Räuber und Poli

Ein offener Brief von «Poller»-Kolumnistin Gisela Feuz an die Rowdys und Polizisten, die mit ihren Faxen auf dem Vorplatz der Reitschule endlich aufhören sollen.

Liebe Vorplatz-Rowdys

Was ist eigentlich euer Problem?! Ah ja, genau, ihr habt keine wirklichen. Wie sonst kann es sein, dass ihr Menschen in Leuchtwesten zu ultimativen Überfeinden stilisiert? Ich mein: Leuchtwesten! Gibt es etwas Ungefährlicheres als Leuchtwesten? Diese sind der Inbegriff von Bünzligkeit und übertriebener Vorsicht, ausser sie werden kleinen Kindern übergezogen oder im Strassenverkehr benützt.

Wenn überhaupt etwas, hätte man für die beiden Polizisten, welche vorletzten Samstag auf dem Neustadtlab zum Leuchtwesten-Dienst verdonnert worden waren, Mitleid empfinden müssen. Weil, wie uncool ist es, sich auf dem Kindergeburtstag als der überkorrekte Streber outen zu müssen. Mitleid war aber nicht das, was ihr für die beiden übrig hattet, gellet, liebe Rowdys, sondern Beleidigungen in einem Jargon, der einem die Fremdschämröte ins Gesicht trieb. Woher ich das wissen will? Ich war da. Frau Feuz ist eine derjenigen Personen, die gerne und oft die Reitschule besuchen, weil dort Konzerte veranstaltet werden, die einem allfälligen Frust gewaltlos aus der Seele blasen. Oder Theaterstücke, die zum Beispiel das Thema Rollenbilder verhandeln. Wär ja vielleicht mal was für euch. Besucht ihr überhaupt kulturelle Veranstaltungen in der Reitschule? Oder missbraucht ihr einfach nur den Vorplatz als Robinson-Spielplatz für Wohlstandsverwahrloste?

Liebe Polizisten und Polizistinnen

Was ist eigentlich euer Problem?! Ah ja, genau, ihr habt offenbar auch keine wirklichen. Dass ihr euch von Bubis, die offensichtlich nicht die hellsten sind, dermassen provozieren lasst und euch benehmt wie der Elefant im Porzellanladen, zeugt von wenig Sachverstand. Wenn der kleine Bruder im Sandkasten gemobbt wird, weil seine Leuchtweste bescheuert aussieht, fährt man nicht mit Armada und Panzer ein. Schon gar nicht, wer sich für seinen Einsatz doch eigentlich Deeskalation auf die Fahne geschrieben hat. Wenn das eure Deeskalation ist, möchte ich nicht wissen, wie die Eskalation aussieht. Im Kino der Reitschule würde sonst grad eine Filmreihe laufen, welche Aspekte der Kommunikation ausleuchtet. Wäre ja vielleicht mal was für euch. Besucht ihr überhaupt kulturelle Veranstaltungen in der Reitschule, oder missbraucht ihr einfach nur den Vorplatz als Gummigeschoss-Schiessstand für Möchtegern-Rambos?

Liebe beide,

Wisst ihr was? Wir haben euch satt. Frau Feuz hat euch satt und alle anderen auch, welche die Reitschule als Ort kultureller Vielfalt, Menschlichkeit und Offenheit erleben. Jedes Mal, wenn es wieder chlepft auf dem Vorplatz, fällt dies in der Wahrnehmung Aussenstehender automatisch auf die Reitschule zurück, auch wenn das eine mit dem anderen herzlich wenig zu tun hat. Wer das Gegenteil behauptet, dem seien die Touren ans Herz gelegt, auf welchen die Reitschule allen Interessierten Einblick hinter ihre Türen gewährt und durch Restaurant, Theater, Kino, Druckerei, Bar, Konzertlokal, Tojo, Schreinerei, Frauenraum und was es sonst noch alles gibt, führt.

