Logo

Männer sind krisenanfälliger als Frauen

Von Iwan Städler, 9. April 2014 5 Kommentare »
Bei konjunkturellen und saisonalen Einbrüchen verlieren Männer schneller ihren Job als Frauen. Das zeigt eine Analyse der Arbeitslosenstatistik. Viele stellenlose Frauen tauchen dort aber gar nicht auf.
Stichworte:

Wer ist eigentlich öfter arbeitslos: die Frauen oder die Männer? Die Antwort fällt nicht eindeutig aus. Je nach Konjunktur und Saison trifft es das eine oder das andere Geschlecht härter. Die beiden Arbeitslosenquoten liegen aber nicht massiv auseinander. Ein Vergleich seit dem Jahr 2000 zeigt: Die Differenz betrug nie mehr als ein Prozentpunkt.

Generell lässt sich feststellen, dass die Männer von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit stärker betroffen sind als die Frauen. Umgekehrt profitieren sie auch mehr, wenn sich die Wirtschaftslage verbessert. Ihre Arbeitslosenkurve schlägt also sowohl nach unten als auch nach oben heftiger aus als jene der Frauen. Dies gilt nicht nur für saisonale Schwankungen, sondern auch für das konjunkturelle Auf und Ab.

Der Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Berufswahl der Geschlechter: Bei den Herren arbeitet fast jeder Dritte im konjunkturell anfälligen Industriesektor. Bei den Damen ist es nur jede Zehnte. Stattdessen engagieren sich die Frauen im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der Bildung. Diese staatsnahen Stellen sind konjunkturresistenter und leiden auch weniger unter dem starken Franken als die männerlastige Exportindustrie. Das erklärt, weshalb die Arbeitslosenquote der Frauen in den vergangenen drei Jahren weniger stark angestiegen ist als jene der Männer.

Geschlechtergraben in Basel

Am Dienstag hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Arbeitslosenzahlen für März 2014 publiziert. Ihr Vergleich zeigt, dass die Quote der Frauen in den meisten Kantonen unter jener der Männer liegt. Einzig in Obwalden und Appenzell-Innerrhoden sind die Frauen leicht stärker von Arbeitslosigkeit betroffen. Und in drei weiteren Kantonen (Uri, Appenzell-Ausserrhoden und Thurgau) liegen die beiden Geschlechter gleichauf. In allen übrigen 21 Kantonen hingegen trifft es die Männer härter.

Im Wallis beträgt die Differenz gar 1,5 Prozent (5,1 für die Männer und 3,6 für die Frauen). Hier wirkt sich vor allem die winterliche Flaute im Baugewerbe und in der Landwirtschaft aus. Dasselbe gilt – in vermindertem Ausmass – für Graubünden. Im Sommer, wenn wieder mehr gebaut wird, sieht es in den Bergregionen dann anders aus. Dann sind die Männer gegenüber den Frauen im Vorteil.

In Basel-Stadt hingegen zeigt sich über das ganze Jahr dasselbe Bild. Hier hat die Arbeitslosenquote der Männer jene der Frauen in den letzten 14 Jahren fast immer übertroffen – zum Teil gar drastisch. In keinem anderen Kanton ist die Arbeitslosigkeit zwischen den Geschlechtern derart ungleich verteilt.

Wissenschaftlich untersucht wurde dieses Phänomen noch nie. Doch Hansjürg Dolder, Leiter des Basler Amts für Wirtschaft und Arbeit, führt es auf den hohen Ausländeranteil zurück. Dieser liegt in Basel bei über 30 Prozent. Ohne Ausländerinnen und Ausländer wäre der Geschlechterunterschied in Basel gering. Denn bei den Schweizerinnen und Schweizern ist die Arbeitslosenquote etwa gleich hoch. Unter den Ausländern hingegen sind die Männer deutlich öfter ohne Job. Dieser Effekt schlage in Basel aufgrund des höheren Ausländeranteils stärker durch, so Dolder.

Nur die halbe Wahrheit

Die Arbeitslosenstatistik des Seco erzählt aber nur die halbe Wahrheit. Sie erfasst nämlich nur jene Stellensuchenden, die sich in einem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) registrieren. Wer dies unterlässt, gilt laut Seco nicht als arbeitslos. Anders bei der Erwerbslosenstatistik des Bundesamts für Statistik (BFS): Sie erfasst alle ohne Arbeit, die in den letzten vier Wochen aktiv nach einer Stelle gesucht haben. Damit richtet sich das BFS nach der internationalen Definition der Arbeits­losigkeit durch die ILO (International Labour Organization). Nimmt man diese Zahlen, die das BFS in Umfragen ermittelt, zeigt sich ein etwas anderes Bild: Nun sind die Frauen plötzlich durchwegs stärker von Erwerbslosigkeit betroffen.

