Nach der Pensionierung braucht es mehr Spielraum

Unerwartete Auslagen wie z. B. Pflegekosten: Nach der Pensionierung braucht es mehr Barmittel. Foto: Getty Images

Unerwartete Auslagen wie z. B. Pflegekosten: Nach der Pensionierung braucht es mehr Barmittel. Foto: Getty Images

Meine betagten Eltern wohnen in einem Haus mit einer Hypothek von 60’000 Franken. Bei einer Privatbank haben sie ein Vermögen von rund 650’000 Franken, zu 96 Prozent in Aktien und Fremdwährungen angelegt. Meines Erachtens ist das Verhältnis von Aktien- zu Baranteil viel zu hoch. Welches wäre ein angemessenes Verhältnis von Aktienbestand zu Baranteil? M. C.

Der Anteil Aktien und Fremdwährungen im Depot Ihrer Eltern ist in der Tat sehr hoch. Erst recht, wenn man bedenkt, dass sie schon ein hohes Alter haben und eine Hypothek halten. Eine fixe Zahl, wie hoch das Verhältnis von Aktien- und Baranteil im konkreten Fall sein sollte, kann ich Ihnen nicht nennen. Erstens hängt dies von der Risikofähigkeit Ihrer Eltern ab und zweitens von weiteren Vermögenswerten.

Insbesondere stellt sich die Frage, wie viel Wert die Liegenschaft hat, welche Ihre Eltern bewohnen. Wenn die Hypothek nur einen sehr kleinen Teil des Wertes der Immobilie ausmacht, ist die Risikofähigkeit deutlich höher, als wenn die Belehnungsmöglichkeit der Bank schon voll ausgeschöpft ist. Generell rate ich dazu, Hypotheken mit steigendem Alter zu amortisieren oder zumindest zu verringern. Obschon die Hyposätze tief sind, müssen Ihre Eltern der Bank Zins zahlen. Die Rendite auf dem Vermögen haben sie indes nicht garantiert. Auch den Aktienanteil würde ich mit steigendem Alter senken. Zwar sind die laufenden Kosten bei Ihren Eltern offenbar gut gedeckt. Ich frage mich aber, wie unerwartete hohe Auslagen bezahlt würden.

Gerade Pflegekosten gehen rasch ins Geld und sind längst nicht voll von Versicherungen gedeckt. Wenn der Baranteil zu klein ist, sind Anleger gezwungen, Aktien- oder Fremdwährungspositionen unter Umständen zum schlechtesten Zeitpunkt zu veräussern, weil sie plötzlich liquide Mittel benötigen. Auch frage ich mich, ob Ihre Eltern mit den Buchverlusten, welche sie wahrscheinlich seit Jahresbeginn auf ihren Aktienpositionen erlitten haben, gut schlafen können.

Ich rate Ihnen, mit Ihren Eltern das Gespräch zu suchen und Ihre Bedenken, die ich aus Ihrer Frage heraushöre, offen zur Sprache zu bringen. Möglicherweise dürfte es sich auch lohnen, zusammen mit der Bank einen Depotcheck durchzuführen. Dann wird sich zeigen, inwiefern die Tragbarkeit der Hypothek problemlos gegeben ist, die Diversifikation genügt und die Risikofähigkeit wirklich vorhanden ist oder nicht. Um den Handlungsspielraum zu erhöhen, würde ich den liquiden Anteil am Vermögen auf jeden Fall erhöhen und eine damit verbundene geringere Rendite in Kauf nehmen.

 

Ende des Bankgeheimnisses gegenüber dem Ausland

Ich habe eine Frage zum automatischen Informationsaustausch (AIA). Ich bin Doppelbürger der Schweiz und von Italien. Ist der automatische Informationsaustausch gleichartig, unabhängig davon, ob ich Doppelbürger bin oder nicht? Sind die Verpflichtungen zur Deklaration in der Schweiz die gleichen, egal ob Doppelbürger oder nicht? P. P.

Die entscheidende Frage ist, ob Sie eine grenzüberschreitende Bankbeziehung haben. Nur dann greift der AIA. Wenn Sie nur Bankbeziehungen im Inland unterhalten, werden keine Daten ausgetauscht, auch wenn Sie Doppelbürger sind. Ausschlaggebend ist also nicht die Tatsache, dass Sie Doppelbürger sind, sondern die Art Ihrer Bankbeziehungen.

Der AIA bedeutet, dass steuerrelevante Daten zwischen dem Steuerdomizilland eines Bankkunden und dem Land, in dem er allfällige Bankbeziehungen hält, ausgetauscht werden. Damit dies wirklich passiert, muss allerdings ein Land mit der Schweiz den Rahmenvertrag für den AIA unterschrieben haben. Im Falle von Italien betrifft es den Vertrag mit der EU. Da kann man davon ausgehen, dass die Schweiz und die EU den AIA definitiv einführen und somit ab 2017 Daten erhoben und 2018 ausgetauscht werden.

Falls Sie ein Konto in Italien unterhalten, würden ab dann Ihre Bankdaten ausgetauscht. «Aber nicht, weil der Kunde Doppelbürger ist, sondern schlicht und einfach, weil er eine grenzüberschreitende Bankbeziehung hat», betont Daniela Flückiger, Sprecherin der Schweizerischen Bankiervereinigung, auf Anfrage. Anders ist die Situation für Doppelbürger der Schweiz und der USA: «Der Fall der USA ist anders, da die USA weltweit Steuern auf ihre Bürger erheben, egal ob sie anderswo auch steuerpflichtig sind», erklärt Flückiger. «Sonst gilt auf der Welt fast überall das Prinzip von der Vermeidung von Doppelbesteuerung.»

 

Fast fünf Milliarden für die US-Staatskasse

Wohin fliessen eigentlich die US-Bussen von Schweizer Banken? U. E.

Die Bussgelder gelangen über verschiedene Kanäle letztlich in die US-Staatskasse. Der US-Steuerstreit erweist sich für den Schweizer Finanzplatz und die hiesigen Banken als Albtraum. Für den amerikanischen Staat ist es indes ein wahrer Geldsegen: Fast 5 Milliarden Franken dürften von Schweizer Instituten in die US-Staatskasse fliessen. Der grösste Teil davon entfällt auf die Credit Suisse, welche eine Strafe von 2.510 Milliarden Franken (USD 2.815 Mia) zahlte.

So gesehen, profitiert der US-Steuerzahler von dem Konflikt, während die Schweizer Steuerpflichtigen neben den Banken zu den Bestraften gehören. Denn all das Geld, welches die hiesigen Institute an den US-Staat abliefern, fehlt hierzulande: Die Banken versteuern tiefere Gewinne – oder sogar Verluste –, und den Aktionären verbleibt weniger Gewinn in Form von Dividenden. Beides führt zu weniger Steuereinnahmen in der Schweiz.

Die Bussen über 5 Milliarden dürften aber nur ein Teil des riesigen Aufwandes sein. Die nötigen internen Abklärungen und Datenaufbereitungen haben zur Folge, dass die Banken ihre Rechts- und Compliance-Abteilungen stark ausbauen müssen. Allein die dafür nötigen personellen Ressourcen verschlingen hohe Summen. Zusätzlich beschäftigen die Finanzinstitute eine Vielzahl von teuren Anwälten und Beratern im In- und Ausland. Auch das ist Geld, welches in den Kassen der Banken fehlt und die Gewinne seit Jahren schmälert.

Zu Buche schlagen aber auch entgangene Gewinne: Weil viele Kunden im Zuge des US-Steuerstreites und der Konflikte mit EU-Staaten, welche von den USA ermutigt, ebenfalls enormen politischen Druck auf den Schweizer Finanzplatz machten, ihre Vermögen aus der Schweiz abzogen, ist ein Teil des Vermögensverwaltungsgeschäftes ins Ausland abgewandert.

Das Fatca-Abkommen mit den USA und der bevorstehende automatische Informationsaustausch mit weiteren Staaten bedeuten faktisch das Ende des Schweizer Bankgeheimnisses für ausländische Kunden. Profiteure des US-Steuerstreites sind neben dem US-Fiskus, Anwälten und Beratern zweifellos andere Finanzplätze und Banken im Ausland – nicht zuletzt die US-Banken. Indem die Schweizer Banken unter massivem Druck des US-Staates mit dem Bankgeheimnis einen bedeutenden Marktvorteil preisgeben mussten, werden Finanzplätze wie New York, London oder Singapur gestärkt. Wie hoch der dadurch verursachte Schaden für die Schweiz ist, darüber lässt sich nur spekulieren

7 Kommentare zu «Nach der Pensionierung braucht es mehr Spielraum»

  • Bitte vernünftig sagt:

    Ihre Eltern haben eine Hypothek in Höhe von 60 Tsd. Vermutlich ist der Verkehrswert des Hauses vergleichsweise sehr hoch, z.B. mindestens 600 Tsd. Eine sehr hohe Summe wurde folglich sehr konservativ angelegt.
    „Unerwartet“ hohe Auslagen können jederzeit bezahlt werden – Aktien sind ja von einem auf den anderen Tag verkäuflich. Der Geldberater macht einen typischen Fehler: Im Alter soll man vorsorglich auf Rendite verzichten. Warum denn? Mindestens 50% des Vermögens sind ja bei einer Lebenserwartung von 20 Jahren in einer Langfristanlage von 10 Jahren investiert.
    Ihre Eltern machen das vollkommen richtig, bravo, mutig aber vernünftig! Pflegekosten übersteigen leicht auch solche Vermögen – und es kann ja auch alles anders kommen: Weiterhin schöne Renditen und relative Gesundheit!

