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Wie der UBS-Präsident seinen Lohn runterhandelte

Mathias Morgenthaler am Samstag den 26. April 2014
Kaspar Villiger, alt Bundesrat und ehemaliger UBS-Präsident. Foto: Adrian Moser.

Kaspar Villiger, alt Bundesrat und ehemaliger UBS-Präsident. Foto: Adrian Moser.

Zwei Jahre nach seinem Rücktritt vom UBS-Präsidium blickt Kaspar Villiger noch einmal zurück auf eine turbulente Amtszeit, die seinen Ruf ramponiert und ihm viele Anfeindungen eingebracht hat. Der 73-jährige erzählt, warum er den unpopulären Job übernahm, obwohl ihm alle abrieten, wie er seinen eigenen Lohn runterhandelte und was er in der Grossbank verändern konnte.  Und er sagt, warum er lieber ein trockenes Sachbuch als einen Bestseller schrieb.

Interview: Mathias Morgenthaler

Herr Villiger, soeben ist eine Sammlung von Essays und Reden von Ihnen erschienen. Der Verlag hätte lieber eine Biografie herausgebracht – warum haben Sie sich gesträubt?
In autorisierten Biografien wird oft glorifiziert, beschönigt und nachträglich mit Bedeutung aufgeladen. Diese Form verführt zur Unaufrichtigkeit und Selbstgerechtigkeit.

Angenommen, es wäre doch eine Biografie geworden: Was wäre ein passender Titel?
Die Formulierung «Pendler zwischen Wirtschaft und Politik», die nun auf dem Buchcover steht, trifft es ganz gut. Ich bin in zwei Welten heimisch geworden. Als Student hatte ich keinerlei Interesse an Ökonomie und Politik. Dann musste ich nach dem Tod meines Vaters mit 25 Jahren das Villiger-Stammhaus übernehmen. Als Unternehmer wurde ich dafür sensibilisiert, wie einschneidend die Politik in die Wirtschaft eingreifen kann.

Ihr Vater hatte schon in den Fünfzigerjahren im «Stumpenkrieg» gegen die Tabakkontingentierung gekämpft, welche die kleinen Unternehmen schützen sollte und den grösseren schadete.
Ja, das war eine Lektion fürs Leben. Bei diesem stumpfsinnigen Eingriff habe ich ein für allemal begriffen, dass es nicht gut herauskommt, wenn Unternehmer und Gewerkschafter gemeinsam in Bern jammern und bei Politikern die hohle Hand machen. Aus dieser Zeit existieren nur noch zwei Tabakunternehmen: jene beiden, die gegen die Kontingentierung waren. Aber natürlich sind politische Eingriffe nicht per se schlecht. Die Marktwirtschaft braucht einen starken Staat, der den rechtlichen Rahmen setzt und wichtige Leistungen erbringt.

Sie wurden mit 25 Jahren überraschend Unternehmer, rutschten mit dreissig als Listenfüller in den grossen Rat von Luzern und wurden mit 48 Jahren dank dem Unvermögen des Ehepaars Kopp zur eigenen Überraschung Bundesrat. Ihre Biografie könnte auch den Titel tragen «Karriere ohne Absicht».
Ja, durchaus. Der Zufall hat eine viel grössere Bedeutung, als wir gerne annehmen. Ich bin mir bewusst, dass ich am richtigen Moment an den richtigen Schnittpunkten war. Ich strebte nie eine Machtposition an, sondern versuchte stets, die Aufgaben, die an mich herangetragen wurden, als sorgfältiger Handwerker und solider Problemlöser zu bewältigen.

Ihr streitbarer Bruder Heinrich Villiger sagt über Sie, Sie seien «stets auf Konsens bedacht». Wäre auch das ein passender Titel?
Das ist eine heikle Frage. Es ist immer besser, wenn man einen echten Konsens erzielen kann, aber in manchen Situationen muss man Konflikte riskieren und aushalten. Ohne diese Bereitschaft können Sie kein Unternehmen und kein Departement führen. Denken Sie an die Beschaffung der F/A-18-Flugzeuge, die mir nicht nur Pfiffe in der Öffentlichkeit, sondern auch Ärger in der eigenen Partei eingebracht hat. Oder die Schuldenbremse, die bei weitem nicht allen Politikern gefiel. Ich habe heftige Auseinandersetzungen nie gescheut, aber immer versucht, die Anliegen der Andersdenkenden zu respektieren. Heute wird zu oft der politische Gegner als Feind diskreditiert, der Mensch statt die Sache beschimpft.

