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Longchamps SRG-Umfragen im 10-Jahres-Check

Von DB, 9. Dezember 2014 34 Kommentare »
SRG-Trendstudien vor Abstimmungen: Hokuspokus oder zuverlässiges Werkzeug? Wir haben alle Umfragen analysiert. Daraus resultieren sechs Erkenntnisse.

Ein Gastbeitrag von Marko Kovic

Nach der Ecopop-Abstimmung standen Politologe Claude Longchamp und sein Umfrageinstitut einmal mehr in der Kritik. Die Vorlage wurde mit 74,1 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt – GFS Bern ermittelte im Auftrag der SRG vor der Abstimmung einen Wert von voraussichtlich 56 Prozent Nein-Stimmen.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Abstimmungsergebnis markant von der jeweils letzten SRG-Trendumfrage vor der Abstimmung abweicht. Im November 2009 wurde die Minarettinitiative mit 57,5 Prozent Ja-Stimmen angenommen, obschon die letzte Trendumfrage vor der Abstimmung lediglich ein Potenzial für 37 Prozent Ja-Stimmen festgestellt hatte. Infolge dieser Diskrepanz hatte die SRG die Publikation der Trendumfragen für einige Monate sistiert.

Auch in jüngerer Vergangenheit gab die Trendumfrage zu reden: Im Februar 2014 wurde die Masseneinwanderungsinitiative mit 50,3 Prozent angenommen, obschon in der letzten Trendumfrage vor der Abstimmung lediglich 43 Prozent Ja-Stimmen zu verzeichnen waren.

Der Datenblog hat nun alle SRG-Trendumfragen der letzten zehn Jahre analysiert. Wie oft lag Longchamp daneben? Und vor allem: um wie viel?

Datengrundlage

Die SRG-Trendumfragen werden seit 2004 vom Forschungsinstitut GFS Bern durchgeführt. Für diesen Beitrag sind alle Umfragewerte der Umfragen von 2004 bis 2014 berücksichtigt. Die Daten sind in dieser Tabelle zusammengefasst. Die Rohdaten in Form der GFS-Berichte können hier eingesehen werden. Die Grafiken wurden mit dem Statistikpaket R erstellt. Den dazugehörigen Datensatz mitsamt Code können Sie hier herunterladen.

Befragungen können eine Abstimmung grundsätzlich nicht voraussagen, sondern lediglich robuste Hinweise geben. Folgende Grafik fasst zusammen, wie stark die Ja- und Nein-Werte bei den SRG-Umfragen von den effektiven Ja- und Nein-Werten abweichen:

Abweichungen

Die Bandbreite an Abweichungen zwischen Umfragen und Ergebnissen ist für fakultative Referenden am geringsten, für obligatorische Referenden am höchsten. Bei Volksinitiativen deutet sich ein bestimmtes Muster an: In den Umfragen werden oft deutlich weniger Nein-Stimmen erfasst, als es nachfolgend effektiv gibt. Handkehrum überbetonen die Umfragen den Anteil der Ja-Stimmen.

Warum sind die Abweichungen bei obligatorischen Referenden so gross? Diese Vorlagen sind bisweilen wenig «prickelnd», also etwas abstrakterer, und kaum umstrittener Natur. Bei Umfragen wissen schlicht noch viele Leute nicht, worum es genau geht; sie sind noch unentschlossen.

Blosse Abweichungen vom Endergebnis sagen nicht zwingend viel aus. So gibt es bei jeder Umfrage eben die Restgruppe der Unentschlossenen, welche ein Wählerpotenzial bedeuten, das zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht ausgeschöpft ist. Zum anderen hat jede Umfrage, je nach Stichprobengrösse, eine Fehlerquote. Die nachfolgenden zwei Grafiken berücksichtigen diese zwei Aspekte.

