Zehn Dinge, die Sie nicht sagen sollten

Heute: das Coronavirus – eine Glosse von «Poller»-Kolumnist Dieter Stamm

 

Erstens: Sagen Sie nicht, Menschen, die Hamsterkäufe tätigen, seien Idioten, wie es ein Regierungsmitglied von Singapur getan hat. Auch wenn Sie sicher sind, dass es stimmt. Sie können nicht ganz sicher sein, ob diese Leute am Ende nicht doch am besten lachen.

Zweitens: Seien Sie nicht hämisch, wenn Passagiere eines Kreuzfahrtschiffs gefangen gehalten werden, weil der Monsterdampfer in einem falschen Hafen angelegt hatte. Sagen Sie vor allem nicht, dass es diesen Klimaschädigern recht geschehe. Denn Gott straft sofort – beispielsweise mit Quarantäne in Prêles.

Drittens: Argumentieren Sie nicht, der Einbruch beim Flugverkehr sei ein Segen für die Umwelt. Virus und Klima haben nichts miteinander zu tun. Und wo führte das hin, wenn wir anfangen würden, die eine Seuche gegen die andere auszuspielen?

Viertens: Schielen Sie nicht mit stiller Freude auf die fallenden Börsenkurse, nur weil Sie zu denen gehören, die ihre Titel rechtzeitig mit Gewinn verkauft haben, oder weil sie darauf spekulieren, sich später zu günstigen Preisen mit neuen eindecken zu können. Sie wissen genau, dass es hier um Empathie geht und für einmal nicht ums Geldverdienen.

Fünftens: Sagen Sie niemandem, wenn Sie es nicht schlimm finden, dass es ein Weilchen keine Massenveranstaltungen gibt, nur weil Sie schon lange der Meinung sind, dass die Welt viel zu umtriebig und viel zu laut geworden ist. Es könnte ja sein, dass die Welt gar nicht viel lauter, sondern Sie nur etwas älter geworden sind.

Sechstens: Kommen Sie nicht damit, dass dieses Virus nur schon deshalb eine reinigende Wirkung habe, weil sich die Leute endlich die Hände waschen und einem nicht mehr ständig zu nahe kommen. Sie verraten damit nur unnötig, was Sie bislang immer gut versteckt haben: Dass Sie einen Hygienefimmel haben.

Siebtens: Verbreiten Sie keine Verschwörungstheorien, sondern bleiben Sie rational. Streuen Sie insbesondere nicht, das Virus sei patentiert, damit die Impfstoffhersteller dicke Kohle machen. Oder das Virus sei aus einem Labor in Wuhan ausgebrochen. Oder Handystrahlen hätten das Virus ausgelöst. Auch wenn das natürlich alles stimmt.

Achtens: Erwähnen Sie nie und unter keinen Umständen, das Virus sei nur für alte Menschen lebensbedrohend. Ihre völlig wertneutrale Aussage würde sogleich falsch verstanden und als zynisch klassiert. Und Sie können sicher sein: Wir vom «Bund» würden Ihre Worte umgehend und streng verurteilen, weil sie einem Angriff auf unsere Leserschaft gleichkämen.

Neuntens: Sagen Sie nie, an einer normalen Grippe würden viel mehr Menschen sterben als am Coronavirus. Auch wenn es so ist. Niemand will hören, dass seine Angst übertrieben und irrational ist.

Und zehntes: Lassen Sie sich nichts anmerken, wenn Ihnen das ganze Theater um dieses Virus zum Halse heraushängt und Sie nichts mehr davon hören wollen. Sie verderben damit den Leuten nur die Freude an der ganzen schönen Hysterie.

Der Verfasser dieser Kolumne ist ein gelehriger Schüler der bundesrätlichen Empfehlungen zur Eindämmung des Virus: Er hat entschieden, ab sofort das Husten und Niesen aufzugeben. Und in seinem voreiligen Gehorsam will er bald auch nicht mehr zur Arbeit gehen.

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