Sie kündigten beim Rücktritt aus dem Bundesrat an, aus dem Rampenlicht zu verschwinden. Warum haben Sie sich nicht an diesen Vorsatz gehalten?
Bis zur Anfrage der UBS habe ich keine publizitätsträchtigen Ämter mehr angenommen. Dass ich wieder in die Wirtschaft zurückkehren würde, war mir immer klar. Wäre das Bundesräten verboten, hätte ich dieses Amt gar nie angetreten. Wichtig war mir, nicht in Bereichen tätig zu werden, die in meinen Kompetenzbereich als Bundesrat fielen. Aus diesem Grund habe ich das elterliche Unternehmen irreversibel verlassen nach der Wahl zum Bundesrat, aus dem gleichen Grund lehnte ich nach meinem Rücktritt ein sehr lukratives Angebot einer Bank ab.

Warum machten Sie bei der UBS eine Ausnahme?
Sechs Jahre nach dem Rücktritt aus dem Bundesrat war das eher wieder möglich. Zudem sah ich darin eine Aufgabe von nationalem Interesse. Es war für das Land eminent wichtig, dass die UBS überlebt und wieder zu alter Stärke findet. Ich bin halt ein politischer Patriot. Es wäre ein Leichtes, als alt Bundesrat einen Bestseller mit pikanten Details aus meiner Zeit in der Landesregierung zu schreiben – aber wäre es gerechtfertigt und sinnvoll? Ich glaube nicht. Deshalb habe ich lieber eine undankbare Aufgaben übernommen und zwei vergleichsweise trockene Sachbücher geschrieben.

Als Sie die Nachfolge von Peter Kurer als UBS-Präsident übernahmen, fragten sich viele: Warum tut er sich das an und riskiert, seinen Ruf zu ruinieren?
Ich weiss, so waren auch die Reaktionen in meinem Umfeld. Alle haben mir abgeraten ausser einer. Ulrich Bremi sagte als einziger: «Ich glaube, an deiner Stelle würde ich das machen.» Ich kam schliesslich auch zum Schluss: Manchmal muss man der guten Sache wegen die eigene Reputation aufs Spiel setzen.

Wie stark hat Ihr Ansehen gelitten?
Mein Ruf wurde ramponiert, das steht ausser Frage. Ich bin angeödet und angerempelt worden und fühlte mich in einigen Situationen ungerecht behandelt. Aber eigentlich wusste ich schon aus der Zeit im Bundesrat: Wer an einer Krisenbewältigung teilnimmt, die länger dauert, wird nach einiger Zeit zunehmend als Brandstifter denn als Feuerwehr wahrgenommen. Ich habe keine Elefantenhaut und bin sensibel für Kritik. Aber ich weiss auch, dass man sich nicht  beirren lassen darf durch Kritik. Wenn wir gemacht hätten, was den Applaus der Öffentlichkeit und der Medien gefunden hätte, nämlich die Löhne und Boni viel massiver gesenkt, dann hätte die Bank das nicht überlebt. Das hätte niemandem gedient.

Bereuen Sie es im Nachhinein, zugesagt zu haben?
Nein. Im ersten Anlauf hatte ich ja abgesagt. Als die Bank nochmals auf mich zukam, nachdem sie keine passende Lösung gefunden hatte, liess ich mich überzeugen – vor allem dadurch, dass Oswald Grübel die Aufgabe des Konzernchefs übernahm. Im Gegensatz zu anderen Kandidaten musste ich nichts mehr werden, ich riskierte also wenig und musste nur dafür sorgen, dass ich abends immer mit gutem Gefühl in den Spiegel schauen konnte. Ich bereue das Wagnis nicht. Andere stehen mit 68 Jahren nur noch auf dem Golfplatz, ich konnte mich noch einmal in ein neues Gebiet einarbeiten und Verantwortung übernehmen.