Die schwarzen Punkte in den nachfolgenden zwei Grafiken sind die effektiven Ja-Anteile (erste Grafik) bzw. Nein-Anteile (zweite Grafik) der Abstimmungen. Die fette Linie repräsentiert den Umfragewert inklusive einer Fehlerquote von +/–3 Prozent. Die dünne Linie ist der Anteil der Unentschlossenen bei der jeweiligen Umfrage inklusive einer Fehlerquote von +/–3 Prozent. Wenn ein schwarzer Punkt die fette Linie berührt, liegt das Abstimmungsergebnis sehr nah an der Umfrage. Wenn ein Punkt nur die dünne Linie berührt, liegt das Abstimmungsergebnis im Rahmen dessen, was innerhalb der Umfrage möglich ist. Wenn ein Punkt gar nicht berührt wird, handelt es sich um einen Ausreisser: ein Ergebnis, das aufgrund der Umfrage nicht zu erwarten ist.

Die erste Grafik fasst die erfragten und die effektiven Ja-Anteile zusammen:

Ja-Anteile

Bei den Ja-Anteilen gibt es insgesamt sehr wenige Ausreisser: einen bei obligatorischen Referenden, zwei bei fakultativen Referenden sowie zwei bei Volksinitiativen. Die zwei Ausreisser bei den Initiativen sind die Minarettinitiative von 2009 und die Ecopopinitiative von 2014.

Wie ist die Situation bei den Nein-Anteilen?

Nein-Anteile

Im Vergleich zu den Ja-Anteilen fällt eine systematische Verzerrung auf: Die Nein-Anteile der Umfragen liegen meistens deutlich unter den effektiven Nein-Anteilen. Besonders bei Volksinitiativen macht sich dieses Bias bemerkbar: Insgesamt 16 Ausreisser sind vorhanden, allesamt Ausreisser nach oben. Der einzige Fall, bei dem der Nein-Anteil einer Initiative in der Umfrage zu hoch war, ist die Minarettinitiative von 2009.

Nebst den Ausreissern bei den Volksinitiativen sind noch deren vier bei obligatorischen und vier bei fakultativen Referenden vorhanden.

Auch wenn Umfrage und Ergebnis deutlich auseinandergehen, kann der Ausgang der Abstimmung immer noch zutreffend sein. Wie oft wurde die Annahme oder Ablehnung einer Vorlage falsch «vorausgesagt»?

Anzahl falscher Prognosen

In keinem Jahr gab es mehr als zwei falsche Prognosen. Ganz klar zeigt sich, dass die Volksinitiativen die am wenigsten berechenbaren Vorlagen sind. Der Anteil, den diese falschen Prognosen an den gesamten Prognosen machen, ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich, weil nicht immer über gleich viele Vorlagen abgestimmt wird:

Anteil falscher Prognosen

Im Jahr 2011 gab es nur eine nationale Vorlage an der Urne, darum der Ausreisser nach oben.

Fazit: Relativ unpräzise, aber relativ genau

Ein Vergleich der SRG-Trendstudien mit den Abstimmungsergebnissen fördert sechs Erkenntnisse zutage.

  • Die Umfragen sind relativ unpräzise (geringe «Reliabilität»). Die effektiven Ja- und Nein-Anteile bei Abstimmungen unterscheiden sich im Grunde immer von den Umfragewerten.
  • Die Umfragen sind relativ genau (hohe «Validität»). In knapp 80 Prozent der Fälle zeigen die Umfragen den bevorstehenden Ausgang richtig an (im Sinne der Annahme oder der Ablehnung der Vorlage).
  • Volksinitiativen sind unberechenbar. 13 von 73 Abstimmungen wurden falsch «vorausgesagt». Von diesen 13 falschen Voraussagen sind 9 Volksinitiativen.
  • Die Umfragen haben möglicherweise eine systematische Verzerrung hin zu zu wenig Nein-Anteilen. Wodurch dieses Bias zustande kommt, ist ohne Einsicht in die Umfrage-Rohdaten unklar.
  • Die Minarettinitiative von 2009, welche oft als pars pro toto für die Kritik an den Trendstudien genutzt wird, ist ein Spezialfall. Es ist die einzige Vorlage, bei welcher der effektive Ja-Anteil im Kontext der Umfrage einen Ausreisser nach oben darstellt.
  • Die Umfragen scheinen über die Zeit nicht an Zuverlässigkeit eingebüsst zu haben.

