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Archiv für die Kategorie „Kunst und Kultur“

El Fenómeno

Herr Pelocorto am Samstag den 19. Juli 2014

Von welchem WM-Stürmer wird man noch lange sprechen?

Isabel Gibson und Helen Chesney haben dazu eine klare Meinung. Ihre Agentur ISABEL&HELEN, also sie selber, haben eine kinetische Skulptur geschaffen mit den fünfzehn schönsten Toren Ronaldo Luís Nazário de Limas. Sehen tut man nicht viel, aber zu allen Toren hört man die englischen Originalkommentare.

Im Innern der Ausstellung

Im Innern der Ausstellung

Betreff: Abwesenheitsnotiz

Herr Pelocorto am Samstag den 19. Juli 2014
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Banksy; 23. Oktober 2013

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Damien Hirst; Let's eat outdoors today; Installation; 1990-1991 (Klicken für Gesamtansicht)

Ein zackiger Auftritt

Herr Pelocorto am Samstag den 12. Juli 2014

Im letzten Beitrag der Kunst-Matinée gehen wir unter die Philatelisten.

Die portugiesische Design-Agentur MAAN hat zur Weltmeisterschaft ein Briefmarkenset mit jedem Land und jedem Spiel inklusive Stempel und Verpackung gestaltet, das mir sehr gut gefällt.

MAAN

MAAN; Viererblock Gruppe C; 2014

MAAN

MAAN; Zweierblock Spanien-Holland; 2014

MAAN

MAAN; komplettes Set; 2014

Fairerweise weisen wir darauf hin, dass auch die FIFA ein wahnsinnig schönes Briefmarkenset produziert hat:

Für mehr schöne FIFA-Marken klicken Sie auf die Marke

Haute couture

Herr Pelocorto am Samstag den 12. Juli 2014

Im zweiten Beitrag der Kunst-Matinée geht es um die Trikots der Modeschöpfer.

Wie sähen die Trikots der Nationalmannschaften aus, wenn sie jeweils von einem Modeschöpfer des Landes gestaltet würden? Also, Deutschland läuft auf in Jil Sander, Argentinien in Marcelo Burlon und England in Alexander McQueen. Nur schade, dass die Modeschöpfer davon nichts wissen. Der kanadische Künstler Dead Dilly hat sich einen Spass gemacht und die Trikots im Stil landestypischer Designer gestaltet.

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Dead Dilly; Jil Sander – Germany; Trikot; 2014

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Dead Dilly; Marcelo Burlon – Argentina; Trikot; 2014

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Dead Dilly; Alexander McQueen – England; Trikot; 2014

Stadien, reduziert

Herr Pelocorto am Samstag den 12. Juli 2014

Herzlich willkommen zur 96. Kunst-Matinée, die ziemlich grafiklastig ausfällt.

Noch zwei Spiele stehen aus, das ungeliebte Spiel um den dritten Platz in Brasilia und das von der ganzen Welt erwartete Spiel um den Pokal in Rio. Der portugiesische Architekt und Illustrator Andre Chiote hat fünf der neuen beziehungsweise renovierten Stadien auf ihre wesentlichsten Stilelemente reduziert, darunter die beiden, die dieses Wochenende im Zentrum des Geschehens stehen.

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Andre Chiote; Estádio Nacional Mané Garrincha (in Brasilia); Grafik; 2014

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Andre Chiote; Estádio Maracanã (in Rio de Janeiro); Grafik; 2014

Ah, noch dies:
Falls Sie die verbleibenden Spiele nicht verpassen wollen, dann empfehle ich Ihnen den schönen Online-Kalender brazilfourteen der Design-Agentur Karoshi.

Sonntags zum Cup

Herr Pelocorto am Samstag den 5. Juli 2014

Herzlich willkommen zum letzten Teil der Kunst-Matinée mit literarischem Zuschnitt. Es geht in die Maladière.

    «Der Kondukteur im Zug nach Neuenburg ist Welscher, also undeutsch. Aber zackig ist er und recht humorlos. Vermutlich von zu vielen Deutschen verdorben, würde Peter Rothenbühler sagen. Als der Zug in Solothurn hält, frage ich mich, ob das nun Rothenbühlers urbanes Mittelland oder nicht doch voralpines Kleinstadtmilieu ist. Das zu entscheiden, liegt Gott sei Dank nicht an mir, obwohl ich mit eindeutig voralpin kleinstädtischen Wurzeln urteilsbefugt wäre. Es bleibt mir auch keine Zeit, lange darüber nachzudenken, besteigen in Solothurn doch vier junge Männer mit einem für einen Sonntagnachmittag beachtlichen Durst den Zug. Stehend und in schwarzgelbe Schals gehüllt entsorgen sie bis Neuenburg eine Vielzahl farbiger Getränke, über deren Geschmack ich nichts weiss, deren Wirkung aber als belebend einzustufen ist. Mit wehenden Fahnen steigen die vier am Zielort aus. Auch mich kippt der Neigezug aufs Perron. Peter Rothenbühler, dick eingepackt in die Sonntagszeitung, fährt weiter.»

