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Welche Partei am nächsten bei der Basis politisiert

Von DB, 18. April 2015 55 Kommentare »
Während die Parteiführungen immer stärker polarisieren, verbleibt die Basis in der Mitte. Das zeigt eine Analyse der Forschungsstelle Sotomo im Auftrag der SonntagsZeitung. Sotomo hat dafür 289 eidgenössischen Volksabstimmungen von 1981 bis 2014 untersucht. Am nächsten bei den Anhängern politisiert nicht etwa die SVP, die als besonders volksnah gilt.
Stichworte:

Von Michael Hermann und Mario Nowak

Die Grenzen zwischen links und rechts in der Schweizer Politik werden scharf gezogen. Die Auswertung der Vox-Befragungen zu den eidgenössischen Volksabstimmungen zeigt allerdings, dass die Anhängerschaft der Parteien weniger polarisiert als die Parteiführungen.

  • So stimmte zum Beispiel jede zweite Person, die mit der SP sympathisiert, für die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten und die Revision des Asylgesetzes.
  • Auf der anderen Seite stimmte fast die Hälfte der SVP-Basis für ein griffigeres Raumplanungsgesetz und für eine Heroinabgabe.

Dies obwohl sich die Parteien und ihre Delegierten jeweils vehement gegen diese Vorlagen gestellt hatten.

Zur Vollbildansicht der Visualisierung

Das Schwarz-Weiss der Parteiparolen überdeckt, dass an der Basis Graustufen vorherrschen. Das gilt insbesondere für Themen des klassischen Links-rechts-Gegensatzes. Die Anhänger linker Parteien sind weniger staatsfreundlich, jene rechter Parteien weniger staatskritisch als es die offizielle Parteilinie vorgibt. Wie die Visualisierung des politischen Raums der Zürcher Forschungsstelle Sotomo zeigt, trifft dies besonders auf die Polparteien SP und SVP zu.

«Strategisches Wählen» ist der klassische Erklärungsansatz dafür, dass Gemässigte extremere Parteien wählen. Demnach setzen die Wählenden gezielt auf extreme Parteien, weil sie wissen, dass die von ihnen gewählte Partei die Politik nicht alleine bestimmen wird, sondern bloss die Mitte etwas mehr nach links oder rechts verschiebt.

Es fragt sich allerdings, warum sie dies nicht auch beim Abstimmen tun. Auch dort werden Forderungen nicht eins zu eins umgesetzt und viele Vorlagen sind bekanntermassen nicht mehrheitsfähig. Dennoch hat die halbe SP-Basis gegen die Einführung eines Mindestlohns gestimmt und nicht strategisch auf eine etwas höhere Zustimmung gesetzt.

Trotzdem sind die Positionen der Basis nicht immer gemässigter. Schliesslich finden immer wieder Vorlagen wie die Verwahrungsinitiative eine Mehrheit bei der Bevölkerung, die von den meisten Parteien als zu «extrem» abgelehnt werden.

Ein Drang zur Mitte herrscht in der Bevölkerung in der Regel dann, wenn es um mehr oder weniger Staat geht – nicht jedoch bei Ausländern, Kriminellen und in der Aussenpolitik. Hier ist die Polarisierung auch an der Basis gross. Auffällig ist allerdings, dass die Basis aller Parteien tendenziell konservativer entscheidet als die Parteiführung. Das ist der bekannte Elite-Basis-Gegensatz: Politische und gesellschaftliche Eliten sind tendenziell reform- und öffnungsfreundlicher sowie weniger migrationskritisch als die Stimmbevölkerung.

Besonders stark öffnet sich dieser Graben bei den Parteien der bürgerlichen Mitte. Erklären lässt sich dies mit ihrer Rolle im Parlament. Sie sind Mehrheitsmacher und prägen die Gesetzgebung. Entsprechend nehmen sie bei Reform- und Öffnungsvorlagen meist regierungsfreundliche Positionen ein, auch wenn diese bei der eigenen Basis nicht immer populär sind. Die Polparteien können sich dagegen volksnahe, oppositionelle Positionen leisten.

Das ist mit ein Grund dafür, dass die Grünen in den vergangenen Jahren am nächsten bei ihrer Basis politisierten. Die FDP hingegen liegt nur im Mittelfeld. Und ausgerechnet die SVP, die als besonders volksnah gilt, liegt noch weiter hinten.

BASISVSPARTEILIINIE

 

Gemäss Vox-Befragungen stimmte die SVP-Basis seit 2004 zwölf Mal gegen die Parole der Partei, die Basis der Grünen nur fünf Mal. Mit ihren dezidiert linken und migrationsfreundlichen Positionen sind die Grünen häufig weit weg vom bürgerlichen und konservativen Mainstream, aber durchaus nahe bei ihrer Basis.

Die Baisse in der die Grünen gegenwärtig stecken, hat offenbar mehr mit der für ökologische Anliegen schlechten Themenkonjunktur als mit der politischen Position der Grünen zu tun.

Grüne Spider

Die grösste Lücke zur eigenen Basis klafft bei der BDP. Seit Parteigründung 2008 ist ihre Anhängerschaft der Parteiparole bei jeder sechsten Abstimmung nicht gefolgt. So etwa bei der von der BDP-Führung bekämpften Ausschaffungsinitiative. Die eher konservativen Abstimmungsentscheide der BDP-Anhängerschaft machen deutlich, warum sich der von Parteichef Martin Landolt angestrebte progressive Parteikurs nur schwer vermitteln lässt.

Landolt ist nicht der erste bürgerliche Parteistratege, der Erfolg in einer progressiven Neuorientierung sucht. Bei der CVP hiess das entsprechende Schlagwort «liberal-sozial» bei der FDP «avenir radical». Wie die Analyse des Abstimmungsverhaltens zeigt, tendieren Anhänger dieser drei Parteien jedoch im Vergleich zur Parteiführung wenn schon in eine konservative Richtung.

