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Archiv für die Kategorie „Rasensprenger“

Pausen-Tsunami

Lars Sohn am Freitag den 20. Juni 2014

Die Berliner Wasserbetriebe stossen an ihre Grenzen.

Ältere Leser erinnern sich: Dr. Rüdisühli hat im Runden Leder neulich das Pausenverhalten der Leserschaft erforscht. Dabei haben einzelne schwerstsüchtige Fussballfans öffentlich zugegeben, dass sie während dem Match lieber die Beine zusammendrücken, als eine entscheidende Szene zu verpassen.

Mit diesem Phänomen hat auch unser nördlicher Nachbar zu kämpfen. Messungen in der Hauptstadt haben ergeben, dass jeweils kurz nach dem Pausenpfiff eine neuerliche Flut droht. Wir wünschen den Berlinern fürs morgige Spiel gegen Ghana deshalb besten Fluss aus allen Rohren.

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Ich wage gar nicht daran zu denken, was passieren wird, wenn Herr Rrr seine Notdurft nun auch noch bei den Deuschen während den Spielpausen verrichtet.

Wo ist Volkan?

Val der Ama am Mittwoch den 12. März 2014

Einfach weg.

Volkan

Was Sie bereits wissen: Die Spitzenpartie in der türkischen Fußball-Liga zwischen Trabzonspor und Tabellenführer Fenerbahçe Istanbul ist am Montagabend beim Stand von 1:0 für die Gäste aus Istanbul abgebrochen worden, nachdem Fans Petarden, Steine, Messer und aber auch eine Türklinke auf das Feld geworfen hatten.

Was Sie wahrscheinlich noch nicht wissen: Von Volkan Demirel, dem Goalie von Fenerbahçe, fehlt seither jede Spur.

Konsequentes Durchgreifen

Rrr am Sonntag den 9. Februar 2014

Der Kanton Bern sagt Ja zum Anti-Fussballfan-Konkordat.

20140209-111552.jpgDie Stimmberechtigten haben die Vorlage deutlich angenommen, wie die Trendrechnung des Regionaljournals Bern von Radio SRF zeigt. Demnach sagten rund 80 Prozent Ja zum Konkordat, das nach den Versprechungen der Befürworter ein konsequentes Durchgreifen gegen Randalierer ermöglicht, während es nach Meinung der Gegner sämtliche Fussballfans in Sippenhaft nimmt.

In Bern darf damit schon bald Herr Nause die Spielregeln für YB-Heimspiele aufstellen. Die Bestimmungen des Konkordats sollen auf die kommende Saison hin umgesetzt werden.

Gelackmeierte Gartenfreunde

Herr Shearer am Dienstag den 28. Mai 2013

AKTUELL: YB bestätigt Transfer von FCZ-Mittelfeldspieler Milan Gajic

Ein neuer Trend erobert die Grossstädte - Urban Gardening!

Sie haben sicher auch schon davon gehört, denn derzeit kommt man einfach nicht um diesen Trend rum, der langsam auch zu uns und weiter in Richtung Süden rüberschwappt! Allerorten werden Stadtbrachen zu Gärten umfunktioniert, auf der ganzen Welt zeigen umweltbewusste Bürgerinnen und Bürger den Lebensmittelmultis und der Landwirtschaftsindustrie den Stinkefinger. Sie setzen auf selbst gezogenes Gemüse von der eigenen Dachterasse oder aus dem nächsten Verkehrskreisel.

Auch Rom wird grüner. An diesem Wochenende schliesslich sollte es soweit sein und der ganz grosse Coup folgen: Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger der "ewigen Stadt" wollten die monotone und komplett unproduktive Rasenfläche des Stadio Olimpico in fruchtbare Gartenbeete umwandeln. Dieser Schluss muss auf jeden Fall aus dem Bild unten gezogen werden. Es zeigt die zahlreichen Gartenwerkzeuge, welche die Römer Polizei den Besuchern des Cupfinals von vorgestern Abend am Eingang abgenommen hat.

Statt gegärtnert wurde anschliessend halt trotzdem wieder Fussball gespielt. Ein in Bern bestens bekannter Trainer konnte trotz allem reiche Ernte einfahren, wie Leser dieses Fachorgans ja bereits wissen.

Das Uritonnoir Urinal

Val der Ama am Donnerstag den 25. April 2013

Erleichterung in Bern. Aber anders.

Nur noch ein paar Mal schlafen, dann ist wieder Cupfinal in Bern. Und dann kommen ein paar Zürcher und sehr viele Basler. Basler in Bern? Sie erinnern sich: Fanmarsch, Saubannerzug, wildes Urinieren und dann Titelfeier. Ein Problem kann neu gelöst werden und damit Hoffnung für Berns arme Vorgartenbesitzer, weil die Festivalindustrie präsentiert die ideale Lösung gegen Harnsäure am falschen Ort: Der Uritonnoir.

