Gelobet sei, was hart macht

«Bund»-Redaktor Markus Dütschler versucht den Eindruck zu erwecken, dass regelmässiges Muskeltraining zwangsläufig zu einem Adoniskörper führt.

Haben Sie ein Abo für den Fitnessclub gelöst? Solche Etablissements erfreuen sich zu Jahresbeginn heftigen Zuspruchs, weil sich männiglich und frauiglich schwört, nach den Festtagsvöllereien etwas für die Figur zu tun. Zweite Frage: Wie oft waren Sie dort? Zweimal? Oh, dreimal? Sehr brav! Würde ich diese Frage erst aufwerfen, wenn ich mit der nächsten Kolumne dran bin, fiele die Antwort wohl anders aus: Ach, ich hatte in letzter Zeit so viel zu tun, es ging einfach nicht, ich musste geschäftlich ins Ausland. Reden Sie nur, aber ich warne Sie: Das reisst schnell ein.

Allen Memmen sage ich: Es ist eine reine Frage der Selbstdisziplin. Nehmen Sie mich als leuchtendes Beispiel. Man schrieb das schöne Jahr 2011, als ich im Januar schräg über die Strasse ging, weil dort ein Muskelstudio seine Tore öffnete. Dies verstand ich als Wink des Himmels und beschloss, der Erschlaffung meines Gourmetkörpers energisch Einhalt zu gebieten. Der Gründer der Kette, ein Muskel-Guru, war persönlich anwesend. «Gehen Sie rasch hinüber, um den Trainer zu holen», forderte er mich auf. Ich tat wie geheissen, absolvierte ein Probetraining, unterschrieb den Vertrag – und verlängerte diesen immer wieder.

Und jetzt, liebe Leserinnen und Leser, spitzen Sie die Ohren: Seit jenen unspektakulären Anfängen frequentierte ich das Studio 634-mal. Das sind pro Jahr fast 80 Besuche, was auf wöchentlich anderthalb Trainingseinheiten hinausläuft, Ferienzeiten und Krankheitsabsenzen eingerechnet. Und dabei wohne ich seit Jahren nicht mehr gegenüber dem Studio. Ich sage es darum ohne falsche Bescheidenheit: Ein Adonis-Körper kommt nicht von allein. Selbst wenn ich im Ausland weilte, trieb es mich in eine dieser Folterkammern, die mein Anbieter auch anderswo betreibt. Vom Bodensee aus nutzte ich eine Filiale im Thurgau, in Berlin suchte ich eines der dortigen Studios auf und präsentierte die Mitgliedskarte. Da ich das Trainingskontrollblatt nicht dabeihatte, sagte der Aufseher: «Ick lass mir det faxen.» Sekunden später traf es aus Bern ein.

Bevor Sie in Ihren Schuldgefühlen zu versinken drohen, sage ich Ihnen offen die ganze Wahrheit. Vor Jahrzehnten hatte ich schon einmal ein Abo dieser Firma gelöst. Damals war ich undiszipliniert und sorglos und blieb dem Training nach wenigen Wochen für immer fern. Schade ums Geld. Es waren andere Zeiten. In den spartanischen Studios gabs nicht einmal Duschkabinen, nur eine Säule mit Sprühknöpfen mit fixer, eher kühler Wassertemperatur. Die verschwitzten Männer standen darum herum und beäugten sich beim Duschen. Nun könnte ich Ihnen erzählen, dass der ehemalige Generaldirektor eines staatsnahen Betriebs – aber ich muss hier leider schliessen.

Markus Dütschler
Der «Bund»-Redaktor gesteht, dass Adoniskörper kein wissenschaftlich definierter Begriff ist.

3 Kommentare zu «Gelobet sei, was hart macht»

  • Schwaller Beat sagt:

    Ansprechend, sehr ansprechend.ist er, dieser Artikel. Chapeau! – Ein versöhnlicher Beweis zudem dafür, dass Muskelbildung (und halt auch etwas Körperkult) nicht auf Fetischismus wurzelt, sondern sich mit Geist, Bildung und Kultur bestens verträgt.
    Von der angedeuteten Selbstdisziplin schneide ich mir gerne ein grosses Stück für meine Belange ab. Wird meinen eigenen „Ausredenkatalog“ zum Training-Verschieben löcheriger machen…
    Die für anfangs Jaht beschriebeben „Muskel- und Kalorienvirsätze“ decken sich dabei mit den meinigen; das Abo im 3072-Time-Out ist verlängert. Aber eben, wenn da nicht all die anstehenden Pendenzen, Termine und bereits pralle Agenda noch wären… smile (sw).

  • Katja Imme sagt:

    Markus Dütschler ist neu auch Influencer?

  • Ruedi Matti sagt:

    Bin 55 Jahre alt und gehe seit 3 Jahren zweimal wöchentlich in einen seriösen Boxkeller in Ittigen. Die meisten Trainingskollegen sind erheblich jünger als ich. Habe zehn Kilo abgenommen und fühle mich sehr gut. Trinke aber nach wie vor mal ein Bier oder einen Wein und sündige auch mal beim Essen. Kann das jedem empfehlen.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.