2009 hat die Gefolgschaft der CVP mit 54 Prozent, jene der FDP mit 60 Prozent und die BDP-Basis gar zu 80 Prozent für die Minarettverbots-Initiative gestimmt. Das ist ein extremes, in der Tendenz aber typisches Beispiel dafür.

Diese konservative Tendenz an der bürgerlichen Basis hat sich die SVP mit kompromisslosem Kurs in Migrationsfragen und in der Aussenpolitik zu Nutzen gemacht. Wer SVP wählt, trägt deren nationalkonservative Ausrichtung meist hundert Prozent mit – das zeigt ihr politisches Spinnenprofil.

SVP Spider

Die Partei kann es sich dabei leisten, in anderen Themenfeldern an der Basis vorbei zu politisieren. So ist die SVP die einzige Partei, bei der die Basis bei einer Achse des politischen Spinnenprofils in der Mehrheit anders entscheidet als die Partei – und zwar bei wirtschaftspolitischen Reformen. Der wirtschaftsliberale Kurs der Parteiführung wird von einer knappen Mehrheit der Basis nicht mitgetragen. Gelegentlich kommt es dabei zu offener Konfrontation wie bei der Abzocker-Initiative von Thomas Minder.

Kaum bekannt ist, dass sich innerhalb der Rechtspartei ein Ökograben öffnet. So stimmte fast die Hälfte der SVP-Anhängerinnen und -Anhänger für die Zweitwohnungsinitiative, die bei der Parteiführung auf heftige Ablehnung stiess. Eine grosse Minderheit der SVP-Basis besitzt eine ausgeprägte naturschützerische Ader. Damit kann die Partei allerdings gut leben, so lange ihre Kernthemen Ausländer und Europa die entscheidende Bindung erzeugen.

Ein so starkes Schlüsselthema haben die anderen Parteien nicht. Die FDP-Basis ist längst nicht so wirtschaftsliberal wie die Parteiführung, die Basis der Grünen nicht so ökologisch und jene der CVP nicht so familienfixiert, wie es die Parteilinie vermuten lässt.

FDP Spider CVP SPider

Besonders schwierig sind die Verhältnisse bei den Sozialdemokraten. Die Basis der SP weicht zwar weniger häufig von der Parteilinie ab als jene der SVP, doch ausgerechnet bei ihrem Kernthema Sozialpolitik ist der Graben besonders tief. Jede sozialpolitische Forderung, über die abgestimmt wird, erhält zwar die ungeteilte offizielle Unterstützung der SP. Doch die Basis folgt ihr dabei oft nur halbherzig. So stimmten nur 55 Prozent der bekennenden SP-Sympathisierenden für die Mindestlohn-Initiative und nur Zweidrittel für eine öffentliche Krankenkasse und für die 1:12-Initiative – obwohl diese beiden Initiativen aus den eigenen Reihen stammten. Dies macht klar, warum sich ein dezidierter Linkskurs nicht annähernd so gut in Stimmengewinne ummünzen lässt, wie der kompromisslose Nationalkonservatismus der SVP.

SP Spider

Zugleich steht die SP-Parteibasis beinahe geschlossen hinter den Anliegen «gesellschaftliche Liberalisierung» und «aussenpolitische Öffnung». Diese progressiven, sozialliberal geprägten Themenfelder wurden von der Parteileitung erst seit kurzem wieder entdeckt. Während es für die bürgerlichen Parteien eher kontraproduktiv ist, ist die Betonung kulturell progressiver Positionen für die SP offenbar unverzichtbar.

Die Methode

Die Parteien wurden aufgrund ihrer Abstimmungsparolen zu den 289 eidgenössischen Volksabstimmungen von 1981 bis 2014 im politischen Raum positioniert. Die Parteibasis auf Grundlage ihrer Zustimmung zu diesen Abstimmungen. Diese konnte anhand der Vox-Befragungen ermittelt werden. Die Zuordnung der einzelnen Abstimmungen zu den beiden Dimensionen des politischen Raums basiert auf einer Faktorenanalyse der Ergebnisse der Volksabstimmungen. Abhängig von der Faktorladung wurde jeder Abstimmung ein Gewicht von -2 bis +2 zugewiesen. Die einzelnen Abstimmungen wurden so standardisiert, dass die Position im politischen Raum dem Abstand in Prozentpunkten vom Mittelwert der Stimmenden (Median) entspricht.

Hier geht es zu den Rohdaten.

Für die zeitliche Veränderung wurden die Abstimmungen zusätzlich mit einer Gauss-Funktion abhängig von der zeitlichen Distanz zum jeweiligen Jahr gewichtet.

Links vs. rechts: Staatsverständnis

Die horizontale Dimension des Raums bildet den klassischen Links-rechts-Gegensatz ab. Sie bringt das Staatsverständnis zum Ausdruck. «Links» steht für ein Staatsverständnis, das Wohlfahrt und Ausgleich ins Zentrum stellt. Im «rechten» Staatsverständnis stehen Ordnung und Sicherheit im Fokus. Die Links-Rechts-Achse kann nicht auf den Nenner «mehr oder weniger Staat» reduziert werden. Die Parteien im rechten Spektrum des politischen Raums setzen die Prioritäten anders als jene des linken. Statt für den Ausbau des Wohlfahrtstaats setzen sie sich für die Stärkung von Armee und Polizei ein. Entlang der Links-rechts-Achse verlaufen ausserdem Abstimmungen zu Umweltschutz und zum Asylwesen. Die Parteien auf der linken Seite des Raums setzen sich für mehr Umweltschutz und für ein an humanitären Prinzipien ausgerichtetes Asylwesen ein.

Konservativ vs. progressiv/liberal: Öffnung und Veränderung

Die vertikale Dimension des politischen Raums bezeichnen wir als Gegensatz zwischen «konservativ» und «progressiv/liberal». Bei dieser Dimension steht der Umgang mit Öffnung und Veränderung im Zentrum. Die progressiv/liberale Position im politischen Raum steht für freiheitliche und reformorientierte Einstellungen.

