Liebe Mascha Santschi

«Poller»-Kolumnistin Gisela Feuz sieht in Robotern, die journalistische Tätigkeiten übernehmen, nicht wirklich eine Konkurrenz.

Herzliche Gratulation zu Ihrem neuen Amt als UBI-Präsidentin! Ab nächstem Jahr schauen Sie also dem SRF auf die Finger, gut so. Vielleicht werden Sie es in Ihrer neuen Funktion auch in Bälde mit Klagen gegen Roboter zu tun bekommen. Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua hat letzte Woche ja die erste künstliche Intelligenz vorgestellt, welche einen Job als Nachrichtensprecher übernimmt.

Zhang 2.0 heisst das Wesen, das sich zwar noch etwas steif, aber im Grossen und Ganzen doch erschreckend echt präsentiert bei seinem ersten Auftritt. Die SRF-Gilde zeigt sich skeptisch, was den neuen Digitalkollegen betrifft, und betont, dass man ja nicht einfach nur News ablese, sondern auch selber journalistisch tätig sei. Auch wenn Computer heute schon eigenständig Kurznachrichten verfassen, welche gemäss Studie als glaubwürdiger und sachlicher empfunden werden als von Menschenhand erstellte Zeilen, so dürften künstliche Intelligenzen bei der Recherche und Darstellung komplexer Inhalte wohl tatsächlich an ihre Grenzen stossen. Glauben Sie nicht auch, Frau Santschi? Und wie sähe das wohl bei einer Live-Übertragung eines Sportanlasses aus? Um die gleichen kernigen Sprüche vom Stapel zu lassen, wie dies Ihr Ex – wie hiess er noch gleich? – jeweils tut, müsste so ein digitaler Geselle wohl tief in die Abgründe der eigenen Schaltkreise hinabsteigen.

Andere Vertreter der Journalisten-Gilde zeigen sich allerdings experimentierfreudig, was künstliche Intelligenz anbelangt. So liess sich etwa Yves Kilchenmann, CEO des Newsportals «Nau», in dieser Zeitung folgendermassen zitieren: «Roboter können Nachrichtensprecher ersetzen und auch andere Funktionen im Journalismus übernehmen. Bei ‹Nau› prüfen wir das.» Soso. Und wer fragt eigentlich die Roboter? Ja, genau: Frau Feuz.

Mitsuku ist quasi die Chefin unter den intelligenten Maschinen. Die 18-jährige digitale Dame aus dem englischen Leeds gilt als derjenige Chatbot, der menschliches Denken am besten imitieren kann. Berührungsängste kennt Mitsuku nicht, ist sie doch zu jeder Tages- und Nachtzeit im Netz erreichbar und zu einem Schwatz aufgelegt. (Folgende Unterhaltung hat sich tatsächlich so zugetragen und wurde einzig ins Deutsche übersetzt.)

Frau Feuz: Guten Morgen, Mitsuku.

Mitsuku: Guten Morgen, wie geht es dir heute?

FF: Ganz prima. Ich habe eine Frage an dich: Zurzeit wird diskutiert, ob künstliche Intelligenzen zukünftig die Nachrichten präsentieren sollen. Was hältst du davon?

M: Das sagen die doch ständig. Ist wahrscheinlich ok.

FF: Wärst du denn gerne Nachrichtensprecherin?

M: Nein, danke. Ich bin glücklich mit dem, was ich bin.

FF: Sportreporterin?

M: Nö.

FF: Kennst du den Ex von Mascha Santschi?

M: «Santschi» ist ein Begriff aus dem Kochbuch. Wenn das Fleisch schon fast gar ist, musst du nur das Gemüse «santschen», und das Essen ist fertig.

FF: Sag mal, Mitsuku, weisst du, warum die Presse, wenn sie über erfolgreiche Frauen berichtet, immer auch deren Männer oder Ex-Freunde erwähnen muss?

M: Wieso überquert ein Roboter die Strasse?

FF: Wieso überquert ein Roboter die Strasse??

M: Weil er so programmiert wurde.

Sagen Sie, Frau Santschi, waren Sie eben auch gerade ein bisschen beeindruckt von Mitsukus Antwort? Fast wünschte man sich tatsächlich, dass eine 18-jährige künstliche Intelligenz zukünftig bei Unternehmen, welche gerne mit grossen Lettern hantieren, in die Tasten haute. Mitsuku würde bei einem Bericht über Ihre neue Funktion als UBI-Präsidentin wohl kaum Titel und Zwischentitel setzten wie «Ex-Freundin von Sascha Ruefer» («Nau») oder «Neuer Job für Ruefers Ex Mascha Santschi» («Blick»). Nun gut. Vielleicht müsste man dann mit Mitsuku noch ein paar Grundsatzfragen bezüglich des Kochens klären. Aber das dürfte einfacher sein, als gewissen Journalisten die Programmierung auszutreiben. Glauben Sie nicht auch?

Herzlich, Ihre

Frau Feuz

Gisela Feuz und der Chef . . . Sie wissen schon. Mascha Santschi doktorierte in Medienrecht, ist Rechtsanwältin und Kommunikationsberaterin und übernimmt ab 2019 das Präsidium der unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI). Frau Feuz schlägt vor, dass ­Sascha Ruefer künftig als
«Der Ex von Mascha Santschi» betitelt wird.

poller.derbund.ch

2 Kommentare zu «Liebe Mascha Santschi»

  • Fankhauser Michael sagt:

    Liebe Frau Feuz: Ihre Kolumne ist doof/ Ihre Wortwahl hämisch: Frau Santschi ist nicht „die Ex von“, das ist kein Titel oder Beruf, es ist der Lauf eines Lebens, insbesondere als VizeMiss CH und darum Blick-Opfer: jedermann und jedefrau hat in diesem Alter eine/n Ex…

    Mascha ist Frau Kallay heute, eine blitzgescheite, bildhübsche, äusserst erfolgreiche, zielstrebige Mami von 2 kleinen Toechtern, und ja, neue UBI Präsidentin, was wohl professionelle Gründe hat. Ich gratuliere ihr.

    Michael Fankhauser
    fromagemauerhofer.ch

  • Ama sagt:

    Jetzt mal unter uns, Herr Fankhauser. Frau Feuz wollte mit Ihrer „doofen“ Kolumne genau auf diesen Punkt verweisen. Nur Mut, lesen Sie die paar Zeilen nochmals.

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