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Sterben in der Schweiz – heute und vor 100 Jahren

Von Marc Brupbacher, 22. Juli 2014 27 Kommentare »
2012 starben in der Schweiz 64’173 Menschen. Vor 100 Jahren waren es fast gleich viele. Die Todesursachen haben sich aber stark gewandelt. Zahlen zum Gevatter Tod.
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Die häufigsten Todesursachen sind heute in der Schweiz Herz-Kreislauf-Krankheiten (33,8 Prozent), Krebs (25,7 Prozent) und Demenz (8,9 Prozent). Und woran starben die Schweizer vor 100 Jahren? Beim Bundesamt für Statistik (BFS) angefragte Zahlen zeigen folgendes Bild:

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Nicht aufgeführt sind hier zusammengefasste übrige Krankheiten (1900: 20,8 Prozent; 2012: 15 Prozent).

Im Jahr 1900 waren infektiöse Krankheiten (20 Prozent) wie Tuberkulose und Erkrankung der Atmungsorgane (17,1 Prozent), oft Lungenentzündungen, die häufigste Todesursache. Dank Antibiotika, Therapien und verbesserten Hygienemassnahmen spielen diese Todesursachen heute nur noch eine untergeordnete Rolle.

Kann man an Demenz sterben?

In der BFS-Todesursachenstatistik ist diejenige Krankheit die Haupttodesursache, welche am Anfang eines Krankheitsverlaufs steht. Die Kausalkette ist ausschlaggebend, Folgekrankheiten und Begleitdiagnosen erscheinen als solche, der letztendliche Auslöser des Todeseintritts, meist ein Herz-Kreislauf-Stillstand, bleibt in der Regel unberücksichtigt.

Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind heute also für fast 60 Prozent der Todesfälle verantwortlich. Die Haupttodesursache ändert sich mit der Alterspanne aber stark.

  • Über 80-Jährige sterben am häufigsten an Herz-Kreislauf-Krankheiten
  • Bei 47- bis 79-jährigen Männern ist Krebs die häufigste Todesursache
  • Bei Frauen ist Krebs schon vom 36. bis zum 77. Altersjahr die häufigste Ursache
  • Unfälle und Suizide stehen bei den 16- bis 46-jährigen Männern und den 16- bis 35-jährigen Frauen an erster Stelle
  • Bei den Neugeborenen sind angeborene Krankheiten und geburtsbedingte Probleme die Haupttodesursache

Absolut gesehen starben 1900 (63’306 Personen) und 2012 (64’173 Personen) ungefähr gleich viele Menschen. Betrachtet man allerdings die Mortalitätsraten pro 1000 Einwohner, zeigt sich über die Jahrzehnte eine spektakuläre Abnahme.

Die Mehrzahl der Menschen stirbt heute mit über 80 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, in der Schweiz in jungen Jahren zu sterben, ist gering. So waren im Jahr 2010 nur 3 Prozent aller Verstorbenen jünger als 44.

Seit etwa 50 Jahren sterben in der Schweiz jedes Jahr ungefähr 60’000 Menschen. Die Szenarien der Bevölkerungsentwicklung des BFS zeigen, dass die Zahl der Todesfälle in den kommenden Jahren und Jahrzehnten stark zunehmen wird. Dies liegt hauptsächlich an der Zunahme des Anteils alter Menschen in unserem Land.

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27 Kommentare zu “Sterben in der Schweiz – heute und vor 100 Jahren”

  1. Blanche Wu sagt:

    Kann man Demenz wirklich dazu zählen? Die ältere Menschen sterben ja sowieso wegen dem Alter einmal…ist ja logisch? Zum Glück sterben noch gleichviel Menschen wie dazumal. Ich finde es nicht erstrebenswert dass immer weniger Menschen an Krankheiten sterben, denn sonst explodiert die Bevölkerung auf der Erde noch mehr. Auch der Mensch ist mit den Unannehmlichkeiten der Natur belastet, wie eine Katze oder Hund. Daher soll er nicht aufjaulen und sich seinem Schicksal fügen. Man hat kein Anrecht um 150 Jahre alt zu werden.

  2. Klaus Beutel sagt:

    Sie geben in der Graphik lediglich die Todesfälle für die Rubrik der 65 – 84 Jährigen an, sowie die über 85 – Jährigen an. Von Intresse wäre die absolute Sterblichkeit für jedes Altersjahr. Z.B. im welchem Alter sterben die meisten Männer / Frauen in der Schweiz ? Können sie eine genaue Kurve publizieren?

  3. Urs-Werner Merkli sagt:

    An Demenz kann man gar nicht sterben. Demente Menschen sterben wegen einer Lungenentzündung, oefter auch weil ihnen das Interesse an Essen und Trinken abhanden kommt (wie auch vielen Nichtdementen) und man sie dann nicht zur Einnahme von Nahrung und Flüssigkeit zwingen sollte. Viele sterben auch an Alterschwäche. Das ist kein schlechter Tod. Wichtig ist wie man alte Menschen begleitet in ihrer letzten Phase. Für Sie da sein, sie begleiten, sie ernst nehmen. Ihr Kinder könnt der Mutter und dem Vater etwas zurückgeben wenn Ihr nur wollt. Es kommt auch was zurück. Und bedenke, wir alle sind dem Tod jeden Tag einen Schritt näher.

