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Archiv für die Kategorie „Weisheiten“

Weltmeister der Herzen

Rrr am Freitag den 18. Juli 2014

Endlich wissenschaftlich erwiesen: Erfolg macht sympathisch.

Das zeigt eine Umfrage des Reise-App-Anbieters Ulmon unter 1141 Menschen in 10 Ländern. "Weltweit sind die Sympathiewerte der Deutschen um 22 Prozent gestiegen", teilen die Forscher mit. Wieviele Leute die Deutschen schon vor der WM mochten, wird allerdings nicht angegeben.

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Wie auch immer: Selbst in Brasilien sind die Imagewerte für Deutschland gestiegen. Mehr als die Hälfte der Brasilianer mögen nun die Deutschen. Nur die Holländer scheren etwas aus: 31 Prozent gehen davon aus, dass sich Deutsche nach dem Gewinn der Trophäe arroganter als zuvor verhalten werden.

Deutschland ist übrigens zusammen mit Holland das beliebteste Team der WM. Je 14 Prozent fanden die DFB-Auswahl und die Oranje am sympathischsten. Dahinter folgt Costa Rica mit 12 Prozent. Die Schweiz liegt mit 3,5 Prozent auf dem achten Rang, den letzten Platz belegen die früh ausgeschiedenen Bosnier mit 0,1 Prozent.

Störende Hegemonie

Val der Ama am Mittwoch den 2. Juli 2014

Unser WM-Kolumnist Kevin Grossenbacher atmet auf.

«Endlich ist die Schweiz ausgeschieden.

Das Spiel gestern hab ich verpasst, ich half Dad beim Grillfest im Garten, weil Ma hatte Geburtstag, und da lädt sie immer halb Muri ein. Dad hat zwar einen Fernseher hingestellt aber unsere Gäste sind da eher urban-international orientiert, als Expats interessieren sie sich für Networking, nicht so für Fussball.

Aber auch ich möchte den Stellenwert der WM deutlich relativieren. Ich denke, nun kann man sich wieder den wesentlichen Problemen unserer Gesellschaft zuwenden. Höchste Zeit, angesichts der Dramen in Syrien, Lampedusa oder auch um den Erasmus-Stopp. Trotzdem gehe ich davon aus, dass die Droge Fussball und die Hegemonie der anglo-europäischen Multis noch bis zum Finale die Bevölkerung der Länder Südamerikas betäuben und von Wirtschaftskrise und sozialer Ungleichheit ablenken wird.

Aus meiner subjektiv ethnozentristischen Sicht sehe ich dieses Ausblenden von Armut und Leid übrigens nicht nur negativ, denn die dortige Begeisterung für den Fussball ist echt, ungleich grösser und deshalb in vielerlei Hinsicht nachhaltiger als hierzulande. Es gibt in Südamerika zum Beispiel Fans, die sich jedes einzelne Spiel der WM angeschaut haben und deswegen viele Probleme verdrängen können.

Diese spannenden Mechanismen stehen im Zentrum des Diskussionsabends, den ich für Sonntagabend, 13. Juli, in der Uni-Mensa plane.»

Rambazamba Toto (IV)

Rrr am Dienstag den 1. Juli 2014

"Hi Fan's, ich bin's, Euer Heinz!

"Hey, wisst Ihr, was ,Messi' auf schwyzerdütsch heisst? ,Shaqiri'! Ha ha ha! Ha ha ha! Der Witz hat mir gestern der Röfe in der Schopfbar erzählt. Läck, ich konnte fast nicht mehr! Und dann hat er auch noch einen Witz über den Typ da wo immer beisst erzählt, aber den habe ich vergessen. Also den Witz. Ich hoffe einfach, dass der Typ heute nicht spielt.

Item, ich habe ein super Feeling für heute Abend, weil eigentlich spricht alles für uns. Der Argentinier muss nämlich unbefreit aufspielen, sagt Röfe, und das ist immer schwierig. Während wir nach dem Dschungelbummel mit der Zaubermaus von Manaus gerade richtig abheben! Wie seht Ihr's, liebe Sportsfreunde? Wie endet das Match? Schreibt Eure Meinung unten hinein und gewinnt ein Rubbellos von Coca Cola mit dem Bild vom Shaqiri drauf.

Der Autokorso durch unser Dorf startet voraussichtlich um 19.55 Uhr, dann fahren wir siebenmal um die Kirche und sechsmal am Hirschen vorbei, nachher gehen wir weitersaufen. Also de, hopp Schwiiz, Euer Heinzinho :-) :-) "

Ottis Top-Team

Rrr am Donnerstag den 26. Juni 2014

Die Schweiz hamstert Punkte für die FIFA-Weltrangliste.

