Archiv für die Kategorie „Kunst und Kultur“

Düsseldorf

Herr Pelocorto am Samstag den 18. Oktober 2014

Im letzten Teil der Kunst-Matinée lungern wir in Nordrhein-Westfalen herum.

Der Maler Konrad Lueg (* 1939; † 1996) stammt aus Düsseldorf und war ein Zeitgenosse Polkes. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit führte er in den 60er-Jahren Düsseldorf eine Galerie, die schnell grosse Bedeutung für die amerikanische und deutsche Avantgarde gewann. Lueg wurde berühmt mit Sportmotiven, nicht nur Fussball, auch Boxsport etwa. Später kamen die Pattern Paintings, die sogenannten Tapetenmusterbilder dazu.

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Konrad Lueg; Fussballspieler; Tempera auf Leinwand; 135 x 170 cm; 1963

An diesem Tisch werden zwischendurch Fussballspiele entschieden ...

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Konrad Lueg; Mann am Tisch; Kasein auf Leinwand; 43 x 71 cm; 1965

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Konrad Lueg, Sigmar Polke, Blinky Palermo und Gerhard Richter vor der Galerie Heiner Friedrich; Köln; 1967

Paraden

Herr Pelocorto am Samstag den 18. Oktober 2014

Im zweiten Teil der Kunst-Matinée segeln Goalies und Bälle durch das Tor.

Der aus Polen stammende Maler Jerzy Marek (* 1948; † 2014) lebte in England. Der Bauingenieur hat sich das künstlerische Handwerk mehr oder weniger selber beigebracht. Sportmotive spielten eine grosse Rolle in seinem Werk.

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Jerzy Marek; It's a Great Save; vermutlich Acryl auf Leinwand

Sigmar Polke (* 1941; † 2010) ist eines der Schwergewichte der modernen deutschen Kunst. Polke hat in seinen Werken immer wieder witzige oder ironische Elemente aufgenommen. Etwa hier:

Sigmar Polke;

Sigmar Polke; Der Fussballspieler; Wasserfarbe und Tinte; 99 x 70 cm; 1983

Polke war ursprünglich gelernter Glasmaler. Wenn Sie das nächste Mal in Zürich sind, besuchen Sie doch das Grossmünster, dort hat Polke zwischen 2006 und 2009 zwölf Glasfenster gestaltet.

Scouting

Herr Pelocorto am Samstag den 18. Oktober 2014

Herzlich willkommen zur 110. Kunst-Matinée. Sie werden entdeckt!

Also sie, nicht Sie natürlich. Schliesslich geht es um die Spieler in der Grafik, nicht um unsere Leser; wobei, wer weiss, ob nicht Sie auch entdeckt werden wollen? Aber ich schweife ab. Sie sehen ein Werk eines alten Bekannten, der schon 2011 einmal unsere kleine Matinée beehrte.

Willie Rodger; Talent Spotting; Druck mit roter und schwarzer Tinte;1995

Willie Rodger; Talent Spotting; Druck mit roter und schwarzer Tinte; 41 x 33 cm; 1995

Ah, da hätte ich noch ein Werk desselben Künstlers:

Willie Rodger; Off;

Willie Rodger; Off!; Linolschnitt; 15 x 13 cm; 1996

«Der Traumkicker»

Herr Pelocorto am Samstag den 11. Oktober 2014

Im letzten Teil der Kunst-Matinée geht es um die Fussballmannschaft des chilenischen Ortes Coya Sur, wo die Schliessung der Mine bevorsteht, und der Ort aufgegeben werden soll. Ein allerletztes Spiel gegen den Nachbarort María Elena steht noch aus. Gelingt es, den übermächtigen Gegner endlich einmal zu schlagen? Die Zeichen stehen schlecht – da taucht er auf und gibt eine Kostprobe seines Könnens.

