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Archiv für die Kategorie „Kunst und Kultur“

Grosse und kleine Bälle

Herr Pelocorto am Samstag den 19. April 2014

Wir beenden die heutige Kunst-Matinée grossformatig. Sie haben jetzt Kopfschmerzen? Macht nichts!

Im Laumeier Sculpture Park im amerikanischen St. Louis findet sich mitten im Wald diese riesige Skulptur von Donald Lipski:

Donald Lipski; Ball? Ball! Wall? Wall!; Stahlbeton; 1.6 x 1.6 x 91 Meter; 1994

Falls Sie jetzt Kopfschmerzen haben ob so viel Kunst am frühen Morgen, dann verschreibe ich Ihnen dieses Medikament des Psychotherapeuten und Künstlers Jon Harvey.

Jon Harvey; Soccer Mom Meds; Ton, Vinyl, Acryl, Kunstrasen; 20 x 8 x 15 cm; 2008

Der Himmel hängt voller Bälle

Herr Pelocorto am Samstag den 19. April 2014

Herzlich willkommen zum zweiten runden Teil der heutigen Kunst-Matinée!

Beim guatemaltekischen Künstler Dario Escobar kommt alles Gute von oben. Auch die Fussbälle.

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Dario Escobar; Sin titulo; Leder, Latex, Faden und Stahl; 600 x 400 x 400 cm; 2010

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Dario Escobar; Anverso & reverso XV; Leder, Latex, Faden und Stahl; 350 x 200 x 200 cm; 2013

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Dario Escobar; Anverso & reverso; Leder und Faden; 22 cm; 2010

Leichtgewicht

Herr Pelocorto am Samstag den 19. April 2014

In der 87. Kunst-Matinée geht's heute rund. Guten Morgen!

Es dreht sich alles um den Ball. Wir starten mit etwas Leichtem. Papiermaché. Das kennt jeder von uns. Der amerikanische Künstler Mark (‹Badass›) Bradford verarbeitet Zeitungsinserate und Flyers zu grossen netzartigen Collagen und zu Fussbällen.

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Mark Bradford; Untitled (Crushed Soccer Balls); Papiermaché; Ballgrösse rund 30 x 30 x 15 cm; 2004

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Im San Diego Museum of Contemporary Art in 2010; rechts am Rand sehen Sie Mark Bradfords Werk Stax; Papiermaché; 350 x 150 x 150 cm; 2009 (Klick auf das Bild zeigt das Werk)

Billige Bildchen

Lars: L am Samstag den 12. April 2014

BREAKING NEWS: Arsenal FC zittert sich in den FA-Cupfinal. Wigan v Arsenal 1:1 (2:4 im Elfmeterschiessen)

FotoSie mögen keine Panini? Kleben Sie Tschuttibildli!

Seit heute im Handel: die offiziell unkommerzielle Alternative zur «2014 FIFA World Cup Brazil™ Official Licensed Sticker Collection». Die Tschuttibildli gibt es in Bern im Café Kairo, im Drachenäscht, an ausgewählten Kioskens oder natürlich im Café Kairo.

Wie immer sind die Bildli von zahllosen Künstlern in nächtelanger Handarbeit hergestellt worden. Hingegen geschah die Eintütung erstmals automatisch. Zehn Kleber kosten nur Fr. 1.50 und wer gut hinschaut, kann das oberste Bildli durch die Verpackung erkennen. Um noch netter zu sein, gibts da noch irgendwas mit einer Hilfsorganisation. Diesen Beitrag weiterlesen »

Kurzgefasster Lebenslauf

Herr Pelocorto am Samstag den 12. April 2014

Hopp FC Aarau! Herzlich willkommen zum Ausklang der heutigen Kunst-Matinée.