Auszug aus der Kurzgeschichte 'Sonntags zum Cup' enthalten in 'Knapp daneben' von Pascal Claude, erschienen 2009 im Verlag WOZ Die Wochenzeitung, ISBN 978-3-906236-09-04.

Die Pflicht, zu verlieren

Herr Pelocorto am Samstag den 5. Juli 2014

Guten Morgen und herzlich willkommen zum zweiten Teil der Kunst-Matinée. Wir reisen an das Eröffnungsspiel der WM 1994.

    «Für die Auswahl Boliviens war der Gewinn der Ausscheidung für die WM 94 wie eine Reise zum Mond. Dieses Land, das von der Geographie so bedrängt und von der Geschichte so schlecht behandelt worden ist, hatte zwar an früheren Weltmeisterschaften teilgenommen, doch immer nur auf Einladung, und es hatte alle Spiele verloren und noch nie ein Tor geschossen.
    Die Arbeit des Trainers Xabier Azkargorta begann, Früchte zu tragen, und das nicht nur im Stadion in La Paz, wo über den Wolken gespielt wird, sondern auch auf Meereshöhe. Der bolivianische Fussball zeigte, dass die grosse Höhe nicht sein einziger guter Spieler war und dass er sehr wohl den Komplex überwinden konnte, der ihn jedes Spiel verlieren liess, noch bevor es angefangen hatte. In den Ausscheidungsspielen glänzte Bolivien. Melgar und Baldivieso im Mittelfeld und Sánchez und vor allem Etcheverry, genannt »El Diablo«, der Teufel, im Sturm wurden von unterschiedlichem und anspruchsvollem Publikum bejubelt.
    Das Pech, das grosse Pech wollte es, dass Bolivien das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft gegen das allmächtige Deutschland bestreiten musste. Däumling gegen Rambo. Doch es geschah, was niemand vorhersehen konnte: Anstatt sich erschrocken vor dem Tor zusammenzudrängen, warf sich Bolivien in den Angriff und spielte nicht nur von gleich zu gleich, nein: Es spielte als der Bessere gegen den Schlechteren. Deutschland lief verschreckt umher, und Bolivien hatte seinen Spass.
    Und so lief es, bis zu dem Moment, als der bolivianische Star Marco Antonio Etcheverry auf den Platz kam und eine Minute später Matthäus einen absurden Tritt verpasste und vom Platz gestellt wurde. Da brach Bolivien in sich zusammen und tat Busse dafür, dass es gegen das Schicksal gesündigt hatte, das es zum Verlieren zwingt, als unterläge es wer weiss welcher geheimen Verdammnis, die schon Jahrhunderte währt.»

'Die Pflicht, zu verlieren', enthalten in 'Der Ball ist rund' von Eduardo Galeano, erschienen 2000 im Unionsverlag; ISBN 3-293-20161-X.

Raulitos Club

Herr Pelocorto am Samstag den 5. Juli 2014

Herzlich willkommen zur 95. Kunst-Matinée, die ganz im Zeichen der Fussball-Literatur steht.