Und so funktionierts: Sie suchen einen beliebigen Strohballen auf einer beliebigen Wiese. Dann entfernen Sie die weisse Plastikhülle (dort wo SVP draufsteht) und transportieren das Ding in das gerade gefährdete Quartiersträssli. Nun einfach so ein Uritonnoir reindrücken, die Fanschaft schiffen lassen und fertig. Nach Abreise der Cupsieger lässt man den Ballen einfach stehen und 6 bis 12 Monate später hat man dann prima Kompost. Hier der Beweis:

Ob die Installation auch bei Dicksodenrasen taugt, konnten wir leider nicht eruieren.

Auf den Punkt gebracht

Herr Pelocorto am Donnerstag den 16. August 2012

Wie geht es eigentlich dem Elfmeterpunkt der Fortuna Düsseldorf?

Sie erinnern sich sicher noch an das unterhaltsame Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC. Das Spiel war eigentlich noch im Gange, als ein Fortuna-Fan kurzerhand den Elfmeterpunkt behändigte (ab 0:25).

Dem Elfmeterpunkt gehe es gut, er gedeihe auf seinem Balkon, informierte der Besitzer gestern die Medien. Überhaupt habe ihm das gute Stück Glück gebracht, tags darauf sei nämlich seine Frau zum zweiten Mal schwanger geworden.

Falls es ein Mädchen wird, heisst sie sicher ‹Fortuna›, vermute ich. Und einen Jungen würde ich ‹Dick Soden› taufen.

Falkenauge

Herr Pelocorto am Samstag den 14. Juli 2012

TLT – die Torlinientechnologie kommt. Das wurde aber auch höchste Zeit!

Endlich haben sich die zwei besten Systeme durchgesetzt; Hawk-Eye und GoalRef sind von der FIFA akzeptiert worden und werden bald eingesetzt. Zu Ihrer Information kurz das Wichtigste zu den Systemen:

Hawk-Eye
Mehrere Hochgeschwindigkeitskameras filmen den Ball aus verschiedenen Perspektiven, ein Computersystem berechnet aus den Bildinformationen die Lage des Balles im Raum und sendet dem Schiedsrichter per Funk ein Signal, sobald der Ball hinter der Linie ist.
Vorteil: An Ball und Tor muss nichts gebastelt werden.
Nachteil: Wenn weniger als 25% des Balles sichtbar ist, funktioniert das System nicht. Wenn also Wölfli den Ball aus Gashis Gewaltschuss unter sich begräbt und mit dem Ball ins Tor rutscht, dann gibt es kein Tor für die Hoppers.

GoalRef
Im Torgehäuse beziehungsweise über der Torlinie wird ein Magnetfeld erzeugt und im Fussball eingearbeitete Chip oder Pads generieren ein Signal, sobald der Ball das Magnetfeld durchquert. Ein Funksignal geht dann zum Schiedsrichter.
Vorteil: Der Ball muss nicht sichtbar sein, das Magnetfeld funktioniert auch im "Fall Wölfli" von oben. Das System ist deutlich billiger.
Nachteil: Es braucht spezielle Bälle.

Aber die interessanten Fragen stelle sich erst jetzt!

Welches ist jetzt das bessere System?
Für Hawk-Eye spricht die Tennis-Erfahrung. Das System funktioniert gut und man könnte als Erweiterung gleich die Bilder der Toraufnahmen im Stadion und im Fernsehen zeigen. Dann wären alle Fragen geklärt. Vom technischen Blickwinkel her überzeugt mich GoalRef mehr, Hawk-Eye böte dafür mehr Spektakel, wenn die Bilder sofort allen Zuschauern im Stadion und zuhause gezeigt würden.

Wie kann ich das System lahmlegen zu Gunsten meines Teams positiv beeinflussen?
Vielleicht blendet jemand die Kameras? Oder man stolpert versehentlich über das Stromkabel des Hauptrechners? Plötzlich liegt ein zweiter Ball im Tor? Oder jemand funkt mit seinem Walkie-Talkie zwischen System und Schiedsrichter. Vielleicht stört ein fremder Sender das Funksignal? Oder der Störsender verbiegt ein wenig das Magnetfeld? Oder das hoffentlich verschlüsselte Signal zwischen Rechner und Empfangsgerät beim Schiedsrichter gerät durcheinander?

Es bleiben noch einige Fragen offen für die letzten Tests!

Heilige Erde

Herr Shearer am Samstag den 17. März 2012

Die Anhänger von San Lorenzo wollen ihr Stadion zurück.

Zehntausende Fans des Club Atletico San Lorenzo de Almagro haben Freitag vor einer Woche auf der Plaza del Mayo in Buenos Aires mit einer Demonstration ihr altes Stadion, den Gasómetro, zurückgefordert; wo dieses bis ans Ende der Siebzigerjahre gestanden hatte, betreibt die franzöische Warenhauskette Carrefour inzwischen einen Supermarkt. Seit 1993 trägt der Verein seine Heimspiele im Estadio Pedro Bidegain im Stadtteil Nueva Pompeya aus.