Hernán Rivera Letelier

Hernán Rivera Letelier

 Der Mann war ein Virtuose am Ball.
 Er führte ihn gekonnt mit beiden Füssen, mit dem Kopf, den Schultern, der Brust, den Knien; in feinster Technikermanier nahm er ihn mit der Hacke, dem Spann, dem Aussenrist; er kickte ihn auf den Kopf, hielt ihn ruhig auf der Stirn, ging mit ihm in die Hocke, rollte ihn sich über den Nacken, warf sich bäuchlings auf den Boden; durch ein raupenhaftes Aufbäumen liess er ihn den Rücken hinabrollen, hievte ihn mit einem kurzen Bocken zurück in seinen Nacken, kam dann wieder hoch und balancierte ihn dabei auf der Stirn wie eine schlafende Taube. »Wie ein runder nekrotischer Leistenbruch!«, sollte Cachimoco Farfán später kommentieren, der während seines Medizinstudiums plemplem geworden war und seine Sportreportagen daher mit medizinischen Fachausdrücken anreicherte. Und diesen gesamten erstaunlichen Zauber vollführte der Mann mit bühnenreifer Grazie und Nonchalance, ohne dass der Ball ein einziges Mal zu Boden gefallen oder sich auch nur einen Zoll aus der Umlaufbahn seines Körpers bewegt hätte. »Als hätte dieses Papillomgesicht ihn mit einem Schnürchen angebunden, liebe Hörer an den Radiogeräten, als wäre der Ball lebendig, verehrte Patienten, ein dressierter, trainierter, ein hypnotisierter Ball!«
 Sein Gesicht war schweissnass (wie wir nun begriffen, sollte das Araukaner-Stirnband verhindern, dass ihm das Wasser in die Augen rann), und der Mann schnaufte nach beendeter Nummer wie ein abgekämpfter Stier, klemmte sich den Ball unter den Arm, verneigte sich ölig erst in eine, dann mit grosser Theatralik in alle vier Himmelsrichtungen. Die Frau, die ihn die ganze Zeit mit abwesendem Blick angeschaut und dabei Kaugummiblasen produziert hatte, die ebenso traumverloren wirkten wie sie selbst, erhob sich und tupfte ihm das Gesicht mit dem Seidentuch ab, das sie um den Hals trug.
 Wir nutzten diesen Moment, traten heran, sahen uns die Fotos auf dem Pappkarton an und lasen begierig, was in den Zeitungsartikeln stand.
 Viel stand eigentlich nicht drin. Der Tenor war fast immer derselbe. Der Mann, den sie »Traumkicker am Ball« nannten, hiess Expedito González; er stammte aus der Stadt Temuco, war als Gast in ein paar Fernsehsendungen aufgetreten und jetzt auf Tournee durch den Norden des Landes, wo er »die Menschen mit seinen ausserordentlichen Fähigkeiten in Entzücken versetzt«. Einige schon angegilbte Artikel stammten aus Zeitungen der Hauptstadt und andere aus den Städten und Dörfern, durch die er gekommen war. Von dem halben Dutzend Fotos fesselten zwei unsere Aufmerksamkeit besonders und überzeugten uns davon, dass der Sportskamerad, den wir da vor uns hatten, ein Profi sein musste. Auf einem sah man ihn auf der Aschenbahn im ausverkauften Nationalstadion in Santiago den Ball mit dem Kopf nehmen, das andere zeigte ihn hockend zwischen Chamaco Valdés und Carlitos Caszely. Nationalspieler immerhin.
 Und es war Pata Pata, der hinkende Vertreter der Arbeitergewerkschaft, der schliesslich aussprach, was wir 15 alle dachten: dass uns dieser Grindkopf (so nannte er jeden) durch den Kamin in den Schoss gerauscht war, wir mit ihm als Mittelstürmer den Staubfressern am nächsten Sonntag den Arsch aufreissen könnten.
 Don Celestino Rojas wiederum, frömmelnder und ewiger Präsident unserer Fussballvereinigung, war in andächtiger Verzückung erstarrt und murmelte, ja betete fast, der Traumkicker mit dem weissen Ball sei im Wortsinn unser Retter, so etwas wie ein Gesandter Gottes oder, wie er sich ausdrückte:
 »Der Mann ist der Messias.«

Auszug aus dem Roman ‹Der Traumkicker› von Hernán Rivera Letelier, erschienen im Insel Verlag 2011; ISBN: 978-3-458-17533-9.

«Schiedsrichter Fertig»

Herr Pelocorto am Samstag den 11. Oktober 2014

Herzlich willkommen zum zweiten Teil der Kunst-Matinée, wo sich Thomas Brussig ins Feuer schreibt und redet.