Man hat kritisiert, Sie seien «vom Staatsmann zum UBS-Meldeläufer» geworden und hätten – auch mangels Fachkenntnissen – wenig bewegt. Die UBS habe Sie viel stärker verändert als Sie die Bank.
Wenn jemand erwartet, dass einer, der von aussen kommt, von heute auf morgen die Kultur eines Unternehmens mit 65 000 Angestellten umkrempeln kann, ist das unrealistisch. Es entspricht ebenso wenig der Realität wie die Vorstellung, der Verwaltungsratspräsident müsse die Firma führen und das Geschäft besser kennen als sämtliche Mitarbeiter. Oswald Grübel und ich haben uns realistische Ziele gesetzt, nämlich die Bank zu stabilisieren, sie von Altlasten zu befreien, ohne dass der Staat oder die Bürger dafür bluten müssen, und die Generationen-Ablösung im Management voranzubringen. Diese Ziele haben wir alle erreicht und angesichts der widrigen Umstände ein achtbares Resultat erzielt.

Aber die Boni sprudeln immer noch üppig. Die 11-köpfige UBS-Geschäftsleitung erhielt im letzten Jahr 82,4 Millionen Franken, Konzernchef Ermotti 10,7 Millionen. Sie kritisierten 2010 an der Generalversammlung die Bezüge als teilweise übertrieben, konnten aber keine Trendwende durchsetzen.
Doch, die Vergütungen sind insgesamt zurückgegangen und die Kriterien für die Boni haben sich stark verändert. Was die Leute nicht verstanden haben: Man kann als taumelnde Bank nicht gute Mitarbeiter holen oder behalten, ohne zumindest Marktlöhne zu bezahlen.

Sie und Oswald Grübel sind der Gegenbeweis zu dieser These.
Ja, Oswald Grübel und ich waren dazu bereit, das stimmt, aber wir waren am Ende unserer Karriere und mussten niemandem mehr etwas beweisen. Ein Banker, der in der Mitte seiner Laufbahn steht, hätte das nicht mal seiner eigenen Frau erklären können, warum er 2010 zu der UBS gegangen wäre und auch noch Lohneinbussen in Kauf genommen hätte.

Und Sie? Sie verdienten in drei Jahren gut 4 Millionen Franken, Ihr Nachfolger Axel Weber erhielt allein als Antrittsgage 4,6 Mio. Franken.
(Lacht) Ja, darauf hat mich meine Frau tatsächlich angesprochen. Aber ich verzichtete ja freiwillig. Man hatte mir das gleiche Paket angeboten wie zuvor Peter Kurer und danach Axel Weber. Ich hörte mir das an und sagte, das komme für mich nicht in Frage. Als die Bank-Verantwortlichen das Angebot nachbessern wollten, stellte ich klar, dass ich nicht mehr, sondern weniger verdienen wollte. Alles andere hätte der Bank und meinem Ruf geschadet.

Warum hat man die Löhne nicht generell stärker gesenkt?
Wir haben die Boni deutlich gesenkt von 2009 auf 2010. Was war die Folge? Eine Konkurrentin warb uns beispielsweise ein Team mit 60 Leuten ab. Das kostete die UBS rund eine Milliarde Franken Gewinn. Ich bin einverstanden, dass das Salärniveau teilweise an der obersten Grenze des Verkraftbaren ist, aber das ist weltweit so, wir stehen im globalen Wettbewerb. Deswegen pauschal zu sagen, die Banken hätten nichts gelernt, ist falsch. Die UBS ist nicht nur um Welten besser kapitalisiert als vor fünf Jahren, sondern wir haben auch einen Paradigmenwechsel bei den Anreizsystemen realisiert. Ich habe persönlich mit Sergio Ermotti ein CEO-Vergütungssystem ausgearbeitet, das auch nicht monetäre Erfordernisse berücksichtigt. Er wird auch an Faktoren wie Reputation, Teambildung und Kundenzufriedenheit sowie der langfristigen Entwicklung der Bank gemessen. Die UBS ist in dieser Hinsicht deutlich weiter als die Konkurrenz.