Die Konservativ-progressiv-Achse ist nicht auf einzelne Politikfelder begrenzt, sondern deckt wirtschaftliche, gesellschaftliche und staatspolitische Fragen ab. Im gesellschaftlichen Bereich geht es um individuelle Selbstbestimmung (Schwangerschaftsabbruch, Partnerschaftsgesetz usw.); im wirtschaftlichen um die Förderung von Strukturwandel, Wettbewerb und um eine affirmative Haltung gegenüber der Globalisierung (Subventionsabbau, Werbefreiheit, Freihandel usw.); im staatspolitischen Bereich geht es schliesslich um Zentralisierung und Internationalisierung (Schengen, Auslandeinsätze usw.) versus der Bewahrung der föderalen Ordnung.

55 Kommentare zu “Welche Partei am nächsten bei der Basis politisiert”

  1. Marco Sumi sagt:

    Und – von welchem Wert soll jetzt diese Erhebung sein? Dass Stimmende nicht einfach stur den Parteiparolen folgen, ist doch die natürlichste Sache der Schweiz. Es entspricht dies wunderbar dem Reiz unseres direktdemokratischen Systems, wonach der mündige Bürger genau das stimmt, was er will. Parteiparolen haben bloß Leitliniencharakter. Die Untersuchung widerlegt den in Medien und von neidischen Politikern immer wieder kolportierte Mumpitz, bei der SVP sei alles aus Herrliberg gesteuert. Das Gegenteil ist der Fall. SVP-Wählenende/Stimmende verhalten sich nicht anders, als das bei anderen Parteien auch passiert: Sie hören Meinungen an, nehmen Parolen zur Kenntnis – und tun, was sie für gut halten. Glücklicherweise!

    • P. Buchegger sagt:

      Die SVP als Partei wird aus Herrliberg gesteuert, nicht der einzelne Wähler. Wobei es auch bei den SVP-Sympathisanten viele gibt, die einen Vordenker brauchen. Der Personenkult in dieser Partei sprengt das hierzulande übliche Mass bei weitem. (z.B. Jährlich institutionalisierte Albisgüetli-Huldigungen) In den anderen Parteien gibt es nichts Vergleichbares

  2. Peter Wenger sagt:

    Mir fällt in der Grafik vor allem auf, dass die Basis stets konservativer ist als alle Parteien. Die Basis hat keine Lust mehr auf Wirtschaftsliberalisierungen zugunsten der steuerbetrügenden Megakonzerne, auf die EU, auf die Personenfreizügigkeit, auf Migrantenströme.

    • Dieter Bachmann sagt:

      Das ist eine gute Beobachtung. Die Basis ist im links-rechts-Schema durchwegs moderater als die Parteiexponenten, aber durchwegs konservativer (ausgenommen nur die Grünen in ihrer Frühzeit). Weiter fällt mir auf, dass ausgerechnet bei den “Polen” SP und SVP die Parteivertreter der Basis zu folgen scheinen (Trend zu konservativer), während bei den “Mitteparteien” das Umgekehrte der Fall war (wohl progressive Wanderwähler, die von Mittepartei zu Mittepartei sprangen, während die SVP in ihrer Wachstumsphase die enttäuschten Mittewähler abholen durfte).

  3. F.Bachmann sagt:

    Warum wird die EVP in der Analyse ausgeklammert? Aufgrund der Grafik müsste sie auf dem Podium sein.
    Und es ist immerhin die einzige Partie, die die Basis auf der links/rechts – Position richtig abbildet!
    Aber vielleicht gibt das journalistisch zu wenig her…

    • P. Buchegger sagt:

      Es ist nicht nur die EVP nicht abgebildet. Man hat sich offensichtlich auf die klassischen sog. Bundesratsparteien beschränkt.

      • P. Buchegger sagt:

        Eine Ausnahme sind die Grünen; wohl weil es diese Partei schon während der ganzen Beobachtungsperiode 1989 – 2014 gab.

  4. Simon Scharpf sagt:

    Ist das möglicherweise ein schönes Beispiel dafür, wie bei Tamedia die EVP nahezu totgeschwiegen wird? Es scheint mir, dass die EVP das Blogthema am besten erfüllt! Und doch wird sie nicht einmal erwähnt… Klassisch…

  5. Lüthi sagt:

    schade, dass die glp im Artikel nicht vorkommt!!

  6. Karl Lässer sagt:

    Diese Studie ist eine überzeugende Werbetrommel für die direkte Demokratie. In repräsentativen Demokratien müssen sich die Bürgerinnen extrem ohnmächtig und nicht gehört vorkommen. Die Parteien vertreten offenbar nicht einmal diejenigen BürgerInnen gut, welche sich zu ihren Anhängern zählen (was vermutlich deutlich weniger als die Hälfte der Wählenden sein dürfte?). Das stimmt mit meiner eigenen Selbstbeobachtung überein. Ich glaube eine klare, konsistente und über die Zeit konstante politische Linie zu haben, es gibt aber schon lange keine Partei mehr, von der ich mich gut vertreten fühle. Abgesehen vom Lob der direkten Demokratie ist mir aber etwas unklar, welche Konsequenzen daraus zu ziehen wären. Bräuchten wir andere, neue Parteien?

  7. rudolf ballmer sagt:

    Ich finde, es bräuchte eine kritische Auseinandersetzung mit Herrn Hermanns Spider. Der gibt ja vor Dinge zu messen, die es objektiv “gibt”. Und dass es die wichtigen Dinge und Dimensionen sind. Diese Kategorien werden dadurch unhinterfragt auf die Wirklichkeit projiziert. Dabei könnte es sein, dass man zum Schluss käme, dass gerade diese Kategorien schon ein Problem darstellen und das eine Veränderung und Verbesserung von Politik gerade darin bestünde, diese Kategorien zu ändern oder anders zu konstruieren. Die angebliche Messmethode ist vielleicht selbst Teil des Problems. In den Kategorien steckt selbst Politik, möglicherweise die falsche, und wir merken es nicht.