Liebe Rowdys und liebe Polizei, ist euer beider Alltag denn tatsächlich so problembefreit und ereignisarm, dass nur Räuber und Poli auf dem Vorplatz bleibt? Gäbe es vielleicht nicht andere, dringlichere Probleme anzugehen auf der Welt? Oder könntet ihr zumindest eure Dummheit, Autoritätsprobleme, pawlowsche Reflexe und Gewaltgeilheit sonst wo verpülfern und uns Kulturinteressierte nicht damit behelligen? Auf dem Mond hätte es sonst noch Platz.

Weder herzlich noch eure,

Frau Feuz

Gisela Feuz ist weder mit dem Chef verwandt noch verbandelt mit der Reitschule, sondern freie Kulturjournalistin und wie wahrscheinlich 99 Prozent der Berner Bevölkerung einfach nur müde ob dem Gekaspere auf dem Vorplatz.

26 Kommentare zu «Räuber und Poli»

  • Horst Egli sagt:

    Merci Frau Feuz, besser kann man dieses Trauer-/Schauspiel/Laien-/Kaspertheater auf und um den Vorplatz nicht analysieren. Gebe ihnen erstmal 100Pte. und eine Runde Bier aus, sollten wir uns per Zufall an besagtem Ort über den Weg laufen.

  • Stalder Sarah sagt:

    Langweilig und fantasielos. In eine populistische Kerbe geschlagen. Statt die gut recherchierten Hintergründe auszuforschen. Unsere Gesellschaft ist auch in Bern voller Probleme, Leid und Unrecht. Schade um kritischen (satirischen) Journalismus.

    • Klaus Liebherr sagt:

      Sie schreiben „fantasielos“: Ist ja klar, denn es handelt sich hier nicht um Fantasie, sondern um Realität.
      Sie schreiben „Bern voller Probleme“: Frau Feuz fragt in ihrem Text die beiden Gruppen, ob sie nicht andere Probleme haben? Das zeigt wohl, dass sich Frau Feuz bewusst ist, dass es andere Probleme zu bewältigen gäbe.
      Beim Erforschen der Hintergründe, müsste man wohl 30 Jahre in der Vergangenheit recherchieren. Das hat aber mit den gesagten Rowdys und Polizisten, die heute auf dem Vorplatz ihre Macht demonstrieren, nicht mehr viel zu tun.
      Haben Sie den Text von Frau Feuz wirklich verstanden?

  • elijah ruchti sagt:

    leuchtweste… (und wumme am gürtel)

  • Tom Hamann sagt:

    Bravo und Dankschön, Frau Feuz! Könnte 1 zu 1 glatt von mir sein, aber Sie schreibens massiv BESSER, als ich es könnte. Weiter so!

  • Grammi sagt:

    Frau Feuz hat euch satt und alle anderen auch, welche die Reitschule als Ort kultureller Vielfalt, Menschlichkeit und Offenheit erleben.

    Ich find den Satz grammatikalisch etwas heikel … 🙂

    Aber sonst gefällt’s …

  • Steve sagt:

    Ja das ist mal ein schwacher Text. An was stören Sie sich nun genau? An der Leuchtweste? Könnte man meinen. Solange alles im grünen ist brauchts auch keine Polizei vor Ort. Wie z.B vor dem Stadttheater, Kornhaustheater oder anderen kulturellen Stätten. Leider versammelt sich bei der Reithalle aber auch anderes Gesindel, wie z.B. solche die da rumstehen als würden sie stundenlang auf den Bus warten. In der Tat aber illegales Zeugs verkaufen. Dann müsste man da ihrer Meinung nach Toleranz zeigen und das gewähren lassen? Dass sich dann paar andere durch die polizeiliche Präsenz gestört fühlen mag sein. Hier ist aber immer noch Rechtstaat, den sie mit ihrem Text offensichtlich in Frage stellen. Fragen Sie doch mal die Polizei, wie sie das sehen? Perpektivenwechsel nennt man das.