Aber das wichtigste Steuerungsinstrument bleibt das Geld.
In der Finanzindustrie dreht sich nun einmal alles um Geld. Das macht den Job spannend, birgt aber auch Gefahren. Wir haben nicht wie Nestlé ein Produkt, mit dem sich alle identifizieren können.

Haben Sie sich teilweise ohnmächtig gefühlt während der drei Jahre an der Spitze der Bank?
Als Oswald Grübel mich anrief und mir sagte, wir hätten wegen eines Händlers in London zwei Milliarden verloren, fühlte ich mich tatsächlich ohnmächtig für ungefähr zehn Minuten. Das war ein Schock. Das Management hat dann aber sehr professionell reagiert. Insgesamt hätte ich mir gewünscht, rascher voranzukommen mit dem Kulturwandel. Wir haben aber einiges erreicht. Ich führte weltweit viele Kundengespräche und merkte dabei auch, welch hohen Standards wir in der Schweiz haben – im Banking und bezüglich Lebensqualität. Fast möchte ich sagen: Es geht uns so gut, dass wir anfangen, uns selber Probleme zu machen.

Sie warnen in Ihrem Buch vor dem «Hagelsturm standortgefährdender Volksinitiativen». Ist das ein Misstrauensvotum gegenüber der direkten Demokratie?
Auf lange Sicht ist die direkte Demokratie zweifellos das beste System. Einzelne Abstimmungen wie jene über die Abzocker-Initiative und die Masseneinwanderungs-Initiative werden die Schweiz nicht kaputt machen. Aber eine emotionsgetriebene Annahme einer Reihe weiterer schädlicher Initiativen wäre verheerend für die Stellung der Schweiz im globalen Wettbewerb. Wir schwächen uns selber, wenn wir dafür sorgen, dass grosse Unternehmen wegziehen oder nicht mehr zuziehen. Zwar richtet sich der Zorn gegen die Konzernmanager, er trifft aber nicht diese Manager, sondern die Schweizer Bevölkerung. Die Wirtschaft ist die Basis unseres Wohlstands und ein Viertel dieses Wohlstands hängt von den grossen, börsenkotierten Unternehmen ab. Ich würde mir wünschen, dass über solche Dinge sachlich diskutiert wird vor folgenschweren Abstimmungen.

Offenbar mangelt es an Managern mit Bodenhaftung, die sich einer solchen Diskussion stellen.
Das ist richtig, wir haben ein Integrationsproblem auf der Teppichetage. Die Wirtschaft muss wieder näher an die Gesellschaft heranrücken und aufzeigen, dass sie Wohlstand für die Gemeinschaft erwirtschaftet. Ich könnte mir vorstellen, dass pensionierte Schweizer Manager neue ausländische Manager während einiger Zeit als «Götti» in die politische Kultur der Schweiz einführen.

Sie haben noch ein Büro bei der UBS in Bern. Sind Sie noch für die Bank tätig?
Nur noch im Ehrenamt. Ich bin unbezahlter Präsident der Stiftung, welche das von Professor Ernst Fehr geleitete UBS Center for Economy in Society finanziert. Zudem bin ich für die internationale Global Leadership Foundation tätig, die den Erfahrungsaustausch unter Regierungschefs fördert. Beides sehe ich als Trainingslager für meine grauen Zellen. Ansonsten habe ich mehr Zeit für Reisen mit meiner Frau und für den Sport. Im letzten Jahr habe ich 3600 Kilometer auf dem Velo zurückgelegt, dazu 400 Langlaufkilometer.

Wird Ihr nächstes Buch ein Roman? In Ihrer Jugend sind Sie mit dem Aargauer Schriftsteller Hermann Burger nächtelang durch Jazzclubs gezogen und haben sich über literarische Stoffe ausgetauscht.
Damals hätte ich mir vorstellen können, Schriftsteller zu werden. Danach verfuhr ich nach dem Goethe-Wort: «Wo man’s packt, da ist es interessant». Ich bin nicht sicher, ob mir ein Roman gelingen würde, aber ausschliessen will ich es nicht.