222Am heutigen Tag hat die Schweiz erstmals mehr Punkte als der amtierende Weltmeister Spanien. Das liegt daran, dass WM-Spiele besonders stark gewichtet werden und sich die Schweiz gegenüber 2010 verbessern konnte - während Spanien abstürzte.

Zurzeit weist die Schweiz 1278 Punkte auf und ist damit das drittbeste europäische Team hinter Deutschland und Belgien.

Die nächste FIFA-Weltrangliste erscheint am 17. Juli, also nach dem WM-Final. Die Schweiz dürfte ihren Platz 6 mindestens verteidigen können. In der Momentaufnahme von heute Donnerstag haben nur Kolumbien, Argentinien, Uruguay, Deutschland und Belgien mehr Punkte. Brasilien liegt knapp hinter der Schweiz.

Die höchste Platzierung der Geschichte erreichte die Schweiz 1993 unter Roy Hodgson (Platz 3), die tiefste (Platz 83) im Dezember 1998 unter Gilbert Gress.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das alles sehr seltsam ist.

Rambazamba Toto / 3

Rrr am Mittwoch den 25. Juni 2014

"Hallo Friend's :-) Seid Ihr auch so aufgeregt?"

"Heute geht es um die Wurst, hat der Hene in der Schopfbar gesagt. Obwohl es auch Cotletts hat und Kartoffelsalat. Spielt jetzt aber keine Rolle. Auf jeden Fall sagt Hene, dass wir heute dem Honduria.. Honduresen... Ho -- ist ja gleich, dass wir denen also zeigen, wo Bartli den Most holt, nämlich im Urwald! Wobei, wir haben gar keinen Most, nur Bier ab Fass und Coop Superprix Mineral für die Frauen.

Item, das wird ein heisser Tanz im Dschungel, aber wir haben Hitzfeld, HA HA HA! Okay, das war jetzt ein Wortspiel. Was wollte ich schon wieder? Ah genau, was denkt Ihr's, wie's ausgeht? Verrät mir Eure Tips, und ich lade Euch ein am Dienstag zum nächsten Spiel. Da spielen wir gegen Argentinien, sagt Hene. Also denn, Honduras zähme! Euer Heinzinho :-) :-) "

Atavistische Aspekte

Rrr am Dienstag den 24. Juni 2014

Unser Kolumnist Kevin Grossenbacher geht auf kritische Distanz.

Bildtitel«Gestern Nachmittag hatte ich eine gute Diskussion in der Uni-Mensa.

"Die WM deckt den Atavismus entfesselter Wilder schonungslos auf", sagte Cora und legte die ZEIT zur Seite. "Wer sich die entblössten Fangzähne der Fans in Kriegsbemalung anschaut oder die Bannflüche sonst durchaus kultivierter Bürgerinnen und Bürger im Ohr hat, hat sich von dieser Veranstaltung längst angewidert abgewendet."

"Mir geht es auch so", erwiderte Dennis. "Fussball ist Kampf, bis auf die Blutgrätsche. Und das archaische Moment im Fussballkrieg ist nicht zu übersehen."

"Aber hallo???", rief Cora aus. "Männer liefern sich Schaukämpfe wie einst rivalisierende Horden, reissen sich im Falle des Sieges die stolzgeschwellte Brust frei, paradieren ihren schweissüberströmten Körper vor den tobenden Massen, während die Verlierer froh sein dürfen, dass sie nicht, wie in der römischen Kampfarena, den gesenkten Daumen und das Schwert zu erwarten haben."

"Völlig klar", warf Florian ein. "Fussball ist die Re-Inszenierung einer anderen Art menschlicher Ur-Situation, nämlich mit einem ballistischen Objekt ein Jagdgut zu treffen, das mit allen Mitteln versucht, sich zu schützen."

"Der wahre Skandal ist, dass diese spannenden Aspekte von den fremdorchestrierten Medien ausgeblendet und so der unkritischen Masse der Fussballfans verborgen bleiben", dachte ich. Aber auch das ist offenkundig ein Charakteristikum von Brot und Spielen.»

Diskursives Viewing

Val der Ama am Freitag den 20. Juni 2014

Kevin Grossenbacher, unser exklusiver WM-Kolumnist, schaut sich das Spiel von heute im Progr an.

IMG_1029"Seit einer Woche dominiert der Fussball das soziale Zusammensein, wo man auch hinschaut. Der Weltfussballverband, die Fifa, orchestriert unser Bedürfnis nach Oberflächlichkeit perfekt und bis in die letzte Konsequenz. Und kaum jemand bemerkt die damit verbundene Maskulinisierung einer Sportart: Enge Shirts, Zeitlupenästethik, männliche Jubelrituale in Endlosschleife. Ist Ihnen aufgefallen, dass hier Frauen überhaupt keine Rolle spielen?

