Botox & Bio-Aromat

«Poller»-Kolumnistin Frau Feuz erfindet ein Corona-Desensibilisierungs-Programm. Oder auch nicht.


Nachbar (Sie wissen schon, das Loch in der Küchendecke): Feuz, was stinkt denn hier so?!

Frau Feuz: Klappe dort oben. Ich muss mich konzentrieren. Ich entwickle gerade ein Gegenmittel.

Nachbar: Gegenmittel wogegen?

Frau Feuz: Gegen Corona. Vielleicht auch gegen die Cablecom. Bin noch unschlüssig, was schlimmer ist.

Nachbar: Das erklärt aber noch nicht, warum es so stinkt.

Frau Feuz: Ich hab mir einen Chemiebaukasten besorgt. Der Inhalt ist allerdings enttäuschend. Natronlauge, pff. Die Cervelat unter den Chemikalien. Wasserstoffperoxid, pff. Will ich mir etwa die Haare bleichen?! Salzsäure, pff. Interessiert doch höchstens Lots Frau. Wo sind Nitroglycerin, Fluor-Antimonsäure, Pollonium und Bacillus anthracis? Wie soll man da bitteschön arbeiten?! Aber ja: Frau Curie-Feuz weiss sich zu helfen. Man brate eine Fledermaus höchstens halb durch, setze sie dann in Ammoniak an, gebe einen Schuss Botulinumtoxin dazu, verrühre alles und würze mit einer ordentlichen Ladung Bio-Aromat.
Dann esse man jeden Tag ein Löffelchen von der Mischung. Das nennt sich Desensibilisierung. Was bei Heuschnupfen funktioniert, wird doch gegen ein lausiges Virus bestimmt auch helfen. Wenn wir dem Ganzen dann auch noch einen rassistischen Namen geben, floriert der Absatz, ich werd reich, kaufe die Cablecom und das wäre dann der Moment, wo das Nitroglycerin zum Einsatz käme.

Nachbar: Feuz, du spinnst. Die Cablecom heisst im Übrigen nicht mehr Cablecom sondern UPC. Was hast du denn gegen die?

Frau Feuz: UPC. Genau. Kurz für Unsägliche Püntu Combo, oder? Das ist eine Gaunerband. Die verschicken Rechnungen für Kabelanschlüsse, die man weder bestellt hat noch nutzt. Das machen die seit Jahren. Wenn man dann dort anruft, hängt man zuerst gefühlte zwei Jahrhunderte in der Warteschlaufe und bekommt eine Techno-Version von Tracy Chapmans «Fast Car» zu hören, für die alleine man gesteinigt gehört.

Nachbar: Ja und dann?

Frau Feuz: Dann nimmt irgendeinmal ein netter Mann ab und verspricht, einen aus dem System zu löschen.

Nachbar: Einfach so?

Frau Feuz: Es könnte sein, dass er jetzt psychologische Betreuung braucht.

Nachbar: Und was genau hast du geben Bio-Aromat?

Frau Feuz: Ein Wolf im Schafspelz! Einen auf umweltfreundlich machen mit grünem Deckel, Naturaplan-Logo und dem Aufdruck «Bio ohne Kompromisse». Schon mal das Kleingedruckte gelesen? Zwiebeln und Knoblauch aus Ägypten und Palmöl aus Brasilien sind da drin. Garantiert bio angebaut. Ähä. Wenn man nicht mal mehr Aromat und dem Knorrli trauen kann, wem dann?! Die Welt geht vor die Hunde. Tamisiech. Alles Dubler Tuble mein ich.

Nachbar: Feuz, fluchen gehört sich nicht. Du aber sag, wo hast du das Botulinumtoxin her?

Frau Feuz: Ach, das werfen sie dir auf dem Schwarzmarkt an der Zürcher Bahnhofstrasse doch regelrecht nach. Hast du übrigens gewusst, dass Botulinumtoxin auch Wurstgift genannt wird, weil es zuerst in verdorbenen Würsten gefunden wurde? Apropos verdorbene Würste: Ist dir auch aufgefallen, wie während des Corona-Lockdowns bei einigen Damen hier in Zürich die Lippen plötzlich nur noch auf Halbmast hingen? Wie schlecht aufgepumpte Schlauchboote, hihi.

Nachbar: Wer lästert, kommt in die Louis-Vuitton-Hölle.

Frau Feuz: Ach Nachbar. Eigentlich bist du ja ganz in Ordnung. Willst du nicht mal runterkommen? Ich bräuchte einen Probanden für mein Corona-Desensibilisierungs-Programm. Ich geb dir einen Rivella-Martinetti aus. Ich glaub wirklich, dass es funktioniert und hab darum auch schon eine Portion meines Gegenmittels nach Peking geschickt, und zwar auf einem Stück Lachs, weils so am besten schmeckt. Ich weiss. Nett von mir.

Gisela Feuz ist freie Kulturjournalistin, weilt in Zürich, wundert sich über Schlangen vor dem Louis-Vuitton-Geschäft und sorgenfaltenfreie Gesichter. Ob der Chef auch eine Louis-Vuitton-Handtasche besitzt, ist nicht bekannt, da er sich aus einem anderen Kleiderschrank bedient.