Wenn die Partnerin plötzlich Frauen liebt

Die sexuelle Reifungskrise zählt zu den am wenigsten psychiatrisch erforschten Diagnosen. Foto: Raisa Durandi

Wie hoch ist das Risiko, dass eine Frau nach dem letzten Kind ihre sexuelle Orientierung wechselt?

Laut dem ICD-20 (Internationale Klassifikation psychischer Störungen der WHO) leidet bei einer sexuellen Reifungskrise die betroffene Person unter einer Unsicherheit hinsichtlich ihrer Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung. Das geht mit Ängsten oder Depressionen einher. Die Reifungskrise kommt überwiegend bei Heranwachsenden vor, welche sich hinsichtlich ihrer sexuellen Orientierung nicht sicher sind.

Weniger häufig jedoch trifft man sie auch bei älteren Menschen an, die nach einer Zeit scheinbar stabiler sexueller Orientierung (sei es homo- oder heterosexuell) die Erfahrung machen, dass sich ihre sexuelle Orientierung ändert. Für kaum eine andere «psychische Störung» werden die möglichen Ursachen so vielseitig beschrieben. So bedient sich die Epidemiologie einer Reihe verschiedenster psychologischer, hormoneller, genetischer, physiologischer und tiefenpsychologischer Hypothesen zur Entstehung.

Verlässliche Zahlen fehlen

Dennoch tappt man bezüglich der konkreten Ursachen nach wie vor im Dunklen. Dies unter anderem deswegen, weil die sexuelle Reifungskrise zu den am wenigsten psychiatrisch erforschten Diagnosen zählt. Denn sie wird – zum Glück – nicht von jedem Arzt als Störung im klassischen Sinne angesehen, sondern erst dann als ernsthaft eingeschätzt, wenn eine komorbide Störung wie eine Depression hinzukommt. Zudem suchen die Betroffenen gerade im späteren Erwachsenenalter nur sehr vereinzelt den Therapeuten auf.

Aufgrund der mangelnden Fälle und der spärlichen Forschung ist es schwierig, verlässliche Aussagen dazu zu machen, inwieweit eine Schwangerschaft ein Risiko für eine sexuelle Reifungskrise darstellt oder bei wie vielen Frauen dies der Fall ist. Fakt ist, dass eine sexuelle Reifungskrise durchaus in einem späteren Lebensabschnitt eines Menschen auftreten kann. Manchmal werden homosexuelle Tendenzen ein Leben lang unterdrückt oder nur in der Fantasie oder heimlich ausgelebt. Dies kann unter Umständen am gesellschaftlich vermittelnden Druck liegen, dem das heranwachsende Kind ausgesetzt ist. Denn eine heterosexuelle Beziehung wird nach wie vor als «Norm» angesehen und oft auch innerhalb der Familie so vermittelt.

Neue Lebensqualität schaffen

Es ist durchaus möglich, dass nach erfülltem Kinderwunsch eine homosexuelle Neuorientierung stattfindet, deren endgültige Ausgestaltung eben erst nach dem Muttersein einsetzt. Letztlich geht es bei Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung nicht darum, einer Norm gerecht zu werden. Und zu einer Störung avanciert eine sexuelle Reifungskrise hauptsächlich dann, wenn man seine eigenen Gefühle und Wünsche negiert und ihnen kein Gehör verschafft. Eine neu erlangte Offenheit oder Reorganisierung der Geschlechtsorientierung kann nämlich auch befreiend wirken und neue Lebensqualität schaffen.


Liebe Leserinnen und Leser
So erfolgreich die Kolumne war, nach 52 Wochen geht sie doch zu Ende. Der heutige Beitrag ist der letzte. Die Redaktion macht Platz für Neues, allerdings nicht ohne sich bei Andrea Burri herzlich für ihre Arbeit zu bedanken und ihr auch auf diesem Weg alles Gute zu wünschen.
Die Redaktion

14 Kommentare zu «Wenn die Partnerin plötzlich Frauen liebt»

  • This sagt:

    Man sollte das nicht erforschen im patologischen Sinn, sondern machen wozu Frau/Mann LUST hat.

  • Christoph Bögli sagt:

    Das Grundproblem des Fragestellers (und auch der Antwort) liegt doch schon in der Annahme, dass die sexuelle Orientierung ein absoluter, binärer Zustand ist. Dabei deuten eigentlich alle Studien dazu darauf hin, dass das Ganze ein gradueller Zustand ist und die meisten Menschen irgendwo zwischen den Extremen liegen. Weshalb sich jemand durchaus einfach so mal ins gleiche Geschlecht verlieben kann ohne dass sich bei der Person irgendwas verändert hat, geschweige denn dass irgendein Krankheitsbild vorliegt.

    • Vierauge sagt:

      krankhaft ist das sicher nicht – aber das Problem des Fragestellers ist wohl eher, dass seine langjährige Partnerin „plötzlich“ auf Frauen steht und ihn verlässt (natürlich eine reine Vermutung meinerseits).