    Im Radio hiess es, die Partie werde immer besser.
    «Hast du gehört, Raulito? Wir drängen euch hinten rein.»
    Der Hinweis war unnötig. Der Junge hörte konzentriert, ja fast ernst zu. Bei jedem Spielzug ging er mit den Füssen mit, als stünde er selber auf dem Platz. Der Vater lächelte, typisch Jungs. Na ja, nicht nur Jungs: Vor zwei Wochen hatte er selber die Thermoskanne zertreten, um mit letzter Kraft einen flachen Schuss zur Ecke zu lenken, an den der Torwart nie und nimmer drangekommen wäre.
    Um die dreissigste Minute Eckball gegen River. Der Junge lauschte wie gebannt, wiegte sogar leicht den Oberkörper hin und her, wie ein guter Kopfballspieler, der den richtigen Moment abpasst, um sich vom Verteidiger wegzustehlen, abzuspringen und mit der Stirn einzunicken. Dem Vater kam es komisch vor, wie Raulito dastand, mit diesem Ausdruck in den dunklen Augen.
    Sein Herz schlug höher, als er begriff: Der Junge versetzte sich in den Angreifer, nicht in den Verteidiger. Er wollte seinen Bewacher abschütteln, in seinen Augen brannte ein Her-mit-dem-Ball, ein Ich-mach-ihn-rein. Sein rechter Arm ging hoch, wie um dem Aussenstürmer anzuzeigen, wo er den Ball hinhaben wollte, dahin, genau dahin.
    Die Schilderung verdichtete sich zu einem hohen Ton, einem dieser Töne, die sich in die Länge ziehen, in der Luft schweben, während der Kommentator wartet, ob er Tor schreien oder knapp vorbei sagen soll. In diesem Fall war die Entscheidung gar nicht nötig, weil die Fans hinter dem Tor zuerst schrien und der Kommentator sich erst dann dem Schrei anschloss. Der Vater jubelte begeistert, war ausser sich vor Freude. Drei zu null ist eine Sache, aber drei zu zwei ein ganz andere, weil dann ...
    Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Vor seinen Füssen kniete der Junge und schrie wie am Spiess, das Gesicht zum Himmel gerichtet, die Arme ausgestreckt, die Handflächen geöffnet. Das Kreischen seiner Kinderstimme mischte sich mit dem dunklen Timbre des angehenden Erwachsenen. Es war um ihn geschehen, es gab kein Zurück mehr, das süsse Gift der ewigen Liebe floss in seinen Adern. Von nun an würde er keinem anderen Team die Treue halten, egal wie viele schmerzhafte und glorreiche Momente ihn erwarteten. Da kniete er und stiess den ersten befreiten Schrei seines Lebens gen Himmel.

Auszug aus der Kurzgeschichte 'Raulitos Club', enthalten in 'Die Hand Gottes und andere Tangos' von Eduardo Sacheri, erschienen im Berlin Verlag 2010; ISBN 978-3-8270-0889-3.

Falls Sie die ganze Geschichte lesen möchten, wie Raulito Huracán-Fan wie sein Vater wurde und nicht River, dann geht es spanisch hier weiter.

Kunst statt Kick

Herr Pelocorto am Mittwoch den 2. Juli 2014

Das Museu de Arte de São Paulo lädt ein. Aber nur, wenn Sie Verlierer sind.

Ihr Team ist eben in Brasilien ausgeschieden? Bis zu Ihrem Rückflug dauert es noch etwas, Sie unverbesserlicher Optimist? Das Kunstmuseum in Sao Paulo lädt Sie herzlich ein! Alle Touristen aus Ländern, die ausgeschieden sind, haben während einer Woche nach dem letzten Spiel ihrer Nationalmannschaft freien Eintritt in das Museum. Das Museu de Arte de São Paulo hat dazu in der ganzen Stadt Plakate aufstellen lassen.

Die Engländer und Südkoreaner waren schon dort. Die Schweizer und die Amerikaner kommen noch ...

Hier geht es zu den aktuellen Ausstellungen!

Der «Linienrichter»

Herr Pelocorto am Samstag den 28. Juni 2014

BREAKING NEWS: Shkelzen Gashi wechselt per sofort vom GC zum FC Basel.

Im letzten Beitrag der heutigen Kunst-Matinée besuchen wir Montevideo.

Das wichtigste Bauwerk Montevideos ist zweifellos das Estadio Centenario, das grossartige Stadion, das 1930 nach einer Bauzeit von nur sechs Monaten eröffnet wurde (Redakteur Pelocorto bricht in Tränen aus). Ähnlich wie beim Letzigrund ist das Spielfeld gegenüber der Umgebung abgesenkt, was einen dezenten Aussenauftritt des Bauwerks ermöglicht.

Der uruguayische Künstler Santiago Tavella hat einen alten Plan des Estadio Centenario als Hintergrund verwendet für seine Abstraktion der Spielfeldlinien. Tavella interpretiert den Begriff ‹Linienrichter› erfrischend neu:

Das Geisterspiel

Herr Pelocorto am Samstag den 28. Juni 2014

BREAKING NEWS: Neuer Verletzungsschock für YB - Matias Vitkieviez erleidet Kreuzbandriss und fällt monatelang aus

Herzlich willkommen zum zweiten Teil der Kunst-Matinée, wo wir vor leeren Rängen spielen.

