Lieber grosser Bruder,

«Poller»-Kolumnistin Gisela Feuz findet, dass in der Familie Feuz die Fähigkeiten und Charaktereigenschaften etwas einseitig verteilt sind.

in meiner Wohnung kann man derzeit prima lustwandeln. Genauso wie es früher die noblen Herrschaften in den Irrgärten vor ihren barocken Schlössern taten. Nur werden in den feuzschen vier Wänden die Abzweigungen, Kreuzungen und Sackgassen («Sack» hihi) nicht durch Hecken, sondern durch Bananenkisten gebildet. Umziehen ist das Hinterletzte und Marie Kondo eine blöde Kuh. Aber das hatten wir ja schon (siehe Poller vom 23. Juli).

Nebst dem, dass man nach Umzügen in der neuen Wohnung nichts mehr findet, sieht man auch nichts mehr, sobald die Sonne untergegangen ist. Ob ich denn grundsätzlich mit dem Konzept Lampe vertraut sei, fragtest du kürzlich, lieber grosser Bruder, als du zum ersten Mal auf Besuch kamst im neuen Heim. Als ob Stirnlampen keine Lampen wären, pfff.

Nun muss man wissen, dass der liebe Gott bei der Verteilung der Fähigkeiten und Charaktereigenschaften in der Familie Feuz geschlampt hat. Und zwar big time. «Handwerkliches Geschick, Vorsicht, Besonnenheit, Sorgfalt und Geduld kriegt der grosse Bruder. Was haben wir denn da noch in der Zutatenkiste? Ah ja, grosse Klappe, zwei linke Hände und pubertären Humor. Kriegt die kleine Schwester.» Ungefähr so wird das damals gewesen sein. Nein, ich beklag mich nicht. Unmittelbar nach mir hat der olle Gott dann noch den Blobfisch entworfen. Im Vergleich dazu bin ich ja noch ganz gut weggekommen, find ich.

Es ist ja nun nicht so, dass Frau Feuz handwerklichen Arbeiten grundsätzlich abgeneigt wäre. Ganz im Gegenteil. Ich geh ja zum Beispiel wahnsinnig gerne in Baumärkte und staune ob den fantastisch obskuren Gerätschaften, die es da zu kaufen gibt. Exzenterschleifen zum Beispiel. Oder Turbolötbrenner. Klingt grossartig, nicht? Hätte ich eine Band, würd ich sie so nennen. Ach so ja, ich hab ja eine Band. Sie entschuldigen, werte Leserschaft. Seitdem ich das mit dieser Lampe dann doch noch versucht habe, setzt die Schaltzentrale im Kopf ab und zu aus. «Roter, blauer, gelber Draht, öppen hans was heiri» hat Frau Elektrospezialistin Feuz gedacht, als sie die Kabellage beim Stromanschluss an der Zimmerdecke überprüfte. Was sagen Sie, werte Leserschaft? Phasenprüfer? Brauchte MacGyver etwa einen? Eben. Sicherung rausnehmen? Jetzt hören Sie aber mal auf. Dafür müsste man ja erst mal wissen, hinter welchem Bananenkisten-Stapel sich der Sicherungskasten befindet.

Sie ahnen es, oder? Als ich dann wieder zu mir kam, hatte ich einen Afro. Und Herzrhythmusstörungen. Und die Lampe aufgehängt hast dann schlussendlich doch du, gell lieber Bruder. Während du das tatest, hab ich dir zum Dank eine spontan erfundene Baumarkt-inspirierte, nicht ganz jugendfreie Geschichte erzählt. In den Hauptrollen: ein Druckluftschlauch (hihi) und eine Saugdüse (haha). Als ich dann so richtig in Fahrt kam und beim Scharnierlochbohrer (gacker) angelangt war, sagtest du, bei mir seien offenbar ein paar Winkel abgeschliffen und ich solle doch bitte mal meinen Filterdruck mindern, sonst würdest du mir eine flachdübeln.

Also wenn man die Wahl hätte, ob man nun mit dir oder mit mir auf einer einsamen Insel stranden möchte, hätte man mit dir wahrscheinlich die grössere Überlebenschance, lieber grosser Bruder. Geb ich ja zu. Aber ich persönlich fänds mit mir lustiger. Werte Leserschaft, wie würden Sie sich denn entscheiden? («Scheide» uahaaaa)

Pubertärelektrifiziert,

Feuz, die Jüngere

Gisela Feuz schreibt, als freie Journalistin für «Der Bund». Ihr grosser Bruder ist nicht mit dem Chef verwandt. Wenn Sie nun trotzdem fragen, ob Frau Feuz das sei, haut Ihnen meine Mama wahrscheinlich eins rein.

5 Kommentare zu «Lieber grosser Bruder,»

  • Ueli Furrer sagt:

    Aber den Chlöisu Friedli Beitrag hast du trotzdem ganz tipptopp eingebracht. Ohne Kohl jetzt.

  • Glücki René sagt:

    Keine Frage, wer mit auf die Insel kommt; die junge Feuz ist der Hammer! Hab so gelacht, dass ein paar Phasen durchgeknallt sind. „gecknallt“….huahahahaaa!

  • Frau Bärtschi sagt:

    Ich kenne das Problem. Die Lösung: Stehleuchten, auch Ständerlampen genannt, kaufen (kreischgackergacker…)

  • Michu sagt:

    Harhar, danke GF!

  • Teuscher Urs sagt:

    Wunderbar 😀 Frau Feuz!
    Das mit der ersten Lampe in der neuen Wohnung kommt mir sehr bekannt vor.
    Damals am Langmauerweg 17 in Bern 🤣🤣🤣🤣

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