  • Fabian sagt:

    Armer armer Steve…

    Hast den Text wohl nicht ganz begriffen. Es geht ganz und gar nicht um den Drogenhandel in diesem Text. Drogen und dessen Markt ist in jeder Kultur (Stadt,urbanen Raum ) anzutreffen. Komplett unterbinden hat bis jetzt in der Geschichte der Menschheit nicht funktioniert. Aber lieber Steve vielleicht hast du ja DIE Lösung. Aber Stopp! In diesem Text geht es nicht um diese Thematik, also bleib bei der Sache und kritisier konstruktiv. Es wird auch nirgends geschrieben oder angedeutet, dass der Rechtsstaat per se in Frage gestellt wird.
    Kriegst aber trotzdem ein Kätzchen-Sticker von mir für die schöne Schrift 😉

    • Steve sagt:

      Danke Fabian für den Sticker und nein, ich habe keine Lösung. Sonst wäre ich ja wahrscheinlich Stadtpräsident, Kultur- oder Polizeichef. Ich hab den Text schon begriffen denke ich. Schlussendlich wollen wir alle nicht die ewigen Scharmützel auf dem Vorplatz. Ich habs nur satt wenn man ewig der Polizei vorwirft was sie alles nicht korrekt machen. Ich kenn da einige und die sind soweit alle anständig. Tun sie nichts, ist nicht gut. Tun sie was, ist nicht gut, und haben je nach dem noch eine Untersuchung am Hals. Kultur ist wichtig und Förderung gewünscht, wenn ich in der Position wäre, würde ich das Konzept Reithalle generell mal überdenken und eventuell anders positionieren. Die Lage ist super und Möglichkeiten gibts viele. Und ja, ich bin auch ab und zu in der Halle.

      • Anton sagt:

        Wieso sollte man fehler der polizei nicht kritisieren? Gnauso wie auch das verhalten der anderen „rowdys“ kritisiert wird. Und dabei geht es nicht um die patrouillen gegen die drogendealer sondern um die geplante eskalation(vgl. Polizeigrenadiere in vollmontur um 19:30 beim bahnhof)

  • Neuhaus Manuel sagt:

    Es grenzt schon fast an Arroganz pupertierende Sandkastenstreitereien mit Steinen, Eisenstangen, Flaschen und Böller werfenden jungen Erwachsenen auf eine Ebene zu stellen.
    Grundsätzlich verstehe ich Ihre Botschaft im Text schon.
    Jedoch versuchen auch Sie den linken Terrorismus zu verharmlosen.

    Gegen Gewalt! Egal ob Rechte oder Linke!

    • Beni sagt:

      Diese Sandkastenstreiterei hat nicht wirklich etwas mit Linken oder Rechten zu tun. Sie sollten sich im klaren sein, dass an diesem Abend Polizisten gegen betrunkene Jugendliche geschossen haben, die eher Call of Duty als politische Dinge im Kopf hatten.

  • Bierfuerme sagt:

    Fabian, lass doch diesen Steve einfach stundenlang auf dem Vorplatz rumstehen und das “andere” Gesindel beobachten, das dort auf den Bus wartet…
    Sarah, du hast hier, und nicht nur hier, wohl auch nicht allzu viel begriffen…
    Grammi, toll, du hattest ja in der sechsten Klasse auch schon mal eine Fünf in einem Aufsatz…
    Frau Feuz, bitte bleiben Sie dran!

  • Gubor Fröhlich sagt:

    Sie sprechen mir aus dem Herzen, Frau Feuz.

  • Peter Künzler sagt:

    Frau Feuz: Herzlichen Dank für diesen Kommentar!

    Manchmal erinnert mich das Geschehen an die Auseinandersetzung zwischen zwei Bubenbanden: Wer die Kappe falsch herum trägt, ist der Feind.