Das Ihnen vielleicht noch nicht bekannte Radio Gelbschwarz des BSC YB kontrastiert diesen Eindruck. Die engagierten Sendungsmacher organisieren heute Abend gemeinsam mit dem Frauenhilfswerk TdF ein Public Viewing des WM-Match Schweiz-Frankreich im Kulturzentrum Progr. Die Moderatoren werden gemeinsam mit der Fussball und Genderexpertin Marianne Meier das Spiel moderieren und Geschlechterstereotypen im und rund um den Fussball analysieren.

Eine gute Sache. Für viele Fussballfans wohl die einmalige Gelegenheit, sich mit neuen Aspekten der Materie Fussball zu befassen und sich selbst in Frage zu stellen. Ich werde auf jeden Fall mit dabei sein und mich voll mit einbringen."

Kevin Grossenbacher ist 23 und studiert Ethnologie, Politologie und Medienwissenschaften an der Uni Bern.

Anti-Littering-Usanz

Lars Sohn am Dienstag den 17. Juni 2014

Japanische Fussballfans sind keine schlechten Verlierer.

Einerseits wird weder Spott noch Häme über den Gegner und dessen Fans geschüttet. Andererseits haben die Anhänger aus Nippon ihren Bereich der Arena Pernambuco nach dem verlorenen Startspiel gegen die Elfenbeinküste selber gereinigt. Die Japaner sind bereits vor dem Anspiel mit Säcken ausgerüstet erschienen. Wollten sie sich etwa wegen der Niederlage selbst kasteien? Nein - das Aufräumen nach einem Spiel gehört zu den japanischen Gepflogenheiten, egal ob zuhause oder auswärts.

Anti-Littering-Kampagne

Alternative Betrachtungsweise

Val der Ama am Montag den 16. Juni 2014

Kevin Grossenbacher, unser exklusiver WM-Kolumnist, zum Spiel der Schweizer gegen Ecuador.

IMG_1029"Selbstverständlich war ich beim Spiel der Schweizer live mit dabei. Allerdings nicht im Mainstream einer Fan-Meile, diesen Kommerz halte ich nicht aus. Ich habe mir das Spiel gemeinsam mit ein paar Freunden in einem Café um die Ecke angehört. Kein Bild, einfach die Stimme des Radioreporters und dazu ein Bier der lokalen Mikrobrauerei - ein gemütliches urbanes Beisammensein. Das ist wahrer Fussball! Und dank Twitter (#worldcup) habe ich wahrscheinlich mehr vom Match mitbekommen, als die meisten der rot verkleideten Masse beim Public Viewing.

Selbstverständlich habe ich mich über das späte Tor Behramis gefreut, das gebe ich gerne zu. Doch ich weiss dies auch zu relativieren, denn schliesslich habe ich mich in den Minuten vor dem Spiel intensiv mit dem Gegner aus Südamerika befasst. Google und Facebook sind da nützliche Quellen. Und angesichts der grossen sozio-ökonomischen Ungleichheiten zwischen den beiden Ländern hatte ich emotional Mühe, mich einseitig für einen der beiden Kontrahenten zu begeistern. Hier ist mehr als Schwarz-Weiss-Denken gefragt. Das hören Chauvinisten nun vielleicht nicht gerne aber ich denke, ein Unentschieden wäre das ausgeglichenere Resultat gewesen.

Nichtsdestotrotz wünsche ich unserem ethnisch diversen Team alles Gute im Achtelfinale gegen Frankreich."

Kevin Grossenbacher ist 23 und studiert Ethnologie, Politologie und Medienwissenschaften an der Uni Bern.

Komplexe Thematik

Rrr am Mittwoch den 11. Juni 2014

Begrüssen Sie unseren exklusiven WM-Kolumnisten Kevin Grossenbacher.

IMG_1029"Bald beginnt die WM. In mir löst das gemischte Gefühle aus. Zum einen befürchte ich einen Rückfall in den Nationalismus. Zum anderen gibt es, und das wissen viele Fussball-Fans nicht, in Brasilien selber grosse Skepsis gegenüber dem Anlass.

In der WOZ hatte es dazu einen sehr informativen Artikel. Ich werde ihn hier nicht verlinken, denn ich möchte die Selbstbedienungsmentalität des heutigen Internet nicht noch unterstützen. Fakt ist: Die sozialen Proteste werden während der WM zunehmen, auch wenn das in den Medien nur eine Randnotiz sein dürfte. Ich setze hier bewusst einen Gegenpol, indem ich im Proseminar am Ethnologischen Seminar ein Referat über das Thema halten werde.