  8. Max Bader sagt:

    Diese Grafik zeigt nicht auf, wo sich die ehemaligen und die neuen Wähler der verschiedenen Parteien positionieren. Die Parteibasen können ja anscheinend mit der Diskrepanz leben. Aber interessant wäre, welche Wähler diese Diskrepanz nicht mehr toleriert haben und gewechselt sind und welche Wähler die Parteien dafür gewonnen haben.
    Interessant ist auch, dass die Politiker gerne dem Volk Extremismus vorwerfen, aber dabei selber sich extrem positionieren, sei es im linken, im rechten oder im liberalen Bereich.

  9. Marcel Senn sagt:

    Der Unterschied beim starken Sozialstaat verwundert nicht kommt doch ein nicht geringer Teil der SVP Wähler aus der Niedriglohnbereichen, über Rentner mit kleiner Rente bis hin zum Sozialhilfeemfänger. Die fast 25% Unterschied dürfte dann in etwas auch der Anteil von Einkommensschwachen in der SVP sein!
    Diese Kälber wählen also buchstäblich ihre eigenen Metzger vermutlich in der Hoffnung, dass die strikte Haltung in der Migrationspolitik der SVP sie dann mal aus dem Elend katapultieren würde, was natürlich eher unwahrscheinlich ist.
    .
    Noch extremer bei Umweltschutz, wo sich die Partei buchstäblich einen Dreck um denselben kümmert, während ein Teil (rund 37%) der Landwirte die SVP wählen durchaus an einem solchen interessiert sind, dazu vermutlich auch die vielen Wanderer in der Partei.
    .
    Die SVP hat es mit gezielter und permanenter Feindbildbewirtschaftung wie Immigranten, Asylbewerber, Bundesbern, die EU, Sozialhilfeempfänger, Energiewende. Grüne und Sozis die Leute soweit zu bringen, dass sie auch gegen ihre eigenen Prioritäten stimmen im Umwelt und Sozialbereich, da diese immer noch stark von den Sozis und Grünen besetzt sind.

    • Marcel Senn sagt:

      Interessant wird es dann wenn man die SP auf diese beiden Punkte überprüft. Beim starken Sozialstaat übertreibt es die SP massiv – während nur etwa 70% der Wähler einen solchen wollen, setzt die Parteileitung auf fast 100%. Vemutlich finden auch einige der gutverdienenden SP Wähler, dass man es etwas übertreibt mit der Verhätschelung gewisser Bevölkerungskreise. Findet man übrigens auch bei der Erbschaftssteuerinitiative wieder, wo nicht alle Genossen dafür sind — weiss der Geier warum, vermutlich weil sie zu wohlhabend sind!
      Auch beim Umweltschutz scheint es die Parteileitung zu übertreiben, die Wähler sehen den nicht als ganz so wichtig an wie die Parteispitze.
      .
      Da scheinen sowohl bei der SP als auch der SVP einige zumindest in diesen beiden Punkten tatsächlich die falsche Partei zu wählen oder diese Wählerkreise gewichten einfach die Präferenzen anders!

    • adam gretener sagt:

      Ich kann es mir bildlich vorstellen, wie die SVP-Oberen sich hinter verschlossenen Türen scheckig lachen und nach Luft japsen. Man musss ich das mal vorstellen.

      Der Arbeiter mit 50, nach der Lehre nie auch nur die kleinste Weiterbildung gemacht, wählt die SVP dafür, dass der noch schwächere Arbeiter es noch schwerer hat, merkt aber gleichzeitig nicht, dass er sich damit selber noch unten zieht.

  10. sepp z. sagt:

    Interessant, wie die bürgerlichen Mitte-Parteien GLP, BDP, FDP und CVP komplett am Volkswillen vorbeipolitisieren, wenns um die Liberalisierung der Wirtschaft geht. Privatisierungen, Freihandelsverträge mit privaten Gerichten als höchste Instanz, Abschaffen Service Public – und dann die Feststellung in obiger Grafik, dass diese Klientelpolitik zugunsten der globalen Firmen gar nicht von den Wählern getragen wird. Allerdings sind viele Wähler wohl auch zu dumm und uninformiert, kennen die wichtigen Themen nicht und beginnen dann erst in 15 Jahren zu reklamieren, wenn sie genmanipulierte Lebensmittel auf dem Teller haben und globale Firmen Tiefsteuern aufgrund TTIP u.ä. Verträge einklagen können.

  11. Stephan Haller sagt:

    Wie kommen Sie zu der Aussage, dass “die SVP als besonders volksnah gilt”? So sieht sich zwar die SVP selber, dies trifft aber keineswegs zu, wenn man die Ergebnisse der eidgenössischen Abstimmungen der letzten 6 Jahre anschaut! In nur knapp 52% der Fälle hat die Parole der SVP mit dem Ergebnis der Abstimmung übereingestimmt. Das ist der schlechteste Wert aller Parteien, Grüne und SP erreichten dabei einen Wert von 54% bzw 56%, und die Mitte-Rechts-Parteien BDP/CVP/GLP 71%.

  12. Simon Gwerder sagt:

    Ich realisiere, dass mir eine Partei fehlt, die für gesellschaftliche-, wirtschaftliche Liberalisierung und Umweltschutz steht, aber gleichzeitig gegen Migration, aussen. Öffnung und Sozialstaat ist. Ist wohl ein unrealistischer Wunsch. 🙁

    • sepp z. sagt:

      Gwerder, mit Verlaub: Sie wissen gar nicht, was ‘wirtschaftliche Liberaliserung’ bedeutet. Wie kann man einerseits eine solche fordern, und dann sich über die PFZ beklagen? Das ist ja eine wirtschaftliche Liberalisierung. Am Ende wollen Sie wohl das nationale Schlaraffenland, und die UBS und Glencore sollen ihre Gewinne im Ausland erwirtschaften, aber im Inland abliefern. Und Billigarbeiter wollen sie auch, aber keine Billigarbeiter, die aus dem Ausland kommen etc.
      tsts.

      • Rolf Zach sagt:

        Wer meint, die Schweiz käme ohne Sozialstaat aus, täuscht sich gewaltig. Erstens haben wir den geringsten Prozentsatz an Eigenheimbesitzer in ganz Europa. Lieber haben wir Schweiz eine Deflation und machen unsere Währung zur teuersten der Welt, als dass wir mit einer etwas schwächeren Währung, wie dies gegenwärtig in der Eurozone geschieht, den Mittelstand stärken. So wird die Verteilung zwischen Vermögenden und Habenichtsen immer extremer (Gini-Koeffizient). Ohne AHV, Zusatzrente und Altersheim würden unsere Alten auf der Strasse verhungern. Wenn man das Programm der SVP liest, geht es schnurstracks in diese Richtung. Wenn man in Frankreich den Sozialstaat abbaut, macht man objektiv weniger Elend als in der angeblich reichen Schweiz. Der einzige Vorteil dieser Übung, es kämen dann keine Flüchtlinge über das Mittelmeer zu uns. Aber sicher werden die Grünen und andere verbohrte Linke weiterhin nach Flüchtlingen schreien und ihre einheimischen Sitten bei uns garantieren, bevor sie etwas für unsere einheimischen Alten und Kranken bei SVP und FDP Sozialabbau etwas tun. Kein Wunder, dass sie Wählerstimmen verlieren!

    • Manuel N. sagt:

      Ich glaub’s nicht! Endlich mal jemand, dem das Parteiprogramm der GLP tatsächlich gefällt und der wählt die dann nicht…

  13. Es ist offensichtlich, dass es keine Partei gibt, die die wahren Bedürfnisse des Schweizervolks abdeckt. Es fehlt eine Partei, die sich für einen starken Sozialstaat einsetzt, die Schweiz aber nicht an die undemokratische und autoritäre EU verschachern will. Es kann ja nicht sein, dass von Brüsseler Beamten entworfene Gesetze von der demokratischen Schweiz automatisch übernommen werden müssen, ohne dass der Stimmbürger darüber befinden kann. Dass auch Schweizer Politiker Lust verspüren, so eigenmächtig wie die Brüsseler Bürokratie zu fuhrwerken, merkt man daran, dass der Bundesrat bei wichtigen Grundsatzentscheiden den Stimmbürger gerne auch mal übergeht. Der Bundesrat futiert sich zu oft um Abstimmungsergebnisse oder wählt den rechtlich unsauberen (vielleicht sogar verräterischen?) Weg und führt Veränderungen, die eigentlich einer Anpassung von Gesetzen bedürften, eigenmächtig mit Hilfe von Staatsverträgen durch. Er umgeht so die Stimmberechtigten, schafft unumkehrbare Fakten und beeinträchtigt mit diesem Vorgehen die Rechtssicherheit in unserem Land. Nach dem Trick mit der Abschaffung des Bankgeheimnisses, das als Gesetz nach wie vor auf dem Papier existiert, muss man sich fragen, in welchem Ausmass die Schweiz noch ein Rechtsstaat ist und welche Gesetze den Bürger noch schützen, welche noch einzuhalten sind und welche man getrost nicht mehr zu beachten braucht. Richtig wäre, Veränderungen nur auf dem normalen, in der Verfassung festgeschriebenen gesetzgeberischen Weg, via fakutlatives Referednum durchzuführen. Das würde auch beinhalten, dass Staatsverträge zu 100% im Einklang mit unseren schweizerischen Gesetzen sein müssten. Alles andere führt zwangsläufig zu Rechtsunsicherheit und Willkür. Unsere direkte Demokratie war noch nie zuvor in so grosser Gefahr und unter solch enormem Druck wie heute. Es ist offensichtlich, dass wir Stimmbürger mehr Kontrolle brauchen. So eine Kontrolle könnte z.B. das Recht sein, unfähige und illoyale Bundesräte vorzeitig abzuwählen.

    • sepp z. sagt:

      Dittmar, es ist ihnen aber hoffentlich nicht entgangen, dass auch die SVP als sog. Kämpferin gegen fremde Richter sich dafür eingesetzt hat, dass das ICSID (Handelsgericht in Washington) über Schweizerischem Recht steht? Jede globale Firma kann dieses anrufen, wenn sie das Gefühl hat, ihre Investitionen in der Schweiz seien durch demokratische Schweizer Gesetze benachteiligt? Während Wähler wie Sie die EU als Hort alles Bösen wahrnehmen, hat die bürgerliche Politik (gegen den Widerstand der Linken) längst amerikanische Gerichtsbarkeiten akzeptiert, weils gut sei für den Wirtschaftsstandort Schweiz.

    • Max Bader sagt:

      Die Lega, das MCG oder die SD vertreten die Position für einen starken Sozialstaat und gegen eine aussenpolitische Öffnung. Diese Politik scheint aber nur in der lateinischen Schweiz Erfolg zu haben.

  14. Beat Reuteler sagt:

    Ich finde diese Darstellung problematisch weil es ja sicher auf einer Definition beruht, nach welchen Kriterien denn nun in den beiden Achsen (Konservativ-Liberal) und (Links-Rechts) gewertet wird. Gibt es da allgemeingültige Kriterien- Kategorien? Vielleicht in den Büchern der politologen, aber ob die ganz unbestritten sind wage ich zu zweifeln.

  15. Pascal Meister sagt:

    Interessant ist, dass überall die Basis migrationskritischer ist als die Partei – ausgenommen bei der SVP, wo in der Frage Übereinstimmung herrscht. Ist das kein Fingerzeig an die übrigen Parteien, ihre Basis hier etwas ernster zu nehmen…?

  16. Paul Meier sagt:

    Was mir auffällt ist dass sich die grüne Basis weiter links politisiert als die SP Basis und dass die Grüne Parteileitung und die SP Parteileitung unterdessen fast deckungsgleich sind. Das würde erklären warum die SP zwar Verluste macht, diese aber durch Neuzugänge von abgesprungenen Grünen wettmachen kann. Die FDP profitiert im Moment auch von enttäuschten GLP Mitgliedern die den Kontakt zur Parteileitung verloren haben.

  17. Martin Fehr sagt:

    Sehr interessant, vielen Dank an die Autoren!
    Nur ca. 10 % der Stimmberechtigten – es gibt da verschiedene Zahlen – sind Parteimitglieder. Weshalb sollen sich all die anderen und auch diese selber an Parteiparolen halten? Das ist eben das Schöne an der direkten Demokratie. Die – meisten – Stimmbürgerinnen und -bürger sind völlig frei in ihren Entscheidungen – und das ist gut so.

  18. Marco Natuzzi sagt:

    ” Dies macht klar, warum sich ein dezidierter Linkskurs nicht annähernd so gut in Stimmengewinne ummünzen lässt, wie der kompromisslose Nationalkonservatismus der SVP.”
    Interesant, dass ein Punkt, der im Politalltag ein gewichtige Rolle spielt – und sich halt nur in der Praxis und nicht im Politologie-Seminar beobachten lässt – kaum Beachtung findet. Die SP-Basis in tief gespalten, weil die Partei in den letzten Jahren einen Spagat zw. gesellschaftlich stark auseinanderdriftenden Gruppen versuchte. Einerseits das urbane, akademische “Lehrer-Milieu”, auf der anderen Seite die alte “Büezer-Basis” aus der Gewerkschaftsecke. Die letztgenannte Gruppe will klare sozialdemokratische Signale und keine gesellschaftspolitischen Utopien aus der “Gender / Öko / Wirtschaftsrevolutions”-Ecke. Ein 60-jähriger Schlosser interessiert sich für die Sicherheit der AHV und nicht dafür, obs jetzt an der Kunsthochschule Unisex-Toiletten gibt. Diese Problematik vergisst die SP gerne und wundert sich dann, dass die Büezer zur SVP mit ihrem “kleine Leute”-Image abwandern, obwohl die SP doch “die Arbeiterpartei” sei.

    • Alberto La Rocca sagt:

      Während ich Ihrer Analyse zustimme, bezweifle ich, dass in der SP noch irgendwelche zusammenhängende “Arbeiter”-Gruppierung ausserhalb der öffentlich-Bediensteten-Kaste zu finden ist. Gewerkschaftsfunktionäre vielleicht?

      • Reto Meier sagt:

        Da täuschen Sie sich. Mein Vater (Maschinenmech) wählt, wie schon mein Grossvater, links. Ihn interessiert, wie Herr Natuzzi richtig sagt, seine Vorsorge, seine Arbeitszeit und sein Lohn. Ausländer sieht er als Arbeitskollegen und nicht als Feinde. Die SVP hat noch nie eine arbeitnehmerfreundliche Initiative lanciert und er weiss ganz genau, wessen Interessen die Rechtsnationalisten vertreten. Bestimmt nicht die der Arbeitnehmer. Ich bin übrigens Mitinhaber eines KMU und wähle auch links.

    • Böser Wolf sagt:

      So ein Quatsch. Unisex-Toiletten und AHV-Finanzierung stehen sich nicht gegenüber; sie lassen sich beide gleichzeitig umsetzen. Dass sich nicht alle für alles interessieren sollte eine Partei nicht dazu verleiten, nur die Bedürfnisse von z.B. Rothaarigen zu verteidigen.
      Der Spagat der SVP zwischen «Kleine-Leute-Image» und effektiv umgesetzter Milliardärs-Politik ist um einiges grösser. Sie ist so erfolgreich weil sie auf das altbewährte «Angst vor Fremden» setzt.

      • Simon Christen sagt:

        Kein Quatsch, sondern eine schlichte Tatsachenbeschreibung von Herr Natuzzi. Zu den Eigenheiten des “Salon-Sozi”-Milieus, das seit den 90ern in der SP das parteistrategische Sagen hat, gehört auch der Umstand, das eigene Elitendenken gar nicht als Problem fürs Parteiimage zu verstehen. Wann gab es denn zum letzten Mal ein klares Bekenntnis der SP-Spitze zum Industriewerkplatz Schweiz? Notabene, dem Geburtsort (!) der sozialdemokratischen Bewegung. Sprich zu dem Teil der Wirtschaft, der nicht im Subventionsdunstkreis der öffentl. Verwaltung operiert, nicht irgendwie Öko- / Neue Medien / Kultur ist? Im Gegenteil, wo man hinschaut, werden von der SP-Spitze überrissene Ökovorgaben und neue Regulationen (die nicht zwingend etwas mit Arbeitnehmerrechten zu tun haben) gefordert. Oder man sabotiert mit Initiativen und Vorlagen aus ideologischen Gründen gleich eine ganze Branche – siehe z.B. die Rüstungsbranche. Ab und zu lässt man zwar ein paar Gewerkschafter nette Sätzchen aufsagen, aber ein kleinbürgerliches Profil, eine breite Verankerung in der Arbeiterschaft und den “kleinen Angestellten”, wie sie noch in den 80ern existierte, hat SP heute nicht mehr. Sie ist von der Homogenität des Führungspersonals und deren Interessen und Werten im Alltag eher eine links angehauchte Schwester der FDP: Gebildet, städtisch, wohlhabend, arbeitet praktisch komplett in einer Branche (öffentlicher Sektor) und ethnisch Schweizerisch. Von einer “linken” Partei müsste da mehr kommen…

    • @Marco Natuzzi

      Aus der Arbeiterparte ist die Sozialarbeiterpartei geworden.

      Das hat unter anderem damit zu tun, dass es in der Schweiz fast keine Arbeiter mehr gibt und dass vor allem Lehrer, mittelere Kader und Beamte SP wählen.