«Kommt man vom Land in die Stadt der schönen Giebel, hat man sich an den Giebeln sattgesehen, dann sucht man vielleicht die Aare auf, biegt von der Brücke rechts ab, ist enttäuscht, keine Allee und keine Promenade zu finden, wird bald müde auf der hässlichen Asphaltstrasse, die schnurgerade und ewig weiterzulaufen verspricht, verirrt sich womöglich in einem Industriequartier, das mit der Aare gar nichts zu tun haben will, kommt an einem Garagenplatz und etwas weiter vorne an einem Ziegeldepot vorbei, ohne zu beachten, dass dazwischen, zwar erhöht, abweisend wie eine kleine Bastion und getarnt durch eine Plakatwand, aber dennoch nicht ohne den prüden Charme einer verschlossenen kleinen Sommervilla, mein Gartenhaus thront.

So sieht es am Sonntag aus, am Sonntagnachmittag. Im Schachen ist nichts los, die Bahnhofstrasse träumt von Verkehr, Frauen schieben im Zeitlupentempo ihren Kinderwagen der Aare entlang, Autos, vollgepfropft mit hemdsärmeligen Fans, suchen vergeblich den Sportplatz; der FC Aarau verliert auf fremdem Terrain.

Der Besucher, der mein Gartenhaus nicht übersehen hätte, würde vielleicht über die Ziegel steigen, die paar Tritte in der Böschung nehmen, durchs Loch im Zaun schlüpfen, mit vorsichtigen Schritten das Wiesenstück überqueren, durch die blinden Scheiben und weissen Vorhänge in einen dämmrigen Raum spähen und bei sich denken: romantisch! Dieser Besucher ist mein Freund. Er möbliert in Gedanken das Atelier so um, dass ich mich am Montag nicht mehr zurechtfinde. Später schlendert er durch die Stadt, wird giebelmüde und denkt noch auf dem Perron an mein Gartenhaus. Er hängt es hinten am Zug an, stellt es zu Hause in seinem Garten auf und vergisst es vermutlich erst im Winter, wenn er es in Gedanken heizen müsste.»

Cowboysommer

Herr Pelocorto am Samstag den 12. April 2014

Herzlich willkommen zu zweiten Teil der Kunst-Matinée. Behalten Sie Ihre Lesebrille ruhig auf.

«Ganz schön schnell, die Dinger», sagte der jüngere Beamte, dem ein Schnurrbart wie ein Bürstchen auf der Oberlippe sass, den Daumen lässig im Schaft des Gummiknüppels eingehängt, der an seinem Ledergurt baumelte.
«Selber umgebaut?», fragte der Ältere.
Sein Blick war weicher als der seines Kollegen, nachgiebiger, das sah auch Boyroth sofort; der wendete sich ihm zu, stieg von seinem Mofa und drückte ihm den Lenker in die Hand.
«Alles selber gemacht, ja», sagte er, «frisiert haben wir sie auch ohne Hilfe. War gar nicht so einfach.»
«Wo kommt ihr her?», wollte der Jüngere barsch wissen.
«Vom Training», sagte Boyroth.
«Und ihr zwei anderen seid stumm oder was?»
Der Jüngere wurde laut, aber da ihm der Ältere einen strafenden Blick zuwarf, räusperte er sich und senkte seinen Kopf.
«Fussball», sagte Fabio.
«Wir spielen bei den Blue Stars», ergänzte ich.
«Kickt dort nicht dein Junge?», sagte der Ältere zum Jüngeren und setzte sich auf den Sattel von Boyroths Mofa.
«Red Star», antwortete er trotzig und wippte auf den Fusssohlen.
«Die sind besser als wir», log Boyroth, «leider.»
«Ich bin auch gefahren», sagte der andere, drehte am Gasgriff und liess sich gegen die Rückenlehne sinken, «als ich jünger war.»
«Was für eine?», fragte Boyroth.
«BSA. Einer 500er. Mit Seitenwagen.»
Der Blick des Mannes verlor sich in der Ferne. Er hatte die Füsse fest auf dem Boden abgestellt und fing an, Boyroths Mofa vor und zurück zu bewegen.
«Die englischen Maschinen sind die besten», sagte Boyroth.
«Und wie schnell läuft die hier?»
«Zu schnell», sagte Boyroth sofort, bevor einer von uns antworten konnte.
Der ältere Polizist lachte, der jüngere nicht. Die Spannung zwischen den beiden Beamten war greifbar, sie machte mich nervös und Fabio auch. Nur Boyroth blieb gelassen. Er spürte natürlich, dass er es nicht übertreiben durfte und jetzt den Mund halten musste. Die Motorhaube des Streifenwagens, ein bulliger Volvo, knackte leise in der Nachmittagssonne.