Die "Azulgrana" oder "Krähen", wie sich die Anhänger selbst nennen, fordern nun aber ihr altes Stadion am ursprünglichen Standort zurück. 1979 ordnete der damalige Bürgermeister von Buenos Aires unter dem Druck der regierenden Militärjunta unter dem Vorwand städtebaulicher Notwendidgkeit quasi die Enteignung des Grundstücks an. Der wahre Grund dürfte aber gewesen sein, dass der Diktatur die grosse Anhängerschaft gefährlich erschien. Die geplanten baulichen Massnahmen wurden schlussendlich nie durchgeführt, und in den Achtzigerjahren übernahm Carrefour auf offenbar dubiosen Wegen das Gelände. Seit 2007 fordern die Supporter der in der höchsten argentinischen Liga spielenden Mannschaft die Aufdeckung der Machenschaften, die sie um ihre Heimat gebracht hat. So soll Carrefour von Anfang an mit der Junta unter einer Decke gesteckt haben, als die damalige Klubführung unter Androhung von Repressalien zum Verkauf des Stadions zu einem sehr tiefen Preis bewegt worden sei. Zwei Phantomgesellschaften sollen den Boden anschliessend von der Regierung erworben und an Carrefour weiterverkauft haben.

Bereits vor einigen Wochen kam es zum Aufmarsch von mehreren Zehntausend "Cuervos" vor der französischen Botschaft; auf diesem Video sehen Sie nicht etwa den Fanmarsch der FC Basel-Fans durch die Berner Innenstadt, sondern die eingangs erwähnte Demonstration im Herzen Buenos Aires'.

Falls Sie nun korrekt reagieren und Carrefour boykottieren wollen, müssen Sie dafür allerdings ins Ausland fahren: die Kette hat sich 2007 aus dem Schweizer Markt zurückgezogen.

Rohrkrepierer

Herr Pelocorto am Samstag den 5. November 2011

«Unglaubliche Provokation von GC-Goalie Bürki»

So titelte eine Schweizer Zeitung am 1. November. Diese unglaubliche Provokation entpuppte sich meiner Meinung nach als unglückliche Äusserung unseres Torhüters beim Interview mit dem Jugendsender Joiz Mitte Oktober. Ein Fussballer, der erklärt, dass "Schlegle" zum Fussball gehört und der nichts gegen Pyros hat? Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Medien!

Bürki wusste wohl nicht mehr, wie ihm geschah und musste zu Kreuze kriechen. Das Interview, das auch auf der GC-Website aufgeschaltet war, wurde sofort entfernt und der GC veröffentlichte eine Entschuldigung Bürkis.

Ich fand das Ganze eine sehr ärgerliche Geschichte, die vor allem eines zeigt: Beim Thema Fussball und Gewalt haben einige Medien das Augenmass verloren. Anstelle die sicher unüberlegten Äusserungen des 20-jährigen Bürkis richtig einzuordnen, wird er medial in den Senkel gestellt und in die Liste der Beispiele eingereiht, die zeigen sollen, dass es mit dem Fussball abwärts geht. So weit die mediale Realität – mit meiner Realität hat sie wenig zu tun.

Immer mehr Leute besuchen Fussballspiele, die Anzahl der Gewalttaten in Schweizer Stadien hingegen ist leicht rückläufig, wie der Beobachter zusammen mit dem Bundesamt für Statistik ermittelt hat. Eine Gewaltwelle sieht anders aus.

Wie uns diese mediale Realität prägt, habe ich diese Woche bei Verwandten erlebt, Frau B und ich waren bei einem gut 70-jährigen Paar zu einen Nachtessen eingeladen. Ein herrlich fussballfreier Abend, bis wir unvermittelt gefragt wurden, ob wir uns denn noch an Spiele getrauen, sie wüssten ja um unser Interesse für den Fussball, aber die Gewalt im Schweizer Fussball, das sei ja ziemlich schlimm. Wir haben unsere Eindrücke geschildert und für mehr Nüchternheit und Augenmass plädiert. Mein frommer Wunsch ist es, dass die Medien beim Thema Fussball und Gewalt generell etwas unaufgeregter zur Sache gehen, etwas mehr Fakten zusammentragen und etwas weniger mediale Rauchbomben zünden.

Lichtblicke

Herr Pelocorto am Samstag den 23. Juli 2011

Im ersten Spiel der neuen Saison zeigen sich Lichtblicke für den Grasshoppers-Club Zürich.

Teuer sitzen im Letzigrund

Beim ersten Heimspielbesuch der neuen Saison leisten Frau B und ich uns aus Tradition sehr gute Plätze. So hatten wir am Mittwochabend eine wunderbare Sicht auf das Spielfeld und waren mehrheitlich angetan vom Geschehen. Mit 00 in die PauseDass man im Auftaktspiel nicht Champagnerfussball erwarten darf, ist klar. Bei GC wird da eher saurer Most geboten, aber auch der kann perlen.

Jedenfalls sahen wir spielerisch überlegene Zürcher, denen aber in der ersten Halbzeit keine gefährliche Torszene gelingen wollte, weil die Lausanner Verteidigung sehr gut organisiert war. Die Stimmung im Publikum war familiär, die ewigen Experten fachsimpelten und die Zuschauer schienen mit dem Gebotenen mehrheitlich zufrieden.