      • Amanda Diener sagt:

        @J. Brechbühl. Büezer, working poor, leute die jeden Franken umdrehen müssen, gibt es in der Schweiz auch heute noch genug. Sie sitzen an den Kassen, flicken unsere Strassen, füllen Regale auf, liefern die Post aus, putzen die Büros, installieren [hier beliebigen Haushalts- / Elektrogegenstand einfügen] weil der Mittelstand das Heimwerken verlernt hat.
        Gerade deshalb ist die Argumentation der SP-Parteispitze immer so amüsant, wenn man angeblich “kein Wählerpotenzial” mehr findet, um etwa mit dem SVP-FDP Block gleichziehen zu können. Und gerade deshalb trifft hier Herr Natuzzi einen wunden Punkt. Der Pöstler und die Kassiererin wollen funktionierende Sozialwerke, Arbeitnehmerschutz, einen sauberen und sicheren öffentlichen Raum. Ein Hilfslagerist kann für den Mindestlohn und gegen Masseneinwanderung sein. Diese Kombination aus sozialpolitisch “linker” Ausrichtung und gesellschaftspolitisch “konservativer” Ausrichtung kann die SP-Führung in ihrer aktuellen Form und mit ihrem sozio-ökonomischen Hintergrund schlicht nicht nachvollziehen.

  19. gregor sagt:

    Ja, Herr Herrmann.Wer definiert die Basis?Sie?ES ist wie bei Befragungen.Wer die Fragen stellt bestimmt weitgehend das Resultat.So ist es hier. Eine Frage der Auswahl.Immerhin wird bestätigt was wir schon lange wissen.In linken Parteien herrscht Wahldisziplin bzw.Kadavergehorsam, wie immer man will.

  20. Georges Graff sagt:

    Diese Arbeit zeigt eindeutig, dass die direkte Demokratie, wie sie bisher nur in der Schweiz existiert, eine Staatsform ist, welche ALLE anderen Staaten der WELT auch haben müssten. Die gesamte Volksmasse entscheidet gelassener, vernünftiger als die Politiker. welche oft durch die Parteiführungen gehindert werden nach Gewissen, oder der eigenen Überzeugung abzustimmen.

    Unsere Bundesräte sollten die aus dieser Arbeit gewonnenen Erkenntnisse gegenüber der EU aktiv vertreten und nicht ängstlich bemüht sein, zu beschwichtigen wenn unsere EINZIGE Demokratie anders denkt als die hohen Herren in Brüssel.

    Die direkte Demokratie bringt Frieden und Wohlstand, nicht ein Riesengebilde wie die zu rasch erweiterte EU, welches politische Ziele verfolgt, statt wie die EFFTA durch Handelsbeziehungen den Ausgleich zwischen den Kulturen zu fördern.

  21. Sportkrücke sagt:

    Und ebenfalls: Falls man die Zeitachse animiert, sieht es so aus, als ob die Basis die SVP in den konservativen Bereich “zieht”. Das könnte ein Indiz sein, dass diese Partei tatsächlich mehr auf die Basis “hört”…

  22. Sportkrücke sagt:

    Sehr interessant. Aber stimmt die Grafik auch? Sollten die Summen der Positionen, gewichtet mit der Grösse nicht null sein? Vor allem bei 1985 sieht es gar nicht so aus, klares übergewicht liberal gegen konservativ

    Aber etwas zeigt die Grafik auf jeden Fall ganz eindrücklich:

    1. die SVP kann den konservativen Block fast alleine bewirtschaften.
    2. Keine Partei ist näher zu der Basis auf der konservativ/liberalen Achse als SVP (und interessanerweise SP)

    D.h. mein Fazit ist: wichtiger als links/rechts, was flexibler gehandelt wird, ist die Einstellung konservativ/liberal. Und da gibt es 2 Blöcke, mindestens bei der Basis.

  23. Sehr interessante Analyse, danke. Der Extremismus der Parteien wird ihnen regelmässig bei ihren eigenen Initiativen zum Verhängnis (und verhindert im Parlament manchmal Lösungen für sehr komplexe, tatsächliche Probleme). Mit Ausnahme der SVP, die ab und zu Initiativen sehr geschickt feilt und dann tatsächlich knapp einen Treffer landet, der dann aber doch bei der Umsetzung zurechtgestutzt wird oder sogar scheitert (siehe Masseneinwanderungs-Initiative, mit dem ominösen Wörtchen “anpassen” in Art. 197 BV). Das schönste Beispiel war die 1:12 Initative der SP. Hätte sich die SP damals dort etwas gemässigt und “nur” 1:24 gefordert (warum, zum Henker, muss man noch extremer sein, als die Deutsche “Die Linke”, welche 1:24 fordert), hätte das damals echt Potential gehabt, durchzukommen. Das Zeitfenster ist nun weg. Es ist wohl die blinde “Gier” nach zu viel, welche die Parteien bei den Initiativen scheitern lässt. Zudem sind Initiativen aus technischen Gründen naturgemäss zu grobschlächtig. Ein Mindestlohn (evtl. pro Branche) im Tessin würde sicher eher Sinn machen, als ein Schweizweiter Mindestlohn. Was fehlt, ist das Instrument der Volksmotion. Ein verbindlicher Auftrag, aber in Textform an den Bundesrat, zur Lösung eines bestimmten Problems eine Gesetzesvorlage vorzubereiten und dem Parlament zur Beratung vorzulegen, ohne jedoch bereits die genauen Gesetzesänderungen selber vorzuschreiben.

  24. U.Thomet sagt:

    In einer Kompromissgesellschaft werden Maximalforderungen gestellt um das gewünschte Resultat zu bekommen. Das dabei hüben und drüben polemisiert wird ist eine unangenehme aber unvermeidbare Nebenerscheinung. Je nach Medienwirksamkeit wird die Polemik durch die Medien aufgebläht und überbewertet.
    Die größten Abweichungen zur Basis beruhen auf dieser Fehleinschätzung durch die Autoren.