Wie erklärt sich diese Differenz zur Arbeitslosenstatistik? Der Grund liegt im unterschiedlichen Verhalten der Geschlechter bei erfolgloser Stellensuche. Frauen ziehen sich in solchen Situationen oft vorübergehend aus dem Arbeitsmarkt zurück und widmen sich vermehrt der Familie. Lediglich rund 40 Prozent der weiblichen Stellensuchenden lassen sich bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum registrieren. Bei den Männern sind es mehr als die Hälfte. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Statistik: Denn wer sich nicht registriert, taucht in der Arbeitslosenstatistik des Seco nicht auf – wohl aber in der Erwerbslosenstatistik des BFS.

Dies dürfte vor allem bei Frauen mit Kindern der Fall sein. Einige unter ihnen sehen sich zwar nach einer Stelle um, sind aber nicht für jeden beliebigen Job bereit, ihre Kinder fremd betreuen zu lassen. Lieber suchen sie weiter, ohne sich vom RAV unter Druck setzen zu lassen. Entsprechend ist die Erwerbslosenquote von Frauen mit kleinen Kindern besonders hoch. Mit zunehmendem Alter der Kinder sinkt dann die Quote. Interessant ist auch, dass die Differenz zwischen der Erwerbslosenquote der Frauen und jener der Männer in den vergangenen Jahren deutlich kleiner geworden ist. Auch in diesem Bereich scheinen sich Mann und Frau anzunähern.

5 Kommentare zu “Männer sind krisenanfälliger als Frauen”

  1. sepp z. sagt:

    Da muss man einfach die Löhne der krisenanfälligen Männerberufe erhöhen, damit das Arbeitslosigkeitsrisiko für den Betroffenen entschädigt ist. Oder man könnte wahlweise auch die Löhne der Frauen senken, damit alles seine Genderkorrekte Richtigkeit hat.

  2. Barbara Merovan sagt:

    Es tauchen sowieso nur gerade 20% aller Arbeitslosen in der Arbeitslosenstatistik auf. Der Rest ist längst ausgesteuert, findet seit langer Zeit keine Stelle mehr oder ist in anderen Sozialversicherungen wie Invalidenversicherung, Unvallversicherung, Krankenversicherung, usw., usw. Wie man die Statistiken erhebt, so drücken sie sich aus. Will man alles etwas aussehen lassen, dann ist das jederzeit möglich.

  3. s.frei sagt:

    natürlich nicht, gibts doch noch nicht ganz demoralisierte und als mutter tätige frauen.
    dank “bund” , welcher schon in den80ern , neben direkter demokratie für das moderne familienbild (krippen/beide arbeitstätig) zu weibeln begann. die quittung haben wir heute: nur noch einzelkind mit krippe , welche das salär der frau draufgehen lässt, natürlich staatlich gefördert. es braucht also noch mehr statistiken welche belegen, was der gesunde menshenverstand schon vorher wusste: arbeitslos und freude daran. sonst kann man sich ja “burn-out” melden – heute als syndrom anerkannt !
    für alles und jeden findet sich etwas , der staat als geber – wir als nehmer = keiner fragt nach reihenfolge = wir brauchen keine umverteilung aber mehr selbstverantwortung . mehr verdienen ? bitte auf eigene kappe und verantwortung !
    reduzieren des staatsmoloches aber subito .

    • Aebi sagt:

      Wenn es so einfach wäre……. S.Frei, offenbar sind Sie ein Mann, der gewisse Entwicklungen entweder nur vom Hören-Sagen kennt oder aus der Presse. Heutzutage haben die jungen Frauen deshalb so wenig Kinder, weil sich auch heute Beruf und Familie noch immer nicht gut miteinander verbinden lassen. Ich begreife es gut, wenn jemand sich jahrelang ausgebildet hat, dass er oder sie dann erst mal voll arbeiten muss, schon nur um sich die nötige Praxis im Beruf anzueignen. Und sich weiter zu bilden, denn ohne, ist mann wie frau schnell weg von der Arbeit.
      Ich finde es anmassend, die ganze Verantwortung für Haushalt und Kinderbetreuung einseitig den Frauen anzulasten und dann die burnouts, die daraus entstehen, wenn frau alles unter einen Hut bringen muss (von wollen ist höchstens bei einigen Wenigen die Rede), als Scheinkrankheit abzutun. Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass, wenn frau jahrzehntelang durcharbeitet, ohne Ferien, denn Kinder haben, heisst, Verantwortung übernehmen, und diese Verantwortung dauert weit über 20 Jahre, die Gefahr einer totalen Erschöpfung sehr gross ist.
      Wenn Sie schon ein traditionelles Rollenbild wollen, dann erklären Sie bitte den Männern auch, dass diese wieder in die traditionelle Ernährerrolle zurück müssen und nicht bei der ersten besten Gelegenheit Frau und Kind im Stich lassen.
      Besten Dank. Freundliche Grüsse