Den SRG-Trendumfragen widerfährt zum Teil heftige Kritik. Zum einen ist das wohl Kritik an der Methodik an und für sich: In Zeiten von Mobiltelefonen und permanenter Mobilität ist es nicht einfach, mittels Festnetztelefonanrufen einigermassen repräsentative Zufallsstichproben zu generieren.
Zum anderen ist die Kritik aber auch anekdotischer Natur: Bei einzelnen Vorlagen wie der Minarettinitiative von 2009 gehen Umfrage und Ergebnis stark auseinander, und wir schreiben solchen Fällen subjektiv mehr Bedeutung zu als solchen, bei denen Umfrage und Ergebnis näher beisammen sind.

Zuletzt schwingt in der Debatte rund um Sinn und Unsinn der SRG-Trendumfragen vielleicht auch die latente Vorstellung mit, Sozialwissenschaften müssten so genaue und so präzise Ergebnisse liefern wie Naturwissenschaften. Das ist ein Missverständnis. Naturwissenschaften ermöglichen es uns, eine Sonde ins Weltall zu katapultieren, um zehn Jahre später fast perfekt auf einem Kometen zu landen. Sozialwissenschaften hingegen ermöglichen uns höchstens, den Grad der Unsicherheit in Fragen der sozialen Realität ein Stück weit zu senken.

Marko Kovic doktoriert am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (IPMZ). Er ist Präsident des Vereins Skeptiker Schweiz – Verein für kritisches Denken. Er interessiert sich für den unkritischen Umgang der klassischen Massenmedien mit (pseudo-)wissenschaftlichen Themen.

34 Kommentare zu “Longchamps SRG-Umfragen im 10-Jahres-Check”

  1. Gut sagt:

    Die Abstimmung und die Umfragen liegen 3-4 Wochen auseinander. Wieso kommt der Autor auf die Idee, dass die Resultate übereinstimmen sollten? Dazwischen tobt noch der Abstimmungskampf und die Wählerschaft ist in der Meinungsbildung. Es ist eben eine Trendumfrage und nicht eine Prognose! Ziemlich unseriös, dann noch “Trefferquoten” auszurechnen.

  2. Mario Schranz sagt:

    Es wäre interessant zu sehen, wie Genauigkeit der Vorhersage mit der Abstimmungsbeteiligung und dem Inhalt der Abstimmungen zusammenhängt. Bin skeptisch ob es bei Volksinitiativen per se schwieriger ist.

  3. Andreas sagt:

    Eigenartige Formulierung im Fazit: Wie kann etwas gleichzeitig relativ unpräzise und relativ genau sein? Präzision ist die höchste Form den Genauigkeit, soweit ich das verstehe. Statistisch betrachtet sollte Reliabilität nicht mit Präzision in Verbindung gebracht werden (letzteres wäre Validität), sondern mit Zuverlässigkeit. Eine adäquatere Formulierung wäre “relativ unzuverlässig, relativ genau” (geringe Reliabilität, hohe Validität). So könnte man die statistischen Grössen Reliabilität und Validität umgangssprachlich verständlich erklären.

    • Marko Kovic sagt:

      Hallo Andreas

      Im Text lehne ich mich an das englische Begrifspaar “accuracy” und “precision” an, verwende aber auf Deutsch “genau” anstatt “akkurat”. “Accuracy” ist synonym mit “Validität”, “precision” synonym mit “Reliabilität” verwendet.

      Die Aussage “Relativ unpräzise, aber relativ genau” soll bewusst ein bisschen irritieren :).

      Grüsse

  4. J. Wigger sagt:

    Ueber Sinn und Unsinn von Umfragen im Vorfeld einer Abstimmung lässt sich streiten. Aber was sollen denn die Hochrechnungen jeweils am Abstimmungstag selbst? Spielt es eine Rolle, das Resultat ein paar Stunden – falls überhaupt – vor dem Ende der definitiven Stimmen- Auszählung zu wissen?

  5. Rob Müller sagt:

    Die meisten Abstimmungssumfrage unterliegen einem entscheidenden methodischen Fehler: es wird ein repräsentativer Schnitt der Bevölkerung befragt und nicht der effektiv Abstimmenden. In Wahrheit gehen aber überproportional viele ältere Menschen stimmen und wählen, was auch die differenz zwischen Prognosen und Abstimmungsergebnissen zeigt: der NEIN-Anteil ist praktisch immer höher als vorausgesagt. Ganz einfach, weil ältere Menschen öfters “Nein” (also im Normalfall konservativer stimmen).

