Lieber Kühlschrank

«Poller»-Kolumnistin Gisela Feuz hat ein Gespräch mit Gott. Dieser kann sich kaum halten ob ihrer Witze.

Gott hat angerufen. Er war etwas konsterniert, was den Übereifer einiger seiner Schäfchen anbelangt, die Frau Feuz aufgrund ihrer letzten Kolumne («Bund» vom 19.9.19) Blasphemie vorgeworfen haben. Er sei ja «Bund»-Abonnent, seit dieser zum ersten Mal erschienen sei, damals noch in Steintafeln gemeisselt. Der Götterpostbote Hermes habe wegen des Gewichts immer geflucht bei der Auslieferung, bis er ein Flyer-E-Bike zu Weihnachten geschenkt bekommen habe. Jedenfalls habe er, Gott, Frau Feuz’ Kolumne ja durchaus lustig gefunden, er sei nämlich mitnichten so humorlos, wie einige seiner Schäfchen glauben würden. Schliesslich habe er ja auch das Axolotl, Donald Trump und den Pavianhintern designt. Da habe er doch fraglos Humor bewiesen.

Hier ein Auszug aus dem weiteren Gespräch mit Gott:

Gott: Gottvertammi, ah nein, sapperlot, Feuz, was für ein hairlicher Seich, den du da geschrieben hast. Ich mein, Coiffeurladen mit Namen wie Hairvorragend und Athmosphaire … Da sind dir schon bisschen die Fantasie-Pferde durchgegangen, wie?

FF: Haart, aber whaar: Die Läden gibts tatsächlich.

Gott: Feuz, beim Hairkules, das ist ja die Hairte, hihi.

FF: Au Mann, Gott, du Kindskopf, behairsche dich. Anstatt hier zu kalauern und ständig auf deiner Haarcienda in Hairzogenbuchsee rumzuhängen, würdest du besser die klimatechnische Haarchitektur der Welt inklusive der vier Haareszeiten wieder ins Lot bringen. Sonst ist dann öppen aus mit der Haarmonie, und wir machen alle Haarakiri hier unten. Dann kannst du deine GmbHaar gleich dichtmachen.

Gott: Hahahaaa, Feuz, hör auf, ich bekomm keine Luft mhair!

FF: Gestern hab ich Mata Haari getroffen. «Taj Mahaar» hat sie gesagt.

Gott: Japs, ich sterbe! Ah nein, geht ja gar nicht, wieher!

FF: Wenn du uns auf der Erde besuchst: Fliegst du dann mit Hairforce One vom Hairport?

Gott: Gacker … Das wäre auch ein prima Titel für einen 70er-Jahre-Pornofilm.

FF: Ey Gott, spinnsch?! Denk an deine übereifrigen Schäfchen. Die trifft gleich der Schlag, wenn du hier so Zeugs erzählst.

Gott: Ach Feuz, du bist einfach eines meiner Lieblingsschäfchen. Bisschen bescheuert, aber sehr unterhaltsam. Apropos Schlag: Weisst du, was ich an dir mag? Dass du auch nach dem dritten Stromschlag innerhalb dreier Wochen immer noch das Gefühl hast, es liege an den Kabeln. Ich hab ja durchaus meine Mittel und Wege, dich zu massregeln, wenns mir zu bunt wird. Da sag ich einfach Haarbrakadabra und zack, hauts die Feuz vom Stuhl beim Lampenaufhängen, hihi. Wir verteilen ja hier oben schon Stilnoten für deine Flüge. Du und sag doch dann frühzeitig, wenn du das mit deinem Kühlschrank angehen willst, ja? Wir organisieren dann hier einen lustigen Sofaabend mit Popcorn. So. Ich muss dann mal. Merci übrigens noch, hast du das R-Gespräch angenommen. Kostet ja auch fast nichts, so vom Himmel hair. Fragst sonst die Rigozzi, die kann dir bestimmt eine Kleinkreditfirma empfehlen. Die Wege des Hairn sind unergründlich und so, Tschö-ö

Somit zu uns, lieber Kühlschrank. Unser Verhältnis ist, nun ja, etwas unterkühlt. Irgendwie haben wir zwei seit meinem Einzug nie so richtig ausdiskutiert, wer eigentlich die Chefin im Haushalt ist, gell. Weil ich dich nie fülle, hast du irgendwann entschieden, dich selber zu füllen, und zwar von hinten (hihi, tschuldigung). In den letzten Wochen hat sich an deiner Rückwand eine beachtliche Eisschicht gebildet, die immer weiter nach vorne rückt, sodass mittlerweile nur noch die Hälfte deines Innenraums benützt werden kann. Seit gestern ist nun auch noch ein Joghurt angefroren. Ein harmloses, unschuldiges, reines, unberührtes Naturjoghurt, du Sauhund. Irgendwie hab ich das dumpfe Gefühl, dass dir die Weltherrschaft vorschwebt und du mich eines Nachts ebenfalls klammheimlich anfrieren wirst, wenn ich nichts ahnend den Schlaf der Gerechten schlafe. Aber nicht mit mir! Ich geh jetzt einen Flammenwerfer kaufen im Baumarkt. Lieber Gott, du kannst schon mal Popcorn aufsetzen.

Haart, aber hairzlich,

Frau Feuz von und zu Flammenmeer

Gisela Feuz schreibt als freie Journalistin für den «Bund» und gehört nicht zur gleichen Schäfchenherde wie der Chef. Das Gott sehr wohl Humor hat, zeigt er auf Twitter, wo man ihm unter @TheTweetOfGod folgen kann. Coiffeursalons legen oft so viel Hairzblut in die Namensfindung, dass es wehtut.

1 Kommentar zu «Lieber Kühlschrank»

  • Lubomir sagt:

    Cuthairstrofal dieser Artikel! Dem geneigten Leser sei folgendes Schriftstück ans Hairz gelegt: Im Sparadies der Friseure – eine kleine Sprachkritik, von Wiglaf Droste.

Kommentar

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