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Archiv für die Kategorie „Kunst und Kultur“

Pffft

Herr Pelocorto am Samstag den 2. August 2014

Kaum gestartet, ist die Luft schon draussen. Herzlich willkommen zur 99. Kunst-Matinée.

Der mexikanische Künstler Ángel Aguilar Alonso ist vom Fussball frustiert; beim Ball ist die Luft definitiv draussen.

Ángel Aguilar Alonso

Ángel Aguilar Alonso; Mi balón; Öl auf Leinwand; Grösse und Datum unbekannt

Das Portrait zeigt Cuauhtémoc Blanco, den legendären mexikanischen Stürmer.

Dreierketten?

Herr Pelocorto am Samstag den 26. Juli 2014

Im letzten Beitrag der Kunst-Matinée drücken wir durch.

Doping im Fussball? Gefangen? Ohne Bindung zum Spiel? Wo ist der Torhüter? Welcher weitere Feldspieler fehlt? Die Schweizer Künstlerin Efha Hiltbrunner überlässt Ihnen die Interpretation.

ehfa-hiltbrunner

Ehfa Hiltbrunner; FC Anabolika; Acryl in Blisterpackung; 20 x 20 cm; 1997

Dieses und andere Werke können Sie noch bis zum 5. Oktober in der Ausstellung
Tor, Tor, Toor!
Das Spiel der Spiele in der Kunst
in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe sehen.

Ballfieber

Herr Pelocorto am Samstag den 26. Juli 2014

Im zweiten Teil der Kunst-Matinée sind definitiv zu viele Bälle im Spiel.

Was würden Sie mit 10'000 Fussbällen anfangen? Diese Frage stellte sich der brasilianischen Künstler Vik Muniz. Er liess spezielle Bälle anfertigen, die auf der einen Seite weiss und auf der anderen schwarz eingefärbt waren. Sie spüren schon, wohin der Ball rollt, nicht wahr?

Vik Muniz; #; 2014

Vik Muniz; #thisisnotaball; 2014

Nun, in seinem Kunstprojekt thisisnotaball hat Muniz in den Monaten vor dem WM mit Gott und der Welt über die Leidenschaft für den Fussball und den Ball an sich philosophiert. Das Ganze wurde auch in einem Dokumentarfilm festgehalten, der Lust auf mehr macht:

Desmond und der Fussball

Herr Pelocorto am Samstag den 26. Juli 2014

Herzlich willkommen zur 98. Kunst-Matinée, wo wir uns vorerst fragen, was Kunst mit Fussball zu tun hat.

Die Kunsthistoriker tun sich immer noch schwer, den unglaublich produktiven Jean-Michel Basquiat (1960-1988) einzuordnen. Graffiti, Neorealismus, archaische afrikanische Einflüsse, Musik, bei Basquiat kam alles zusammen. Der Shooting Star der Kunstszene in den 80er Jahren kannte alles und alle und hinterliess mehr als 1000 Gemälde und 2000 Zeichnungen. Eines zeigt seinen Freund Desmond Cadogan:

Jean-Michel Basquiat; Desmond; Acryl auf Leinwand; 219 x 173 cm; 1984

Der Fussballbezug? Interessanterweise ist Desmond eines der Werke, die als Official Art Print Edition 2014 FIFA World Cup Brazil™ verkauft werden. Es gilt gemäss FIFA als Inbegriff des sportlichen Geistes und dessen Bewunderung. Aha.

Cadogan meinte kürzlich zum Werk:

Jean-Michel was a dear friend of mine and had been for a while when he asked me to pose for this painting which I did live at about 5am after a fun night of partying at Area nightclub in TriBeCa. He painted it in the lost/apartment he was renting from Andy Warhol.

