Logo

«Wir drucken Geld, um die Probleme zuzukleistern»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 25. August 2012
David Bosshart, Trenforscher.

David Bosshart, Trendforscher.

David Bosshart, Chef des Gottlieb-Duttweiler-Instituts, ruft uns zu mehr Respekt gegenüber den Nachgeborenen auf. «Wir leben bequem im grösstenteils geerbten Wohlstand und häufen Schulden an, die wir nicht mehr berappen werden», kritisiert der Trendforscher. Seine Empfehlung lautet: Weniger Erwerbsarbeit, weniger Reisen, weniger Fleischkonsum. Selber hält er sich nur teilweise daran. PDF-Datei zum Download


Herr Bosshart, Papier ist geduldig, viele Buchautoren predigen Wasser und trinken Wein. Befolgen Sie die Ratschläge, die Sie in Ihrem Buch «The Age of Less» geben? Sind Sie persönlich schon eingetreten ins Zeitalter des Wenigerhabens?
DAVID BOSSHART: Eingetreten, ja, denn im Grundsatz geht es mir darum, dass man Verantwortung übernimmt für das eigene Leben und die Gemeinschaft; dass man nicht einfach getrieben ist von etwas, das man nicht im Griff hat. Aber Dinge zu erkennen und Dinge tun, das ist zweierlei, auch für mich. Der Philosoph Max Scheler fragte: Haben Sie schon einen Wegweiser gesehen, der den Weg, den er anzeigt, selber geht? Immerhin, das Alter bringt zwar einige Nachteile mit sich, aber auch einen grossen Vorteil: Man kann die Lebenserfahrung dazu nutzen, bessere Entscheidungen zu fällen und gründlicher zu fragen, ob es sich lohnt, etwas zu tun oder nicht.

Woran denken Sie?
Einer meiner Lieblingssätze im neuen Buch lautet: Gehdistanz schlägt Fahrdistanz. Junge Menschen tendieren manchmal dazu, falsche Prioritäten zu setzen oder sich von den falschen Dingen Glück zu erhoffen. Sie nehmen einen Job an, der ihnen 20’000 Franken mehr Lohn einbringt, und gewichten diese Verbesserung höher als die zusätzlichen drei Stunden Pendleraufwand pro Tag. Dabei wissen wir: Wer täglich weite Distanzen pendeln muss, mindert seine Lebensqualität erheblich. Menschen, die mit dem Rad zur Arbeit fahren können, sind glücklicher. Ich selber brauche nicht einmal das Rad. Wenn ich im GDI arbeite, beträgt mein Arbeitsweg 100 Meter. Das ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Lebensqualität.

Der Arbeitsmarkt verlangt aber flexible Arbeitnehmer. Auch zweistündige Arbeitswege gelten als zumutbar.
Es gibt Situationen, wo das vorübergehend unumgänglich ist. Mittelfristig kommt es darauf an, die Lebensbereiche Arbeit, Freizeit, Wohnen, Mobilität und Technologie in einer guten Balance zu halten. Und da geht der Trend insgesamt eher wieder in Richtung vorindustrielle Gesellschaft zurück. Wir haben genug von stinkenden Fabriken in der Stadt, gesichtslosen Wohnsiedlungen in der Agglomeration und Einkaufstouren mit dem Auto zu Shoppingcentern auf der grünen Wiese. Wir wollen das alles auf kleinem Raum in der Stadt haben, inklusive «urban gardening». Das Problem ist, dass es sich lange nicht alle leisten können, in der Stadt zu leben. Wir haben ohnehin enorm hohe Ansprüche an Komfort, soziale Absicherung, Gesundheitswesen etc. Wir leben hier in einem Paradies, in einem realen Disney-Land. Wir werden uns damit abfinden müssen, dass unser Wohlstandsniveau sich so nicht halten lässt.

Sie wollen diesen Abstieg beschleunigen und plädieren für Entschleunigung und Abschied vom Wachstumswahn. Was ist so schlecht am Wachstum?
Ich habe nichts gegen substantielles Wachstum, aber das gegenwärtige Zahlenwachstum ist reine Augenwischerei. Wir drucken Geld, um die Probleme zuzukleistern – als würden diese damit verschwinden. Nüchtern betrachtet, haben wir seit den 70er-Jahren in Europa Wachstumsschwäche. Die letzten 30 Jahre haben wir mit einer laufend zunehmenden Staatsverschuldung, billigem Geld und eher lustigen mathematischen Innovationen die Illusion aufrecht erhalten, wir seien unverändert finanzstark. Dass wir damit die Probleme nur hinausschieben und längst kein Gegenwert mehr da ist für die Unmengen von Geld, wollte niemand sehen und aussprechen. Solange Gesellschaften wachsen, geht die Rechnung einigermassen auf – einmal abgesehen davon, dass etwa Amerika schon heute 5,5 Planeten verbraucht und aufstrebende Länder wie China und Brasilien das gleiche Recht für sich beanspruchen. Viel interessanter finde ich die Frage, was ein taugliches Modell ist für schrumpfende Gesellschaften wie Deutschland oder Japan.

Wie lautet Ihre Antwort?
Im Jahr 2045 wird nach aktuellen Berechnungen die Weltbevölkerung mit rund 9 Milliarden den Zenit erreichen. Wenn es uns gelingt, bis dahin ohne grosse Kriege und Katastrophen über die Runden zu kommen, haben wir gute Chancen auf eine positive Zukunft. Das bedeutet aber, dass wir schnell vom Wachstumswahn wegkommen sollten. Wenn Sie neun Stunden im Flugzeug sitzen und es hat für 50 Passagiere eine Toilette, kann man sich noch arrangieren. Wenn 200 Leute um eine Toilette kämpfen müssen, kommt es nicht gut. Das Gleiche gilt beim Aufteilen der Ressourcen. Wenn wir unsere Ernährungs- und Mobilitätsgewohnheiten nicht verändern, kommt es zum Krieg oder Kollaps. Für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch braucht es 15’000 Liter Wasser. Es können nicht 9 Milliarden Menschen regelmässig Rindfleisch essen. Erschwerend kommt hinzu, dass eigentlich alle das Filet möchten. Diese Entwicklung kann aber nur von starken zivilen Gesellschaften getragen werden.

David Bosshart. (Foto: GDI)

David Bosshart. (Foto: GDI)

Das leuchtet zwar aus übergeordneter Perspektive ein, aber die Erfahrung zeigt: Der Einzelne will seinen Genuss maximieren, nicht die Welt retten.
Das Durchschnittsalter in der Schweiz liegt gegenwärtig bei etwa 42 Jahren, Tendenz stark ansteigend. Wir hängen immer mehr vom Verhalten der älteren Menschen ab. Der irische Staatsphilosoph Edmund Burke wusste schon im 18. Jahrhundert: Eine nachhaltige Gesellschaft zeigt Respekt vor den Toten, Respekt vor den Lebenden und Respekt vor den Nachgeborenen. Was wir heute machen, ist respektlos gegenüber künftigen Generationen. Wir leben bequem im grösstenteils geerbten Wohlstand und häufen Schulden an, die wir nicht mehr berappen werden. Dabei wäre es höchste Zeit, dass wir das Pensum der Erwerbsarbeit reduzieren, mehr Freiwilligenarbeit leisten und Glück und Wohlstand nicht länger so stark im Materiellen suchen. Freiwilligkeit ist der Preis der Freiheit, sagte Duttweiler.

Da sind Sie wieder Wegweiser, ohne den Weg selber zu gehen. Sie antworteten nämlich jüngst in einem Interview auf die Frage, warum Sie Ihr Pensum nicht auf 50 Prozent reduzieren: «Man muss pausenlos relevant bleiben. Bedeutungslos zu sein, ist etwas vom Schlimmsten.»
Es ist eine privilegierte Situation, wenn die Arbeit auch das Hobby ist. Die Kehrseite davon ist aber tatsächlich ein gewisser Druck. Früher konnte man ganz gut leben, wenn man mit drei Instanzen klar kam: Dem Vater, dem Lehrer und dem Vorgesetzten. Heute ist der Arbeitsmarkt vielschichtiger. Es ist entscheidend, in verschiedenen Netzwerken eine wichtige Rolle zu spielen, nicht nur am Arbeitsort gute Beziehungen zu pflegen, sondern auch in sozialen Netzen wie Xing, Linked-In oder Facebook. Insgesamt geht der Trend klar in Richtung mehr Teilzeitjobs oder flexible, zeitlich beschränkte Projektarbeit. Wenn der Zahlen-Wohlstand gesamthaft abnimmt und wir uns nicht mehr vorrangig über Konsum und Vermögen definieren, werden lokale soziale Strukturen wieder wichtiger. Der Stress mit der Wohlstandsmaximierung um jeden Preis hat uns zu Einzelkämpfern gemacht. Nie haben mehr Menschen alleine gelebt als heute.

Sie stehen seit 13 Jahren an der Spitze des Gottlieb-Duttweiler-Instituts. Sind Sie geworden, was Sie sich als Kind erträumt haben?
(Lacht) Nein, ich wollte eigentlich Fussball-Trainer werden. Aber ich bin ganz froh, dass nichts daraus wurde. Auch hier beim GDI kann ich ein Team zusammenstellen und unter Druck im Wettbewerb bestehen. Nur lassen mir meine Vorgesetzten mehr Freiheiten als die meisten Vereinspräsidenten ihren Trainern, was wiederum den Erfolg beflügelt.

Kontakt und Information:
www.gdi.ch

Das Buch: David Bosshart: The Age of Less. Murmann Verlag 2011.

« Zur Übersicht

53 Kommentare zu “«Wir drucken Geld, um die Probleme zuzukleistern»”

  1. lucius mayer sagt:

    Bravo! Wenigstens noch einer, der das Wort SCHRUMPFEN in den Mund nimmt. Leider wird die Kur wenig populär sein und am «Volks- und Ständemehr» voraussichtlich scheitern. Zunehmen ist meist angenehm, abnehmen das Gegenteil. Die Ökologie lehrt, dass der ganze Planet Erde (Gaia) und ihre Untersysteme wie sich selbst regulierende Organismen sind. Jedem Wuchern einer Art folgt deren Schrumpfen – Menschen inbegriffen. Herr Bossharts Kuren greifen viel zu kurz. Das ganz große Wuchern der Menschheit war nicht seit der industriellen Revolution und dem Erdöl, sondern die mit der RODUNG DER WÄLDER verbundene Einführung von Landwirtschaft und Viehzucht während der Jungsteinzeit. Umweltverträglich heißt also: unmittelbar in und vom Wald leben. Die Menschheit wird das kaum innerhalb nützlicher Frist schaffen, sondern wegen ihrer schweren Fehlentwicklung untergehen, nachdem sie so viele Andere ausgelöscht hat.

  2. Lukas Pinsel sagt:

    Dieser Morgenthaler bringt eins um’s andere mal hervorragende publizistische Arbeit mit Tiefgang zum Vorschein.
    Den merk ich mir!

  3. will williamson sagt:

    “Wer täglich weite Distanzen pendeln muss, mindert seine Lebensqualität erheblich.”
    Dass die Pendlerei nötig ist, verdanken wir doch den genialen Raumplanern, die für eine konsequente Trennung von Wohn-, Einkaufs-, Arbeits- und Ferien-/ Erholungs-Plätzen gesorgt haben.

    “Wir haben genug von stinkenden Fabriken in der Stadt, gesichtslosen Wohnsiedlungen in der Agglomeration und Einkaufstouren mit dem Auto zu Shoppingcentern auf der grünen Wiese.”
    Was die Shopping Zentren auf der grünen Wiese betrifft, war doch die Migros, die doch so umweltfreundlch sein will, ein ziemlicher Vorreiter. Das GDI gehört zur Migros. Herr Bosshart kann der Migros ja mal den Vorschlag machen, diese Zentren zu schliessen. Erfolgsaussicht wohl bei NULL.

    “Solange Gesellschaften wachsen, geht die Rechnung einigermassen auf – einmal abgesehen davon, dass etwa Amerika schon heute 5,5 Planeten verbraucht und aufstrebende Länder wie China und Brasilien das gleiche Recht für sich beanspruchen.”
    Dass China, Brasilien, Indien u.a. die gleichen Rechte beanspruchen, kann man ihnen nicht verwehren. Die Amis leben ihren Standard seit Jahrzehnten mit OPM (other peoples money), anderer Leute Geld. Ersichtlich ist das an der Staatsverschuldung.

    “Für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch braucht es 15’000 Liter Wasser. Es können nicht 9 Milliarden Menschen regelmässig Rindfleisch essen.”
    Diese Fleischproduktion ist durch den Wasserverbrauch, die Methanproduktion der Tiere u.a. tatsächlich ein Problem. Zu viel Fleischkonsum ist auch aus gesundheitlicher Sicht nicht empfehlenswert (Übersäuerung). Wer aber zu kochen versteht, kann auch mit wenig Fleisch und günstigeren Qualitäten als Filet durchaus schmackhafte und gesunde Mahlzeiten produzieren.

  4. Martin Schweizer sagt:

    Ich glaube nicht, dass Herr Bosshart oder das GDI an Relevanz verliert, wenn jede Position im Institut, inkl. die Seine, doppelt besetzt wird. Das ist wie bei einer Fussballmannschaft, nur nicht bei vollem Lohn. Dafür mit Zeit für mehr Freiwilligenarbeit. Auch damit verliert man nicht an Relevanz. So gesehen empfehle ich ein weiters Buch zu schreiben: The Age of More (Relevance:-)

  5. Peter sagt:

    Wir können es drehen und wenden wie wir wollen. Die Einzigen, die in der Zukunft verzichten werden, sind wir hier in Europa und USA. Der Rest der Welt (über 6 Milliarden) wird sich nichts verbieten lassen und schon gar nicht von denen, die bis jetzt “den Ranzen” voll hatten.

  6. Marietta sagt:

    Es gibt einen Verzicht, den man sich ganz leicht leisten kann, der die Lebensqualität nicht im geringsten mindert (sondern im Gegenteil massiv erhöht), und der ökologisch gesehen auf die Dauer mehr bringt als alles Andere (Fleischverzicht, Reiseverzicht) usw: Der Verzicht auf Nachkommen. Wer keine Kinder in die Welt setzt, lebt glücklicher und schont den Planeten. Darum habe ich mich sterillisieren lassen.

  7. Daniel Frei sagt:

    Was Herr Bosshart hier als Idealzustand beschreibt, ist nichts anderes als die Alltagsrealität in den ländlichen Gebieten der dritten Welt. Ich habe ein Jahr in einem Drittweltland verbracht, und ich würde alles dafür geben, wenn wir in der Schweiz ähnlich leben könnten. Wir Schweizer meinen immer, dass wenn wir nicht alle bis zum Herzinfarkt krampften, uns der Himmel auf den Kopf fiele. Man kann von unglaublich wenig leben, wenn wir nur halb so viel arbeiten würden, wir würden immer noch im Überfluss leben. Leider ist es bei uns nicht so warm, das erschwert einiges.

  8. Lea Camenzind sagt:

    “Der Philosoph Max Scheler fragte: Haben Sie schon einen Wegweiser gesehen, der den Weg, den er anzeigt, selber geht?” – Ein Philosoph, der nicht sauber denken kann? Der Wegweiser als Symbol ist analog dem gedruckten Buch des Herrn Bosshart. Sowohl Schreiber des Wegweisers wie des Buches können den Weg sehr wohl selber gehen.

    Beispiele wie Fleischverzicht, weniger Arbeitsstunden, etc. sind banal und zeugen von der Unwilligkeit, konsequent zu sein. Konsequenz bedeutet, sich bei ALLEM im Leben die Frage zu stellen: Wie viel ist genug? Wie viele Paar Schuhe brauche ich? Wie viele Handtaschen? Wie viele Bücher? Wie viele Parties? Wie viel Hubraum? Wie viel Wohnraum? Wie viel…? Wer dies konsequent tut und dann auch danach handelt, der lebt automatisch auf kleinem Fuß – ganz natürlich, ohne Verkrampfung und ohne dass es weh tut. Ein wenig Demut und Bescheidenheit sind dafür aber vonnötigen.