Kaspar Villiger: Pendler zwischen Wirtschaft und Politik. Essays und Reden. Stämpfli Verlag 2014.

Buchpräsentation am 30. April um 20 Uhr im Stauffacher in Bern.

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15 Kommentare zu “Wie der UBS-Präsident seinen Lohn runterhandelte”

  1. Alex Kramer sagt:

    “Ein Banker, der in der Mitte seiner Laufbahn steht, hätte das nicht mal seiner eigenen Frau erklären können, warum er 2010 zu der UBS gegangen wäre und auch noch Lohneinbussen in Kauf genommen hätte.”
    Ein echter politischer Patriot könnte das.
    Auch dessen Frau könnte mit ihrem Verhalten einen Teil zur Rettung der Bank beitragen. Wenn die Grossmanns-Sucht überwiegt und das Unternehmen rote Zahlen schreibt, macht jeder KMU einen fetten Anstrich, vor allem bei den sog. Leistungsträgern. Dabei kann man sogar feststellen, dass es auch ohne jene überbezahlten Diven geht; häufig sogar einfacher und mit mehr Bezug zur echten Leistung.
    Genau darum bin ich von Kaspar Villiger enttäuscht und genau darum habe ich ihn angefeindet.
    Ich denke auch, dass “politische Patrioten” in erster Linie Opportunisten sind.

  2. Marion Müller sagt:

    Wer’s glaubt wird seelig!

  3. Patt Arthur sagt:

    Gratuliere. Gutes und verständliches Interview.

  4. Koller sagt:

    Ein gutes Beispiel um zu zeigen wie krank unsere Systeme sind! Da gibt es welche die arbeiten und am Hungertuch nagen müssen und Andere müssen für’s Nicht’s tun ihre Bezüge runterhandeln!

  5. Peti Don Kleti sagt:

    Ob damals die Strategie, den Angreifern aus EU und USA mit Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit zu begegnen die richtige war, muss spätestens nach Bekanntwerden der diversen NSA-Affären zurecht bezweifelt werden. EWS könnte mittlerweile ein Liedchen davon singen.
    Ich hätte es nicht getan und den Showdown unter Einbezug einer staatsrechtlich möglicherweise fragwürdigen Lösung bevorzugt. Auge um Auge.

  6. Alfred Siffert sagt:

    Unternehmer? Naja: wie Schneider-Amman und andere Glücksritter, die über Nacht bzw. mit Heirat zu Unternehmen gekommen sind. Lohn und Filz gedrückt? Ich erinnere mich sehr gut, als Villiger Bundesrat wurde und sofort seine Gspöhnli zu Dutzenden in GS und Verwaltung geholt hat wie kaum einer zuvor. Top-Lohnklassen und Instantkarriere war damals einem Villiger-Jünger so gut wie sicher. Und die Nachfolger Couchepin und Burkhalter machten es ihm nach (Rossier & Co.). 80% des heutigen höheren Bundeskaders sind wegbeförderte Gspöhnli. Patriot? UBS, FA-18, Militärkasse äuffnen = Patriot? Für mich ist ein Patriot Jemand, der Arbeitsplätze schafft, den Frieden und nicht den Krieg fokusiert und abrüstet, der in Forschung und Uni investiert, der die Schweiz vorwärts bringt und nicht hochrüstet und verstacheldrahtet und das Mythos Neutralität bedient. 1994 hat er als Vizepräsident in der EU-Abstimmung CB geschont: er ist massgeblich schuld, dass die Schweiz isoliert dasteht. Es gibt einiges mehr… ABER: Villiger konnte wenigstens sauber führen und war recht dossiersicher. Das kann wahrlich nicht jeder Bundesrat von sich behaupten. Somit: viel Licht, aber doch auch Schatten.

  7. Mario Monaro sagt:

    Ein sehr guter ehemaliger Bundesrat, der sich in einer Situation als Not am Mann war, exponiert hat und ein Risiko eingegangen ist. Auch wenn seine Zeit als UBS-Präsident nicht so gut gelaufen ist, wie erhofft, muss man dem Mann danken und Respekt zollen. Er war immer mehr Schaffer als Blender und hat sich aufrichtig für das Land eingesetzt. Grazie Signor Villiger (ich weiss nämlich, dass er auch sehr gut Italienisch spricht – was ihm bei mir NOCH mehr Goodwill verschafft)!