Basquiat, Warhol, und dann noch Sport? Doch, doch! Allerdings gestellter Randsport:

Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat

Michael Halsband; Knock Out Punch - Andy Warhol and Jean-Michel Basquiat; New York; 10. Juli 1985

Falls Sie sich für Boxen interessieren, dann sollten Sie den Kampf zwischen dem spektakulär boxenden Mittelgewichtler Gennady Golovkin und Daniel Geale heute Nacht nicht verpassen. Sat1 überträgt ab 02:30 Uhr, der Hauptkampf steigt um 04:30 Uhr.

El Fenómeno

Herr Pelocorto am Samstag den 19. Juli 2014

Von welchem WM-Stürmer wird man noch lange sprechen?

Isabel Gibson und Helen Chesney haben dazu eine klare Meinung. Ihre Agentur ISABEL&HELEN, also sie selber, haben eine kinetische Skulptur geschaffen mit den fünfzehn schönsten Toren Ronaldo Luís Nazário de Limas. Sehen tut man nicht viel, aber zu allen Toren hört man die englischen Originalkommentare.

Im Innern der Ausstellung

Im Innern der Ausstellung

Betreff: Abwesenheitsnotiz

Herr Pelocorto am Samstag den 19. Juli 2014
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Banksy; 23. Oktober 2013

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Damien Hirst; Let's eat outdoors today; Installation; 1990-1991 (Klicken für Gesamtansicht)

Ein zackiger Auftritt

Herr Pelocorto am Samstag den 12. Juli 2014

Im letzten Beitrag der Kunst-Matinée gehen wir unter die Philatelisten.

Die portugiesische Design-Agentur MAAN hat zur Weltmeisterschaft ein Briefmarkenset mit jedem Land und jedem Spiel inklusive Stempel und Verpackung gestaltet, das mir sehr gut gefällt.

MAAN

MAAN; Viererblock Gruppe C; 2014

MAAN

MAAN; Zweierblock Spanien-Holland; 2014

MAAN

MAAN; komplettes Set; 2014

Fairerweise weisen wir darauf hin, dass auch die FIFA ein wahnsinnig schönes Briefmarkenset produziert hat:

Für mehr schöne FIFA-Marken klicken Sie auf die Marke

Haute couture

Herr Pelocorto am Samstag den 12. Juli 2014

Im zweiten Beitrag der Kunst-Matinée geht es um die Trikots der Modeschöpfer.

Wie sähen die Trikots der Nationalmannschaften aus, wenn sie jeweils von einem Modeschöpfer des Landes gestaltet würden? Also, Deutschland läuft auf in Jil Sander, Argentinien in Marcelo Burlon und England in Alexander McQueen. Nur schade, dass die Modeschöpfer davon nichts wissen. Der kanadische Künstler Dead Dilly hat sich einen Spass gemacht und die Trikots im Stil landestypischer Designer gestaltet.

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Dead Dilly; Jil Sander – Germany; Trikot; 2014

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Dead Dilly; Marcelo Burlon – Argentina; Trikot; 2014

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Dead Dilly; Alexander McQueen – England; Trikot; 2014

Stadien, reduziert

Herr Pelocorto am Samstag den 12. Juli 2014

Herzlich willkommen zur 96. Kunst-Matinée, die ziemlich grafiklastig ausfällt.

Noch zwei Spiele stehen aus, das ungeliebte Spiel um den dritten Platz in Brasilia und das von der ganzen Welt erwartete Spiel um den Pokal in Rio. Der portugiesische Architekt und Illustrator Andre Chiote hat fünf der neuen beziehungsweise renovierten Stadien auf ihre wesentlichsten Stilelemente reduziert, darunter die beiden, die dieses Wochenende im Zentrum des Geschehens stehen.

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Andre Chiote; Estádio Nacional Mané Garrincha (in Brasilia); Grafik; 2014

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Andre Chiote; Estádio Maracanã (in Rio de Janeiro); Grafik; 2014

Ah, noch dies:
Falls Sie die verbleibenden Spiele nicht verpassen wollen, dann empfehle ich Ihnen den schönen Online-Kalender brazilfourteen der Design-Agentur Karoshi.