Das Buch des Vaters

Herr Pelocorto am Samstag den 12. April 2014

Heute morgen lesen wir. Herzlich willkommen zur 86. Kunst-Matinée.

«Mein Vater ging ins Gymnasium hinter dem Münster, lernte Altgriechisch und Latein und war immer der Primus seiner Klasse; ohne es zu wollen. Zu Hause aber war er der Dumme, weil sein Bruder, Felix, ihm stets zwei Jahre voraus und in seiner Klasse ein noch unangefochtenener Klassenbester war. Wenn mein Vater lauter Sechsen und nur im Turnen eine Fünfeinhalb hatte, dann stand im Zeugnis von Felix auch da eine Sehr gut. (Ganz zu schweigen von den Benotungen für Fleiss und Betragen, der Achillesferse meines Vaters.) Dabei spielte mein Vater besser Fussball als Felix, das heisst, Felix spielte überhaupt nicht Fussball. Er sass hinter den Büchern, die bei ihm makellos sauber blieben, auch wenn er sie zehnmal las. Mein Vater brachte es bei den Junioren II der Old Boys zum Goalgetter, er spielte Mittelstürmer und wurde der Kleine mit dem Bombenschuss genannt. – Vielleicht nannte er sich auch nur so. – Die grosse Politik blieb für ihn unsichtbar. Die Geschützdonner von Ypern und Verdun waren weit weg. Nicht einmal Lenin begegnete er, obwohl dies gut hätte geschehen können, denn der zukünftige Revolutionär ging durch dieselben Strassen wie er. Vielleicht – daran dachte er später zuweilen – hat er ihn ja gesehen, er mit seinem Fussball unter dem Arm und Lenin schwarz in sich hineinschimpfend.»

Rasen

Herr Pelocorto am Samstag den 5. April 2014

Herzlich willkommen zum letzten Teil der Kunst-Matinée. Wir bleiben am Boden.

Der Südkoreaner Kyung Woo Han ist bekannt für seine multimedialen Installationen und seine optischen Täuschungen. Sein Gewächshaus gefällt mir sehr gut. Aber auch sein Spielfeld.

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Kyung Woo Han; Soccer Field; zehn 46 Zoll-Monitore; 205 x 290 x 17cm; 2012

Hechten

Herr Pelocorto am Samstag den 5. April 2014

Herzlich willkommen zum zweiten Teil der Kunst-Matinée. Wir springen nach links in den sozialistischen Realismus.

Er war Fotograf der Kriminalpolizei, Sportler, leitete das Kunststudio der Politverwaltung Kursk, studierte an der Kunsthochschule Charkow, war Gründer einer Designschule und zu seinen Vorbildern zählte der Schweizer Künstler Ferdinand Hodler. Die Rede ist vom russischen Maler Alexander Deineka, dem ein Hang zum Monumentalen nachgesagt wird. Das Bild unten ist über drei Meter breit ...

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Alexander Deineka; Torhüter; Öl auf Leinwand; 119 x 352 cm; 1934 (Klicken zum Vergrössern)

Pfeifen

Herr Pelocorto am Samstag den 5. April 2014

Alles in schwarzweiss. Herzlich willkommen zur 85. Kunst-Matinée.

In Paolo Zuccas Spielfilm L’arbitro geht es um einen korrupten Champions-League-Schiedsrichter, der in die Terza Categoria oder in die 10. Liga nach Sardinien strafversetzt wird.

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Paolo Zucca, L'arbitro; Kurzfilm, Italien, 2009

Bei der Gegend im Film handelt es sich um das Dörfchen Bonarcado; gedreht wurde auch auf dem Trainingsgelände der AS Cagliari Calcio. Das Ganze sieht ein wenig aus wie bei Pasolini, wenn Sie mich fragen, aber es ist sicher lustiger: