Liebe Filzläuse

«Poller»-Kolumnistin Gisela Feuz setzt sich für die Anliegen der Filzläuse ein.


Seid ihr eigentlich heute auch am Demonstrieren? Also verstehen würd ichs ja, wenn ihr mit Trillerpfeifen und Transparenten durch die menschliche Unterholzwolle marschieren würdet. Eure Arbeitsbedingungen sind unter aller Kanone und die Wertschätzungs-Werte im Keller.

Normalerweise wohnt ihr ja zwischen unseren Beinen, gellet liebe Filzläuse, weswegen ihr auch Sackratten genannt werdet. Wenns mal eng wurde im Busch – ihr seid ja ein geselliges Völkchen –, haben wagemutige Pioniere auch schon den langen Marsch in die Achselhaare auf sich genommen. Und ein paar richtig wilde Vertreter eurer Spezies, quasi die Amerigo Vespuccis und Robinson Crusoes der Filzläuse, hat man auch schon in Wimpern und Augenbrauen gefunden. Noch weiter nach oben geht dann allerdings nicht, denn dort hausen die Kopfläuse. Mit denen ist nicht gut Kirschen essen beziehungsweise Blut schlürfen. Wie war das, liebe Filzläuse? Die aktuellsten Renaturierungs-Zonen hätte ich vergessen? Hipsterbärte?!

Als motorisch minderbemittelter Mensch, den schon die Koordination von zwei Füssen ab und an überfordert, ist Frau Feuz fasziniert davon, wie ihr mit euren sechs Beinen zu manövrieren versteht, liebe Filzläuse. Geschickt wie Affen an Lianen turnt ihr damit durch die Schamwolle, und wenns mal rüttelt und schüttelt im Busch, weil sich jemand kratzt, umklammert ihr einfach mit jedem der sechs Beine jeweils ein Haar und lasst stoisch jedes Ungemach über euch ergehen. Daher stammt doch bestimmt auch die Redewendung «der Dinge haaren, die da kommen», nicht?

Beim Rumhängen im Genitalfell sägt ihr mit euren Rüsselchen kleine Löcher in die Haut und lasst euch im Kollektiv ordentlich vollaufen an der menschlichen Blutbar. Ich stell mir das ganz unterhaltsam vor. Bestimmt gibt es dann auch solche, die ausfällig werden, weil sie nicht wissen, wann genug ist. Oder solche, die ganz still werden und sich traurig in die hintersten Auspuff-Haare verkriechen, um sich der Melancholie zu ergeben.

Einen Moment, liebe Filzläuse, ich muss an dieser Stelle kurz eine Zwischenfrage an die werte «Bund»-Leserschaft stellen: Wie oft haben Sie sich während des Lesens dieser Kolumne schon gekratzt? Falls es Sie tatsächlich juckt, sind Sie dem Nocebo-Effekt erlegen. Dieser tritt analog dem Placebo-Effekt als Reaktion auf etwas ein, das man sich einbildet. Beim Placebo-Effekt kann dies zum Beispiel eine positive Reaktion auf ein medizinisches Präparat sein, das eigentlich gar keines ist. Beim Nocebo-Effekt reagieren wir negativ auf einen Einfluss. Schreibt zum Beispiel die Feuz über Filzläuse, beginnts zu jucken.

Zurück zu euch, liebe Filzis. Ihr seid uns ja auf rührende Art und Weise treu ergeben. 24 Stunden nachdem man euch von unseren Körpern entfernt hat, sterbt ihr. Leider weiss Homo sapiens eure Anhänglichkeit aber wenig zu schätzen und verbreitet ganz im Gegenteil Tipps und Tricks, wie man euch loswird. Die Neandertaler-Hauspostille Rtl.de empfiehlt: «Es ist ratsam, Kleidung, Bettzeug und Handtücher bei mindestens 60 Grad zu waschen. Für den Sexualpartner gelten gleiche Massnahmen.» Wobei man beim Sexualpartner dann vielleicht den Schongang einstellen sollte bei der Waschmaschine.

Noch perfider als öffentliche Anleitungen zum Filzlaus-Genozid sind diejenigen Stätten, welche das vermeintliche Übel an der Haarwurzel anpacken: Waxing Studios. Ich mein: Wird im Amazonas der Regenwald abgeholzt, gibt es lautstarke Proteste, dass Tiere ihr natürliches Habitat verlören. Aber was ist mit Filzläusen? Sind das etwas keine Tiere?! Wie viele Quadratkilometer Schamhaare werden jährlich abgeholzt und wie viele Filzlaus-Familien sind deshalb schon obdachlos geworden und nagen am Hungertuch, he? Wie soll man denn da als ehrbare Sackratte überhaupt noch überleben können?!

Wie war das, liebe Filzläuse? Euch gefällt mein Engagement für eure Sache? Ob ihr mich besuchen kommen dürft? Eeeehm. Also Frau Feuz ist eben mehr so die Cüpli-­Lausistin.

Trotzdem mit kämpferischem Gruss,
Eure Frau Feuz

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht in dieser Kolumne einzig und alleine um die gemeine Filzlaus Pthirus pubis. Frau Feuz ist eine Verfechterin der Anliegen der Arbeiterbewegung. Ausserdem ist sie nicht verwandt mit der herrschenden Klasse (dem Chef).

3 Kommentare zu «Liebe Filzläuse»

  • Kachina Semadeni sagt:

    Wunderbar geschrieben! Klasse!

  • Bierfuerme sagt:

    Das war jetzt aber ein bisschen an den Schamhaaren herbeigezogen, liebe Frau Feuz. Warum verwenden Sie keinen Gedanken an all die zarten, frisch rasierten Fö**chen, Mö*en und Pus*ies bei denen die Pthirus pubis keine Chance hat, sich festzukrallen?

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