    Was Herr Bosshard hier von sich gibt, ist alter Wein in einem nicht mal neuen Schlauch.

  9. ralph kocher sagt:

    A) Wir schieben uns das Tempo vor, als ob wir gejagt werden. Vermutlich einzig der Rendite wegen. Anbei nur ein paar davon profitieren (indem wir wegen denen hetzen, für die den Profit verdienen, diesbezüglich auch unsere Lebensgrundlagen schädigen). Wehe du setzt aus. Sie nennen es dann ein psychisches Problem. Wer sich nicht gleichschalten lässt, wer sich nicht versklaven lässt, wird alsbald das Kreuz der unverständlichen Mehrheit spüren. B) Interessant bleibt in letzter Zeit zu beobachten, dass sich eine Art von Wohlstandsverwahrlosung breit macht. Dieses passive Konsumieren bleibt zwar noch ein Investment, ist aber alles andere als produktiv. Mentale wie physische Verelendung machen die Menschen anfällig. Sie schaffen kaum noch Widerstandskräfte. Diese lethargische Situation wird irgendwann auf die Wohlhabenden zurückkommen. C) Menschen, welche immer wenig hatten und somit improvisieren lernten, schaffen eine Krise belastbarer. Menschen, welche ständig mit gesunden Bakterienkulturen konfrontiert sind, bleiben ungefährdet. Auch Musse gibt dem Körper seine Kraft zurück. Zusammenfassung: Sich verkommen lassen (auch fremdbestimmt) ist bequemer, als sich seine eigene nachhaltige Insel zu schaffen.

  10. Hedvika sagt:

    Ich möchte tatsächlich nicht weniger, aber mehr, zwar nicht mehr Konsum, sondern mehr Solidarität und Glück. Die vegetarische Ernährung hat sehr viel dazu beigetragen zu erkennen, dass “weniger” durchaus mehr sein kann, dass ich glücklicher werden kann, wenn ich anderen, das Glück wünsche und ermögliche. Es ist eigentlich wirklich ganz einfach.

  11. Greg sagt:

    Die Geschichte Momo von Michel Ende ist eben eine Wahre Geschichte.

    Der Zeitdieb ist das Finanzsystem, welches in sich zusammenfällt, wenn nicht “mehr” Geld geschöpft wird, um die Zinsen zu bezahlen. Wer sich rund 15^Min. seiner kostbaren Zeit opfert, wird im Film

    “Wie funktioniert Geld” http://www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ

    erkennen, wie subtil das Geldsystem die Menschheit versklaft, Überfluss produziert der so sinnvoll ist, dass wir unsere Ressourcen so ausbeuten, dass kein Baum mehr steht, damit die Zinsen bezahlt werden können.
    Geförder wird einzig, was Gewinn verspricht. Der Preis einer Ware ist eben nicht der Wert!
    Zudem ist der Umverteilungsfaktor IMMER von unten nach oben, da man zuerst Kapital braucht, um von den Gesamten Zinsen Nettoempfänger zu werden.

    Nun kann ich mir via “Geldadelmacht” Staaten und Politiker KAUFEN … to big to fail…. (Gruppendruck, Sozialdarwinismus tut das Übrige!)

    Wir müssen das Geldsystem demokratisieren und “entzinsnen – entschulden…. ” da muss man aber noch sehr viel Aufklärung betreiben, bis DAS ein “normalo” Bürger verstehen möchte. (denn jeder glaubt, wie bei den Steuern, wenn “Ich” weniger bezahle, bin ich ein Profiteur, egal, ob nun reiche mehr bezahlen und Staatsleistungen dafür als “Normalo” günstiger erhalte.

    Dummheit muss weh tun! Wenn der Leidensdruck dann zu gross wird, ist es meistens schon zu spät. ….

  12. Georg Porter sagt:

    Der Wohlstand und die Eigenmaximierung gehen einher mit dem Umfang des Bauches. Das Angebot an Diäten und Fitnesscentern sind zahlreich, die Bäuche nehmen trotzdem zahlreich zu.

    Dies kann auch im übertragenen Sinne seines immer dickeren Verhaltens im allgemeinen Leben angewendet werden.

    Der Umkehrschluss muss zuerst noch von der Gesellschaft erarbeitet werden. Es braucht ein neues gemeinschaftliches Verhaltensmuster zum Wohle aller und besonders seiner selbst.

    Weniger ist mehr.

  13. Chris Weilenmann sagt:

    @Marietta – Na ja. Ihre freie Entscheidung, wohl auch basierend auf fehlendem Kinderwunsch. Nicht bei allen Frauen ist das so. Und die Natur wollen wir doch auch nicht gleich ausschalten. Die Vermehrung ist eine biologische Notwendigkeit. Wie sähe denn Ihr Szenario aus, würden sich sämtliche Frauen an Ihre Empfehlung halten? Vorschlag: mal nachdenken.

  14. Marcel Senn sagt:

    Grundsätzlich ist es ja gut, wenn Bossart für ein Leben mit weniger Ressourcenverbrauch plädiert, was angesichts der 7.1 Milliarden Menschen auch notwendig sein wird. Aber wie kommt der gute Mann auf die Idee, dass, wenn wir es bis 2045 schaffen ohne Kriege und Katastrophen eine Welt mit 9 Millarden zu erreichen, dass dann alles gut werde??? Erdöl wird bis dann unerschwinglich sein, da es gemäss den heutigen bewiesenen Reserven noch rund 40 Jahre reicht (allerdings sind da da kanadischen und venziolanischen Oelsand und Bitumenvorräte mit eingerechnet, die nur sehr teuer, umweltschädlich und mit hohem Engergieaufwand gefördert werden können). Ein Fass Erdöl entspricht der menschlichen Arbeitsleistung von 22’000 Arbeitsstunden (=10-12 Jahre Arbeit!), Düngemittel basieren auf Erdöl, die ganze Logistik und Distribution, Verkehr – praktisch alles.
    Seit 1859 die erste kommerzielle Erdölförderung begann, hat sich der Wohlstand und Weltbevölkerung parallel entwickelt und mit dem Ende des billigen Erdoels wird das auch wieder zugrunde gehen.
    Wie sich die klimatischen Veränderungen bis 2045 entwickeln weiss niemand, fakt ist das jedes Jahr 34 Gt CO2 weiterhin ausgestossen werden, Tendenz steigend – die Nahrungsmittelpreise sind extrem am steigen, dieses Jahr ist ein El-Nino Jahr, d.h. es wird noch mehr Dürren resp. Ueberschwemmungen geben und in Folge noch höhere Nahrungsmittelpreise geben – wollen wir doch mal schauen, wie die Menschheit mit diesenaktuellen Herausforderungen zurechtkommt, bevor wir von einer heilen Welt mit 9 Mrd ab 2045 träumen.

  15. lucius mayer sagt:

    Mit dem organisierten Einsatz ihrer stärksten, bisher unentdeckten politischen Waffe – der Allgemeine Gebärstreik – könnten die Frauen zugunsten unserer aller Urmutter Gaia eine radikale ökologische Neuausrichtung der Politik schnell erzwingen. Ein Allgemeiner Gebärstreik ist nicht verboten und äußerst schwierig zu kontrollieren.

