Archiv für die Kategorie ‘Regelrecht’

Verlieren mit Florent

Herr Shearer am Donnerstag den 13. Juli 2017

Manche Spiele sind von Anfang an verloren.

Florent Malouda kennen Sie alle, vor allem noch von seinen besten Zeiten bei Lyon und Chelsea. Nach Engagements in Metz und Delhi wird aktuell Wadi Degla in Kairo als sein Arbeitgeber angegeben. Auch für Frankreich war Malouda im Einsatz: in 81 Spielen erzielte er neun Tore für die Equipe Tricolore. 2012 trug der das letzte Mal das blaue Trikot.

Jetzt also das Nationalmannschafts-Comeback nach fünf Jahren! Leider allerdings quasi illegal. Für den CONCACAF-Gold Cup, welcher derzeit in den USA abgehalten wird, hat sich Florent Malouda Französisch-Guyana angeschlossen. Das FIFA-Reglement ist klar: wenn ein Spieler einen Match in einer A-Nationalmannschaft absolviert hat, kann er nicht mehr wechseln.

Pikantes Detail allerdings: er darf trotzdem aufgestellt werden und mitkicken, allerdings wird der Verband das im Anschluss als Einsatz eines nicht spielberechtigten Spielers taxieren und das Resultat in einen Forfaitsieg für den Gegner umwandeln. Wir wissen leider nicht, was die Verantwortlichen von Französisch-Guyana geritten hat, als sie Malouda gestern in Houston gleich als Captain gegen Honduras aufs Feld schickten, denn die Konsequenzen waren vom CONCACAF zum Voraus kommuniziert worden. Die Begegnung endete 0:0, wir warten nun auf das endgültige Verdikt der Fussball-Funktionäre.

So, und jetzt wissen wir auch, wieviel dieser Gold Cup sportlich etwa wert ist.

Schlagfertiger Schiedsrichter

Rrr am Samstag den 1. Juli 2017

Tim Sparv ist baff.

Der Finne spielt beim dänischen Erstligisten (und ehemaligen YB-Gegner) FC Midtjylland. In der Qualifikation für die Europa League beschwerte er sich am Donnerstag beim Schiedsrichter, wie er auf Twitter berichtete.

“Hey Schiri”, rief er dem Unparteiischen zu, “das ist niemals ein verdammter Freistoss.” Die Antwort des Referees: “Vielleicht nicht. Aber wenn Du ein bisschen besser wärst und Champions League spielen würdest, hättest Du auch einen besseren Schiedsrichter.”

Wie auch immer: Midtjylland gewann das Hinspiel gegen Derry mit 6:1 und steht mit eindreiviertel Beinen in der nächsten Runde.

Schlagfertige Unparteiische gibts übrigens auch anderswo. Als ein Goalie einst der neuen Bundesliga-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus zuraunte, sie habe einen knackigen Hintern, antwortete diese: “Ebenfalls.”

Weniger Spass verstand ein Schiedsrichter in der fünften norwegischen Liga. Als er einen Spieler verwarnen wollte und ihn fragte, welche Nummer er habe, gab ihm dieser seine Handy-Nummer bekannt. Dafür sah der Spieler dann rot, wie norwegische Medien letztes Jahr berichteten.

Ref im Ruhestand

Rrr am Sonntag den 25. Juni 2017

Paul Kluth hat ausgepfiffen.

Mit 83 Jahren endete gestern die Schiedsrichter-Karriere des legendären deutschen Amateur-Referees. Sein Klub, der VfL Rheingold Poll, veranstaltete zu seinen Ehren ein Abschiedsspiel gegen Kaufkof Kalk. Danach gab es eine grosse Party mit DJ.

“Dä Paul” hatte zuletzt etwas Mühe, wenn er die Stutzen anziehen musste. “Man müsste noch mal 20 sein”, seufzte er. 

Seine Karriere begann Anfang der 1960er-Jahre mit Spielen von Thekenmannschaften. Damals wusste er  gar nicht, dass man als Schiedsrichter eine Lizenz braucht. “Alle redeten von einer Prüfung”, sagte er dem Magazin Kölnsport. “Ich dachte immer: Welche Prüfung? Dann habe ich mich beim Verband dafür angemeldet – und ich habe alles gewusst, was abgefragt wurde.” Ab 1974/75 pfiff er Meisterschaftsspiele, zuletzt noch von Veteranen.