  4. Stucki sagt:

    Nur zur Erinnerung: Es werden in Zukunft leider wieder mehr Personen an infektiösen Krankheiten sterben. Antibiotikaresistente Keime sind schon jetzt ein grosses Problem.

  5. Werner Hälg sagt:

    Mit der statistischen Lebenserwartung ist es so eine Sache. Die ganze Kindersterblichkeit zieht die Lebenserwartung im 19. und frühen 20. Jh nach unten. So konnte man auch schon im Mittelalter durchaus “alt” werden. Zu Beispiel wurde Niklaus von Flüe imerhin sibzig (* 1417; † 21. März 1487).
    Aussagekräftiger wäre, die (Rest-)Lebenserwartung von Zwanzigjährigen zu betrachten.

    • Patrick Mettler sagt:

      Nicht zu vergessen die Sozialen Unterschiede die zwischen der Ober- und der Unterschicht geherrscht haben, natürlich auf die Lebensbedingungen bezogen. Heute sind diese auch näher zusammengerückt als noch vor 100 Jahren, oder eben noch extremer im Mittelalter.

    • Harold Fass sagt:

      Das ist ganz genau das, was ich mir auch gedacht habe. Auch Sokrates wurde 70, Platon 74, usw. Gehörte man in der Antike nicht zu den Sklaven und überstand man das Kindesalter, konnte man auch damals ohne Weiteres alt werden. Darum finde ich, dass der Kommentar von Josef Marti (13.01 Uhr) in die völlig falsche Richtung geht. Die statistische Lebenserwartung gibt den Median an, wonach 50% der Menschen ein bestimmtes Alter überschreiten, und 50% es nicht erreichen. Bei einer hohen Kindersterblichkeit verschiebt sich dieser Median selbstverständlich nach links, und es scheint so, als ob die Menschen früher weniger lang gelebt hätten.
      Uns geht es heute in vielerlei Hinsicht viel besser als in früheren Zeiten, aber dass wir heute in jeder Hinsicht – auch was unsere Lebenserwartung anbelangt – in einem goldenen Zeitalter leben würden, finde ich nicht nur einseitig und übertrieben, sondern auch faktisch falsch.

  6. Toni sagt:

    Interessant die Auswirkung der spanischen Grippe auf die Lebenserwartung im Jahr 1918! Fällt ziemlich ins Loch, das Ganze.

    • David Stoop sagt:

      Danke für den Hinweis. Hatte mich gerade gefragt, was diesen Einbruch in der Statistik verursacht hatte.
      Da sieht man, warum Wissneschaftler durchaus besorgt sind, wenn das Risiko einer Pandemie besteht.

    • Heidi Dubs sagt:

      Danke für den Hinweis, lieber Toni. Das ist weitaus der interessanteste Teil dieser Statistik. Ich habe mich gewundert, was dieser Ausreisser soll….

  7. D. Meier sagt:

    Statistisch haben Frauen schon imer länger gelebt als Männer.
    Wieso werden aber Frauen früher pansioniert als Männer? – Wir haben doch die Gleichberechtigung? Oder?

    • Peter Meier sagt:

      das ist damit die Frauen, die früh krank werdenden Männer liebevoll pflegen können, darauf müssen sie sich vorbereiten und deshalb werden sie früher pensioniert.

      • Thomas Müller sagt:

        Dies würde aber bedeuten, dass eine alleinstehende Frau bis 65 arbeiten müsste 😀

        • Interessant ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass der Unterschied der Lebenserwartung zwischen Frauen und Männern öfter auch gewechselt hat. Einmal 3 Jahre, dann wieder 7 Jahre und schliesslich 4 Jahre. Wieso ist das? Evnt. wegen Unfällen?

  8. Josef Marti sagt:

    Vor 100 Jahren war die durchschnittliche Lebenserwartung nicht viel über 50 Jahre. So ist die Zunahme von Krebs gemäss offizieller Begründung der Medizin auf die Zunahme der Lebenserwartung zurückzuführen, deshalb spricht man auch von “Zivilisationskrankheiten”, da Naturvölker in Subsistenzwirtschaft idR nicht viel älter als 40 werden.

    • Gerhard Engler sagt:

      Das stimmt nicht, auch früher wurden viele Leute 60 oder 70. Aber die Kindersterblichkeit zieht den Durchschnitt in die Tiefe. Wenn zwei Personen 60 werden und ein Kind bei der Geburt stirbt, dann ist das Durchschnittsalter 40 Jahre.