    Leider gibt es in der Schweiz nach wie vor keine Statistik, die aufzeigt, WER abstimmen geht: jüngere, ältere, Frauen, Männer? So sind viele Umfrageergebinsse eben unbrauchbar: Denn Longchampund co müssen jene fragen, die effektiv abstimmen gehen.

  6. IgorB sagt:

    Und jetzt nehmen wir noch den schlauen Bürger dazu: Wir haben über die Jahre gelernt, dass sich Bürger an den Rändern des politischen Spektrums bei Umfragen bedeckt halten, weil sie sich schämen für Ihre Meinung (und in 80% der Fälle wohl zu Recht). Nun hat sich auch da ein Gegentrend eingestellt: Die anderen Bürger beginne das Gleiche zu machen, nämlich die Angabe bei der Umfragen nicht mehr wahrheitsgetreu, sondern strategisch zu wählen. Somit verringert sich die Gefahr, dass sich die vernünftige Mitte in Sicherheit wiegt. Das führt zwar das Instrument der Trendumfrage – wie bei EcoPOP – ad absurdum, aber ich betrachte es ebenfalls als legitimes Mittel der direkten Demokratie. Wieviel Millionen mehr deshalb in Abstimmungskämpfe gebuttert werden, lassen wir mal dahingestellt. Aber auch das kein unlösbares Problem in der direkten Demokratie.

  7. tommaso sagt:

    Seltsame Verwendung von “Reliabiltät” und “Validität”. Das erstere bedeutet, dass mehrere Messungen das (möglichst) gleiche Resultat ergeben, das zweite, dass die Messung möglichst nahe an der Realität liegt. Und was bitte ist der Unteschied von “präzise” und “genau”…?

    • Marko Kovic sagt:

      Hallo tommaso

      Diese Begriffe sind Jargon, der natürlich nicht universal gleichbedeutend ist.
      “Validität” und “Genauigkeit” sind hier synonym verwendet: Wird das, was gemessen werden soll, auch gemessen?
      Auch sind “Reliabilität” und “Präzision” synonym verwendet: Fördert das verwendete Werkzeug gleichbleibende Ergebnisse zutage?

      Diese Logik solchen Jargons ist natürlich immer davon abhängig, was als Ziel definiert wird. Im Kontext von Abstimmungen macht es Sinn, denke ich, das Ziel von Umfragen als Einschätzung des Abstimmungsausgans zu verstehen. Letztlich sollen diese Begrifflichkeiten hier nur die Unterscheidung zwischen konkreten Ja- sowie Nein-Anteilen und dem Ausgang der Abstimmungen verdeutlichen.

      Grüsse

  8. Bernhard Altermatt sagt:

    Ausgezeichneter Beitrag. Danke, Marko Kovic!

  9. Marcel Grüninger sagt:

    Vielleicht hört die Verschwendung von Gebührengeldern für diese Umfragen endlich auf. Man sollte den öffentlichen Medien Umfragen dieser Art aus diesem Grund endlich untersagen.

  10. ruf sagt:

    GFS will uns nie etwas verkaufen. Diese Sondierungen sind eigentlich ein Kundendienst, der leider manchmal den Erwartungen nicht entspricht. Ja bei der letzten Abstimmung war ich wirklich sehr erstaunt, weil ich aufgrund der Foren das Gegenteil der Resultate annahm. Das will nicht heissen, dass alle Resultate falsch sind. Ich habe Vertrauen zu GFS und im Ganzen sind die Umfragen interessant.

  11. Steinlin Edi sagt:

    Wann merkt man beim SRF endlich, dass wir diese teuren Umfragen dieses Hr. Longchamp nicht brauchen. Die Medien machen ohnehin immer Umfragen und diese nicht auf Kosten der Gebührenzahler. Das Fernsehen hat genug eigene Reporter sowohl im Sport als auch in der Politik.

  12. peter sagt:

    Viele Abstimmungen sind bereits ohne analysen voraussagbar. ich traue mir zu, auch zu 80% richtig zu liegen. das einfach mit gesundem menschenverstand und etwas kenntnis über die schweizer bevölkerung. meines erachtens sind diese trendstudien grösstenteils unnötig und hinausgeworfenes geld.

