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Tour de Super League – durch die Fussball-Schweiz in vier Etappen (I)

Natischer am Dienstag den 15. Juli 2014

Ursprünglich war ja die Idee, alle Städte mit einem Super-League-Verein an einem Tag zu besuchen, ohne dabei eine Strecke doppelt zu befahren.

Nachdem derzeit weder Servette noch der Tessiner in der obersten Liga spielt, schien die Durchführung einigermassen machbar: Genf hätte eine Schifffahrt zurück nach Lausanne bedingt – weil eben zweimal mit dem Zug nicht erlaubt wäre – ein Tessiner Verein die sehr zeitaufwändige Fahrt durch Centovalli und Gotthard. Letzte Saison stieg dann aber ungeschickterweise Lausanne ab, das man mit der Fahrt nach Sitten quasi gratis in der Route mit drin hatte, und andererseits Vaduz auf, welches eine Extrarunde Postauto nach Osten mit sich bringt. Guter Rat wurde teuer.

Anlässlich eines Mittagessens reiste ich neulich von Bern nach Brig. Nach Saltimbocca mit Risotto bestieg ich um 13.20 Uhr den Cisalpino Richtung Basel und wollte eigentlich nach Hause. Doch hatte eine grössere Reisegruppe englischer Senioren einen grossen Teil meines Wagens besetzte und war einerseits überaus kommunikativ und andererseits waren die Tastentöne ihrer elektronischen Devices eingeschaltet. So beschloss ich in Visp, die Tour de Super League grad sofort in die Tat umzusetzen und stieg um auf den Zug nach Lausanne. Natürlich wäre es so unmöglich, alle Fussballstädte am selben Tag zu besuchen, also begann ich, die Fussball-Schweiz in mehrere Etappen aufzuteilen.

 

Bei der Einfahrt in Sitten fiel mir das eigentlich Logische auf, dass ich zwar die Städte, nicht aber immer das dazugehörende Stadion besuchen und/oder fötelen könnte. Janu, im Tourbillon war ich ja gerade als junger Natischer recht regelmässig, stand auf der wackligen Stehplatzrampe, die dort vor dem Umbau 1986 stand, und wurde 1992 Meister mit dem FC Sion. (Bekanntlich liess ich mich wenig später vom FC Sitten scheiden.) Seither habe ich im Tourbillon auch die Gästetribüne kennengelernt, auf der Haupttribüne mit Radio Gäubschwarz gefachsimpelt und mich im Family-Corner übel beschimpfen lassen. Letzteres geschieht eigentlich ziemlich regelmässig, wenn ich mich als YB-Fan oute im Wallis.

 

So fuhr ich also weiter landab, wie Vater Natischer zu sagen pflegte, und gedachte unterwegs der einheimischen Landwirtschaft, in Martinach dann aber kurz des aktuellen Präsidenten des FC Sitten und des dortigen Stade d’Octodure. Auch letzteres hat schon bessere Zeiten erlebt, spielte doch u.a. Georges Bregy 1988 beim FC Martigny-Sports, wo er erfolglos versuchte, in der Auf-/Abstiegsrunde dem grossen Bruder aus Sitten ein Bein zu stellen. Bregy zog danach weiter nach Lausanne und dann wieder nach Bern, und der FC Martigny-Sport spielt heute 1.-Liga-Classic-Kantonsduelle gegen den FC Oberwallis Naters.

Weiter gings Richtung Lausanne.