  16. Hans Ernst sagt:

    Obwohl viel Wahres dran ist, was Herr Bosshart hier schreibt, wirkt manches auch naiv. Der Appell an den Verzicht und die Beschränkung damit die Welt besser wird, funktionniert vielleicht im Elfenbeinturm des Forschers. Tatsächlich haben in der heutigen Welt immer mehr diejenigen Oberhand, die keinerlei Moral folgen. Länder wie China oder die USA führen eine Art Wirtschaftskrieg, bei dem das Wachstum um jeden Preis zählt ohne Rücksicht auf Verluste und daran können wir hier und auch der Forscher im Elfenbeinturm nichts ändern.
    Eine Aussage von Herr Bosshart ist übrigens klar falsch, dass wir in Europa in den letzten dreissig Jahren nur ein Wachstum in Zahlen gehabt hätten. Der materielle Wohlstand ist in dieser Zeit enorm angestiegen, wenn man nur mal schaut, was wir alles mehr haben an technischen Geräten, grössern Wohnungen etc.. Allerdings verdanken wir diesen Anstieg der Billigarbeit in Schwellenländern, während sich unsere Wirtschaft immer mehr in unproduktiver Bürokratie (Marketing, Finanzgeschäften, staatlichen Vorschriften etc.) verloren hat und immer weniger produktiv wird.
    Die von Herr Bosshart geforderte Selbstbeschränkung wird es wohl nicht geben und sie wird schon gar nicht die Welt verbessern. Selbstbeschränkung gibt es vielleicht bei ein paar wenigen, die selbst erkennen, dass dadurch ihre Lebensqualität steigt. Dagegen wird eine Beschränkung von aussen kommen. Das unproduktive und verweichlichte Europa und Amerika wird nicht mehr mithalten können und ganz simple langsam verarmen. Die Leute werden dann automatisch weniger Rindfleisch essen, weil sie es sich nicht mehr leisten können.

  17. Nadine Binsberger sagt:

    @ralph kocher 15:31: Eine eigene Insel ist per se nicht nachhaltig. Aber ansonsten bin ich mit allem einverstanden, was sie schreiben, danke!

  18. christian bänninger sagt:

    “Der Philosoph David Bosshart…” “…der Philosoph Max Scheler…” jetzt warte ich nur noch auf die tiefschürfenden Stellungnahmen von “Philosophen” wie Heiri Müller, Debbie Mötteli oder Housi Lüütenegger…
    Der letzte wirkliche und wahrhaftige Philosoph war Nietzsche; Andere meinen, es sei Wittgenstein gewesen; wie auch immer: seither ist die Philosophie genauso tot wie es “Gott” schon immer war, und sie hatte fürderhin den Auslassungen flächendeckender Gescheitlaberern und Populärklugscheissern wie den Exponenten der Frankfurter Schule und später Figuren wie Sloterdijk oder Precht das Feld zu räumen. Also haben wir jetzt halt noch die Televisionsphilosophie der Philosophentelevision übrig; was solls.

  19. Hans Koller sagt:

    Komische Ansichten hat der Mann, ich mache Weiterbildung weil ich mehr Geld will (will so leben wie er) und weil ich mehr Konsumieren will. Der Mann ist für mich absolut Glaubwürdig, wenn er und seine Familie ihr Einkommen auf 5000Fr. begrenzen. Macht er nicht, grosse Worte aber keine Taten. Und ich werde mir auch in Zukunft ein Steak gönnen und nicht darauf verzichten und ja für 20000mehr nehme ich auch einen längeren Arbeitswerg in kauf.
    Kurz Europa ist Bankrott, das heisst auch die Schweiz mit einer Jugendarbeitslosikeit von 13-15%, alle Jobs die neu geschaffen werden sind beim Staat (Gesundheit, Schule, Bürokratie, etc), die Staaten werden den Sozialstaat kürzen müssen, wer in Zukunft nicht arbeiten will oder beim Staat arbeitet hat es schwer in der Zukunft. Produkte aus Europa sind zunehmend scheiss Qualität die niemand mehr will. Die Zukunft liegt in Asien, mein Geld ist bald schon dort in Singapur. Wer will schon sein leben lang arbeiten als Sklave, man geht arbeiten und der Staat raubt 50-70% des einkommens. Nur noch Alte, Versager, Arbeitsunwillige bleiben in Europa, wer kann und was drauf hat geht nach Asien. Erfolg ist eben Sexy.

  20. Marco Affolter sagt:

    Aus seiner Sicht liegt sein Lonverzicht zugunsten des Arbeitswegs bei 160’000 statt 180’000? … yep, kann ich nachvollziehen 🙂

  21. Marco Affolter sagt:

    Äh, sorry 280’000 statt 300’000 🙂

  22. Heinz Kuster sagt:

    Wie andere Kommentatoren bin ich auch der Meinung, dass Herr Bosshart auf der richtigen Spur ist. Die Metapher vom Wegweiser ist aber ein etwas verzagter Versuch, sich argumentativ um ein zentrales, ärgerliches Problem herumzuwinden: In unserer Gesellschaft wimmelt es von Menschen, die den Weg kennen, ihn aber nicht gehen wollen (Bossharts Forderungen kennen wir schon seit Jahrzehnten.) Paradoxerweise verschafft ihnen das Kennen und Verkünden des “richtigen Weges” bereits so viele Vorteile, Privilegien und Annehmlichkeiten, dass sie in der Regel das Beschreiten dieses meist beschwerlichen Weges (Verzicht auf…) andern überlassen wollen. Meist sind es die Privilegierten, die den weniger Privilegierten den Weg weisen, den sie selbst nicht gehen. Und alle Zahlen zu Konsum und Energieverbrauch deuten darauf hin, dass wir so keinen Schritt weiterkommen, auch wenn unzählige Wegweiser wie Herr Bosshart herumstehen. Erst wenn das Herunterfahren, Verlangsamen und Wenigerbrauchen eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf die Menschen ausübt, wird sich etwas ändern. Aber dazu braucht es einen Kopernikus, einen Darwin, einen Freud. Einen Denker, der (oder die) unser gedankliches Welt-und Menschenbild nach langem Suchen in ein neues Zeitalter katapultiert. Er oder sie wird schon kommen. Ich freu mich drauf und backe bis dann, durchaus lustvoll, meine kleinen “Weniger-Brötchen”.

  23. Max Merkur sagt:

    @Daniel Frei: ich kenne “die 3. Welt” auch aus eigener Erfahrung, bzw. habe dort unter Bedingungen weit von unseren Standards zusammen mit Einheimischen gewohnt; dass das Leben dort gegenüber unserer Lebensweise, die an eine hochtourig effizient funktionierende Gesellschaft angepasst sein muss, Vorteile bietet, möchte ich auch nicht abstreiten; jedoch können wir das immer nur aus unserer Perspektive abschätzen, d.h. mit Schweizer Pass und Rückflugticket in der Tasche, das Leben der Leute dort können wir nicht simulieren oder wirklich nachvollziehen. Insofern halte ich (Ihre) Romantisierungen der Lebensumstände in diesen Teilen der Welt für reichlich naiv; und generell wächst bei mir der Eindruck, dass unser Verständnis oder Empfinden dafür, was materielle Armut oder permanenter Verzicht auf Wohlstand bedeutet, nach über 60 Jahren Hyperwohlstand total verkümmert ist.. vielleicht auch bei so intelligenten Köpfen wir Herrn Bosshardt. Das (materielle) Sein prägt das Bewusstsein – eine simple Einsicht, für man keinen Marx braucht, so simpel, dass sie halt schnell mal vergessen geht..

  24. Schneeberger sagt:

    Es ist erstaunlich, aber schön, dass man sich hier fast einig zu sein scheint. Nur kurz vor diesem Beitrag tauchen erste Ignoranten auf.
    Wenn man aber in die Medien und in die Politik hinaushört, so ist von Einsicht nicht das Geringste zu spüren. Wachstum Wachstum Wachstum heisst die Device, dass Allzeitrezept, der Götze und die Religion. “Gelddrucken” ist nur ein winzig kleiner Aspekt dieses Wachstumswahns, den wir uns selber aufzwingen oder aufzwingen lassen. All die Verzweiflungstäter, die nun von Eurorettung, Schuldentilgung oder Haushaltssanierung schwafeln, haben nicht das Geringste begriffen. All dies ist kläglich am Scheitern und wird ständig mit neuen Beschwichtigungen und dreisten Lügen zugekleistert. Hinzu kommt noch der systematische Sprachmissbrauch mit Begriffsverwirrungen wie “Nachhaltigkeit” oder “grünes Wachstum”.

    Noch an Chris Weilenmann, der sagt: “Die Vermehrung ist eine biologische Notwendigkeit.”
    Doppelt falsch!
    1. Unser krankes Wirtschaftssystem ist nicht mit Biologie zu verwechseln oder gar zu erklären.
    2. Fortpflanzung oder Reproduktion und Evolution mag eine biologische Notwendigkeit sein, nicht aber VerMEHRung. 1 Nachkomme pro Mensch wäre also (auf viel tieferen Konsumniveau als heute) für die Erde verkraftbar.

    Herr Bosshart beschränkt sich sicher in vielen Bereichen bereits, und im grossen Unterschied zu den Ignoranten wäre er fähig, den Weg unbeschwert und freiwillig zu gehen, anstatt später unter Zwang und Zetermordio. Zudem wird er dank seiner Position überhaupt als Wegweiser wahrgenommen – Leute, die zum Beispiel ihren Bankerjob aufgeben und ihr Einkommen um 75% (!) oder mehr reduzieren, werden dagegen nicht zur Kenntnis genommen!

  25. Nadine Binsberger sagt:

    @Hans Koller 21:45: Was hat Ressourcenverbrauch bis die Quellen versiegen, ein zwanghaft permanent exponentiell wachsender Konsum bei gleichzeitig wachsendem Hunger und die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen mit “Erfolg” zu tun? “Erfolg” wäre, wenn immer mehr Menschen ein gutes Leben führen und allen zukünftigen Generationen die materiellen Grundlagen dafür nicht durch unser kurzsichtiges Verhalten komplett entzogen würden. In der Realität machen wir das Gegenteil, das Gegenteil von “nachhaltig”, das Gegenteil von “intelligent”, das Gegenteil von “fortschrittlich” – das absolute Gegenteil von “Erfolg” und von “sexy”.

  26. Hans Saurenmann sagt:

    Was solls, mit einem Einkommen um 300.000.00 laesst sich gut philosophieren, und Duttweiler der schon um 5 mit seinem Topolino zur Arbeit antrat (selbst erlebt), hat etwas erreicht durch harte Arbeit. Die heutigen Schaumschlaeger haben keine Ahnung wie unsere Nation sich entwickelt hat. Schrumpfen ist angesagt, aber wie wollen sie 8 Millionen Menschen schrumpfen auf drei Millionen? Unsere Politiker haben alles versaut und sie (diese Gruppe wird immer schlechter) sind nicht in der Lage die Nation Schweiz zu fuehren, die fuellen Schamlos ihren eigenen Sack! Und sollte es zutreffen das wir ca. 130 Jahre alt werden muss ich schon jetzt lachen, wenn ich mir die bloeden Gesichter der zukuenftigen 65 jaehrigen vorstelle wenn der Honigtopf leer ist und sie nicht mehr in der Lage sind sich selbst zu versorgen. Diejenigen die ihre Nachkommen hegen und pflegen werden ueberleben. Hut ab vom Dutti, den Rest koennen wir uns schenken, es gruessli us Florida….

  27. Sieglinde Lorz sagt:

    “Verantwortung übernehmen für sein eigenes Leben und die Gemeinschaft” da ist doch sicher nichts falsch dran. Wenn wir alle anfangen achtsam zu leben und uns wirklich bewusst machen, was wir den ganzen lieben Tag tun in allen Einzelheiten, mit allen Konsequenzen für uns und unsere Umwelt, dann werden alle früher oder später zu einer Erkenntnis kommen, die unser Leben verändert. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Erkenntnis jedes Einzelnen der von Herrn Bosshart stark ähneln wird.
    Ich entrümple mein Leben seit Jahren immer mehr von materiellem und geistigen Ballast und lebe immer mehr so, dass es für mich stimmt. Einige hier würden das als Einschränkung bezeichnen, was für mich eine grosse Befreiung bedeutet. Erkennen und Umsetzen ist ein Prozess, der über eine längere Zeit geht. Herr Bosshart hat den Prozess begonnen. Also lasst uns mal alle damit starten und schauen, wo wir am Ende landen. Ich bin mir sicher es lohnt sich.

  28. Hs Ulrich Schmutz sagt:

    @ lucius mayer

    Da liegen Sie gold-richtig mit Ihre Analyse für die Gattung der späten Hominiden.
    Der Mensch ist per se nicht zur Nachhaltigkeit fähig.
    Ich habe weder Eva noch Adam erfunden, aber ich habe mich ausgiebig damit
    beschäftigt, wie sie funktionieren und kann dazu nur sagen, dass sie nicht so funktionieren,
    um mit diesem Planeten noch mehrere Jahrhunderte vernünftig umzugehen.

    Unsere Spezies ist gewissermassen das Endstadium der Kohlen-Stoff-Evolution
    und wir erleben gerade, wie sich mit enormer Dynamik eine neue Evolution
    mit Silizium und Anverwandten anbahnt. Möglicherweise werde wir durch praktisch
    materielose Gewebe-Strukturen wie das Internet substituiert.

  29. Chris Weilenmann sagt:

    @Schneeberger – Doppelt falsch? Wer redet denn da von Verwechslung des Wirtschaftssystems mit Biologie? 1 Nachkomme pro Mensch… wie die Chinesen? Vorschlag: Lesen, lesen, lesen. Material ist genug vorhanden. Und dann ein bisschen denken.

  30. Albert sagt:

    @Ulrich Schmutz

    In der Tat ist es nicht garantiert, dass bewusste Lebensformen ein Erfolg der Evolution sein werden. Mit 160’000 Jahren sind wir noch eine sehr junge Spezies. Davon haben wie die meiste Zeit in Clans als Sammler und Jäger gelebt und konnten zwangsweise wenig Schaden anrichten. Erst durch unsere kulturellen und technologischen Erfindungen hat sich in den letzten paar tausend und vor allem paar hundert Jahren unsere Handlungsmacht vervielfacht.
    Unsere Intelligenz macht uns sehr anpassungsfähig und spricht für unsere Überlebensfähigkeit. Unsere Intelligenz ist aber auch die Hauptgefahr, dass wir uns mit den Geistern die wir riefen wieder selber zerstören (z.B. atomare Vernichtung).
    Das Problem ist unser Hirn. Unser Hirn ist kein analytischer Computer, der die Realität “realtime” wahrnimmt bzw. berechnet. Das wäre viel zu aufwändig bzw. langsam. Darum verlässt sich unser Hirn sehr stark auf vergangene Erfahrungen. Passt eine Gegenwart einigermassen in eine Schublade aus der Vergangenheit wird sie dort abgelegt und nicht weiter geprüft. Vor-Urteile waren in der Vergangenheit sind eine sehr effiziente Art um erfolgreich mit der Realität umzugehen. Wenn die Vor-Urteile falsch wahren hatte das negative Konsequenzen aber auch die waren begrenzt.
    Heute ist das leider anders…

  31. Chris Weilenmann sagt:

    @Schneeberger – Übrigens, noch vergessen… aus Wikipedia:
    Mit Vermehrung bezeichnet man in der Biologie die Reproduktion oder Fortpflanzung von Lebewesen, die mit einer Zunahme der Individuenanzahl einhergeht. Elternorganismen produzieren dabei Nachkommen. DIE VERMEHRUNG/FORTPFLANZUNG STELLT SICHER, DASS DIE ART ERHALTEN BLEIBT.

  32. Nadine Binsberger sagt:

    @Schmutz 11:50: Jahrzehntausende lang hat der Mensch extrem nachhaltig gelebt. Er hat alle Ressourcen als Allmenden betrachtet und gemeinschaftlich so verwaltet, dass sie nicht ausgehen. Z.T. wird das heute noch so gehandhabt. Davon können alle diejenigen lernen, die nachhaltigkeitsblind geworden sind. Blindheit gegenüber Nachhaltigkeit ist kulturell bedingt und nicht “natürlich”. Zudem: das Internet ist nicht “materielos” sondern produziert z.B. etwa soviel CO2 wie der weltweite Flugverkehr. Diese Tatsache sowie die daraus resultierenden Konsequenzen sind alles andere als “materielos”.

