Lieber Øscår Elch

«Poller»-Kolumnistin Gisela Feuz über Wärmepflaster und übergrosse Ohren.


Du bist ja kürzlich unter Beschuss geraten, weil du in deiner Pop-up-Bar Heizstrahler aufgehängt hast, du Hirsch du. Dir sei nicht bewusst gewesen, dass man das nicht dürfte, hast du verlauten lassen. Ist ja auch nicht einfach, sich als Paarhufer aus dem hohen Norden durch den Schweizer Gesetzesdschungel zu elchnen. Schon klar. Merke dir einfach Folgendes: Heizpilze und -strahler sind pfui, Gløgg ist hui. Montiert man nämlich genug von diesem schwedischen Glühwein, den du verkaufst, in sich hinein, brauchts keine externe Wärmequelle mehr. Und ausserdem spricht man plötzlich auch fliessend Schwedisch. Was sagst du lieber Øscår Elch? Beides ein Trugschluss? Pah. Spielverderber.

Eigentlich finde ich ja, dass, wer im Winter draussen rumstehen will, sich halt entsprechend warm einpacken soll. Die Kinder scherts ja auch nicht, wenn sie in ihren Overalls aussehen wie Cipollatas. Gleichzeitig versteh ich aber auch, dass nicht alle so uneitel durchs Leben marschieren wie Frau Feuz mit ihren Skifäustlingen aus dem 17. Jahrhundert. Drum hätte ich einen Vorschlag für dich, lieber Øscår Elch, wie sich die Heiz-Misere klären liesse. Dafür muss ich etwas ausholen.

Kürzlich hat eine angegløggte Hexe auf mich geschossen. (Gott, sag mal, steckst du eigentlich immer noch in den Ferien im Tessin? Luegsch?!) Die Masseurin des Vertrauens verordnete mir zur Linderung  besagten Hexenschusses Wärmepflaster. Oh Wonne! Welch fantastische Erfindung! Wieso hat eigentlich noch niemand ein Ganzkörperwärmepflaster erfunden?! Eins mit Füssen dran. Ich würde Oktober bis März kein anderes Kleidungsstück auch nur anschauen wollen.

Zu Hause in den heimischen vier Wänden offenbarte sich dann ein grossartiger Nebeneffekt der Wärmepflästerung. Um dies nachvollziehen zu können, muss man etwas wissen: Frau Feuz hat grosse Ohren. Und mit «gross» mein ich: richtig gross. Der verehrte Mark Twain hat ja mal behauptet, dass die Ohren des Eselhasen die absurdesten Löffel im Tierreich seien. Mark Twain hat Frau Feuz’ Ohren nie gesehen. Da erblasst jeder Eselhase vor Neid. Wenn ich meine Lauscher im Winter unter eine Mütze packen will, muss ich sie auf Lockenwickel aufdrehen.

Grosse Löffel sind vielleicht medium sexy, haben aber einen enormen Vorteil: Sie funktionieren wie eine Klimaanlage. Wenns richtig heiss ist, pumpt der Körper Blut in die Ohren, um so überschüssige Körperwärme an die Umgebung abzugeben. Dem Eselhasen rettet dieser Mechanismus in der Hitze der kalifornischen Wüste das Leben; Frau Feuz heizt er die Wohnung. Also der Mechanismus, nicht der Eselhase. Die zusätzliche Wärme, welche mein Körper aufgrund des Wärmepflasters produziert, wird nämlich direkt über die Ohren abgestrahlt, sodass es richtig kuschelig warm ist in meinem Zuhause, ohne dass ich dazu die externe Heizung bemühen müsste. Alles sehr umweltschonend, biologisch abbaubar (also ich) und günstig. Grossartig, nicht?!

Lieber Øscår Elch, die vermutest bestimmt schon, in welche Richtung der Hase hoppelt, gell. Lass uns einen Deal abschliessen. Du lässt mir ein Ganzkörperwärmepflaster mit Füssen schneidern, schüttest zur Wartung ab und zu etwas Gløgg oben in mich hinein, und ich heiz dir dafür die Bude mit meinen Löffeln. Deal? Reich mir den gespaltenen Huf und schlag ein.

Herzlich

Die falsche Häsin Gisela Feuz

Frau Feuz ist freie Kulturjournalistin, und Eselhasen sind eigentlich Kaninchen. Bei Letzteren beträgt die Länge der Ohren ein Fünftel der Körpergrösse. Bei Ersterer auch etwa. Der Chef? Der
wird wahrscheinlich auch Ohren haben. Allerdings ist unklar, wie lang sie sind, weil er in einem anderen Bau aufwuchs als Frau Feuz.

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