  8. Alice im Wunschland sagt:

    Die Wirtschaft muss wieder näher an die Gesellschaft heranrücken und aufzeigen, dass sie Wohlstand für die Gemeinschaft erwirtschaftet. Wenn das nicht eine zynische Aussage ist! Villiger hat mit seinem Tun genau das Gegenteil getan. Mit seiner ganzen Vetterliwirtschaft in Bern hat er deutlich gezeigt das nicht Können sondern Vitamin B die Leiter zu guten Jobs sind und was hat er persönlich für die Gemeinschaft getan – er hat doch immer nur sein eigenes Wohlergehen im Fokus gehabt.
    Ich könnte mir vorstellen, dass pensionierte Schweizer Manager neue ausländische Manager während einiger Zeit als «Götti» in die politische Kultur der Schweiz einführen. Erstens haben m.E. die ausländischen Manager das sicher nicht notwendig, die haben ihre Ziele und Wege schon intus. Und zweitens; sollten pensionierte Manager/ehem. Bundesräte wie Villiger als Götti agieren dann sind wir vollend der Willkür und dem Filz ausgeliefert. Er und seine Gesinnungsgenossen sollen sich aufs Reisen, Velofahren und Langlaufen konzentrieren, da richten sie wenigstens keinen grösseren Schaden mehr an

  9. MArcel Hagen sagt:

    Herr Villiger sollte besser Rosen züchten gehen, als sich um seinen Ruf zu kümmern, denn der ist schon unglaubwürdig genug. Versagt als BR um das Swissair Debakel, über den Tisch gezogen worden ausgerechnet von der Bank bei der er Jahre später als Präsident fungierte. Allein dieser Satz im Interview schlägt alles “Wichtig war mir nicht in einem Bereich tätig zu sein, die in meinen Kompetenzbereich als BR fielen”. War dieser Mann nicht mal Finanzminister? Wer solche Worte von sich gibt sollte besser schweigen und sich zuerst mit sich selber auseinandersetzten und über sein Tun nachdenken. Rosen züchten wäre ein guter Anfang.

  10. Krieger Alfred sagt:

    Kaspar Villiger ist ohne Zweifel ein gewandter und brillanter Rhetoriker, was ihn – gepaart mit seinem nüchternen Sachverstand – auch zu andern als den von ihm ausgeübten Tätigkeiten befähigt hätte. Als “Retter der Nation” sehe ich ihn aber trotzdem nicht. Bei allem Respekt vor seinen Leistungen und seinem Engagement ist es vielleicht doch besser, er verzichtet auf die Veröffentlichung eines Bestsellers mit pikanten Details aus seiner Zeit in der Landesregierung. Vielleicht erfahre ich ja etwas mehr in seinem Buch “Pendler zwischen Wirtschaft und Politik” und ermöglicht mir damit eine noch etwas differenziertere Sicht auf einen Politiker, den einzuordnen mir nie so leicht gefallen ist

  11. Christine Müller sagt:

    Ich vermisste bei Hr. Villiger den Patriotismus, als es um die Rettung der Swissair ging.

  12. maria weiss sagt:

    Herr Krieger,
    ein gewandter und brillanter Rhetoriker war Herr Villiger mit Bestimmtheit nicht!!

  13. Ralf Schrader sagt:

    Der ehrenwerte Banker ist der Bruder der jungfräulichen Prostituierten.

  14. Jan Holler sagt:

    Lieber habe ich Humanisten statt Patrioten. Alles leere Worte, siehe aktuelle Boni. Aber der Ruf ist hinüber. Wenigstens etwas.

  15. Georg Stamm sagt:

    Ich habe UBS-GV unter der Leitung von K. Villiger erlebt. K. Villiger zeigte sich agil, eloquent, humorvoll, intelligent. Ich kann nur sagen: Etwas vom Besten an Versammlungsführung, das ich an verschiedensten GVs erlebt habe. Ein VR-Präsident auf der Höhe seiner Aufgabe.