Lieber Mike Skinner

«Poller»-Kolumnistin Gisela Feuz ist der Hinweis zugeflogen, dass Vögel keine Penisse besässen. Kurzerhand hat sie eine Schniedel-Recherche gestartet - und erstaunliches herausgefunden.

Buchfink, Weibchen, fringilla coelebs

Vögel hätten keine Penisse, damit sie keine Weibchen vergewaltigen könnten, sagtest du. Das war eine etwas seltsame Bemerkung, die man so nicht erwartet hätte vom Protagonisten eines Hip-Hop-Konzerts. Aber weil es die letzte Show deiner Tournee war und es in der Natur der Sache liegt, dass solche Abschlusskonzerte etwas emotional ausfallen und darum schon vorher gerne zwei, drei, vier gezecht werden, liess die Ratio Nachsicht walten.

Zwei, drei …. sieben hattest du definitiv intus bei diesem Konzert, gell, lieber Mike Skinner. Macht aber nichts. Wenn man zu den weltbesten Sprechgesangskünstlern gehört (Frau Feuz’ Urteil ist hier eventuell nicht gänzlich objektiv) und auch trotz der zwei, drei …. sieben noch eine einwandfreie Show abliefert, darf man fast alles.

Die Vogelpenisse verfolgten mich dann allerdings. Was sagst du, lieber Mike Skinner? Bildlich vorstellen? Grüsel. Jedenfalls: Weil mir die Geschichte keine Ruhe lassen wollte, hat Frau Feuz Schniedel-Recherche angestellt. Es ist offenbar tatsächlich so, dass weniger als 3% der Vögel über einen Piephahn verfügen, den restlichen 97% ist der Schwengel irgendwo in der Evolutionsgeschichte abhandengekommen. Das ist erstaunlich, denn wenn es darum geht, eine Ladung Fortpflanzungsmaterial durch einen Kanal an einen bestimmten Punkt zu manövrieren, dann funktionieren ausfahrbare Bohrelemente doch am effizientesten, so zumindest die Annahme von Fortpflanzungs-Ingenieurin Feuz. Warum sollte also verloren gehen, was doch eigentlich praktisch ist?

Einen Hinweis liefern könnte allenfalls das, was auf der Aare in Tauch-, Stock- und spärlich auch in Mandarin-Form herumschwimmt. Enten gehören nämlich zu den wenigen Vogelarten, bei welchen die Männchen noch über ein Glied verfügen und zwar eines, das die Form eines Korkenziehers hat und äusserst explosiv ist. Normalerweise ist die Lustgurke eines Enterichs in einem Hohlraum versteckt, der sich am Ende des Verdauungstrakts befindet. Wenn angetörnt, wird das beste Erpel-Stück ausgefahren, wobei es eine Länge von bis zu 20 cm erreichen kann. Die Entendame wird begattet, ohne nach Einwilligung oder Erlaubnis gefragt zu werden, wobei die männliche Erleichterung nach gerade mal 1/3 Sekunden erfolgt. Ein Blitzvergewaltigung also.

Das alles und noch viel mehr weiss Patty Brennan, Doktorin der Evolutionsbiologie und Koryphäe im Gebiet des Erpel-Genitals. Die gebürtige Kolumbianerin geht davon aus, dass die gewaltvolle Natur des Liebesaktes dazu geführt habe, dass die meisten Vögel im Verlauf der Jahrhunderte ihren Phallus verloren hätten. Blitzvergewaltigungen seien nämlich für Vogeldamen wenig attraktiv, weswegen diese Männchen den Vorzug gegeben hätten, welche weniger in der Hose beziehungsweise in den Federn gehabt hätten und überhaupt sanfter zur Sache gegangen seien. Der Rest ist Evolution und der Vogel-Pimmel somit mehrheitlich Geschichte.

Nach wissenschaftlichen Massstäben beweisen lässt sich Patty Brennans Theorie nicht, denn dazu brauchte es Versteinerungen, welche den Verlust des Kükenmachers im Verlauf der Jahrhunderte belegen. Weil Amors Zauberstab ja aber ein Weichteil ohne Knochen ist, blieb davon längerfristig nie wirklich etwas übrig.

Was das Ganze mit dir zu tun hat, lieber Mike Skinner? Eigentlich nichts. Zumal sich dein Tentakel nach dem Konzert wegen der zwei, drei … sieben trotz gegenteilig geäusserter Absicht wohl kaum mehr aus dem Weichteilstatus erhoben haben dürfte. Wären wir Konzertbesucherinnen Enten, hätte diese Tatsache nach Patty Brennans Theorie vielleicht durchaus eine gewisse Attraktivität gehabt. So aber hoffte frau auf dem Heimweg einfach, dass du nicht aus Versehen in die Limmat kippen würdest, und fragte sich insgeheim, warum es eigentlich so viele Synonyme für das männliche, aber kaum welche für das weibliche Geschlechtsorgan gibt.

Fit but you know it, Deine Frau Feuz

Gisela Feuz

Mike Skinner ist Frontmann des englischen Hip-Hop-Unterfangens The Streets, welches am letzten Samstag im Kaufleuten in Zürich seinen Tournee-Abschluss feierte. Der Chef dieser Zeitung war glaubs nicht dort. Weil wir nicht verwandt sind, gehen wir auch nicht zusammen an Konzerte.

1 Kommentar zu «Lieber Mike Skinner»

  • Bierfuerme sagt:

    Liebe Frau Feuz, wie sagen Sie denn Ihrem Müscheli? Leider reichen die 800 Zeichen, die man hier zur Verfügung hat, kaum aus, um die mindestens 98 Synonyme für das weibliche Geschlechtsorgan, die ich kenne, aufzuführen. Aber hey, wenn es Sie interessiert, kommen Sie doch einmal zu uns an den Stammtisch im „Kleinen Bärli“ am Scheideweg in der Schosshalde. Meine Kumpel und ich würden uns sehr freuen, Sie in unserer Mitte begrüssen zu dürfen.

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