“Er war immer verdammt konsequent”, sagte ein Rheingold-Spieler. Einmal habe “dä Paul” sogar seinem Chef die rote Karte gezeigt. “Der hat halt gemeckert”, meinte Kluth achselzuckend.

Doppelschwalbelumme

Briger am Montag den 29. Mai 2017

In Schottland spielten Dundee United und Hamilton Academical um den letzten Platz in der Premier League.

Beim Hinspiel in Dundee schaffte es Simon Murray gleich zwei Mal eine gelbe Karte für eine Schwalbe Lumme zu erhalten. Zuerst ging er in der ersten Hälfte in einem Zweikampf mit Massimo Donati zu Boden, in der 77. Minute wurde er dann von Schiedsrichter Steven McLean unter die Dusche geschickt, nach dem er von Scott McMann gefoult wurde, aber etwas gar theatralisch abhob.


Simon Murray Red Card Scotland Premiership… von kivancyildirim791

Dundee legte nach dem Spiel Protest ein, weshalb Murray beim Rückspiel gestern trotzdem antreten durfte. Die Hamilton Academicals gewannen dennoch 1:0 und bleiben in der Premier League, Dundee muss ein weiteres Jahr in der 2. Liga spielen. Die ganze Geschichte dürfte ein Vorgeschmack darauf sein, was nächste Saison in der englischen Premier League Wochenende für Wochenende für Diskussionen sorgen dürfte, nach dem die Liga beschloss, zukünftig härter gegen Schwalben Lummen vorzugehen.

Pechvogel in Portugal

Briger am Montag den 22. Mai 2017

Budag Nasirov sorgt für die kurioseste Szene in Portugals Segunda Liga der aktuellen Saison.

Der Aserbaidschaner, der diese Saison leihweise bei Sporting Lissabons Zweitmannschaft verbringt, verschuldete in der 41. Runde beim Stand von 1:0 für seine Mannschaft im Spiel gegen Académica de Coimbra einen Handelfmeter. Folgerichtig wurde er verwarnt und Coimbra erzielte das 1:1. Torschütze war Rui Miguel, der in der 76. Minute auch das 2:1 schoss. Zu diesem Zeitpunkt stand Nasirov eine Minute auf dem Platz. Ja, Sie haben richtig gelesen. Sein Handspielmissgeschick passierte ihm, als er sich hinter dem Tor auf seinen Einsatz vorbereitete. Als eine Flanke von Coimbra in der 60. Minute weit am Tor vorbeisegelte, nahm Nasirov diese in die Hand, dummerweise war der Ball da noch nicht ganz im Aus und so gab’s eben den Elfmeter, aber sehen Sie selbst:

ABBA

Val der Ama am Donnerstag den 4. Mai 2017

Herzlich Willkommen zum Rundes Leder-Regelblog, 2. Teil.

Sie erinnern sich:

Di Gregorio 0:1. Hoarau 1:1. Cani 1:2. Ravet verschiesst. Schuler 1:3. Frey 2:3. Sutter 2:4. Sanogo 3:4. Silvio 3:5.

Ungerecht! Meint zumindest die UEFA und testet deshalb – weil da kann ja nicht viel kaputtgehen – aktuell bei der U17-Europameisterschaft der Frauen in Tschechien einen ganz neuen Modus fürs Penaltyschiessen.

Künftig könnte es nämlich so ablaufen: Nach dem ersten Schützen von Mannschaft A ist Mannschaft B ist mit grad zwei Schützen hintereinander dran. Dann folgt wieder Mannschaft A, wiederum mit zwei Versuchen. Weiter so, bis jedes Team fünfmal an der Reihe war. Eben: ABBA. Ah, und sollten beide Vereine gleich oft getroffen haben, so sind erneut je Team zwei Spieler am Zug.

Und warum die Regeländerung? Wegen Statistik. In Spanien, da gibt es einen Penalty-Forscher namens Ignacio Palacios-Huerta und der sagte neulich in einem Interview: „Das erste, was wir sagen, ist: Wenn es zu einem Elfmeterschiessen kommt, fangt an, wenn ihr könnt. Im Durchschnitt stehen die Chancen sechzig zu vierzig für die Mannschaft, die beginnt.“

Mit ABBA hätten sich die Berner Young Boys also locker für den Cupfinal qualifiziert.

Ab auf die Bank!

Herr Shearer am Donnerstag den 4. Mai 2017

Randsportalarm auf der Insel!

England isoliert sich zusehends. So gesehen ist es kein Wunder, dass der englische Fussballverband, die FA, sich auch eine neue Regel hat einfallen lassen. Sie kennen das vom Eishockey: dort gibt es  bei Regelverstössen keine gelben und roten Karten, sondern – je nach Härte des Vergehens – Zeitstrafen für den fehlbaren Spieler. Genau das wird in der nächsten Spielzeit versuchsweise auch im Insel-Fussball eingeführt. Zusätzlich zur gelben Karte wird der Unparteiische den oder die Fehlbare neu für zehn Minuten des Feldes verweisen. Über 1’000 Klubs wurden in den letzten Tagen vom Verband angefragt, ob sie bei diesem Experiment mitmachen wollen. Die Antworten fielen zumeist positiv aus, das dürfte aber auch damit zusammenhängen, dass die zehn Pfund Strafe, welche die Vereine pro gelbe Karte zahlen müssen, während der Testphase entfallen.

Sehen wir also Granit Xhaka demnächst des öftern eine Kurzpause einziehen? Mitnichten. Die Regelung gilt wie gesagt zuerst nur versuchsweise für die teilnehmenden Klubs, und dies auch nur ab und unterhalb der siebthöchsten Stufe des “National League Systems”, dem Amateurlevel also, dessen oberste Liga die National League ist. Alles klar? Nein? Gute Güte, wie oft müssen wir Ihnen das englische Ligensystem eigentlich noch erklären? Lernen Sie das jetzt endlich einmal auswendig, wenn Sie so gut sein möchten.

Grosse Gefühle

Harvest am Mittwoch den 3. Mai 2017

Fussballer sind feinfühlige Geschöpfe und Unfairness verabscheuen sie aufs Tiefste.

So auch Nikola Antic. Der serbische Verteidiger in Diensten von Vojvodina Novi Sad, der mit seinen Teamkollegen am Wochenende in Belgrad gegen Roter Stern antreten musste. In der 69. Minute wurde er vom Schiedsrichter mit der (direkten) roten Karte in die Kabine geschickt. Weshalb? Sehen Sie selbst:

Ausser Srdan Obradovic, der die Partie leitete, wusste niemand, welches Vergehen Antic begangen haben soll. Dieser wurde der ungeheuerlichen Ungerechtigkeit wegen, die er über sich ergehen lassen musste, von den Gefühlen übermannt und weinte bittere Tränen.

Der Schiedsrichter hat auch nach dem Spiel keine Stellung dazu genommen. Gerüchteweise soll er die Mutter des Unparteiischen beleidigt haben. Wie das unbemerkt aus dieser Distanz geschehen konnte, könnte wohl auch nur Obradovic erklären.

Seis wies sei, nach der roten Karte erzielte Roter Stern Belgrad noch zwei Tore und gewann das Spiel mit 2-0. Damit grüssen sie auch weiterhin von der Spitze der Tabelle, allerdings punktgleich mit den ungeliebten Partisanen.

Onside, offside

Rrr am Samstag den 22. April 2017

Rundes Leder Psychoblog: Wieviel Kassai steckt in Dir?

Der ungarische Schiedsrichter Viktor Kassai verpfiff am Dienstag das Spiel Real-Bayern (4:2 nV). Beide Mannschaften ärgerten sich über mehrere Fehlentscheide. Besonders ärgerlich: Kassai gab drei Abseits-Tore. Hätten sie nicht gezählt, hätte Real lediglich 2:1 gewonnen. Aber item.

Die Abseits-Tore hätte natürlich der Linienrichter erkennen müssen. Sagt der Zuschauer, der es sich daheim vor dem TV gemütlich gemacht hat. In der Wirklichkeit geht allerdings alles sehr schnell – die Entscheide sind oft extrem knifflig.

Glauben Sie nicht? Dann absolvieren Sie jetzt den grossen Linienrichter-Test der in Nordamerika tätigen Berufsorganisation. 25 Szenen – abseits oder nicht?

