem Vorsorgeexperten, beispielsweise von Ihrer Hausbank oder Ihrer Versicherung, im Detail beraten lassen. So haben Sie eine weitere Einschätzung für Ihre Entscheidungsfindung. Durch all diese Massnahmen verhindern Sie die finanziellen Einbussen bei der PK- und der AHV-Rente bis ans Lebensende, erreichen aber doch weitgehend Ihr Ziel, früher auszusteigen oder wenigstens nicht mehr voll eingespannt zu sein.

 

Gläubiger muss einverstanden sein

Wegen der Scheidung habe ich Schulden und wurde betrieben. Nun stehe ich vor der Pfändung meines Lohnes. Kann ich das vor meinem Arbeitgeber geheim halten? H. Q.

Ja, Sie haben die Möglichkeit, beim Betreibungsamt eine stille Pfändung zu verlangen. Doch ein Recht darauf besteht nicht. Denn der Haken daran ist, dass der Gläubiger einer stillen Lohnpfändung zustimmen muss. Wenn der Gläubiger damit einverstanden ist, zahlen Sie den gepfändeten Lohnbetrag jeweils monatlich dem Betreibungsamt. So erfährt der Arbeitgeber nichts über die Pfändung.

Längst nicht immer geben Gläubiger für eine Lohnpfändung aber ihre Zustimmung. Oft liegen sich Schuldner und Gläubiger in den Haaren. Erst recht, wenn es wie in Ihrem Fall um eine Scheidung geht. Manchmal wünschen sich Gläubiger sogar, dass ein säumiger Zahler gegenüber der Arbeitgeberfirma blossgestellt wird. Nur schon die Pfändung ist für den Schuldner eine Schmach.

Wirklich weitsichtig ist ein Gläubiger allerdings nicht, wenn er gegen eine stille Lohnpfändung ist. Es sollte vielmehr in seinem Interesse sein, dass Sie weiterhin einen Job haben und nicht Ihre Stelle verlieren. Ansonsten kann er sein Geld ganz abschreiben. Da Sie wegen einer Scheidung in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind und nicht weil Sie auf zu grossem Fuss gelebt und zu viel konsumiert haben, würde ich proaktiv Ihren Arbeitgeber informieren. Lohnpfändungen im Zuge von Scheidungen sind gar nicht so selten. Wenn Sie ansonsten ein gutes Verhältnis zu Ihrem Arbeitgeber haben, sehe ich keinen Grund, warum Ihnen aufgrund der Lohnpfändung wegen der Scheidung Nachteile als Arbeitnehmer entstehen sollten.

 

Investoren brauchen einen langen Atem

Ich habe 450 Namenaktien der Firma Repower. Soll ich bei der Kapitalerhöhung teilnehmen? P. G.

Ich bin skeptisch. Der Stromkonzern aus dem Bündnerland geht durch einen tief greifenden Umbau. Im letzten Jahr musste das Unternehmen sogar rote Zahlen ausweisen und schrieb einen Verlust von fast 140 Millionen Franken. Wie andere Stromerzeuger leidet Repower unter den extrem tiefen Stromhandelspreisen und unter der staatlichen Subventionierung von erneuerbaren Energien, insbesondere in Deutschland, welche die Preise in Europa massiv verzerren. Bereits Ende April hat der Konzern seine Aktien von der Schweizer Börse genommen, um Kosten zu sparen.

Neu werden die Titel nur noch ausserbörslich gehandelt, was die Handelbarkeit der Papiere erschwert. Künftig fokussiert sich Repower auf die Märkte Schweiz und Italien und zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien. Diese Strategie finde ich zwar überzeugend, aber die Risiken für Repower bleiben hoch. Selbst das Management und der Verwaltungsrat rechnen nicht mit einer raschen Wende, sondern in den nächsten Jahren weiterhin mit einem schwachen operativen Geschäft, da die Strompreise auch künftig tief bleiben dürften.

Positiv ist immerhin, dass sich die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) und der UBS-Clean-Energy-Infrastructure-Fonds bereits mit hohen Tranchen von 90 und 60 Millionen Franken bei der Kapitalerhöhung engagiert haben. Damit wird die EKZ grösster Aktionär der Repower. Dennoch stufe ich die Risiken für Sie als Privatinvestor keineswegs als gering ein. Das neue Geld bedeutet nicht, dass die Resultate schnell besser werden.

Auch andere Energiekonzerne sind massiv unter Druck, und die gesamte Branche geht durch einen Umbruch, der es schwierig macht, ansprechende Renditen zu erwirtschaften. Da müssen Sie sich gut überlegen, ob Sie diese Übergangsphase mittragen und sogar noch neues Geld einschiessen wollen. Sie müssten auch prüfen, ob Sie in Ihrem Depot mit dem Repower-Engagement nicht ein Klumpenrisiko haben. Meines Erachtens werden die erhöhten Risiken durch die langfristigen Ertragschancen zu wenig überzeugend abgegolten.