  13. H. Trösch sagt:

    Es ist ganz einfach und klar….
    Der Fehler liegt beim Volk !
    Würde es sich mehr an den Umfragewerten orientieren und dementsprechend Abstimmen,
    die Diskrepanz zwischen Umfrage und Abstimmung währe nicht so gross!
    Ironie dürfen sie behalten :-))

  14. Bettina Gerber sagt:

    “Volksinitiativen sind unberechenbar. 13 von 73 Abstimmungen wurden falsch «vorausgesagt». Von diesen 13 falschen Voraussagen sind 9 Volksinitiativen.”
    Diese Aussage kann man meiner Meinung nach so nicht stehen lassen. Entscheidend ist, wie gross der Anteil an Volksinitiativen (VI) an der Gesamtzahl der Vorlagen war. Gab es viele VI, so kann man auch erwarten, dass viele falsche Voraussagen auf VI fielen.
    Ein Blick in die Zahlen zeigt: Von 13 obligatorischen Referenden wurde bei 10 das Resultat korrekt vorausgesagt – also in 77% der Fälle. Von 35 VI wurden 26 korrekt vorausgesagt, also 74% der Fälle. Ein so gravierender Unterschied, wie es im Text ausgesagt wird, ist das nun nicht.

  15. Stephan Haas sagt:

    Ich kann es nicht belegen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass auch ich den Ausgang von ca. 80% der Abstimmungen richtig(Ja/Nein) voraussagen könnte.

    • Markus Baumann sagt:

      Genau das habe ich mir auch gedacht 🙂 Da bin ich mir sehr sicher. Mit andern Worten: es ist mit diesen Umfragen ein bisschen wie mit der Astrologie. Dort wird als “Datenbasis” der Blick in die Sterne verwendet, hier Telefonumfragen. Und in beiden Fällen werden etwa soviele “Treffer” gelandet, wie es der gesunde Menschenverstand allein auch schaffen würde.

    • Beat sagt:

      Geht mir genauso. Ich frage 5-7 Leute in meinem Umfeld, und spätestens dann weiss ich, wie der Wind weht. Dieses Jahr noch keine Überraschungen.

  16. Bürge sagt:

    Warum kann man nicht das genaue Ergebnis abwarten? Damit kann man doch auch eine Menge Geld sparen. Aber die SRG hat natürlich solche Themen gerne um die Zeit zu füllen.

  17. Beat Horn sagt:

    Ich bin ein absoluter Gegner von solchen Trendstudien. Ihnen ist eine wahlbeeinflussende Wirkung nicht abzusprechen, insbesondere, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt und an prominenter Stelle publiziert werden. Der Mensch ist ein Herdentier; gerade Unentschlossene und schlecht informierte Stimmbürger orientieren sich oft an der Umgebung. Ich hatte schon oft den Verdacht, dass dieses Werkzeug ganz bewusst eingesetzt wird.

    • petermeier sagt:

      nein sie sind eben nicht wahlbeeinflussend. das wurde ja gerade aufgezeigt.

      • Beat sagt:

        Haben wir denselben Blog gelesen? Wo wurde das aufgezeigt? Natürlich haben Prognosen Einfluss auf das Wahlverhalten. Es kann Leute aufschrecken und motivieren, an die Urne zu gehen, bzw. anders abzustimmen, weil man z.B. zwar ein Zeichen setzen wollte, aber doch nicht will, das etwas angenommen wird.

  18. Christian Fichter sagt:

    Danke für diesen spannenden Beitrag, Herr Kovic. Ich vermute, wenn für Trendumfragen dasselbe Budget zur Verfügung stünde, wie die Raumsonde Rosetta gekostet hat (1.4 Milliarden), so wären sie von wesentlich höherer Präzision. Die Meinung junger, telefonisch nicht erreichbarer Menschen einzuholen, scheint mir tatsächlich eine Herausforderung von astronomischer Schwierigkeit zu sein.

  19. Kohler Jürgen sagt:

    Mich interessieren solche Wahl-Prognosen überhaupt nicht, sondern nur, was tatsächlich an der Urne eingeworfen wurde. Deshalb finde ich, man sollte solche Umfragen lassen.