  33. René Hägi sagt:

    Was veranlasst den Tages-Anzeiger genau jetzt zu einem Interview mit David Bosshart, der ein so wichtiges Thema aufgreift und auf so oberflächliche Weise thematisiert, dass weder Ursache noch Auswirkungen der ökomischen Krisenentwicklung richtig analysiert werden und dies genau zu dem Zeitpunkt, in dem der jüngst verstorbene Wertkritiker Robert Kurz in seinem letzten Buch “Geld ohne Wert” eine unvergleichlich tiefgründigere, aber unbequemere Analyse vorlegt, die es Wert wäre rezensiert zu werden?
    Ich wage die These, dass es auch dem Tages-Anzeiger zwar mit der Krisenentwicklung zunehmend unbehaglich wird, weil diese immer weniger ignoriert werden kann, aber dass wir diese doch lieber mit einem Schauder im Rücken gerne in die Ferne verbannen möchten. So können wir uns doch mindestens die Hoffnung erlauben, die Krisenfolgen für uns doch nicht allzu ernsthaft in Betracht zu ziehen. Wir stehen aber in Wirklichkeit in einer sich zunehmend verschärfenden Krise des Kapitalverhältnisses, die die ganze Gesellschaft ruiniert.

  34. ralph kocher sagt:

    @ Nadine: Der Mensch hat der Natur getrotzt, aber nie den Respekt vor ihr dem Lächerlichen preisgegeben. Als Denker nur vermute ich die papiernen gewordenen Relideologien, welche den Naturglauben umstülpten. Quasi handlungsfertig sind Anleitungen à la “…macht (!) euch die Erde untertan”. Wenn bereits nur 1/4 der Menschheit solch’ Losungen folgen, wird’s unprogressiv. Das Geschriebene aber leider bleibt (be)stehen, Evolutionäres immerhin verändert sich stetig. Letzteres ist im Moment enorm im Wandel begriffen. Der Stärkere setzt sich durch? Mit seinem Egoismus wird er die Menge auf sich hetzen. Möglich, dass irgendwo “Ghettos” von Habenden sich entwickeln. Dank der Gier der Darbenden werden sie sich einschliessen müssen. An einen Film mag ich mich erinnern: 2012. Nur die dekadente Elite rettete sich auf einem Kahn der Abendsonne entgegen. Dieses Wunschdenken zeigt das Vermächtnis der Tonangebenden. Ein nicht Wahrhabenwollen der gegebenen Situation. Die Pyramide steht Kopf. Der Herrschende steht zuoberst auf der Plattform. Die Stütze seines Ausnutzungsbegehrens ist abgenagt. Das Teil wird kippen. Insbesondere, da immer mehr vermeinen, dort oben sich präsentieren zu dürfen. Das Übergewicht ist höchstens mental erwirkt, mit theoretischem Geld gesichert. Die momentane Kumulation von Ereignissen lässt die Glaskugel platzen. Aufräumen werden die 99% der Nichthabenden. Sie werden saubermachen. So sie den Nachkommen einen Platz garantieren können. Ohne des Phänomens “Gewinnmaximierung”!

  35. ralph kocher sagt:

    @ Schmutz: Substituiert oder subsistiert? “Materielos” scheint (von Ihnen vermutlich bewusst karikiert?) den Widerspruch in sich zu tragen. Der Mensch ist nur fähig des Überlebens, wenn er sich als “Team” organisiert. Auch eher dann nur, wenn’s nach Beständigkeit (Nachhaltigkeit) riecht. Dieses Miteinander bleibt elementar. Nur der Intelligenteste Verband hatte je die Chance des Weiterkommens. Äussere Ereignisse wie Meteoriteneinschlag oder die Folgekosten des “…dass man nicht weiss, wie vernünftig umzugehen ist” sind als seltenste Vorkommnisse nur beschränkt gültig. Luftleerer Raum wie Leerzeilen befinden sich ausserhalb des Rahmens. Aber (Homonoiden) > und sie funktionieren doch. Ob einzig in Form von Würmern; falls nicht anders verdient? Multiple delinquente Störfaktore werden im Regelfall ultimativ ausgesondert. Ob heuer nun technisch oder antik Dank natürlicher Überlegenheit (Oberhoheit?). Biotechnologie bleibt Segment der Unterhaltungsindustrie. Probanden wären höchstens Abhängige. Dies wäre politisch korrekt nicht akzeptabel. Die Dynamik schliesst das Neue zwar nicht aus. Wären Sie als einen dieser ersten Versuche es wert, um Ihren Pessimismus wettzumachen? Man kann mit diesem Planeten noch Jahrhunderte lang umgehen. Falls umgemünzt, die Homonoiden blieben aussen vor. Ansonsten vergessen wir’s. Der Mensch war nie technisch, höchstens substanziell. Al(l)gorithmen (als überirdisch interpretierter Rahmen) bleiben hier den Fantasien zugeordnet; ausser zu berücksichtigen > das extraterrestrische Lebewesen ERDE – als Ganzes.

  36. Schneeberger sagt:

    An Chris Weilenmann:
    Wir sind uns einig: Fortpflanzung ist nötig, Vermehrung im Sinn einer Vergrösserung der Population nicht zwingend.
    Solche Vermehrung wird im Bereich der Systemgrenzen oder der kritischen Grösse schädlich und unmöglich.
    In Ihrem Votum an Marietta glaubte ich den Versuch zu sehen, das (EWIGE) Wachsensollen der Wirtschaft mit dem BEGRENZTEN Wachstum eines Organismus’ oder einer Population zu rechtfertigen, wie das von vielen Denkfaulen gemacht wird. Sorry for that.

  37. Albert Baer sagt:

    @René Hägi

    “…der jüngst verstorbene Wertkritiker Robert Kurz…”

    Wusste ich nicht. Wie tragisch! Anscheinend ist er an einem Operationsfehler gestorben.
    Ein grosser Verlust. Habe seine Texte immer sehr genossen.

  38. ralph kocher sagt:

    @ Hägi: Vielfach wird geschnitten/ignoriert, um die Masse nicht unnötig zu beunruhigen bzw. diese nicht aufbringen zu wollen. Einfachstes Plebiszit wäre, auf sämtlich’ von diesem Physischen > welches alles schlussendlich entsprechend psychisch wirkt (zumindest mental abhängig macht) > zu verzichten. Ansonsten ein Abhängen (…) anstelle eines Aktivismus gegeben sein wird. Jedwelche Abhängigkeit (!!!) birgt Verlustwerte (contradynamisch) für zu einem Selbst. Doch die Masse, steht sie auch am Abgrund, wird einfach weitergedrückt. Mit Masse meine ich die Gruppendynamik, wenn und falls sie einmal in Schwung gerät/geriet…

  39. Hs Ulrich Schmutz sagt:

    @ Nadine Binsberger

    Meinerseits ein paar Zeilen zu Ihrem Kommentar.

    1. Ich habe nicht gesagt materiefrei, sondern ” praktisch materiefrei”, in der Natur müssen wir uns mit Unschärfen
    vertragen.

    Zur Zeit von Hammurabi ( 1750 a. C , Babylon ) benötige man zur Speicherung eines einzelnen Buchstabens noch
    mindestens 10 kg Gestein. Seine Stele mit dem Codex, also einem Memory von ca. 2 kB, ist in Paris aufgestellt, und
    die entsprechende Speicher-Dichte können Sie dort jederzeit nachprüfen.

    Meine Schüler hantieren heute mit einem Memory-Stick, bei welchem auf ein paar Gramm Materie Giga- und Tera
    Bytes eingelagert werden können. ( 1x 10 exp 9 resp. 1 x10 exp 12 Bytes ) Im Laborstadium befinden sich
    bereits Flash-Memories für die nächste Grössenordnung, Peta , Exa ….
    der materielle Faktor tendiert also praktisch gegen Null. Die Information entmaterialisiert sich.

    2. Ueber den Energie-Umsatz des Internets und den damit verbundenen CO2-Ausstoss.

    Die von Ihnen gemachte Aussage über die Grössenordnung ( vergleichbar mit dem Welt-Luftverkehr )
    ist natürlich völliger Käse.

    Ich weiss, dass solche Vergleich im Netz herumgeistern.
    Aber auch Wikipedia ist Menschenwerk, letztlich ein hochdynamischer Prozess, welcher einer stetigen
    Optimierung unterliegt, so will ich wenigstens hoffen.

    Nirgendwo steht geschrieben, dass man nicht auch selber nachdenken darf.

