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Archiv für die Kategorie „Weisheiten“

Frust mit Fans

Rrr am Dienstag den 22. April 2014

Heute reisen wir ins Jahr 1982 und halten am 31. Mai.

Wie immer am Pfingstmontag findet in Bern der Cupfinal statt. Diesmal treffen Sion und Basel aufeinander, zwei Mannschaften mit grossem Anhang. Entsprechend umfangreich sind die Sicherheitsvorkehrungen, zumal es in den Vorjahren zu Sachbeschädigungen und Glasscherben-übersäten Strassen in der Innenstadt gekommen ist. Dass die Fans Berge von Abfall hinterlassen und in jede Ecke pinkeln, nervt die Berner Bevölkerung ebenfalls.

"Die Zeiten, in denen grosse Fussballveranstaltungen mit einem Minimum an Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt werden konnten, sind längst vorbei", bedauert die Neue Zürcher Zeitung. "Dieses Jahr begannen die Vorsichtsmassnahmen bereits am Bahnhof und in den Zufahrtsstrassen zum Stadion Wankdorf, wo Polizisten den Anmarsch der Fans beobachteten und kontrollierten. Die Wettkampfstätte selbst war mit rund 100 Mann des Wachpersonals sowie 40 Stadtpolizisten gesichert."

Trotzdem wird das Spiel vor 44.000 Zuschauern von Zwischenfällen überschattet. Schiedsrichter Macheret muss den Match unterbrechen, weil Basler Fans hinter dem Walliser Tor Flaschen aufs Spielfeld werfen.
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Nach dem Abpfiff kommt es zu Tumulten. "Die enttäuschten und wütenden Fans unter den Tausenden von Basler Anhängern warfen leere oder halbgefüllte Flaschen auf das Terrain, ja sogar gegen die Walliser Spieler, als sich diese auf die Ehrenrunde begaben", schreibt die NZZ. Auf dem Rückweg zum Hauptbahnhof sind es dann die Walliser, die erneut ein wahres Schlachtfeld von leeren Bier- und Fendantflaschen zurückliessen. Ihren Vorrat an Fackeln und Knallpetarden hatten sie schon auf dem Hinweg aufgebraucht.

In der Stadt Bern entspannt sich im Nachgang eine lebhafte Debatte zur Frage, was man sich von den Fussballfans eigentlich alles gefallen lassen muss.

Meister der Hoffnung

Baresi am Samstag den 29. März 2014

LIVE: Aarau-YB 2:1 (50. Lüscher 1:0, 52. Nuzzolo 1:1, 69. Lüscher 2:1)

Wie erklärt man Menschen mit einer nicht besonders guten Ausgangslage für die eigene Zukunft, dass sie trotzdem eine Chance haben?

Unter anderem auch mit Fussball. Exemplarisch zu sehen im Schweizer Dokumentarfilm «Neuland». Bevor Sie nun rotblau sehen, nur noch schnell die Empfehlung der Gesamtedaktion. Diese legt Ihnen mit 1893:0 Stimmen ans Herzen, sich den Film im Lichtspieltheater Ihres Vertrauens anzuschauen.

Die Basler Aussenredaktion ist zudem der festen Überzeugung, dass die Welt eine bessere wäre, wenn es noch mehr Christian Zinggs geben würde, als jene, die sie bereits kennt. Ein Interview mit Herr Zingg, dem Lehrer der dokumentierten Integrations- und Berufswahlklasse, gibt es hier. In diesem erfahren Sie auch mehr über Eshanullah und können ihm allenfalls sogar mit einem Tipp für eine Kochlehrstelle in der Region Basel weiterhelfen.

Einleuchtende Ermittlungen

Rrr am Donnerstag den 13. März 2014

Unfallforschung mit den SBB: Im Zweifelsfall sind die Fussballfans schuld.

220px-Grauholztunnel_innenEin Schnellzug war letzten Sonntag um 17.30 Uhr unterwegs von Zürich nach Bern. Im Grauholzutunnel zerbrachen plötzlich mehrere Fenster. Verletzt wurde niemand, doch er Schrecken war gross.

Die SBB hatten keine Ahnung, wie es zum Unfall kommen konnte, aber natürlich eine plausible Vermutung. SBB-Sprecher Christian Ginsig in der heutigen BZ: "Wir glaubten, dass die Fenster an den vier Waggons beim Kreuzen mit einem Extrazug mit Fussballfans zerbrachen. Deshalb haben wir zuerst die Polizei alarmiert, die den Zug kontrollieren sollte."

Leider brachte die Razzia bei den FCZ-Fans nichts zu Tage. Was nicht weiter erstaunt, denn die wahre Unfallverursacherin waren keine Hooligans, sondern die SBB selber, wie jetzt herauskommt. Sie hatten einen 120 Kilogramm schweren Elektroschrank unbefestigt in einer Nische des Tunnels abgestellt.

Der Führer und der Fussball

Rrr am Donnerstag den 27. Februar 2014

Hitler war kein Schalke-Fan, sagt Schalke.