Wie ist es, von achtzigtausend Menschen ausgepfiffen zu werden? Wie ist es, für neunzig Minuten nur von Lügnern, Tricksern und Betrügern umgeben zu sein, die, je nach Situation, eine Leidens- oder Unschuldsmiene aufsetzen? Hören wir doch ein wenig Thomas Brussig zu, wie er aus seinem Buch ‹Schiedsrichter Fertig› liest:


Auszug aus ‹Schiedsrichter Fertig›, Eine Litanei; Thomas Brussig, Residenz-Verlag 2007;
ISBN: 9783701714810


«Falsches Spiel»

Herr Pelocorto am Samstag den 11. Oktober 2014

Herzlich willkommen zur 109. Kunst-Matinée, die textlastig ausfällt. Wir beginnen mit Trikotwart Silvio bei einem italienischen Zweitligisten, in dessen Reihen sein Sohn Roberto spielt und der eine entscheidende Rolle in einem Wettbetrug um den Aufstieg einnimmt.

Giorgio Faletti

Giorgio Faletti

 «Drei zu eins haben wir gewonnen. Die gegnerische Mannschaft kam nicht mehr zum Zug und blieb praktisch in der eigenen Spielhälfte gefangen, abgesehen von gelegentlichen Konterversuchen, die aber von unserer Verteidigung gnadenlos abgewehrt wurden. Das Raubein schoss das Ausgleichstor, und Zinetti, mein Mann, traf gleich zweimal, was man heute Abend in allen Nachrichten und Sportsendungen sehen und morgen in sämtlichen Zeitungen lesen wird.

 In der Kabine, wohin sich die Spieler eiligst geflüchtet hatten, um nicht von den ekstatischen Fans in Stücke gerissen zu werden, war die Hölle los. Roberto wurde im Triumph hereingetragen und von Schulter zu Schulter weitergereicht, als wäre es die Bahre eines von den Toten Auferstandenen. Nachdem sie ihn wieder zu Boden gelassen und ihn umarmt und seine Hand geschüttelt und ihm auf die Schulter geklopft hatten, hielt er Ausschau nach mir.
 Ich stand am anderen Ende des Flurs vor dem Zimmer, in dem Di Risio in meinen Armen seinen Geist ausgehaucht hatte.»

Auszug aus dem Roman ‹Falsches Spiel› von Giorgio Faletti, erschienen im Goldmann Verlag 2013; ISBN: 978-3-442-47999-3.

Gewalt (III)

Herr Pelocorto am Samstag den 4. Oktober 2014

Im letzten Teil der heutigen Kunst-Matinée sterben sie alle.

Der amerikanische Künstler Jonathan Twingley hat dieses Jahr eine faszinierende Serie mit Fussballern geschaffen, die sich nicht mit dem Spiel an sich beschäftigen.

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Jonathan Twingley; Soccer Players in Agony; 2014

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Jonathan Twingley; Soccer Players in Agony; 2014

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Jonathan Twingley; Soccer Players in Agony; 2014

Gewalt (II)

Herr Pelocorto am Samstag den 4. Oktober 2014

Herzlich willkommen zum zweiten Teil der Kunst-Matinée. Es bleibt schmerzhaft.

Der brasilianische Journalist und Fotograf Gabriel Uchida portraitiert seit 2009 die brasilianische Hooligan-Szene. Er sagt über die Hooligans:

Die Wahrheit ist, dass sie normale Leben führen. Sie arbeiten. Sie studieren. Sie haben Familie. Sie sind Ingenieure, Chauffeure, Anwälte, Geschäftsleute. Der Punkt ist, dass sie alle süchtig nach einem spezifischen Adrenalin-Kick sind, den sie nur in den Fussball-Ausschreitungen finden. Darum geht es. Hooliganismus ist die wirklich gewordene Version des Films Fight Club. Und wie im Film wollen die Hooligans nur gegen solche Leute kämpfen, die das auch wollen.

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Gabriel Uchida; Torcidas

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Gabriel Uchida; Torcidas

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Gabriel Uchida; Torcidas

Gewalt

Herr Pelocorto am Samstag den 4. Oktober 2014

Zu Beginn der 108. Kunst-Matinée stecken Sie eine ordentliche Tracht Prügel ein. Herzlich willkommen!

Verwandeln Sie sich auch im Lauf der Woche zu einem Monster, so wie im Animationsfilm des Genfer Künstlers Ridlet?


Ridlet; Hooligans Why?, Kurzfilm 01:17; 2010

Claudatio

Herr Noz am Mittwoch den 1. Oktober 2014

RL-RezensionenHallo und herzlich willkommen beim beliebten Rundes-Leder-Rezensionsdienst.