      Ich habe as mal bei einem Mann erlebt, der nach 20 Jahren Ehe und 4 Kindern merkte, dass er eigentlich schwul ist; das war für alle Beteiligten schwierig, besonders aber für seine Ehefrau.

  • Martin sagt:

    Mir ist das egal! Ich habe mich von der Damenwelt verabschiedet. Ständig hecheln nach Aufmerksamkeit, Paranoia, Lügen, immer etwas zu meckern, „Pink hat“ Getue, Veganismus, Vegetarierinnen, sozial, sozial, Windräder usw. Nein, darauf habe ich echt keine Lust mehr! Ich habe viele Frauen in meiner Familie und habe vieles gehört und mitbekommen. Darauf habe ich echt keine Lust mehr. Sexuell sind die meisten auch eher langweilig. Der Hass der Frauen ist auf dem Vormarsch und das können sich andere Leute antun, aber ich sicher nicht! Schade eigentlich. Ich dachte immer, wenn ich älter werde, kommt vielleicht mal die Zeit, wo mich die Frauen mögen. Aber dem ist nicht so. Nur hasserfüllte Lesben gibt es. Die will ich ganz bestimmt nicht!

    • Axel Trauwirt sagt:

      Hallo Martin – Du machst vermutlich etwas falsch. Aber es ist schon so, dass auch auf Seite der Frauen etwas nicht so richtig läuft wie es sollte. Verallgemeinern ist nicht sehr seriös aber es häufen sich die Anzeichen. Orientiere dich mehr östlich von hier, da wirds besser mit der Loyalität und dem Willen zu seiner Falilie zu stehen. Die Schweizerinnen können ja lesbisch leben und mit der Zeit aussterben. Es braucht in einer Beziehung Verbindlichkeit und nicht einfach nur den Egoismus das zu tun was man will, besonders wenn es den anderen Verletzt. Das gilt für jede Beziehung und jedes Geschlecht. Früher trugen die Frauen diese Last und wollen nun nicht mehr – auch verständlich, da sind wir Männer nun mehr gefordert auch zwischendurch mal was zu sagen.

      • Martin sagt:

        @Tauwirt: Wie weit östlich? Ich denke nicht, dass ich gross was falsch mache, was Frauen angeht. Das Problem ist, dass ich nicht in das Bild passe, dass sie gerne hätten. Da ich weder trendy bin, mir nicht gerne vorschreiben lasse, was ich zu essen habe usw. bin ich nicht formbar. Sobald ich bei einer Frau den Eindruck habe oder auch weiss, dass sie an ihrem Ex klebt oder so was, bin ich über alle Berge. Ich finde Trendsetter Menschen ohne Identität. Sie sind langweilig und konsumfixiert. Mir fehlt bei den Frauen die Konstante. Was eine Frau heute sagt, hat morgen keine Bedeutung mehr. Ich kenne genug solcher Frauen. Sowas mag ich nicht.

    • Balu sagt:

      Warum sollten die Frauen dich mögen? Du magst sie ja auch nicht.

      • Martin sagt:

        @Balu: Doch, ich mag die Frauen schon, jedenfalls teilweise und natürlich nicht alle. Aber es haben sich so falsche Meinungen und Ideologien breit gemacht und das will ich nicht. Frauen haben die Begabung, sich immer so zu präsentieren, als wären sie superschlau, hätten nichts falsche getan oder alle Schuld liegt beim Gegenüber/ Mann. Das ist mir zu wider geworden. Die Frauen, die mich mögen, haben immer einen Freund. Was will ich mit Frauen, die einen Freund haben? Genau.

  • Röschu sagt:

    Sorry, aber wenn im Jahr 2017 Fragen betreffend sexueller Orientierung mit Begriffen wie „Risiko“ und „psychische Störung“ erörtert werden, kann ich den Beitrag nicht ernst nehmen.

  • Silvia Büsch sagt:

    Ich kenne keine Frau, die «plötzlich» Frauen liebte – aber einige, die ihre Homosexualität solange verdrängten, bis sie Kinder hatten (und diese langsam erwachsen wurden) und / oder bis ihr Selbstbewusstsein und ihr Mut stark genug waren, um (endlich) zu dem zu stehen, was sie im Grunde schon immer waren und wollten.
    Ausserdem gibt es Frauen (und natürlich auch Männer), die sich erst nach einer längeren Phase eingestehen, dass sie weder ganz hetero- noch ganz homosexuell sind, sondern bisexuell (was nicht genau 50-zu-50-Prozent heissen muss). Natürlich kann mensch das nun «sexuelle Reifungskrise» nennen …

  • Henriette sagt:

    „Wie hoch ist das Risiko.. “ , das ist schon mal sehr blöd ausgedrückt. Ich habe einBrustkrebsrisiko, das macht mir Angst, aber lesbisch werden würde ich nie als riskant ansehen.

  • Anh Toàn sagt:

    Wenn meine Frau plötzlich Frauen liebt, hätten wir immerhin etwas gemeinsam.

Kommentar

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