Sonntags zum Cup

Herr Pelocorto am Samstag den 5. Juli 2014

Herzlich willkommen zum letzten Teil der Kunst-Matinée mit literarischem Zuschnitt. Es geht in die Maladière.

    «Der Kondukteur im Zug nach Neuenburg ist Welscher, also undeutsch. Aber zackig ist er und recht humorlos. Vermutlich von zu vielen Deutschen verdorben, würde Peter Rothenbühler sagen. Als der Zug in Solothurn hält, frage ich mich, ob das nun Rothenbühlers urbanes Mittelland oder nicht doch voralpines Kleinstadtmilieu ist. Das zu entscheiden, liegt Gott sei Dank nicht an mir, obwohl ich mit eindeutig voralpin kleinstädtischen Wurzeln urteilsbefugt wäre. Es bleibt mir auch keine Zeit, lange darüber nachzudenken, besteigen in Solothurn doch vier junge Männer mit einem für einen Sonntagnachmittag beachtlichen Durst den Zug. Stehend und in schwarzgelbe Schals gehüllt entsorgen sie bis Neuenburg eine Vielzahl farbiger Getränke, über deren Geschmack ich nichts weiss, deren Wirkung aber als belebend einzustufen ist. Mit wehenden Fahnen steigen die vier am Zielort aus. Auch mich kippt der Neigezug aufs Perron. Peter Rothenbühler, dick eingepackt in die Sonntagszeitung, fährt weiter.»

Auszug aus der Kurzgeschichte 'Sonntags zum Cup' enthalten in 'Knapp daneben' von Pascal Claude, erschienen 2009 im Verlag WOZ Die Wochenzeitung, ISBN 978-3-906236-09-04.

Die Pflicht, zu verlieren

Herr Pelocorto am Samstag den 5. Juli 2014

Guten Morgen und herzlich willkommen zum zweiten Teil der Kunst-Matinée. Wir reisen an das Eröffnungsspiel der WM 1994.

    «Für die Auswahl Boliviens war der Gewinn der Ausscheidung für die WM 94 wie eine Reise zum Mond. Dieses Land, das von der Geographie so bedrängt und von der Geschichte so schlecht behandelt worden ist, hatte zwar an früheren Weltmeisterschaften teilgenommen, doch immer nur auf Einladung, und es hatte alle Spiele verloren und noch nie ein Tor geschossen.
    Die Arbeit des Trainers Xabier Azkargorta begann, Früchte zu tragen, und das nicht nur im Stadion in La Paz, wo über den Wolken gespielt wird, sondern auch auf Meereshöhe. Der bolivianische Fussball zeigte, dass die grosse Höhe nicht sein einziger guter Spieler war und dass er sehr wohl den Komplex überwinden konnte, der ihn jedes Spiel verlieren liess, noch bevor es angefangen hatte. In den Ausscheidungsspielen glänzte Bolivien. Melgar und Baldivieso im Mittelfeld und Sánchez und vor allem Etcheverry, genannt »El Diablo«, der Teufel, im Sturm wurden von unterschiedlichem und anspruchsvollem Publikum bejubelt.
    Das Pech, das grosse Pech wollte es, dass Bolivien das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft gegen das allmächtige Deutschland bestreiten musste. Däumling gegen Rambo. Doch es geschah, was niemand vorhersehen konnte: Anstatt sich erschrocken vor dem Tor zusammenzudrängen, warf sich Bolivien in den Angriff und spielte nicht nur von gleich zu gleich, nein: Es spielte als der Bessere gegen den Schlechteren. Deutschland lief verschreckt umher, und Bolivien hatte seinen Spass.
    Und so lief es, bis zu dem Moment, als der bolivianische Star Marco Antonio Etcheverry auf den Platz kam und eine Minute später Matthäus einen absurden Tritt verpasste und vom Platz gestellt wurde. Da brach Bolivien in sich zusammen und tat Busse dafür, dass es gegen das Schicksal gesündigt hatte, das es zum Verlieren zwingt, als unterläge es wer weiss welcher geheimen Verdammnis, die schon Jahrhunderte währt.»