    In der globalen Dimension ist die kalorische Energie-Umsetzung ( umgangssprachlich “Wärme” ) , welche wir den in den
    letzten 200 Jahren
    dank den reichlich vorhandenen fossilen Hydro-Carbons nutzen konnten, der alles entscheidende Faktor
    für die Biosphäre.
    Zum Vergleich : Google und Facebook mit ihren Mega-Servern , wo auch immer sie aufgestellt sind, liegen im Kilo-Watt-
    Bereich.

    Dazu reicht sogar das örtliche Kleinkraft-Werk an der Limmat oder sonst wo, und dessen CO2-Ausstoss
    ist sicher Peanuts.

    Wenn Sie mit einer A 380 abheben wollen in Kloten, ist erst eine Tankfüllung von über 200’000 Tonnen Kerosin fällig
    ( Tankvolumen um 240’000 Liter ) und die Maschine als ganzes kommt auf ein Startgewicht von gegen 400 Tonnen.
    Um von A nach B zu gelangen, dominiert also der Materie-Faktor beim Fliegen eindeutig.

    ( Flugzeuge sind im grunde fliegende Kerosin-Tanks )

    Die benötigte Startleistung liegt in der Grössenordnung von 20 bis 30 Mega-Watt, also ein Wasser-Kraftwerk mittlerer
    Grösse.

    Verschieben Sie hingegen Kilo- und auch Giga-Bytes nach Fernost, werden die Leistungs-Daten im Milliwatt-Bereich
    ( 1x exp -3 ) definiert.

    Die westliche Zivilisationsweise bedingt mindesten 2 bis 3 Planeten von der Grössenordnung der Erde,
    um den Steady-State des Energie-Flusses aufrecht zu erhalten.

    Dass der Zivilisations-Crash noch nicht eingetreten ist,
    verdanken verdanken wir dem bis anhin relativ billig zu fördernden Erd-Oel.
    Wir konnten uns eben Demokratie und sozialen Frieden leisten.

    Im Prinzip handelt es sich ja dabei um Solar-Energie, welche im Erd-
    Mittelalter als Carbon-Verbindung in gewissen Sediment-Schichten der Petrosphäre eigelagert wurde.

    Nun beginnen aber die Förderraten weltweit zu sinken …… ?

    Zum grossen Glück, vor allem für die Politiker, hat die grosse Volksmasse, der sog. Plebs der Römer, den
    Sachverhalt noch nicht zur Kenntnis genommen, respektive, noch nicht all zu viel von den entsprechenden
    Konsequenzen zu spüren bekommen.

    Aber , wie sich der System-Dynamiker auszudrücken pflegt, die Polstellen wandern in den instabilen Bereich.
    Komplexe Systeme haben eine inhärent Neigung zur Oszillation und damit zur Instabilität.

    3. Meine Sichtweise ist keineswegs pessimistisch. Ich habe mir einzig eine pragmatische Art zu denken
    angewöhnt.

    Der Natur ist es nämlich völlig Wurst, ob auf einem Planeten-Gebilde im Kosmos, irgend welche späte Säuger
    mit einem überdimensionierten Cortex herum zappeln ; oder ob sich da ein Hyper-Net zu entwickeln beginnt,
    welches allen anderen, in der Evolution erschaffenen Strukturen, überlegen ist.

    So, that’s it.

  40. Hans Saurenmann sagt:

    Das ist das Problem ich glaube die Gruppendynamik hat schon eingesetzt und gewinnt an Schwung, kommt mir ein bisschen vor wie die Franzoesische Revolution an welcher Europa noch heute zu beissen hat. Zur falschen Zeit, am falschen Ort und Ruebe weg, genau das wird den sogenannten Raubrittern den Kopf kosten. Die Degenerationserscheinungen und Verwerfungern muessen wir ueber uns ergehen lassen, wobei, und das ist meine Meinung, die Schweiz relativ glipflich davon kommt. Als Normalos ist man Machtlos und kann nur staunen ueber so viel Unverstand der Abzocker und Politiker in allen Chargen…

  41. Philipp Rittermann sagt:

    einverstanden. nur geht eine schrumpfkur nur mit sozialer gerechtigkeit überein. wenn nur auf kosten des mittelstandes gespart wird, werden sich soziale unruhen einstellen -> verklickern sie das bitte mal unseren wirtschaftsverbänden; ansonsten werden sich unsere elitär-vereine wie economiesuisse weiter die händchen reiben und die schere zwischen arm und reich wird noch grösser.

  42. Hs Ulrich Schmutz sagt:

    @ Albert

    Danke für Ihren Kommentar. Sie liegen genau auf meiner Schiene.

    Der Cortex der Sapiens ist in seiner Komplexität wohl eine Meisterleistung der
    Carbon-Evolution.
    Zusammen mit seinen Partnern in der Neuronal-Netz-Strukur
    von ungeheurer Leistungsfähigkeit.

    Aber er kann, zusammen mit den astronomisch grossen Energie-Flüssen, welche
    unserer Gattung dank moderner Technik zur Verfügung steht, auch verdammt
    gefährlich werden

    Wie hatte doch Emil Bührle einst gesagt : ” Die Menschen haben sich immer schon geschlagen”;
    ein recht pragmatischer Ansatz für einen Waffenproduzenten.

    Zudem, die Carbon-Verbindungen sind recht fragile Gebilde, ab 40 ° C beginnt es zu rumoren,
    für den Gehirn- Metabolismus wird es ungemütlich.

    Sollte sich das solare Strahlungs-Feld einmal massiv verschieben, kann das
    leicht zum Exitus führen.

    Aggregate auf Silicium-Basis sind da wesentlich robuster und überleben locker
    eine Fluss-Drift von + / – 100 Prozent, resp. temperaturmässig von – 80 °C bis
    ca. + 180 °C.

    So, that’s it for today. Lots of greetings

    Hs Ulr Schmutz

  43. ralph kocher sagt:

    Die Schweiz sitz mittendrin und hängt doch nur an einem seidenen Faden, bedenkt man alles, was sie vertickt, bemisst. Auch das sich in sich Zurückziehen, indem Welsche Dialekte lernen und wohl bald Deutschschweizer französische Dialekte, wird den Haben-Status nicht retten. Kopf in den Sand und Mauer drum? Leider heisst das Land nicht Brasilien und kann somit die Selbstversorgung (den Selbsterhalt) nicht garantieren. In Bälde werden Euroregionen entstehen. Lombardia-Ticino oder Bodenseeraum etc.! Kinder sollen Sprachen lernen, aber in Form einer Freiwahl über 2 Stück. Englisch/Russisch, Holländisch/Chinesisch, Arabisch/Portugiesisch usw.! Gezwungenermassen wächst eh alles zusammen. Ein richtiger BIG BANG und alles flieht in verschiedenste Richtungen. Die Vermögenden in irgend ein isoliertes Ghetto (Bahamas?), die 3. Welt in die 1. Welt. Solange Konversation betrieben werden kann, wird mancherorts mehr Verständnis gezeigt. Das Relideologiöse wird zwar weiterhin Strukturen bestimmen. Frei denken bzw. frei agieren sind 2 Seiten einer Münze: Das Investment will frei agieren. Dies wird mancherorts noch als gottlos interpretiert. Also will man auch keine frei Denkenden. Das Zusammenleben all der Ethnien wird am Respekt zueinander bemessen. Nur dann kann Neues entstehen. Relideologien werden ineinander gehen müssen. Irgendwann wird förderlich von nicht förderlich unterschieden. Freiheit kann nur entstehen, wenn alle dazu beitragen.

  44. Nick Schott sagt:

    @ Schmutz
    200 000 Tonnen Kerosin sind wohl ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen … Teilen wirs doch durch 1000. Aber zugegeben es sind immer noch eine ganze Menge.

    Die Zukunft in elektronischen Schaltkreisen und selbst kommunizierende Netzwerke zu sehen ist nicht neu und benötigt doch etwas zu viel Fantasie. Temperaturbeständigkeit allein reicht da bei weitem nicht aus, Schlüsselelemente um auf dieser Erde leben zu können sind unter anderem: Selbstreproduzierbarkeit, Intelligenz, Robustheit, Flexibilität, Selbstheilung. Diese Eigenschaften sind auf Schaltkreise nur sehr bedingt oder gar nicht anwendbar. Und das wichtigste ist wohl das Bewusstsein, obwohl es schwer zu fassen ist, ist es da und wohl der Kern des Lebens.