Ich musste kurz weg. Aber nun bringe ich frohe Kunde(n): Soeben ist nämlich ein Buch von Pascal Claude erschienen.

VIELE_GRUESSE_AUS_DEM_STADION_coverHerr Claude dürfte älteren Leserinnen und Lesern u.a. noch von diesem kurzweiligen Artikel her bekannt sein. Alles, was damals dort behauptet wurde, gilt im Prinzip noch immer, deshalb können wir es kurz machen: Kaufen Sie auch dieses neue brillante Druckerzeugnis aus dem Hause WOZ. Hier schreibt einer, der es ernst und gut meint mit den vom Fussball Besessenen und den Vereinsfarben Ausgelieferten – also mit uns.

Wenn Sie «Bärtschi & Burren» gern hatten (also vor allem Bärtschi), wenn Sie also magistrale Miszellen, ausgezeichnete Analysen und geistreiche Gedanken voll luzider Lakonie mögen, dann werden Sie das neue Buch von Pascal Claude lieben. (Einen kurzen Vorgeschmack erhalten Sie hier.)

Vernissage mit Lesung von Pascal Claude heute Mittwoch, 1. Oktober, 19:30 Uhr (Türöffnung 18:30), im Helsinki, Geroldstrasse 35, Zürich.


Pascal Claude: Viele Grüsse aus dem Stadion. Neues aus den Randgebieten des Fussballs. Verlag WOZ, Zürich 2014. 118 Seiten. CHF 25.–

Junioren und Senioren

Herr Pelocorto am Samstag den 27. September 2014

Wie lange dauert ein Fussballleben? Lange! Herzlich willkommen zum letzten Teil der Kunst-Matinée.

Mit Fussball beginnen kann man früh. In Tiro Libre zeigt uns Leonardo Funes fünf Knaben beim Freistoss. Funes hat mit seinem Beitrag einen Wettbewerb der Video-Plattform VIMEO gewonnen, bei dem das Video genau eine Minute lang sein musste, aus einer Einstellung bestehen musste und die Ton- und Videospur nicht nachbearbeitet werden durfte.

Dickie Borthwick (79) ist nach einer Krebsbehandlung zurück auf dem Platz. Ales Knowles portraitiert den ältesten Fussballer Englands, der von sich sagt:

I really love the game

Arte poética

Herr Pelocorto am Samstag den 27. September 2014

In zweiten Teil der Kunst-Matinée hat Jorge Luis Borges das Wort.

Der Argentinier Jorge Luis Borges gilt als einer der wichtigsten südamerikanischen Schriftsteller. Mit Fussball hatte der phantastische Geschichtenerzähler allerdings nichts am Hut.

Fussball ist beliebt, weil Dummheit beliebt ist ... Fussball ist eines der grössten Verbrechen, das uns England beschert hat ... Die Idee, dass es einen gibt, der gewinnen muss und einen, der verliert, gefällt mir nicht. Diese Vorstellung von Überlegenheit der Macht finde ich fürchterlich.

Diese Ansichten waren wohl Neels Castillon nicht klar, als er Borges' Gedicht Arte poética filmisch umsetzte. Da taucht der Fussball durchaus auf. Hören Sie Jorge Luis Borges Stimme zu:

Mirar el río hecho de tiempo y agua
y recordar que el tiempo es otro río,
saber que nos perdemos como el río
y que los rostros pasan como el agua.

Sentir que la vigilia es otro sueño
que sueña no soñar y que la muerte
que teme nuestra carne es esa muerte
de cada noche, que se llama sueño.

Ver en el día o en el año un símbolo
de los días del hombre y de sus años,
convertir el ultraje de los años
en una música, un rumor y un símbolo,

ver en la muerte el sueño, en el ocaso
un triste oro, tal es la poesía
que es inmortal y pobre. La poesía
vuelve como la aurora y el ocaso.

A veces en las tardes una cara
nos mira desde el fondo de un espejo;
el arte debe ser como ese espejo
que nos revela nuestra propia cara.

Cuentan que Ulises, harto de prodigios,
lloró de amor al divisar su Itaca
verde y humilde. El arte es esa Itaca
de verde eternidad, no de prodigios.

También es como el río interminable
que pasa y queda y es cristal de un mismo
Heráclito inconstante, que es el mismo
y es otro, como el río interminable.

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