Ein kleiner erster Lichtblick war die Zuschauerzahl: Mit 5'200 Besuchern war der Aufmarsch grösser als vor einem Jahr. Fans des FC Lausanne-SportsDamals verfolgten rund 4'900 Zuschauer das Auftaktspiel gegen Xamax, das nach schwacher Leistung mit 1:1 ausging. Auch ein paar wenige Lausanner fanden am Mittwoch den Weg nach Zürich. Und sie kamen in der zweiten Halbzeit auf ihre Kosten, denn die Blauweissen liessen die Zügel schleifen und die Lausanner erspielten sich Chance um Chance; alleine Torhüter Roman Bürki machte sie alle zunichte. Es kam, wie es kommen musste. Aus drei Angriffen erzielte GC zwei Tore, Zuber und Emeghara sicherten die drei ersten Punkte in der neuen Saison. Ein grosser Lichtblick für die Fans: Wunderbar!

Die fünf neuen Spieler, die zum Einsatz kamen, gaben ein uneinheitliches Bild ab: Verteidiger Bertucci war wohl übernervös bei seinem ersten Einsatz für den Rekordmeister. Obwohl er sehr bemüht war, gelang ihm noch nicht viel; Rückkehrer Feltscher hat seine Sache engagiert und recht gemacht, ebenso Landeka im Mittelfeld; Stürmer Paiva war praktisch arbeitslos, da er in der Spitze kaum Bälle sah. Immerhin darf er sich den ersten Assist der Saison gutschreiben.

Daniel de RidderEbenfalls ein grosser Lichtblick ist Neuzugang Daniel de Ridder! Der Holländer hat im Mittelfeld einen sehr beachtlichen Einstand gezeigt; endlich einer, der Fussball spielen kann, der weiss, wo seine Kollegen stehen oder hinlaufen und auch in der Lage ist, den Ball dorthin zu spielen. De Ridder stammt aus der Ajax-Schule und konnte von Wigan Athletic übernommen werden. DDR wird in kürzester Zeit zu einem ganz wichtigen Spieler werden bei uns, davon bin ich überzeugt.

Was müssen Sie sonst noch wissen vom Grasshoppers-Club? Ah, ja, das neue Stadion.
Nein, es ist noch nicht ganz fertig ...

Da der Baubeginn frühstens in drei Jahren stattfindet, hat die Stadt Zürich das Areal für diese Zeit dem Verein Stadionbrache überlassen. Wo früher Champions League-Fussball gespielt wurde, wird jetzt einmal pro Woche Brot im Lehmofen gebacken, am Sonntag morgen findet jeweils eine Yoga Charity Session statt, es wird gegärtnert und geskatet, oder die Kinder lassen einfach Drachen steigen.

In der Zwischenzeit ist der Architekturwettbewerb für den neuen Hardturm angelaufen. Falls Sie mitmachen möchten, finden Sie beim Hochbauamt der Stadt Zürich die wichtigen Informationen. Aber Achtung, für 130 Mio. Franken wollen wir nichts weniger als das Beste:

  • Zukunftweisendes Stadion bezüglich Städtebau, Architektur, Bautechnik, Aussenraum und Nachhaltigkeit.
  • Optimale Layouts und Konzepte, die das vorgeschriebene Raumprogramm und die formulierten Anforderungen bestmöglich umsetzen.
  • Wirtschaftlich vorbildliche Projekte, die niedrige Erstellungskosten sowie einen kostengünstigen Betrieb und Unterhalt gewährleisten.
  • Ökologisch nachhaltige Projekte, die nach den Grundsätzen der 2000-Watt-Gesellschaft entwickelt werden.

Denn was für Zürich und seinen Fussball gilt, muss natürlich auch für das neue Stadion gelten:
Zürich. World Class. Swiss Made.

Nadeshiko Japan

Herr Pelocorto am Samstag den 16. Juli 2011

Herr Pelocorto lernt schon wieder: Fussball ist nicht planbar.

Ich hatte mir das anfangs Juni schön zurechtgeplant. Frau B und ich wollten live ein Spiel der Frauen-Weltmeisterschaft sehen. Bloss welches? Ein Gruppenspiel eher nicht, da das Leistungsgefälle zwischen den Teams immer noch gross ist. Also ein KO-Spiel zwischen guten Teams; am besten eines mit den deutschen Frauen, schliesslich zeigen die den besten Fussball und die Stimmung wird dann sicher grossartig.

Das Halbfinalspiel in Frankfurt passt genau in den Plan; Deutschland wird Gruppensieger in der Gruppe A, schlägt im Viertelfinal den Zweiten aus Gruppe B und trifft dann auf den Ersten der Gruppe C, der sich ebenfalls im Viertelfinal durchgesetzt hat. Deutschland gegen die USA – und wir dabei! So weit mein Plan also.