  45. Rene Wetter sagt:

    Staat da rumzuphilosophieren würde er gescheiter mal erzählen, was das “schrumpfen” konkret bedeuten würde und wie wir es anstellen, dass gewisse nich komplet “schrumpfen” musssen damit andere es nich müssen oder gar wachsen dürfen. Wir hatten “schrumpfen” schon mal in den 90er, ich will das nicht mehr erleben, den “schrumpfen” ist mehr als der Verzicht aufs tägliche Rindsfilet

  46. Chris Weilenmann sagt:

    @Schneeberger – Von Vergrösserung der Population war nicht die Rede und auch nicht die Meinung. So gesehen sind wir uns ja nun doch einig. Ist halt manchmal ein bisschen schwierig mit diesen (kurzen) Blogs.

  47. Martin Cesna sagt:

    Es gibt zwei Aspekte:
    1. “Wohlstandsphilosophie”: Derjenige, der dem Autor den Müll vom Haus wegschafft und ihm im Winter den Gehsteig freikehrt, hat wesentlich weniger Möglichkeiten, sein Leben frei zu strukturien, schon, weil er bei härterer Arbeit weniger verdient und sich so eine billigere, wohl auch ungünstiger gelegen Wohnung suchen muss. Von der Seite ist diese Sorte Philosophie nicht “Kantisch”, d.h. generell anwendbar.
    2. Ein Grosssystem hat eine bestimmte Geschwindigkeit. Wenn ein Autorad von sechsen sich entschliesst, sich langsamer zu drehen, fährt das Auto zumindest eine Kurve. Das ist dann schnell mal raus. Als Mensch kann man dann noch nach Santiago pilgern, was aber auch nur kurzzeitig eine Lösung ist. Ansonsten muss man die Zivilisation etwas verlassen, d.h. da hinzügeln, wo ein Haus samt Boden nur noch ein Occassionsauto kostet. So etwas gibt es in der ex-DDR, jedoch ist es etwas mühsam, dann mit dem Maulesel-Karren in die Stadt zu fahren.
    Ach und Geld sollte auch noch mal von irgendwoher kommen, zumindest für Strom und Wasser und den Kaffee.

    Das andere hat der Autor nicht beschrieben: Geld & Ipod machen so süchtig wie Kokain. Man kann nach einer gewissen relativ kurzen Zeit gar nicht mehr anders. Dann ist man tatsächlich “ständig auf Achse”, halt wie ein drehendes Zahnrad.

  48. Hs Ulrich Schmutz sagt:

    @ Nick Schott

    Besten Dank für Ihren Korrektur-Hinweis, so wie die interessanten Kommentar-Zeilen.

    Mit den 200’000 Tonnen Kerosin ist mir, notabene einem Physiker, ein böser Lapsus passiert,
    natürlich sind 200 Tonnen, respektive 200’000 kg gemeint.
    Ich bitte um Entschuldigung für den Mist.

    Bezüglich Auto-Poiese, also der Fähigkeit zur Selbst-Organisation komplexer Systeme, werde ich mich
    zu einem späteren Zeitpunkt äussern, da muss zuvor noch einiges durch den Kopf rauschen.

  49. Alex Wetter sagt:

    Im meinem Umkreis reden Menschen mehr von Lebensqualität, also “besser, nicht mehr”. Wachstum hat eben Grenzen und irgend wann mal ein Ende. Dies betrifft uns als kleineres Land insbesondere, denn schon aus Platzmangel werden wir beschränkt sein, es sei denn, das Volk entscheidet das Land von Genf bis Rorschach zu betonieren. Wie dies aussieht, zeigen Gross-Städte wie Shanghai, Jakarta, Sao Paolo. Bombay, un viele andere mehr. Wollen wir dies unseren Kindern hinterlassen ? Viele Leute wollen zu uns, auch weil unser Land Lebens-Qualität bietet, was anderswo undenkbar ist. Der Anfang ist PFZ / Zuwanderung stoppen.

  50. Nick Schott sagt:

    @Cesna
    “Geld & Ipod machen so süchtig wie Kokain” – Wie wahr! Jeder von uns erlebt mehr oder weniger die Anziehungskraft von Materiellen Dingen.

    Neu gekaufte Dinge machen Spass, aber dieses Gefühl hält nicht lange. Schon bald wirds langweilig bis zum nächsten Einkaufsbummel und durch die offensichtliche Sinnentleertheit dieser Strategie entsteht früher oder später Bitterkeit und geistige Armut.

    Die einzige Möglichkeit die die Menschheit hat um zu überleben und zufrieden zu sein, ist wieder zurück zum “Menschen-Inneren”, Zur Selbstgenügsamkeit, zur Meditation, zur Inneren Ruhe. Dies ist, wie schon gesagt wurde, ein Prozess der Jeder für sich erlernen darf – nicht muss. Das Positive dabei, je mehr Menschen damit beginnen, desto einfacher ist es für die Weiteren die denselben Weg beschreiten wollen.

  51. Verena Hunziker sagt:

    “Paradoxerweise verschafft ihnen das Kennen und Verkünden des “richtigen Weges” bereits so viele Vorteile, Privilegien und Annehmlichkeiten, dass sie in der Regel das Beschreiten dieses meist beschwerlichen Weges (Verzicht auf…) andern überlassen wollen.”

    @Heinz Kuster- so ist es! Herr Bosshart und zahlreiche andere Privilegierte leben sehr gut vom Verkünden des ihrer Meinung nach “richtigen Weges.” Sie verlangen von der Masse allerlei Verzicht, dabei will die Masse der Normalbürger in der Regel nur annähernd den Lebensstandard dieser Verkünder der “richtigen Wege.” Und das ist m.E. das eigentliche Problem – denn es gibt kaum Vorbilder in der Gesellschaft.

    Herr Bosshart wäre für mich glaubwürdig, wenn er z.B. auf halben Lohn verzichten oder diesen Betrag spenden würde. Er könnte ja trotzdem immer noch gut leben. Aber vielleicht müsste sich die Gesellschaft fragen, warum Menschen wie Herr Bosshart so viel mehr verdienen sollten wie ein Bauarbeiter oder eine Putzfrau (wenn überhaupt). Ich persönlich halte die Letzteren sogar für relevanter für die Gesellschaft.

  52. Eduard Willareth sagt:

    “Kurzfilm vegan” ansehen und danach handeln (so in der Suchmaschine eingeben). Jede, jeder Einzelne ist gefordert. Es geht uns alle an. Davor die Augen zu verschliessen ist Selbstmord. Wir können nur wahrhaft glücklich sein, wenn es die anderen auch sind – etwas anderes gibt es nicht.

  53. Daniel Stanislaus Martel sagt:

    Auch ich stimme in den Argumenten (und ihren Belegen) David Bosshart bei. Obwohl ich den Untergangspropheten nicht in allen Punkten traue, spüre ich, dass harte Zeiten auf uns zukommen. Trotzdem…

    @Heinz Kuster
    Das ist leider vollkommen richtig. Ich habe professionelle Erfahrung mit einem anderen Schweizer Propheten dieser Sorte… und war menschlich sehr enttäuscht. Dasselbe gilt für die Mehrzahl der SP-Exponent/inne.

    @Verena Hunziker
    Gerade darum geht es. Nicht zuletzt, weil im entscheidenden Moment ähnliche Besserweisser – mit entsprechendem verbalem moralischem Anspruch – ihre hehren Prinzipien bei mir als Angehörigen des akademischen Mittelbaus nicht in die Praxis umgesetzt hatten, arbeite ich jetzt halt in Kabul. Stadt und Umland nehmen für mich die zukünftige Situation in der Ersten Welt vorweg…

    Die Ueberraschung könnte noch böse werden… gerade auch für den persönlichen Lifestyle jener “Weltverbesserer”… Ich jedoch bin bereit…