Hamstern

«Poller»-Kolumnistin Gisela Feuz tätigt Hamsterkäufe in Krisenzeiten.

Derzeit sind ja Hamsterkäufe in, und weil Frau Feuz stets mit der Mode geht, hat sie sich auch einen dieser knuffigen Gesellen angeschafft. Aschi heisst er. Aschi war anfänglich sehr dick und dann von einem Tag auf den anderen nicht mehr. Dafür waren da sechs neue Mini-Aschis. Aschi sei kein Aschi, sondern zooladenträchtig gewesen, liess der Nachbar von oben durch das Loch in der Küchendecke verlauten. Sie möchten wissen, wieso es in meiner Küchendecke ein Loch hat, werte Leserschaft? Sagen wir mal so: Wenn eine vermeintlich leere Druckluftflasche auf Erfindergeist trifft, ist Apollo 13 nicht mehr weit. Oh, hallo Migros, du liest mit?! Ob ich eigenmächtig an einem deiner Sodastream-Geräte rumgefummelt habe? Würd ich nie tun! Grosses Heimwerkerinnen-Ehrenwort. Ich habe höchstens in Anwesenheit eines passionierten Bastlers vielleicht etwas gar explizit und, ja, vielleicht auch mehrmals betont, dass es doch kein Hexenwerk sein könne, so ein Gerät zu flicken. Was kann ich dafür, wenn ihn dann der WD40-Hafer sticht?! Eben.

Jedenfalls hab ich jetzt ein Loch in der Küchendecke und sieben Hamster in der Küche. So ganz unter uns, werte Leserschaft, muss ich ja gestehen, dass sich mir der Sinn von Hamsterkäufen noch nicht wirklich erschlossen hat. Ich mein: Aschi 1–7 sind ja putzige Kerlchen, aber sonst?

«Notvorrat!», brüllte der Nachbar durchs Küchendeckenloch herunter, als ich bei ihm nachfragte. «Schliesslich kommen harte Zeiten auf uns zu.» Aha. «Aber so richtig viel gibt ein Hamster ja nun auch nicht her, wenn man ihn in die Pfanne haut», wandte ich ein, «und ausserdem müsste man den Knuffis ja zuerst den Pelz über die Ohren ziehen, und das bringt ja nun wirklich niemand übers Herz bei diesen Knopf­augen.»

«Feuz, du rührselige Kamelle», klang es da von oben herab, «in Krisenzeiten ist kein Platz für Sentimentalitäten. Wenn dereinst wegen des Coronavirus Banden durch die Strassen marodieren, wirst du froh drum sein, Hamsterkäufe getätigt zu haben. Hast du im Übrigen gewusst, dass es im Zweiten Weltkrieg sogar Hamsterfahrten gab?» Nein, hat Frau Feuz nicht. Ich staunte. Und oh, welch fantastisches Bild tat sich da vor meinem inneren Auge auf: ein Reisecar voller aufgekratzter Hamster, die gemeinsam ein Fährtchen ins Blaue unternehmen, dazu Strohhüte und Sonnenbrillen tragen, alle schon ein bisschen angeschickert sind, unzüchtige Lieder fiepsen und an der Sitznachbarin rumknabbern, derweil der mitgereiste Vertreter des Carunternehmens versucht, den Fahrgästen Heizpelze aufzuschwatzen.

Aschi 1–7 und ich unternehmen jetzt auch regelmässig Hamsterfahrten. Das heisst, ich packe die Pelz-Bande ins Körbchen meines Hometrainers und schalte am TV den Norwegischen Rundfunk ein. Wir fahren dann zusammen von Trondheim nach Bodø, dazu lasse ich zwecks Fahrtwind-Echtheitsgefühl einen Ventilator laufen. Marodierende Banden sind uns bis anhin noch keine begegnet. Und falls dann doch mal ein Räuber auftauchen sollte, wären Aschi 1–7 mit Zähnen bewaffnet, gegen die jedes Hattori-Hanzo-Schwert ein stumpfer Sackhegu ist.

Klinge alles ganz toll, finden Sie, werte Leserschaft? Nun ja. Frau Feuz ist zwar von Natur aus ein optimistisches Gemüt oder, wie der Nachbar von oben zu sagen pflegt: «ein Supermarkt-halb-voll-Typ». In letzter Zeit stosse ich allerdings wegen Aschi 1–7 an meine Grenzen. Hamster gelten ab der dritten Lebenswoche als erwachsen und merken dann, dass sie eigentlich egoistische Arschl***, ’tschuldigung, Einzelgänger sind. Will heissen: Ich habe jetzt zu Hause eine Horde Pelzviecher, von denen jedes einzelne 10 Kilo Futter in der linken und 10 Kilo Streu in der rechten Backentasche hortet. Grundlos. Asoziale Saubande. Man stelle sich mal vor, Menschen würden so was tun.

Gisela Feuz

Gisela Feuz ist freie Kulturjournalistin und hat derzeit ½ Packung Reis und zwei Rollen Klopapier zu Hause. Wie viel der Chef hortet, müssen Sie ihn schon selber fragen, weil anderes Klo. Sogenannte «Hamsterfahrten» fanden am Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland statt. Dabei fuhren Menschen mit der Eisenbahn in ländliche Gebiete und versuchten dort, bei Bauern Lebensmittel zu ergattern.

1 Kommentar zu «Hamstern»

  • Eric Lauper sagt:

    Eine interessante Zusammenstellung zum Thema ist auf YouTube zu sehen, gönnen Sie sich die Zeit:
    Amazing Polly – deutsch – Die Pandemie ist Virus Marketing

Kommentar

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