 

In Lausanne nahm ich den Bus hinauf zum Stade Olympique, knipste rasch ein Bild des Leichtathletik-Stadions und schon gings zurück zum Bahnhof und gleich mit der Métro hinunter nach Ouchy an den See. Hier gabs an der Sonne sitzend eine belgische Stärkung und einen wagen Blick hinunter nach Genf, dem ich halt lieber nicht zu nahe komme. Das ist glöibi so eine Restanz Antipathie aus meinem letzten Fan-Leben. Obwohl eines meiner schöneren Fussballerlebnisse in der Charmilles stattfand: Der FC Sitten hatte soeben den letzten benötigten Punkt zum eingangs erwähnten Meistertitel geholt. Die Freude bei den Fans war entsprechend gross, und so konnte der einzige anwesende Securitas den Platzsturm nicht verhindern. Selbiges geschah auf der gegnerischen Seite, und so standen sich die traditionell verfeindeten Fangruppen auf Höhe Mittellinie gegenüber, die einen etwas fröhlicher als die anderen. «Valaisans – Paysans!» skandierten die Genfer, doch anstatt auf die Provokateure loszugehen, übertönten die Walliser einfach mit «Valaisans – Champions!». Sowas liefe heutzutage vermutlich etwas anders ab.

 

In Yverdon liegt der Sportplatz zwischen Bahnhof und See. Hier lernten Ludovic Magnin das Verteidigen und Lucien Favre das Trainern, wir machten Lederreisen hierhin und last but not least spielte Doumbia, our Lord damals gegen Yverdon-Sports sein erstes Spiel für YB. Gut, das fand zwar in Laupen statt, aber Eindruck hatte er uns damals schon gemacht und ausserdem fuhr mein Zug heute auch nicht an Laupen vorbei. Vor einigen Wochen ist Yverdon-Sports in die 1. Liga Promotion abgestiegen und spielt dort jetzt dann gegen Neuchâtel Xamax, Delémont, Breitenrain, Köniz, usw.

 

Auch in Neuenburg sieht man vom Bahnhof das Stadion leider überhaupt nicht und für einen Zwischenhalt reichte die Zeit nicht, schliesslich gabs um 18 Uhr WM. Deshalb endete die 1. Etappe der Tour de Super League mit einer Fahrt im Regio-Express nach Bern.

 

–> 2. Etappe

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8 Kommentare zu “Tour de Super League – durch die Fussball-Schweiz in vier Etappen (I)”

  1. Rrr sagt:

    Herr Natischer öV-Gott vom anderen Stern! Hatten Sie das Kursbuch in der Tasche, oder arbeiten Sie bereits mit der Kursbuch-CD?

  2. Alleswisser sagt:

    werde mir diesen Bericht ausdrucken und dann als Ferienlektüre zu Gemüte führen.
    Vielen Dank im voraus.

    Von den Herren Rrr und Shearer erwarte ich eigentlich, dass Sie diese Gesamte-Fussball Nat.A-Rundfahrt an einem Wochenende mit dem Velo absolvieren.

  3. Natischer sagt:

    Ich schreibe das Kursbuch, HeRrr.

  4. Baresi sagt:

    Ich bin gespannt, wie Herr Natischer die Strecke Muttenz-Basel-Muttenz nicht doppelt befahren wird. Nur darum über Biel ist schon ein grosser Umweg, muss man sagen.

  5. Harvest sagt:

    An Laupen fährt überhaupt kein Zug vorbei, Herr Natischer. Seit die Strecke Laupen-Gümmenen nicht mehr befahren wird, ist Laupen sozusagen ein Sackbahnhof.

    Ansonsten toller Bericht.

  6. Rrr sagt:

    Von den Herren Rrr und Shearer erwarte ich eigentlich, dass Sie diese Gesamte-Fussball Nat.A-Rundfahrt an einem Wochenende mit dem Velo absolvieren.

    Okay. Und was machen wir dann am Sonntag? Tour de Challenge League?

  7. Alleswisser sagt:

    Tour de Challenge League?

    nur nicht übertreiben, schlage Ihnen eher aus dem FVBJ die Gruppe 2 der 3. Liga als Alternative vor.

    Zusätzliche (kleine) Herausforderung: bei jedem Halt 1 Bier trinken

  8. lapin kulta sagt:

    ist heRrr schon am büffee oder wird er noch von der pk der bYB berichten?

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