Weiter möchte ich darauf hinweisen, dass die FIFA als Organisatorin unter Korruptionsverdacht steht. Auf Indymedia und in anderen unabhängigen Medien abseits des Mainstreams ist das eindrücklich dokumentiert.

Ich fände es gut, wenn sich die Fussball-Fans vermehrt mit der ganzen komplexen Thematik auseinandersetzen würden."

Kevin Grossenbacher ist 23 und studiert Ethnologie, Politologie und Medienwissenschaften an der Uni Bern.

Wie stark ist unser erster Gegner Ecuador?

Herr Pelocorto am Dienstag den 10. Juni 2014

Langsam werde ich unruhig. Worauf können wir hoffen? Was dürfen wir erwarten gegen den Fussballzwerg?

Gut, dass es Philosophen gibt. Ruhig, mit kühlem Verstand ordnen sie die Dinge für uns. Also, Herr Konfussius, was blüht uns am Sonntag im ersten Spiel der Schweizer?

«Du kannst den Hahn zwar einsperren, die Sonne geht dennoch auf.»

Schwalben machen feinen Sommer

Lars Sohn am Donnerstag den 5. Juni 2014

Besuchen Sie die vorhochsommerliche CD-Taufe im Café Kairo!

Ihre Einwände sind bekannt und berechtigt - daher: Richtig! Während der WM werden keine fussballfremden Veranstaltungen besucht! Es sei denn, diese finden mitten in einer Matchflaute statt. Dann gehts.

Die anstehende Taufe des im Mutterblatt bereits vorgestellten Hörbuchs erfüllt diese Bedingung fast bedingungslos. Fast? Das Publikum hat die Möglichkeit, mittels einer zurückhaltend gesunden Fragenflut den hochwillkommenen Anlass bis zum nächsten Parallel-Matchbeginn sein rechtzeitiges Ende finden zu lassen (Kamerun - Brasilien und Kroatien - Mexiko um 22:00 Uhr).

SchwalbenMachenFeinenSommer

Was Sie dort erwartet? Das Fussballherz erfreuende Momente aus den Niederungen des nichtkommerziellen Ligabetriebs. Die sich als Schwalbenkönige verkaufende Herren Pedro Lenz, Wolfgang Bortlik, Gogo Frei, Tschändu Muhmenthaler und Dani Knechtli schöpfen aus ihren prall gefüllten Anekdotentöpfen. Da wird geistreich und gekonnt jeder Grashalm gekrümmt. Das Motto des Abends? «Im Grossen und Ganzen ist ein Leben ohne Fussball wohl möglich, aber sinnlos.» Abermals richtig!

Nachtrag: Das Spontan-Quiz ist entschieden, Herr all white holte sich die herausragende Schwalben-CD mit der richtigen Antwort auf die knifflige Preisfrage: Der Gewinner der Champions League 2013/14 heisst Real Madrid.

Finde den Feler (XVII)

Herr Maldini am Freitag den 16. Mai 2014

blick

Der FCZ spielt nächste Saison international, das stimmt. Warum auch immer.

Gravierende Sicherheitslücken

Rrr am Dienstag den 6. Mai 2014

Richtig abstimmen mit Wirrkopf Walter.

"Ueli Maurer schlägt Alarm: Wenn er den Gripen nicht kaufen darf, hat die Schweiz eine riesige Sicherheitslücke, sagt er. Vermutlich marschieren schon am 19. Mai russische Separatisten in der Ostschweiz ein. Heisst es dann schon bald Spartak St. Gallen? ZSKA Brühl? Wobei, mit Ukrainern hat der Ostschweizer auch schlechte Erfahrungen gemacht.

Eine gravierende Sicherheitslücke besteht auf jeden Fall beim BSC YB. Ob sie mit dem Gripen geschlossen werden kann, ist eher unsicher. Aber wenn man einem YB-Fan heutzutage eine Freude machen kann - ich sage also ganz klar Ja zu Ueli Maurer und stimme am 18. Mai Nein zur Sicherheitslücke.

Beachten Sie bitte auch, dass das Tor der Young Boys künftig nur noch zu Bürozeiten angegriffen werden darf, also von Montag bis Freitag von 8 bis 11 und 13.30 bis 16 Uhr. Gegentore am Abend und am Wochenende sind irregulär.

Nun gut, ich bin kein Militärexperte, das ist mir alles zu gewalttätig. Ich gehe jetzt wieder fischen."