      • Josef Marti sagt:

        Können Sie nicht lesen? “durchschnittliche” Lebenserwartung von gut 50, logisch muss es da auch 60 und 70 Jährige gegben haben. Abgesehen davon hat man heute nicht mehr im Schnitt 10 Kinder wovon vor 100 Jahren die Hälfte im Kindesalter verstarb.

  9. Patrick Mettler sagt:

    An irgend etwas muss man ja schliesslich sterben. Deswegen finde ich das die Statistik einen Fehler aufweist der auf Probleme hinweist die im Grunde gar nicht existieren oder zu vernachlässigen sind. Wenn 1900 ein 65jähriger an einem Herzinfarkt dahin schied, so starb er an Altersschwäche. Stirbt heute ein 85jähriger an demselben kommt sein Tod aber in die Herzstatistik. Wie gesagt, irgendwann muss jeder an etwasem sterben. Daher sollten alle die Ihre durchschnittliche Lebenserwartung erreicht bzw. überschritten haben wieder als Altersschwäche deklariert werden, damit würde die Statistik wieder etwas realistischer aussehen und keine Panik unter den 40jährigen mehr verursachen.

  10. Kaspar Tanner sagt:

    Zuerst: Ganz herzlichen Dank für diese interessanten Zahlen. Wir leben nach wie vor in der “besten aller Welten”.

    Interessant finde ich die Lebenserwartung von Männern und Frauen zu Zeiten der AHV-Einführung 1947. Sagt schon alles aus, wieso wir mit der Finanzierung Probleme haben.
    Wobei ich zugebe, dass durch den PFZ-Druck immer mehr über 50-Jährige “zwangspensioniert” werden.
    Eigentlich liesse sich der herbeigeredete Fachkräftemangel – und das AHV-Finanzierungsproblem – mit eigenen Kräften lösen.

    • C. Leupi sagt:

      Sie wissen schon das es um das Sterben geht und nicht die AHV Finanzierung? Erstnhaft, bei 2 von 3 Ihrer Kommentare haben Sie entweder den Inhalt nicht verstanden oder Sie interpretieren Dinge in andere Kommentare, die dort gar nicht stehen. Was genau stimmt mit Ihnen nicht? Bekommen Sie zu wenig Aufmerksamkeit?

      • Kaspar Tanner sagt:

        Herr Leupi,
        Wenn Sie so aggressiv auf meine Bemerkung reagieren, sollten Sie vielleicht Ihre aktuelle Lebenssituation überprüfen.
        Man muss schon völlig frustriert sein, um so zu reagieren.
        Ich wünsche gute Besserung – sonst werden Sie das AHV-Alter nie erreichen…

      • Thomas Müller sagt:

        Wenn man sich schon in solchen Statistiken wälzt, dann ist die AHV und ihre langfristige Finanzierung sicherlich ein naheliegendes Themenfeld. Frontalangriffe sind hier deplaziert und zeugen eher von mangelnder Aufmerksamkeit..

      • Maja sagt:

        Ich glaube eher, Herr oder Frau Leupi, Sie haben den Beitrag von Herrn Tanner nicht verstanden (welchen ich sehr interessant finde, habe ich mir noch gar nie überlegt…). Eine solche Anfeindung wie die Ihre dürfte eigentlich gar nicht veröffentlicht werden.

  11. Cartesia sagt:

    Wird bei Herz-Kreislaufproblemen (und anderen Systemen) unterschieden, ob die Todesursache auf eine tatsächliche Pathologie dieses Systems zurückzuführen ist, oder ob es sich um natürliche Alterungs- und Verschleisserscheinungen handelt, die somit eine natürliche Todesursache wären?

    • Marc Brupbacher sagt:

      Datenquelle und Methoden: Die schweizerische Todesursachenstatistik wurde 1876 eingeführt. Sie beruht auf der ärztlichen Bescheinigung der Todesursachen. Die Angabe der Diagnosen erfolgt in Worten, die Kodierung nach ICD-10 wird im Bundesamt für Statistik nach den von der WHO definierten Regeln vorgenommen.

      • Cartesia sagt:

        Danke für die Antwort. Es wird also nicht unterschieden. Korrekt wäre also zu sagen, dass die Menschen an Herz-Kreislauf-Symptomen sterben. Ob sie dann tatsächlich an einer Pathologie oder eben an altersbedingtem Ausfall sterben, ist somit nicht klar. Man kann den Begriff einer Erscheinung auch ändern, wenn sie falsch ist. Allerdings ist es ja unserer Gesellschaft überhaupt nicht sexy, einfach an Alter zu sterben. Schlimmer noch, man darf eigentlich gar nicht mehr sterben.

        • Tanja Borealis sagt:

          Nicht (nie) sterben zu wollen war schon immer der Wunsch der Menschen, oder was glauben Sie wieso Dinge wie “Himmel”, “Leben nach dem Tod”, “Gott” etc erfunden wurden? Damit man sich wenigstens “einbilden” oder “glauben” kann, dass man ewig lebt.