Ab Basel erreicht man Frankfurt im ICE in knapp drei Stunden und reist für 140 Franken in der ersten Klasse ganz fabelhaft. «Welche Zeitungen darf ich Ihnen bringen?», fragt die nette Zugbegleiterin kurz nach Abfahrt. Ein Paradies für einen News-Junkie wie mich! Kurz darauf bedecken FAZ und BILD den Tisch in unserem Abteil, das wir während der ganzen Reise für uns haben. «Was darf ich Ihnen aus der Bordküche bringen?»
Ah, das Leben ist schön!

Die Schönheiten Frankfurts hingegen erschliessen sich einem erst auf den zweiten Blick. Wie immer in Deutschland sind aber Bier, Wurstwaren und Brot viel besser als in der Schweiz.

Was Sie in Frankfurt keinesfalls auslassen dürfen, ist ein Besuch des MMK, des Museums für Moderne Kunst, das zur Zeit seinen 20. Geburtstag feiert. Wenn Sie mit moderner Kunst nichts anfangen können, dann wird Sie mindestens das Museumsgebäude begeistern. Das Museum steht auf einem dreieckigen Grundstück und der Gang durch die verwirrend angelegten vierzig Räume des Gebäudes ist spektakulär!

Ebenfalls gut gefallen hat es uns im Frankfurter Waldstadion, also in der Commerzbank-Arena, die für die letzten Tage marketinggerecht umbenannt wurde zum FIFA Frauen-WM-Stadion Frankfurt. Mir hat es vor allem die raffinierte Dachkonstruktion angetan, bei der die Plane über dem Spielfeld bei trockenem Wetter in das Innern des Videowürfels weggepackt wird.

Im Waldstadion also trafen am Mittwochabend entgegen meinem Plan die Schwedinnen auf die Japanerinnen. Im Publikum waren die Sympathien zu Beginn klar verteilt: Man unterstützte die Schwedinnen und hoffte, dass die Blaugelben den Sommermärchen-Spielverderber Japan nach Hause schicke. Gross deshalb der Jubel nach der schnellen Führung der Schwedinnen. Aber ab der zweiten Viertelstunde spielte nur noch Japan und zwar gut. Schöne Spielzüge, frühes Pressing, taktische Disziplin bis zum Schluss und ein ausgeglichen hohes Leistungsniveau im Team, das waren die Ecksteine des völlig verdienten japanischen Erfolgs.

Auch bei diesem Spiel stach ein Merkmal des Frauenfussballs heraus: Die besondere Rolle der Torhüterin. Entweder sind sie einfach zu klein für hohe Bälle, so wie die Japanerin Kaihori beim 0:1, oder sie begehen teilweise haarsträubende Fehler wie die Schwedin Lindahl beim 1:1 und beim 2:1.

Zum kleinen Final zwischen Schweden und Frankreich wird heute um 17:30 Uhr in Sinsheim angepfiffen; der Final zwischen den USA und Japan beginnt morgen um 20:45 Uhr im Waldstadion in Frankfurt. Danach wird wieder Ruhe einkehren. Zum Glück, denn die Diskussionen um den Frauenfussball und wie man ihn wahrnehmen muss und einordnen soll, waren teilweise ermüdend. Ich habe wenige attraktive Spiele gesehen an dieser WM. Am meisten hat mich das französische Team überzeugt; die Blauen wiesen die beste Balance zwischen Technik, Taktik und Athletik auf. Aber bis wir mit dem Frauenfussball mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie mit anderen Sportarten umgehen, werden Frau B und ich wohl noch einige Male nach Frankfurt reisen.

Fussball dieses Wochenende, live am TV
Samstag
TdF: 14. Etappe Saint-Gaudens - Plateau de Beille (HC), 12.00-17:40 Uhr, SF2, Eurosport
Frauen-WM, kleiner Final: Schweden v Frankreich, 17:30 Uhr, Eurosport, ARD, ARD HD
Super League: BSC Young Boys v FC Basel, 20:15 Uhr, SF2, HD Suisse
Copa América Viertelfinal: Kolumbien v Peru, 21:00 Uhr, Sport1 (DSF)
Sonntag
Copa América Viertelfinal: Argentinien v Uruguay, 00:15 Uhr, Sport1 (DSF)
TdF: 15. Etappe Limoux - Montpellier, 15.00-17:30 Uhr, SF2, Eurosport
Frauen-WM, Final: Japan v USA, 20:45 Uhr, Eurosport, BBC3, ARD, ARD HD
Copa América Viertelfinal: Brasilien v Paraguay, 21:00 Uhr, Sport1 (DSF)
Montag
Copa América Viertelfinal: Chile v Venezuela, 00:15 Uhr, Sport1 (DSF)

Frauenfeld

Herr Pelocorto am Samstag den 25. Juni 2011

Morgen beginnt die Frauen-Weltmeisterschaft. Das befeuert die Erregung des Publikums.