  20. Flo sagt:

    1.) Nach so langer Lonchamps-Zeit täte es vielleicht gut jemanden anderen zu beauftragen
    2.) Umfragen, k ö n n e n nie präzise sein, da gerade bei “heiklen” Abstimmungen sich vermutlich nur wenige konkret/ehrlich über seine Absichten äussern will.

  21. Ralf Schrader sagt:

    Trendumfragen in die Gegend von (Sozial-) Wissenschaft zu rücken, ist schon recht vermessen. Die Frage ist: Was erfahren wir, wenn man Trends abschätzen kann? Handelt es sich im Fall von Wahlvorhersagen nicht eher um Wahlmanipulation?
    Parteien mögen einen Nutzen aus Umfragen ziehen, die Bürger nicht. Deshalb darf es dafür keinen Rappen aus der Bilag- Zwangsabgabe geben, auch nicht aus Steuermitteln. Sollen die Parteien es zahlen und die Resultate für sich behalten und benutzen.
    Um Manipulationen zu verhindern, sollten die Resultate von Trendumfragen nicht veröffentlicht werden.

  22. Peter Steiner sagt:

    Man sollte dem ganzen Zahlenzauber vielleicht nicht zuviel Bedeutung beimessen, dem GFS nicht soviel zahlen und SRF-Sendeminuten nicht mit diesen Voraussagen verschwenden.

    • bernhard moser sagt:

      Zahlenzauber ist genau der Punkt: z.B. Ecopop: Voraussage 39% Ja Ergebnis 26 % ja macht +- 13%, es hätte also auch 52% Ja sein können. Zusätzlich kommt noch, das man dort auch gegenüber der Konkurrenz schlechter abgeschnitten hat! Und die haben sicher ein kleineres Budget. Es stimmt eben auch die Leistung nicht, gegenüber dem finanziellen Aufwand zur Konkurrenz.

  23. Patricia Galli sagt:

    Danke Herr Kovic für die gute Arbeit.
    “Die Umfragen scheinen über die Zeit nicht an Zuverlässigkeit eingebüsst zu haben.” Aber die Zuverlässigkeit hat sich auch nicht verbessert.
    Herr Longchamp sagte zur Ecopop-Umfrage: “Seit vier Jahren machen wir in den SRG-Umfragen einen Test zur Messung von Entscheidungsambivalenz. Statt auf die bekundeten Stimmabsichten schauen wir auf die Systematik der Antworten zu den Argumenten. Diese wird mittels einer Cluster-Analyse ermittelt.”
    In der Praxis hat Longchamp’s hochgelobte Cluster-Analyse also offenbar Schiffbruch erlitten.

  24. Christian Emmenegger sagt:

    Umfragen zu Abstimmungen sind ganz einfach zu verbieten, denn sie beeinflussen direkt die Mobilisierung. Die Umfragen geben nämlich wohl eine repräsentative Meinung des Volkes wider, sie geben aber nicht wider wer davon auch abstimmen geht. Und dies ist in der direkten Demokratie wichtiger als was die Volksmehrheit wirklich denkt. Gerade die MEI wurde wegen der Mobilisierung der Befürworter und der schlechten Mobilisierung der Gegner angenommen. Und wieso wurden Gegner nicht mobilisert? Weil sie sich in falscher Sicherheit wiegten. Und wieso taten sie das? Unter anderem wegen diesen Umfragen.

  25. Peter Schmid sagt:

    Endlich einmal ein gescheiter Beitrag zu diesem Thema. Das Resultat finde ich sehr beruhigend: menschliches Verhalten ist nicht einfach so voraussehbar. Es ist und bleibt bis zu einem gewissen Grad überraschend. Das ist doch schön, so bleibt das Leben spannend. Man stelle ich mal vor, all unser Verhalten sei vorhersehbar. Ein schauderhafter Gedanke.

  26. Michael K. sagt:

    Vielen Dank für die detaillierte Analyse. Ich lese die Datenblog Beiträge immer mit grossen Interesse, ermöglichen sie es mir doch einen Blick hinter die Schlagzeilen zu den entsprechenden Themen zu bekommen.

  27. Enrico Fröhlich sagt:

    Liebe Autoren, Kompliment dafür, dass Sie Daten und Code publizieren! Das ist ein hohes Niveau der Kommunikation, weil die Resultate und Schlussfolgerungen vom Leser verifiziert werden können. Sehr erfreulich. EF