  25. Peter Pan sagt:

    Die Hauptaussage ist doch, dass sich ALLE Parteien (inkl. EDU und SVP) gerne progressiver (oder weniger konservativ) geben, als es ihre Anhängerschaft ist. Gerade bei CVP, BDP, FDP und GLP müsste aufrütteln, wie viel konservativer ihre Wähler sind. Das kann ja nur heissen, dass sie sich (wie so viele Politiker) gerne als modern/weltoffen/progressiv geben und sich nicht getrauen, auch konservativere Positionen ihrer Wähler zu vertreten. Eigentlich schade, aber da muss sich niemand wundern, wenn dann Wähler zur SVP abwandern…

  26. Kuhn Kurt sagt:

    Danke für die Rohdaten, für einmal sehr, sehr löblich und höchst interessant! Mehr in dieser Form (mit Rohdaten)!

  27. e. brun sagt:

    Dass ist ja logisch. Für dass müsste man keine Studie machen die viel Geld kostet. Ich weis auf alle fälle was ich sage wen die nächste Anfrage für eine Umfrage kommt.

  28. Felix Stucki sagt:

    Frage mich anhand der Grafik, wo würde z.B. die FN in Frankreich (die mit den grossen Erfolgen) stehen? Ganz klar unten Links. National Konservativ und sehr, sehr Sozial. In der Schweiz gibt es in diesem Bereich keine Partei, die anderen Parteien versuchen dies mit allen Mitteln zu verhindern, eine Teil dieser Wähler versuchen sie (SP und SVP vor allem) auf ihre Seite zu ziehen, den Rest treiben sie durchaus bewusst zu ihrer Konkurrenz.
    Dies finde ich politisch nicht nur fatal, es gibt eine grössere Gruppe sich heimatlos fühlende Bürger/Wähler, sondern auch strategisch falsch. In sozial politischen Fragen währe eine solche Partei die natürliche Verbündete der SP, In gesellschaftlichen Fragen meist die der SVP.
    Wie lange noch lässt sich in der Schweiz auf eine Partei warten für Wähler, die sozial und solidarisch innerhalb der Schweiz sein wollen aber nicht die ganzen Probleme der Welt mit unseren Sozialämtern zu lösen versuchen?
    Es geht um die Zukunft unserer Kinder! Warum müssen wir wählen zwischen Parteien die entweder unsozial politisieren (ausser dass sie ihren Stammwählern alles in den H… bläst) oder aber Parteien, für die nur offene Grenzen und gleich die Abschaffung des Staates zum Thema wird (no border, no nation)?

  29. Martin Schmid sagt:

    Ich weiss nicht, wie Herr Herrmann dazu kommt, zu behaupten, dass die SVP als besonders volksnah gilt. Das ist vielleicht die Meinung der SVP und ihrer eigenen Anhänger. Die Mehrheit sieht aber zum Glück klar, dass sie gegen die Interessen des Volkes politisiert.

    • Manfred Stierli sagt:

      Über ein Viertel der Stimmbevölkerung wählt SVP, deshalb gilt sie als “besonders volksnah”. Und die Statistik zeigt weiter, dass der SVP Wähler eben durchaus eigentständig Entscheidungen zu Gunsten der Schweiz treffen kann und nicht, wie man ihnen oft nachsagt, einfach Parteisoldaten sind, die der Basis folgen. Aber schön haben wir darüber gesprochen.

      • Reto Meier sagt:

        Was wollen Sie uns damit sagen? Rund ein Drittel der Stimmbevölkerung wählt links (SP, Grüne, AL und andere), deshalb gelten sie als “besonders volksnah”. Wie Sie sehen, gibt es in der Schweiz mehr Linke als Rechtsnationalisten.

  30. Oppliger Max sagt:

    Interessante Resultate, insbesondere deshalb weil doch der bekannte Chefredaktor M.S. eben erst ein Loch in der Mitte gefunden hat und wo doch viele meinen, die Mitte existiere gar nicht oder sie sei überflüssig. Vielleicht sind die Wählerinnen und Wähler doch intelligenter als vielfach angenommen.

  31. Ralf Schrader sagt:

    Wenn man objektive Kriterien benutzt, stellt man schnell fest, dass es in CH keine Linken gibt. Links lehnt das Privateigentum an Produktionsmittel rigoros ab. Dieses Kriterium erfüllt derzeit niemand in Europa. Es gibt nur noch die Mitte und das gesamte Spektrum rechts davon. Auch da fehlt es hier, so richtige Rechte gibt es ebenfalls nicht. Eigentlich ist das ganze Politspektrum schwammig wie ein Pudding. Deutliche Position bezieht niemand.

    • Simon Aellig sagt:

      Herr Schrader, Sie haben bei den kommenden Nationalratswahlen die Möglichkeit die Liste 25, Partei der Arbeit und Kommunistische Jugend zu wählen. Wir lehnen das Privateigentum an Produktionsmitteln durchaus ab.

  32. Krähenbül Adrian sagt:

    Ihre Analyse mag zwar korrekt sein, aber jene Partei, die am meisten mit der Wählerschaft übereinstimmt ist mit Sicherheit die EDU bitte mögen Sie das in den Bericht einfliessen lassen.

    • Peter Zurbuchen sagt:

      Bei mir zeigt die Visualisierung gerade für die EDU die grösste Distanz zwischen Partei und Basis, vor allem auf der rechts-links-Achse ist die Abweichung enorm! Interessanterweise ist die EDU die einzige Partei, bei der die Basis nicht klar näher bei der Mitte liegt als die Partei.

      • Samuel Kullmann sagt:

        Interessant ist tatsächlich, dass die EDU auf der konservativ-liberal-Achse die eigene Wählerschaft nahezu perfekt repräsentiert. Die Abweichung auf der links-rechts-Achse ist jedoch sehr ausgeprägt.