Wenn es um Frauenfussball geht, dann sind wir Männer Experten. Schliesslich geht es im Kern auch beim Frauenfussball um Fussball. Schön, dass wir den stockkonservativen Zeitgeist der 70er Jahre überwunden haben und uns heute differenziert zum Thema äussern:

«Es gibt Sportarten, die sich für Frauen nicht unbedingt eignen. Fussball ist eine davon.»

«Frau und Fussball wirkt genauso passend wie Mann und Ballett. Irgendwie unnatürlich.»

«Es ist halt einfach so, dass Frauen nicht die körperlichen Voraussetzungen mitbringen, um den Anforderungen an Dynamik und Explosivität auch nur ansatzweise zu genügen.»

Wenn es um Frauenfussball geht, tauchen immer wieder dieselben Fragen auf: Was hat der Frauenfussball eigentlich zu bieten? Und muss man da wirklich zuschauen?

Schauen wir doch etwas genauer hin, was der Frauenfussball zu bieten hat.

Vermeiden Sie den Kardinalfehler, Frauenfussball am Männerfussball zu messen. Frauenfussball ist eine eigenständige Sportart und der Vergleich mit dem Männerfussball wird ihm aus verschiedenen Gründen nicht gerecht. Der Frauenfussball hat eine viel kürzere Geschichte als der Männerfussball. Mit dem Damenfussballclub Zürich wurde im Februar 1968 der erste Club der Schweiz gegründet. Zwei Jahre später nahm die Schweizerische Damenfussball Liga ihren Betrieb auf – also rund 85 Jahre nach der Gründung des Schweizerischen Fussballverbands.

Bei den Frauen sind heute in der Schweiz 23'000 Spielerinnen registriert; bei den Männern sind es 275'000 Spieler. Sie sehen: Frauenfussball ist eine sehr junge Sportart mit einem noch kleinen Reservoir an Talenten. Vermutlich wegen der jungen Geschichte des Frauenfussballs ist das internationale Leistungsgefälle relativ gross. Das hat einen schönen Vorteil für das Publikum: Es fallen deutlich mehr Tore.

Frauen bringen andere körperliche Voraussetzungen mit als Männer; sie sind im Schnitt kleiner und weniger kräftig; Sprints und Scharfschüsse mögen deshalb weniger spektakulär wirken als bei den Männern. Die ZEIT hat dazu eine schöne Informationsgrafik zusammengestellt. Technisch und taktisch sind die besten Nationalteams auf Ballhöhe, schliesslich bewegt sich auch der Trainingsaufwand auf Spitzenniveau.

Deutsches Nationalteam

Muss man wirklich zuschauen?

Nein, das müssen Sie natürlich nicht. Ich empfehle Ihnen allerdings, einige Spiele zu verfolgen, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Brasilien, Schweden, die USA und vor allem mein Favorit und Leader bei den Buchmachern Deutschland zeigen hochstehenden Fussball.

Sie können alle Spiele auf ARD, ARD HD, ZDF und ZDF HD verfolgen. Los geht es morgen um 15:00 Uhr mit dem Spiel Nigeria v Frankreich.

PS: Falls Sie sich vertieft mit dem Thema auseinandersetzen wollen, dann stöbern Sie doch ein wenig in Frauenfussball in der Schweiz (Matura-Arbeit von Seraina Dubs aus Samstagern; pdf, 30 Seiten, 2 MB).

À bout de souffle

Herr Pelocorto am Samstag den 18. Juni 2011

In der fussballlosen Zeit sollen wir stecken? Ich spüre nichts davon, ich bin ziemlich ausser Atem.

Bébel

Ich muss immer ein wenig erstaunt schmunzeln, wenn sich meine Kollegen über die fussballlose Zeit beklagen. Dabei läuft die U21-Europameisterschaft und die Medien überschlagen sich wegen dem Schweizer Nachwuchs: Ein sicherer Finalteilnehmer! Mindestens!

Nun, die ersten zwei Partien haben mir gut gefallen, aber so überlegen, wie es im Blätterwald rauschte, waren die beiden Auftritte noch nicht. Gegen Dänemark konnten die drei Punkte nur mit sehr viel Glück und einem exzellenten Goalie Sommer gesichert werden. Im zweiten Spiel gegen Island folgte auf die tolle erste Halbzeit eine eher durchzogene zweite Hälfte, aber der zweite Sieg ging in Ordnung.

Ich gehe davon aus, dass die Schweizer den ersten Platz in der Gruppe A behalten; im Halbfinal wird man voraussichtlich auf Tschechien oder England treffen – ich bin gespannt, wie sich der Nachwuchs gegen eine gut organisierte Mannschaft schlägt. Das Finalspiel in Århus findet am Samstag 25. Juni statt; hoffentlich mit Schweizer Beteiligung.

Am Tag darauf findet in Berlin das Eröffungsspiel zur Frauen-Weltmeisterschaft statt. Wie die Männerwelt mit diesem Turnier umgeht, darüber werde ich vermutlich nächste Woche schreiben; ich jedenfalls freue mich schon jetzt auf den 13. Juli, dann werde ich nämlich in Frankfurt den einen Halbfinal von der Tribüne aus mitverfolgen.