Das Gerücht hält sich seit Jahrzehnten und kocht jedes Mal wieder hoch, wenn Schalke 04 im internationalen Rampenlicht steht - so wie gestern abend. Hitler soll glühender Anhänger der Knappen gewesen sein, schliesslich gewannen die Blauweissen im Dritten Reich die meisten Titel.

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Dabei hat der Klub schon 2004 eine wissenschaftliche Studie präsentiert, wonach sich der Führer weder für Schalke noch für Fussball gross interessierte. "Es gab keinen Befehl des Führers, daß Schalke Meister werden muss“, schreibt der Historiker Stefan Goch im Buch "Zwischen Blau und Weiss liegt Grau".

Adolf Hitler war offenbar gar nie an einem Schalke-Spiel. Selbst die Pokalendspiele mit Schalker Beteiligung in Berlin liess er aus. Überliefert ist nur ein Stadionbesuch des Führers: 1936, als Deutschland gegen Norwegen 0:2 verlor.

"Wenn Hitler Schalke-Fan war, nur weil der Klub damals die meisten Titel sammelte, dann war Margaret Thatcher wohl Liverpool-Fan", schrieb Schalke-Sprecher Gerd Voss 2008 in einem Brief an die Londoner "Times".

Kolossale Konsequenzen

Rrr am Montag den 24. Februar 2014

YB und der zwölfte Mann.

Aus Protest gegen Repressionsmassnahmen verzichten die YB-Fans neuerdings auf sämtliche Aktivitäten im Stadion. Das war auch gestern in Luzern so.

Unsere Statistik der Woche: Punkte-Ausbeute der Young Boys mit und ohne Fan-Boykott.

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Rundes Leder Browserdienst 08/14

Rrr am Montag den 24. Februar 2014

Endlich wieder Montag - hier sind die frischesten Fänge aus dem Internetz.

wirrdienst_walterRundes Leder BrowserdienstVergessen Sie Nevin Galmarini, jetzt kommt Uli Forte.

Rundes Leder BrowserdienstBald ist WM. Das beflügelt auch die Graphikerszene.

Rundes Leder BrowserdienstViele Prominente bekennen sich zu YB, aber nur Miley Cirus hat sogar eine YB-Wurst dabei.

Rundes Leder BrowserdienstStocksauer oder schwer verletzt? Für manch einen Torhüter eine schwierige Entscheidung.

Rundes Leder BrowserdienstZum Schluss wie immer ein dringender Hinweis: Glauben Sie den Medien nicht alles, besonders nicht obskuren Fachforen im dubiosen Internet.

Na ja, egal, ich gehe jetzt wieder fischen.

Ernüchternde Bilanz

Rrr am Montag den 27. Januar 2014

Roger Noz-Köppel schlägt die Alarmglocke.

"Was für ein Wochenende für den Schweizer Sport! Fechter Max Heinzer musste sich beim Degen-Weltcup in Legnano mit Platz 10 begnügen. Die Querfeldein-Hoffnung Simon Zahner kam in Nommay als bester Eidgenosse auf Rang 19, derweil Danilo Wyss bei der Australien-Radtour gerade mal den 41. Rang erreichte. Die Pleite des FC Sion gegen Botev Plovdiv (1:2) vervollständigt das triste Bild.

Warum sind Schweizer Sportler im internationalen Vergleich nicht mehr konkurrenzfähig? Schuld an diesem Desaster ist gemäss den Recherchen von Urs Paul Engeler die Laissez-faire-Mentalität der zuwandererunkritischen linken Medien mit ihren nach dem Giesskannenprinzip schöngeredeten Krippenplätzen, wo Staatskinder lieber zur Hexenjagd gegen Dr. Mörgeli blasen als einmal die Kehrseite der Medaille in sich aufzusaugen: Quo vadis Schweizer Sport?

Ich hatte wieder das ganze Wochenende Migräne und schlechte Laune, obwohl ich es am WEF sechsmal in zwei Tagen schaffte, diesem Klapproth durchs Bild zu laufen, und als ich so in den verschneiten Fichten vor dem Open Forum stand, ein bisschen fror und in die Kamera von SF info glotzte, wusste ich wieder, was ich eigentlich sagen wollte: Wenn Sie jetzt die Weltwoche abonnieren, können wir Ihnen am 8. Februar unsere 20-seitige Analyse zum Abstimmungssonntag vom 9. Februar als Schweizerzeit-Sonderausgabe auf Büttenpapier an den Gefechtsstand Ihrer Wahl liefern, denn Biathlon ist in Sotschi meine letzte Hoffnung. Eine gute Woche wünscht Ihnen Ihr Roger Noz-Köppel"

Erfahrener Elfmeterexperte

Val der Ama am Donnerstag den 23. Januar 2014

BREAKING NEWS: Mohamed Salah geht per sofort zu Chelsea.

So gewinnt man ein Penaltyschiessen.