  • Ben sagt:

    Ich habe Deckungslücken bei der Pensionskasse, die sich vom einbehalten ehm. Unternehmensbeiträge bei früheren Stellenwechsel, zu einem 6 stelligen Betrag kummuliert haben über mehr als 10 Jahre wieder einbezahlt.
    Einbezahlt mit meinem eigenen ersparten nach Absprache und Vereinbarung mit der PK um so selber die Leistungen für die Zeit im Alter, Krankheit und Todesfall zu verbessern. Diese Verbesserungen und Einkäufe wurden jedesmal gem. dem Reglement der PK ausgewiesen.
    Schliesslich vor 3 Jahren wurde mit einem läppischen Ausweis der PK und ohne weitere Erklärungen mitgeteilt das die Leistungen gekürzt werden.
    Die gesamten Einkäufe in 6 stelliger Höhe wurden so komplett gestrichen und ein dann nochmal ein paar Monate später nochmal. Wo bleibt da nun mein Spielraum? Wo ??? Gestohlen!

  • Peter Weissenstein sagt:

    Lustige Überlegungen. Hier in der Länggasse hat es mehrere Akademiker, die – all um die 50 – ausgesteuert sind. 500, 600 Bewerbungen im Einzelfall sind keine Seltenheit trotz PHD, EMBA etc. Einige waren auch nach dem Studium (Doktorat bis 32) bereits arbeitslos, dann ein oder zweimal zwischendrinn 2-3 Jahre. Langer Rede kurzer Sinn. Diese Leute haben eine PK von weit unter 100’000 mit 50 !!!! Daher ist es sehr lustig zu lesen, was man alles mit Blick auf das Alter machen soll. Genauso lustig sind die Vorschläge, bis 70 zu arbeiten, wenn insbesondere der Bund und die Verwaltung bei 70 Bewerbungen pro Stelle in 90% aller Fälle Leute unter 30 anstellt. Die Zweiklassengesellschaft ist schon lange da, Reich und Arm näher als man denk.

    • sepp z. sagt:

      erst ein leben lang bürgerlich neoliberal und wirtschaftsfreundlich wählen, und dann mit 55 merken, dass altersarbeitslosigkeit nicht nur ein märchen der doofen linken ist?

      • Baumann Jakob sagt:

        Ach hören Sie doch auf! Ich war mal „Beamter“ und habe tatsächlich mal SP gewählt. Aber leider habe ich gemerkt, dass mir die Genossen überhaupt nicht helfen. Die haben immer schön geschaut, dass die „Alten“ Ihre Besitzstandgarantie bekommen, aber für die Jungen: Fehlanzeige! Deshalb: „Hilf Dir selbst und wähl bürgerlich“. Dann haben wir wenigsten den Hauch einer Hoffnung, dass die SVP uns die Personenfreizügigkeit vom Hals hält.

  • Peter Marti sagt:

    Aus meiner Sicht ist das aktuelle PK Wesen absolut überholt und ist schlicht eine Geldmaschine für die PK Verwalter. Die aus meiner Sicht einzig schlaue Altersvorsorge ist ein Eigenheim, welches wirklich einem gehört. Also ohne Hypotheken. Warum wird der scheinbar so mündige Bürger dermassen bevormundet und enteignet? Viele der jetzt 20 Jährigen werden infolge der Digitalen Revolution am Arbeitsmarkt Mühe haben, überhaupt eine PK zu haben geschweige denn, sie zu füllen. Grund: Viele Jobs in Teilzeit, wenn möglich unter 20’000.– p/a, darum ohne PK Abzüge. Ich bin froh, keine mehr zu haben. Dafür ist mein Haus bezahlt (mit Erdsonde & PV Anlage auf dem Dach) und ich wohne für ganze 200.– monatlich (Nebenkosten). Die KK ist der teuerste Ausgabenposten.

    • Klaus Werner Wegmüller sagt:

      Das mag sein aber wenn Ihnen dann ein Eigenmietwert von 3500.- aufgebrummt wird werden Sie Mühe haben das Haus mit Ihrem AHV Einkommen zu halten. Sie werden es verkaufen müssen und vom Erlös leben. Wenn dieser aufgebraucht ist, gibt es eventuell für Sie Ergänzungsleistung. Darum hoffen wir alle das dieser Eigenmietwert fällt. Dann können Sie in den eigenen vier Wänden gut mit Ihrer AHV auskommen. Und wenn Sie noch einen eigenen Garten haben, sind Sie auch selbstversorgt mit den meisten Dingen in der Küche…. Aber das Schweizervolk hat nun schon zum 2. oder 3. mal die Abschaffung des Eigenmietwertes abgelehnt, kurzsichtiges Volk…….

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