'Die Pflicht, zu verlieren', enthalten in 'Der Ball ist rund' von Eduardo Galeano, erschienen 2000 im Unionsverlag; ISBN 3-293-20161-X.

Raulitos Club

Herr Pelocorto am Samstag den 5. Juli 2014

Herzlich willkommen zur 95. Kunst-Matinée, die ganz im Zeichen der Fussball-Literatur steht.

    Im Radio hiess es, die Partie werde immer besser.
    «Hast du gehört, Raulito? Wir drängen euch hinten rein.»
    Der Hinweis war unnötig. Der Junge hörte konzentriert, ja fast ernst zu. Bei jedem Spielzug ging er mit den Füssen mit, als stünde er selber auf dem Platz. Der Vater lächelte, typisch Jungs. Na ja, nicht nur Jungs: Vor zwei Wochen hatte er selber die Thermoskanne zertreten, um mit letzter Kraft einen flachen Schuss zur Ecke zu lenken, an den der Torwart nie und nimmer drangekommen wäre.
    Um die dreissigste Minute Eckball gegen River. Der Junge lauschte wie gebannt, wiegte sogar leicht den Oberkörper hin und her, wie ein guter Kopfballspieler, der den richtigen Moment abpasst, um sich vom Verteidiger wegzustehlen, abzuspringen und mit der Stirn einzunicken. Dem Vater kam es komisch vor, wie Raulito dastand, mit diesem Ausdruck in den dunklen Augen.
    Sein Herz schlug höher, als er begriff: Der Junge versetzte sich in den Angreifer, nicht in den Verteidiger. Er wollte seinen Bewacher abschütteln, in seinen Augen brannte ein Her-mit-dem-Ball, ein Ich-mach-ihn-rein. Sein rechter Arm ging hoch, wie um dem Aussenstürmer anzuzeigen, wo er den Ball hinhaben wollte, dahin, genau dahin.
    Die Schilderung verdichtete sich zu einem hohen Ton, einem dieser Töne, die sich in die Länge ziehen, in der Luft schweben, während der Kommentator wartet, ob er Tor schreien oder knapp vorbei sagen soll. In diesem Fall war die Entscheidung gar nicht nötig, weil die Fans hinter dem Tor zuerst schrien und der Kommentator sich erst dann dem Schrei anschloss. Der Vater jubelte begeistert, war ausser sich vor Freude. Drei zu null ist eine Sache, aber drei zu zwei ein ganz andere, weil dann ...
    Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Vor seinen Füssen kniete der Junge und schrie wie am Spiess, das Gesicht zum Himmel gerichtet, die Arme ausgestreckt, die Handflächen geöffnet. Das Kreischen seiner Kinderstimme mischte sich mit dem dunklen Timbre des angehenden Erwachsenen. Es war um ihn geschehen, es gab kein Zurück mehr, das süsse Gift der ewigen Liebe floss in seinen Adern. Von nun an würde er keinem anderen Team die Treue halten, egal wie viele schmerzhafte und glorreiche Momente ihn erwarteten. Da kniete er und stiess den ersten befreiten Schrei seines Lebens gen Himmel.

Auszug aus der Kurzgeschichte 'Raulitos Club', enthalten in 'Die Hand Gottes und andere Tangos' von Eduardo Sacheri, erschienen im Berlin Verlag 2010; ISBN 978-3-8270-0889-3.

Falls Sie die ganze Geschichte lesen möchten, wie Raulito Huracán-Fan wie sein Vater wurde und nicht River, dann geht es spanisch hier weiter.