Die Kartonschachtel aus dem Hades

«Poller»-Kolumnistin Gisela Feuz schert sich nicht um die pädagogische Idee der Schöpferin von Monopoly.

Lieber Gastgeber,

«Monopoly müsste man mal wieder spielen», liessest du kürzlich in einer geselligen Runde verlauten, in die Frau Feuz aus Versehen geraten war. Ich muss gestehen, dass du mir ausnehmend unsympathisch warst, lieber Gastgeber. Dein Wein, den ich dir zur Strafe wegtrank, war allerdings ganz fantastisch. Du bist dann in den Hades deines Hauses hinabgestiegen und kramtest dort tatsächlich eine dieser grossen Kartonschachteln hervor, deren Inhalt weltweit bestimmt schon für Mord und Totschlag gesorgt hat. So ganz unter uns, liebe Leserschaft: Sind Sie nicht auch der Meinung, dass wenn in «geselligen Runden» plötzlich Brettspiele auf dem Tisch stehen, die Runde so gesellig wahrscheinlich doch nicht ist? Sonst könnte man sich ja gepflegt unterhalten. Oder zumindest in aller Ruhe betrinken.

Beim Brettspiel Monopoly geht es darum, ein Imperium aufzubauen, und dabei alle anderen in den Ruin zu treiben. Dazu kauft man möglichst viel Land, baut darauf Häuser und Hotels und nimmt jeden aus, der bei einem Halt macht. «Das ist Raubtierkapitalismus in Reinform und Monopoly wohl das dümmste Brettspiel überhaupt», hörte sich Frau Feuz angeschickert-angriffig dozieren, während das Spiel-Setting aufgebaut wurde. «Dabei hatte die Schöpferin von Monopoly, Elizabeth Magie, 1904 doch eigentlich genau das Gegenteil im Sinn. Sie wollte nämlich bei den Mitspielenden für die Erkenntnis sorgen, dass Grundbesitztum und Reichtum auf der einen Seite zu Armut und Verelendung auf der anderen Seite führen». Während diesen Ausführungen schraubte sich Frau Feuz’ Lehrerinnen-Zeigefinger kontinuierlich in immer höhere Lüfte, derweilen du mein Rotweinglas ausserhalb meiner Reichweite platziertest, gell lieber Gastgeber. «Das ging ja mal gründlich in die Hosen, die Sozikacke dieser Magie», krähtest du vergnügt, bevor du die Würfel warfst und die Monopoly-Runde eröffnetest.

Es kam, wie es kommen musste. Frau Feuz riss sich Zürich Paradeplatz und Lausanne Place St. Francois unter den Nagel, baute Hotel um Hotel und räumte eins ums andere Mal den Parkplatz leer. Derweilen sassest du, lieber Gastgeber, die halbe Spielzeit über im Knast, dümpeltest auf den Elektrizitätswerken und Vereinigten Überlandbahnen rum und bautest am Arsch der Welt (Schaffhausen, Vordergasse) ein lumpiges Häuschen, wo dann nie jemand Halt machte. Meine Laune stieg in dem Ausmass, wie deine sank. «Kannst deinen Schober ja sonst airbnb-vermieten. Oder soll ich deine Koordinationsstelle Zwischennutzung sein?», wieherte ich und nahm einen grossen Schluck direkt aus der Rotweinflasche.

Wie der Abend endete? Das wollen Sie nicht wissen, werte Leserschaft. Sie wollen doch? Nur so viel: Moral und Anstand stehen in diametraler Korrelation zu Rotweinpegel. Und ausserdem hat Frau Oligarchin Feuz definitiv das Zeugs zum Immobilen-, Dings, Immobilen-Piranha. Immobilen-Delfin? Was sagst du, lieber Gastgeber? Besetzung und Zwangsräumung sei nicht Monopoly-Regel-Konform? Ja und?!

Mit Schädelbrummen,

Frau Feuz

Frau Feuz, nein der Chef und sie … sie wissen schon, ist freie Kulturjournalistin und wird komplett asozial, wenn sie sich an Brettspielen beteiligen muss. Der US-Amerikanische Spielzeughersteller Hasbro plant zusammen mit Universal, Monopoly zu verfilmen. Als Regisseur ist Ridley Scott im Gespräch, herauskomme soll der Film 2020. Frau Feuz kann jetzt schon mit Gewissheit sagen, dass sie sich diesen Streifen nicht anschauen wird.

poller.derbund.ch

1 Kommentar zu «Die Kartonschachtel aus dem Hades»

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.