0-5 richtige Entscheide: Ich bin eine blinde Nuss.
6-11: Ich gebs zu, in den meisten Fällen habe ich einfach geraten.
12-18: Das reicht nur für Unterliga-Fussball.
19-21: Mann, bin ich gut.
22: Ich bin sogar gut wie Kassais Team. Das lag auch nur dreimal falsch.
24-25: Ich gebs zu, ich habe geschummelt.

Gewaltige Grätsche

Rrr am Freitag den 21. April 2017

Foul oder nicht Foul?

Die Ausgangslage.

Und nun die ganze Szene.

Der Kassai in uns sagt: Abseits, aber trotzdem Penalty.

(via https://www.facebook.com/fussball.transfers/)

Skandal in Luzern

Harvest am Mittwoch den 8. März 2017

Die Schiedsrichter sind in aller Munde, hauptsächlich Fehlentscheide wegen. So auch am Sonntag in Luzern.

Es liefen bereits die letzten Sekunden der Nachspielzeit im Spiel zwischen dem FC Luzern und den Grasshoppers aus Zürich. Der FCL greift ein letztes Mal an und der Schiedsrichter Sandro Schärer pfeift das grobe, gelbwürdige Einsteigen von Hekuran Kryeziu zurecht ab. Elfmeter für den FC Luzern.

Doch was dann passiert lässt jedem eingefleischten Fussballfan das Blut in den Adern gefrieren. Wir sehen uns den fälligen Strafstoss noch einmal an:

Zur Erinnerung noch einmal ein kleiner Auszug aus den FIFA-Regeln, die auch in der Schweizer Super League angewendet werden:

Joël Mall, der Torhüter der Zürcher, bewegt sich nach vorne deutlich bevor der Ball gespielt wird. Dass dieser dreiste Betrüger nach dem Spiel als Held gefeiert wird, zeigt, dass im Fussball Werte wie Fairness mit Füssen getreten werden.

Nettes Nachspiel

Rrr am Montag den 20. Februar 2017

Zeit ist relativ, weiss unsere Kolumnistin.

Gestern um viertel nach vier läutete es an der Tür. “Hildi!”, rief ich. “Schön, dass Du doch noch kommst. Ich habe mir schon Sorgen gemacht. Du wolltest doch um vier da sein!”

“Es tut mir leid”, entgegnete das Hildi. “Meine Uhr ist stehengeblieben.”

“Das macht doch nichts”, seufzte ich. “Manchmal ist man halt spät dran im Leben. Fast wie die Bayern, die in Berlin erst in der sechsten Nachspielminute zum Ausgleich trafen.”

“Und dabei waren nur fünf Minuten angezeigt!” rief das Hildi aus.

“Nun”, sagte ich. “Der Schiedsrichter darf so lange nachspielen lassen, wie es ihm gerade beliebt. Auch wenn er etwas anderes angekündigt hat.”

Das Hildi schüttelte den Kopf. “Ich habe gelesen, das sei das späteste Tor aller Zeiten gewesen.”

“In der Bundesliga”, korrigierte ich. “Ich erinnere mich an ein Spiel in der deutschen Bezirksliga, 2007 muss das gewesen sein. Dostlukspor Bottrop empfing Blau-Weiss Wesel. In der ersten Halbzeit gabs 15 Minuten obendrauf, in der zweiten 13.”

“Jesses, Margrith! Und wie hat der Schiedsrichter das begründet?”

“Mit den vielen Spielunterbrechungen. Schliesslich hätten die Zuschauer für 90 Minuten Fussball bezahlt. Dabei wird natürlich nie 90 Minuten lang gespielt. Wissenschafter haben herausgefunden, dass es durchschnittlich nur gut 60 Minuten sind. Der Rest der Zeit vergeht mit Diskutieren, Verletzungen vortäuschen, stehende Bälle vorbereiten …”

“Mein Neffe hat also doch recht gehabt”, seufzte das Hildi. “Der Büne.”

“Sicher”, entgegnete ich. “Man könnte natürlich eine Nettospielzeit einführen, wie im Eishockey. Aber …”

“… was aber?”

“Dann hätten wir ja nichts mehr zu diskutieren. Und die Bayern-Gegner auch nicht. Möchtest Du noch ein Kaffee?”

“Aber sicher, Margrith! Ein Kaffee netto, also schwarz. Wegen der Linie. Und in der Nachspielzeit dann gerne noch einer von deinen selbstgemachten Berlinern !”

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