Am 24. November 2003 kam es in der zweiten Bundesliga zum "Skandalspiel" zwischen Alemannia Aachen und dem 1. FC Nürnberg. 20 Minuten vor dem Abpfiff warfen Aachen-Fans Gegenstände auf das Spielfeld, nachdem einer ihrer Spieler Gelb-Rot gesehen hatte. Wolfgang Wolf, der Trainer des 1. FC Nürnberg, wurde dabei am Kopf getroffen und blieb nach dem Spielunterbruch zur Verarztung in der Kabine.

Die Deutsche Fussball Liga ordnete in der Folge ein Wiederholungsspiel vor leeren Rängen an. Am 26. Januar 2004 fand dieses erste Geisterspiel in der Geschichte der Liga statt. Die DFL verfügte, dass im Stadion lediglich eine 40-köpfige Delegation pro Verein inklusive Spielern und Trainern, von der DFL akkreditierte Medienvertreter sowie Polizei-, Sicherheits- und Ordnungskräfte zugelassen waren. Ziemlich leere Ränge also.

Wie kommentiert man ein solches Spiel?

So tönt das, wenn sich ein gescheiter und sprachgewandter Kopf auf diese Aufgabe vorbereitet hat. Hören Sie die ersten 3 Minuten der Live-Übertragung bis zum Anpfiff mit der Kommentatoren-Legende Günther Koch:


Falls Sie jetzt Lust haben, das ganze Spiel zu hören, geht es hier zur vollen Reportage

Fußball (nebst Abart und Ausartung)

Herr Pelocorto am Samstag den 28. Juni 2014

Zu Beginn der 94. Kunst-Matinée müssen Sie Ihre Ohren spitzen. Herzlich willkommen zur Lesung!

Der deutsche Schriftsteller und Kabarettist Joachim Ringelnatz (1883-1934) hat sich schon früh mit dem auseinandergesetzt, an dem Sie, geschätzte Leserin, geschätzer Leser leiden: dem Fussballwahn. Hören Sie das Gedicht Fußball (nebst Abart und Ausartung). Es spricht Johannes Ackner, das Ganze dauert etwas weniger als 3 Minuten.

Perfekte Platte

Herr Shearer am Donnerstag den 19. Juni 2014

Sie möchten den siebten Spieltag der WM passend ausklingen lassen?

Dann schieben Sie doch einfach wieder einmal das Erstlingswerk der amerikanischen Band Spain in den CD-Spieler. The Blue Moods of Spain begründete damals die Slowcore-Bewegung. Kopf der Band, welche vor zwei Jahren nach langer Absenz endlich, endlich wieder eine Platte herausgebracht hat, ist Josh Haden, Sohn des weltberühmten Jazzbassisten Charlie Haden. Ein Song von diesem Werk erlangte später noch Berühmtheit: Spiritual wurde sowohl von Johnny Cash auf seinem Album Unchained wie auch von Pat Metheny und Charlie Haden auf deren Instrumentalwerk Beyond The Missouri Sky gecovered.

The Blue Moods Of Spain

Wieso mir diese Platte gerade jetzt wieder in den Sinn kommt? Gute Frage.

Gaviões da Floresta

Herr Pelocorto am Samstag den 14. Juni 2014

Wir waren im Regenwald Brasiliens im Stadion. Es war phantastisch. Herzlich willkommen zum letzten Teil der Kunst-Matinée.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an meinen Kürzest-Beitrag über Gaviao Kyikateje, die erste indigene Mannschaft, die in einer brasilianischen Meisterschaft mitspielt.

Der französische Filmemacher Alexandre Bouche hat die Falken des Waldes während Wochen begleitet und einen Dokumentarfilm gedreht.

Klicken Sie auf das Bild, um den sehenswerten Trailer zu starten (05:24).

El gol del Siglo

Herr Pelocorto am Samstag den 14. Juni 2014

Wir waren in Mexico-City im Stadion und haben ein unglaubliches Tor gesehen. Herzlich willkommen zum zweiten Teil der Kunst-Matinée.

Allerdings ist es schon etwas länger her, es war am 22. Juni 1986 im Azteken-Stadion. Jorge Valdano sagte über das Tor Diego Maradonas gegen England: «Diez segundos, diez toques: un héroe con el número 10» (Zehn Sekunden, zehn Ballberührungen, ein Held mit der Nummer 10). Buch ab:

Sie können das Daumenkino bei Artylatino erwerben. Die Musik im Hintergrund hat Ihnen gefallen? Das war Andrés Calamaro mit Swing on tango aus dem Jahr 1993.

Argentinien startet in der Nacht vom Sonntag auf Montag gegen Bosnien-Herzegowina in die WM; ich kann es kaum erwarten!