Der nächste Höhepunkt im rastlosen Fussballprogramm folgt am 1. Juli: Das Eröffungsspiel zur Copa América 2011 zwischen Gastgeber Argentinien und Bolivien. Am 24. Juli ist klar, wer der neue Südamerika-Meister sein wird. Insgesamt zwölf Mannschaften nehmen teil am wichtigsten Sportanlass Südamerikas:

Gruppe A Gruppe B Gruppe C
Argentinien Brasilien Chile
Bolivien Paraguay Mexiko
Kolumbien Venezuela Peru
Costa Rica Ecuador Uruguay


Ich hoffe natürlich sehr, dass die Argentinier im eigenen Land den Titel holen. Und mit Sergio Batista verfügen die ‹Albiceleste› über einen Trainer, der weiss, wie man Turniere gewinnt; schliesslich hat er 2008 mit Argentinien olympisches Gold gewonnen. Dass die argentinische Nationalmannschaft gleich im ersten Spiel unter seiner Leitung Brasilien mit 1:0 schlagen konnte, das werte ich als ein weiteres gutes Zeichen!

Das Beste an der Copa América 2011 verrate ich Ihnen jetzt: Sie können bei SPORT 1 viele Spiele live am Fernsehen mitverfolgen.

PS: Jean-Paul Belmondo war in frühen Jahren eine ziemliche Sportskanone. Vor allem Boxen und Fussball hatten es ihm angetan (Bild 1, Bild 2, Bild 3, Bild 4). Jean-Luc Godards À bout de souffle brachte 1960 Bébels Durchbruch in der Filmwelt.

Unser wendigster Stürmer

Herr Pelocorto am Samstag den 11. Juni 2011

Was für ein unglaublicher Auftritt. Joseph S. Blatter hat es allen gezeigt. Wieder einmal.

Der weltweit bekannteste Walliser war wieder schlauer als alle anderen. Herausforderer Bin Hammam? Mehr oder weniger in flagranti erwischt beim Stimmenkauf und aus dem Rennen genommen. Jack Warner? Seine Nebelpetarde hatte wohl eine nasse Zündschnur. Die konkreten Vorwürfe an den alten und neuen FIFA-Präsidenten? Die lösen sich auf wie der Halbzeitrauch im Stadion.

So strahlen Sieger!

Ich war überrascht, wie deutlich Joseph S. Blatter am Kongress gewählt wurde. 186 Länder haben für Blatter gestimmt, nur 17 Länder gegen ihn, die gleichen 17 Länder vermutlich, die den Antrag der englischen Football Association unterstützten, die Wahl des Präsidenten zu verschieben.

Aber eigentlich ist es klar, dass so viele Mitglieder der FIFA Blatter wählen, denn der Fussball-Weltverband hat ein denkbar einfaches und erfolgreiches Geschäftsmodell. Er führt Fussballweltmeisterschaften durch und nimmt durch den Verkauf der Fernseh- und Marketingrechte in vier Jahren rund 4.2 Milliarden USD ein; 3.6 Milliarden USD gehen zurück an den Fussball. Jeder Kontinentalverband erhält etwa jedes Jahr 5 Millionen USD, jeder Nationalverband 500‘000 USD. Wer beisst schon die Hand, die ihn füttert?

Allerdings wächst der Druck. Mindestens in Europa, habe ich den Eindruck, hat man langsam genug gehört von «Respect», «Fairplay» und «das regeln wir in der Familie». Das Exekutivkomitee versuchte zwar noch, die Engländer nach ihrem zurückhaltend kritischen Auftritt am Kongress als ewige Querulanten und Nörgler hinzustellen, kämpft aber letztlich einen verlorenen Kampf. Von den 24 Mitgliedern des Exekutivkomitees lastet etwa auf der Hälfte der Verdacht der Bestechlichkeit – das sind nicht gerade die besten Voraussetzungen, um das FIFA-Schiff «jetzt in klares, ruhiges Wasser zu führen» wie uns Kapitän Blatter nach seiner Wahl erklärte.

Ob das mit der neu geschaffenen FIFA-Lösungs-Kommission besser gelingt, bezweifle ich allerdings. Wie Henry Kissinger, Johan Cruyff, Placido Domingo und alle anderen Berühmtheiten als alte Feigenblätter die Glaubwürdigkeit der FIFA wiederherstellen sollen, das kann ich mir nicht recht vorstellen.

Wer kann Druck auf die FIFA ausüben, damit sich wirklich spürbar etwas verändert? Ich sehe zwei Gruppen; einerseits die grossen Sponsoren, die sechs FIFA-Partner Adidas, Coca-Cola, Emirates, Hyundai-Kia Motors, Sony und VISA und auf der anderen Seite die fussballsportlich wichtigen Nationalverbände. Beide Gruppen haben sich schon bemerkbar gemacht. Einige Sponsoren haben ihrer Sorge um das Image der FIFA Ausdruck verliehen und vorsichtig Bedenken angemeldet.

