Beckmesserische Fragen zum Beck

Ob der Autor dieser Kolumne Katholik, Protestant oder konfessionslos ist, tut nichts zur Sache. Denn Brot essen alle.

Früher gabs katholische Bäcker und reformierte. Man wusste im Dorf, wer wohin gehört. Natürlich haben reformierte Kunden auch beim katholischen Bäcker eingekauft, wenn er seinen Laden um die Ecke hatte oder seine Gipfeli besser waren. Aber man schaute darauf, öfter den «von unserer Seite» zu berücksichtigen, wie man sagte – «die andere Seite» tue dies ja auch. So war das mit vielen Gewerbebetrieben. Manchmal war dieses Bevorzugen von «unserer Seite» mit Nachteilen verbunden. So passierte es, dass der Reformierte, der altershalber sein Geschäft aufgeben wollte, unbedingt einen reformierten Nachfolger haben wollte. Den fand er, doch war er als Bäcker nicht überzeugend, weshalb er das Geschäft gegen die Wand fuhr. Ein anderer war klüger. Der reformierte Alt-Bäcker übergab es einem tüchtigen Katholiken, sodass das Geschäft ein Erfolg wurde.

Aus der Geschichte lernen wir somit, dass die Weitergabe von Bäckereien nicht einfach ist. Das zeigt sich in einem Oberländer Bergdorf, wo ich unlängst eine Skiferienwoche verbrachte. Der Name tut nichts zur Sache. Ich bin nicht einmal sicher, ob die Träger des Familiennamens Wenger wirklich von dort stammen. Jedes Mal in den Winterferien besuchten wir die Dorfbäckerei, die einen guten Namen hatte. Das Nussbrot war ein Heuler, auch die Pralinés. Wir kauften vor der Abreise ein, um etwas Feriengeschmack nach Hause nehmen zu können. Hoteliers liessen sich vom Beck beliefern, weil sich die Gäste über die feine Choix auf dem Frühstücksbuffet freuten. Weil die Ware so gut war, liessen sich die Ortsfremden im Laden nicht einmal von den grantigen Verkäuferinnen abschrecken, die ihrer Chefin nacheiferten.

Diesmal wars anders. An der Ladentüre stand: «Wie die Zeit vergeht.» Nach 28 Jahren wolle man kürzertreten. «Leider konnten wir bisher keine geeignete Nachfolgelösung finden.» Der Laden bleibe «bis auf weiteres» geschlossen, was so blieb, Monate nach der Mitteilung. Darum gabs im Hotel aufgebackenes Brot eines Convenience-Herstellers, das nicht schlecht, aber nie so gut schmeckte wie früher. Einige Hotels schafften Backöfen an. Eine Versorgung von auswärts sei schwierig, hörte man, zumal das Dorf nur mit dem Bähnli erreichbar ist.Alle schüttelten die Köpfe. Der bewährte Backstubenchef habe sich beworben, leider ohne Erfolg, hörte man, der Patron habe wohl zu viel Geld verlangt. Den Kunden, von denen zumindest die Einheimischen meist dem Protestantismus anhängen, wäre es wohl egal, wenn ein Katholik, Agnostiker oder Muslim den Laden übernähme. Hauptsache, es gäbe wieder frisches gutes Brot. So weit sind wir heute schon. 

Markus Dütschler

Dem «Bund»-Redaktor ist bekannt, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, aber unwichtig ist es trotzdem nicht.

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