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Die Streber

Von Luca De Carli, 16. Juli 2014 Kommentarfunktion geschlossen
Welches sind die pflichtbewusstesten Nationalräte? Also jene, die immer eine Meinung haben und bei Abstimmungen fast nie fehlen? Teil 2 unseres Nationalrat-Rankings.

SOMMERSESSION, SOMMER SESSION,

Noch rechtzeitig zur Abstimmung? SVP-Nationalrat Lukas Reimann rennt während der Sommersession 2012 zu seinem Platz im Saal zurück. (Bild: Keystone)

Im Beitrag von gestern standen die Enthaltungskönige im Fokus. Nationalrätin Ruth Humbel von der CVP hat während der laufenden Legislatur am häufigsten auf den gelben Knopf gedrückt.

Doch wie sieht es am anderen Ende der Rangliste aus? Wer hat immer eine Meinung? Die Tabelle mit den Daten von Politnetz einfach umzudrehen, bringt wenig. Denn viele Nationalräte ziehen es vor, statt auf den Enthaltungsknopf zu drücken, vor einer Abstimmung aus dem Saal zu verschwinden oder gar nicht erst zu erscheinen. Wer sich am wenigsten enthalten hat, ist also nicht zwingend der pflichtbewussteste Parlamentarier. Aussagekräftiger ist dagegen der Anteil aller Abstimmungen, in denen ein Nationalrat entweder mit Ja oder Nein abgestimmt hat. Enthaltungskönigin Humbel landete in dieser Rangliste mit einem Wert von 87,5 Prozent im Mittelfeld.

Nur gerade in 51 von 3008 Abstimmungen hat dagegen SVP-Vertreterin Yvette Estermann nicht die Knöpfe für Ja oder Nein gedrückt. 42-mal enthielt sie sich, einmal fehlte sie entschuldigt und achtmal unentschuldigt. Sie liegt damit mit einer Ja-/Nein-Quote von 98,3 Prozent auf Platz 1 der pflichtbewusstesten Nationalräte (böse Zungen könnten von Strebertum sprechen). Allgemein scheinen die Frauen im Rat ihre Aufgabe ernster zu nehmen als die Männer. Unter den ersten zehn Parlamentariern der Rangliste befinden sich sieben Frauen. Im Schnitt aller Nationalräte beträgt die Ja-/Nein-Quote 87,6 Prozent. Berücksichtigt wurden nur amtierende Parlamentarier, die mindestens die Hälfte der Legislatur mitgemacht haben:

Druck

Für ihre Ratskollegen mit einer weniger vorbildlichen Abstimmungsdisziplin hat Spitzenreiterin Estermann kein Verständnis: «Die Sessionstermine werden zwei Jahre im Voraus versandt. Das sollte man sich einrichten können», sagt Estermann. Auch die Unterteilung in wichtige und unwichtige Abstimmungen findet sie falsch. «Die Wähler erwarten, dass wir unsere Meinung äussern.»

Fortsetzung folgt

Nun ist bekannt, wer sich am häufigsten enthält und wer am meisten auf den Ja- oder Nein-Knopf drückt. Im letzten Teil der Miniserie zu den Auswertungen der Abstimmungen im Nationalrat widmen wir uns morgen den Drückebergern. Welche Nationalräte bleiben den Abstimmungen am häufigsten unentschuldigt fern?