Penalty

"In einem guten Team gewinnt man gemeinsam und man verliert gemeinsam. Ein Penaltyschiessen ist die einsamste Erfahrung im Fussball, also versucht der Trainer den Beteiligten dieses Gefühl des Alleineseins zu nehmen. Die Elfmeterschützen müssen wissen, dass die Verantwortung nicht allein auf ihren Schultern lastet, sondern eine gemeinsame ist. Und das gilt für die Torhüter ebenso.

Als Trainer können Sie Ihren Spielern den Druck nehmen, indem sie sich selbst für Erfolg und Misserfolg verantwortlich machen. Und indem Sie im Training alle Ihre Spieler Elfmeter schiessen lassen. Alle, denn es gibt einige Spieler, von denen Sie gar nicht wissen, dass sie ausgezeichnete Schützen sind.

Wichtig sind vor allem Genauigkeit, Kraft und ein gezieltes Platzieren. Hier kann der Trainer eine wichtige Rolle spielen. Ich habe meinen Spielern vor dem Spiel gegen Manchester United genau gesagt, wohin Sie den Ball schiessen sollen und ihnen so den Druck genommen. Und wenn es nicht funktioniert: Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen.

Ein ähnlicher Ansatz hilft den Torhütern. Es gibt Datenbanken und Performance-Tools, die Informationen vermitteln, welche Spieler wohin schiessen. Das Prinzip ist hier das gleiche wie bei den Schützen - der Manager sagt dem Goalie, was zu tun ist. Und wenn es schief geht, übernimmt er die Verantwortung.

Natürlich können Sie sorgfältig planen und dann passiert etwas, das man einfach nicht kontrollieren kann."

(David Moyes in der Sunday Times, 2010.)

 

Ah, und hier die praktische Umsetzung.

Coffee and Cigarettes

Herr Shearer am Donnerstag den 23. Januar 2014

In unserer beliebten Serie "Raucher sind Sieger" reisen wir heute nach Paris und erfahren, wieso Frankreich wohl nicht Weltmeister wird.

Nach Engagements bei Chelsea und Paris St-Germain amtet Ancelotti derzeit als Trainer bei Real Madrid. In einem Interview mit der "Financial Times" gab er zu Protokoll, dass die französischen Spieler nicht begreifen, dass sie jeden Tag 100% geben müssten und keine Siegermentalität hätten. Seine Aussage wird teilweise unterstützt von Gilles Bourges, dem ehemaligen Goalietrainer bei PSG: "Ich verstehe, was Carlo Ancelotti sagen wollte, es ist allerdings etwas übertrieben ausgedrückt. Seine Ankunft im Verein löste viele Veränderungen aus, und einige französische Spieler brauchten einige Zeit, sich daran zu gewöhnen. Aber man kann sie nicht alle in den gleichen Topf werfen", führte Bourges gegenüber der Zeitung "Le Parisien" aus, welche das Interview in der Financial Times zum Anlass für eine Betrachtung dieser These nahm.

coffeecigarettes

Immerhin hat Bourges dann noch folgendes über die Gebräuche beim PSG vor Ancelottis Amtsantritt verraten, das manchem schlotenden Hobbykicker etwas das schlechte Gewissen nehmen wird: "Ich will nicht sagen, dass sich die französischen Spieler nicht professionell verhalten hätten. Einige unter ihnen rauchten auf dem Trainingsgelände aber auch gerne mal eine Zigarette. Dafür gab es eine separate Zone neben dem Kaffeeautomaten. Auch einige ausländische Spieler gaben sich dort von Zeit zu Zeit dem Nikotingenuss hin".

Zweiklassengesellschaft (Teil II)

Rrr am Sonntag den 19. Januar 2014

HSV-News: Aufbruch im Norden – Der HSV gibt sich eine neue Struktur und will mit HSVPlus die Profis ausgliedern.

José Mourinho ist froh, dass er nicht mehr in Spanien ist.

"Mir hat die Art des Wettbewerbs nicht wirklich gefallen, die ich in Spanien hatte", sagte der frühere Trainer von Real Madrid in einem Interview mit der BBC. "Mein Wettbewerb in Spanien war: Real Madrid gegen Barcelona. Sonst nichts. Zwei Teams. Wir wurden mit 100 Punkten Meister. Wir haben einen Titel mit 92 Punkten verloren... Das ist verrückt!"

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In der Tat: Die Meisterschaft in Spanien wurde in den letzten Jahren stets in den Direktduellen zwischen Real und Barça entschieden. Anders gesagt: Man hätte für die Titelvergabe auch nur beiden Clasicos spielen können.

Als Chelsea-Trainer ist Mourinho nun immerhin in einen Dreikampf verwickelt, und drei weitere Teams sind noch halbwegs im Rennen.

In Spanien sind es neuerdings auch drei Teams, die um den Titel streiten. Barcelona und Atlético Madrid hatten Ende der Hinrunde am vergangenen Wochenende je 50 Punkte, 3 mehr als Real.

Entscheidend sind weiterhin die Direktduelle. Barça und Atlético trennten sich unentschieden und haben gleich viele Punkte. Beide Teams schlugen Real und distanzierten so die Königlichen um je 3 Punkte. Der Tabellenvierte Bilbao ist schon hoffnungslos zurück.