  • eifachsomauno sagt:

    Ich habe mir zehn Minuten Zeit genommen, diesen Text und die Kommentare zu lesen. Das sind, davon ausgehend, dass alle 10 Sekunden ein Kind an Folgen von Unterernährung stirbt, also rund 60 tote Kinder – ja es gibt andere Probleme in der Welt, die, auch wenn sie weit weg sind, uns dennoch betreffen. Ich verstehe den Frust der Menschen, die sich ohnmächtig fühlen und ihre Wut gegen jene Institution richten, die diese Staats- und Wirtschaftsmacht vor dem „Volk“ beschützt, die ebendiese Probleme fördern oder zumindest hinnehmen und ignorieren, dass sie helfen könnten. Ich verurteile Polizist*innen, die sich selbst nicht eingestehen können, dass ein Einsatz in der Reitschule längst zu einer persönlichen Angelegenheit geworden ist – Professionalität wäre dann übrigens das andere!

  • eifachsomauno sagt:

    *zu wenig Zeichen PS

    Dennoch liebe hier genannt Rowdies – überdenkt, ob die feinen Damen und Herren Staatsbeamt*innen es wert sind, dass ihr eure Energie auf diese Weise vergeudet, statt sie dort einzusetzen, wo Menschen euren Einsatz dankbar annehmen wollen – wir können sehr viel machen, nur die Wirkung unserer Taten zeigt sich wohl – was eben frustrierend ist, erst sehr viel später!

    Und werte „Freund*innen und Helfer*innen“ – wie wäre ea mit einem neuen Beruf?

  • eifachsomauno sagt:

    *zu wenig Zeichen PS

    Dennoch liebe hier genannt Rowdies – überdenkt, ob die feinen Damen und Herren Staatsbeamt*innen es wert sind, dass ihr eure Energie auf diese Weise vergeudet, statt sie dort einzusetzen, wo Menschen euren Einsatz dankbar annehmen wollen – wir können sehr viel machen, nur die Wirkung unserer Taten zeigt sich wohl – was eben frustrierend ist, erst sehr viel später!

    Und werte „Freund*innen und Helfer*innen“ – wie wäre es mit einem neuen Beruf?

  • Steves grösserer Bruder sagt:

    Lieber Steve, Drogen verhindert man nicht, indem man sie verbietet, sondern legalisiert. Alkohol wurde auch mal illegalisiert. War eine grössere Katastrophe, können sie nachlesen. Der Schwarzmarkt existiert nur, wegen der illegalität, und weil die ärmsten der armen diese Aufgabe in unserer Gesellschaft übernehmen müssen. Rede mal mit einem Eriträer oder anderen Flüchtling, der keine Arbeit findet, obwohl er hyper-motiviert ist und alles dafür geben würde. Tja, bleibt nur Drogengeld als letzte Lösung zur Erhaltung der Existenz. Verbringt mal einen Abend mit einem Eriträer auf der grossen Schanze und schaut zu, wie viele rassistische Polizisten Euren Gesprächspartner auf der untersten Schublade angreifen.
    Danke Frau Feuz, finde den Artikel absolut treffend 🙂 Satirisch, humorvoll, stark 😉

  • Tom sagt:

    Warum distanziert sich der Kulturbetrieb Reithalle nie richtig von den Randalierern?

    • Michael sagt:

      Ja, das frage ich mich auch schon länger, und es geht mir auch etwas auf den Geist, denn der Kulturbetrieb ist super!
      Aber wer sich von Linksradikalen oder anderen apolitischen Chaoten nicht distanziert, hängt halt dann mit. Und ewig kann man Hess’sche Abstimmungen zur Reitschule halt mit schnudrigen ikur-communiqués halt auch nicht gewinnen, beim besten Willen nicht. :/

  • Alex Müller sagt:

    Typischer Kommentar eine Anhängerin der Linken Chaotenbewegung.

  • Pepito sagt:

    Frau Fööts for President!

    Könnten die ganzen Testosteronbolzen auf beiden Seiten ihr Geschlegle nicht einfach wie richtige Hooligans irgendwo auf einem Feld austragen?!? Merci!

  • Sam Gut sagt:

    Wenn in der Schweiz die Anwesenheit eines Polizisten als Provokation angesehen wird, läuft etwas gründlich falsch. Es ist, wenn auch bequem, in dieser Situation etwas sehr kurz gegriffen, einfach, wie der Papi bei zwei Streithähnen, beide Seiten zu bashen.

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