Ich bin ein Krisengewinnler – aber ohne Erfolg

Der Poller-Kolumnist häuft Werte an, die er am Schluss versemmelt. Leider nicht zum ersten Mal.

Sammeln Sie im Supermarkt diese Punkte? Die Trophäen, die man in Pfannen, Sporttaschen oder Vorratsdosen eintauschen kann? Wobei ein volles Sammelheft nicht genügt. Man muss draufzahlen. Der Betrag entspricht etwa dem realen Wert der Dinge, die regulär angeblich viel teurer wären. Für eine bestimmte Einkaufssumme bekam man einen Punkt.

Die Punkte waren bis anhin ein knappes Gut. Oft sagte ich nach dem Bezahlen: «Hm, könnte ich bitte die Punkte kriegen?» Die Kassiererin tat so, als habe ihr die Prädemenz einen Streich gespielt, dabei wollte sie keine herausrücken. Vielleicht hatte das Personal gar die Weisung erhalten, sie nur auf ausdrücklichen Wunsch abzugeben.

Es kam zu frustrierenden Szenen. Da verkündete die Kundin vor mir, sie verzichte – trotz üppigem Einkauf – darauf. Wenn ich dran war, fragte ich, ob ich deren Punkte dazubekomme. Nix da. «Da hätten Sie die Kundin fragen müssen, einfach so kann ich sie nicht geben.» Doch diese war schon weg.

Jetzt ist alles anders. Wenn ich am Self-Checkout bezahle, kommt ein Zettelchen heraus, auf dem die Punktzahl vermerkt ist, zum Beispiel «1». Ich gehe zur Verkäuferin, die die Rolle mit den Prämienklebern hütet. Sie kontrolliert den Zettel, zieht mit ihrer gummibehandschuhten Hand an der Rolle – und überlässt mir fünf Punkte, um möglichst wenig «figureteln» zu müssen.

Was lernen wir daraus? Erstens: Auch in der Corona-Krise, in der angeblich die Nächstenliebe um sich greift, verzichtet der Mensch (ich) auf nichts, was ihm zusteht. Zweitens: Die geheimnisvolle Vermehrung der Punkte ist ein Vorgeschmack auf die Inflation, die einsetzen wird, wenn die milliardenschweren Rettungspakete zugestellt sind, die derzeit umherfliegen wie Weihnachtspäckli im Postverteilzentrum.

Machen mich die zusätzlich Punkte glücklich? Nein. Sie verschwinden wie meistens in meiner Schublade und kommen erst wieder hervor, wenn sie ungültig sind. Oder ich klebe das Sammelheft zwar voll, löse es aber nie ein. Und wenn ich eins abgebe, ist die Wunschprämie vergriffen. Über die anderen Prämien heisst es zu Hause: «Brauchen wir nicht, haben wir schon, ist unpraktisch.» Früher konnte man Punkte in Swiss-Meilen umtauschen, natürlich mit Draufzahlen. Jetzt nicht mehr. Greta hats verboten. Und die Swiss-Flotte steht in Jordanien auf einem Parkplatz.

Der «Bund»-Redaktor hält das Punkte-Einkleben per se für wertvoll, denn es fördert die Feinmotorik der Hand.