England hält den Druck aufrecht; in Deutschland wächst der Druck auf Theo Zwanziger, das neue Mitglied des Exekutivkomitees, in der FIFA klarer Position zu beziehen für mehr Transparenz; der brasilianische Ex-Fussballer Romário und neue Parlamentsabgeordnete möchte, dass das Exekutivkomitee-Mitglied Ricardo Teixeira zu den Korruptionsvorwürfen Stellung nimmt. Das sind alles Zeichen, die Hoffnung machen.

Und weil Sie bis hier alles gelesen haben, dürfen Sie noch einige Bilder anschauen.

Michels Schuldenberatung

Herr Pelocorto am Samstag den 28. Mai 2011

Heute lernen Sie eine neue wichtige Abkürzung im Fussball kennen: FFP.

FFP steht für Finanzielles Fair Play oder die Anstrengungen der UEFA, der überbordenden Schuldenwirtschaft im europäischen Clubfussball Herr zu werden. Dazu hat die UEFA unter Michel Platini ein Reglement ausgearbeitet, das die Zulassung der Klubs zu den UEFA-Klubwettbewerben regelt. Das UEFA-Reglement zur Klublizenzierung und zum finanziellen Fairplay (Ausgabe 2010, pdf, 4 MB) umfasst knapp 100 Seiten und liest sich nicht gerade süffig.

Wer europäisch spielen will, muss viele Lizenzkriterien erfüllen. Der Klub muss sportlichen Kriterien genügen, indem er etwa ein Juniorenförderprogramm betreibt oder Antirassimus-Massnahmen durchsetzt. Er muss infrastrukturellen Ansprüchen genügen, will heissen, er braucht ein anständiges Stadion; er muss aber auch personelle und administrative Bedingungen einhalten und etwa ein Klubsekretatriat, einen Arzt oder einen Fan-Beauftragten vorweisen können. Und er muss sich natürlich auch rechtlich korrekt verhalten. Auch die finanziellen Kriterien sind geregelt; der Klub muss seine Struktur vollständig offenlegen, Jahres- und Zwischenabschlüsse erstellen, nachweisen, dass er alle Transfers, Abgaben und Steuern wirklich bezahlt hat, und er muss noch einen Ausblick geben, falls er finanziell auf dem Zahnfleisch läuft.

football_money_boxSo weit, so harmlos. Wirklich interessant wird es im Teil III des Reglements. Dort ist nämlich das UEFA-Klub-Monitoring geregelt. Jeder Klub, der sich für die Champions League oder die Europa League qualifiziert, muss in Zukunft nachweisen, dass er in den vergangenen drei Jahren anständig gewirtschaftet hat.

Die Ausgaben der letzten drei Jahre dürfen höchstens 5 Mio. € grösser sein als die Einnahmen. Die UEFA will diese «break-even»-Bedingung erstmals in der Saison 2013/2014 prüfen, deshalb werden die Saisons 2011/2012 und 2012/2013 bereits unter die Lupe genommen. Mit anderen Worten: Am 1. Juni 2011 beginnt eine neue Zeitrechnung in der Finanzwelt des Fussballs.

Damit diese Vorschriften den überschuldeten Klubs nicht gleich das Genick brechen, dürfen sie in den ersten Jahren höhere Schulden durch einen Geldgeber – sprich durch den Onkel aus Amerika oder den Scheich aus den Emiraten – ausgleichen lassen. 2011/2012 und 2012/2013 dürfen die Schulden aber höchstens 45 Mio. € erreichen, in den anschliessenden drei Saisons noch 30 Mio. €. In der Medizin spricht man bei diesem Vorgang von Ausschleichen; dem langsamen Entwöhnen von einem Medikament.

Wenn diese «break-even»-Bedingung nicht eingehalten wird, dann gibt es keine Lizenz, und ohne Lizenz gibt es für den Klub keinen europäischen Fussball. So einfach ist das. Auf dem Papier wenigstens. Allerdings weisen einige Stimmen auf die ‹kreativen› Finanzexperten der Klubs hin, die jetzt schon nach Schlupflöchern im Reglement suchen; andere zweifeln, ob die UEFA wirklich zu harten Sanktionen bereit ist.

Good bye, Premier League Clubs, kann ich da nur sagen. In der Saison 2009/2010 verzeichneten die 20 Clubs zwar einen Rekordumsatz von £2.1 Mia., hauptsächlich mit den TV-Rechten und den Ticketeinnahmen. Dennoch machten 16 von 20 Premier League Clubs Schulden und das nicht zu knapp: Die roten Zahlen erreichten mit £484 Mio. ebenfalls Rekordhöhe. Bildlich sieht das so aus:

net-debt-2010

Quelle: Many Eyes – Net debt by Premier League club, £m

Eine halbe Milliarde Pfund Schulden in einer Saison. Unfassbar! In jedem anständigen Unternehmen, das solche Zahlen produziert, würde man den Chef, nein, die ganze Geschäftsleitung zum Teufel jagen. Im Fussball verjagt man lieber Trainer.

Fussball ist eine absurde Welt.