Iss dich froh!

Mit der richtigen Ernährung lässt sich die Stimmungslage beeinflussen. (Foto: News.at)

Bei einem Stimmungstief sind Teigwaren, Schokolade oder Chips für viele oft schnelle Helfer. Was wir essen, wirkt sich nicht nur auf unseren Körper, sondern auch auf unsere Psyche aus. Dass die Ernährung ein wichtiger Bestandteil für die psychische Gesundheit ist, darüber sind sich die Forscher einig. Allerdings ist die Suche nach den Wechselwirkungen zwischen Ernährung und psychischer Gesundheit ein relativ neues Forschungsfeld. Doch immer mehr Wissenschaftler versuchen, den Einfluss der Ernährung auf das Gehirn zu ergründen.

Bestimmte Ernährungsstile wie die mediterrane Küche werden im Zusammenhang mit Prävention von Depression immer wieder erwähnt. Besonders gut erforscht sind die Omega-3-Fettsäuren, die man in fettem Fisch, Eigelb, Öl, Leinsamen und Walnüssen findet. Man vermutet, dass sie bestimmte Botenstoffe (unter anderem Serotonin) im Gehirn beeinflussen, die für die Stimmungsregulation zuständig sind. Bei einer Depression sind sehr viele Funktionen im Gehirn verändert. Daran sind zahlreiche Botenstoffe beteiligt, wobei ein besonderes Augenmerk auf Noradrenalin und Serotonin gelegt wird, da Antidepressiva auf diese wirken und sie möglicherweise eine Rolle bei der Entstehung der Depression spielen. Der Stoffwechsel, dazu gehört der Austausch von Botenstoffen zwischen den Nervenzellen, ist bei einer Depression verändert.

Zusammenhang zwischen Übergewicht und Depression

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden etwa 350 Millionen Menschen an Depressionen. Wissenschaftlich belegt sind die genauen Zusammenhänge zwischen Ernährung und Depressionen noch nicht. Das will Elisabeth Kohls, Projektkoordinatorin und Psychologin an der Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig, ändern. Ihre Fakultät beteiligt sich an einem grossen europäischen Forschungsprojekt namens «Mood Food». Die rund 1000 Probanden dieser auf fünf Jahre angelegten Studie haben alle einen Body-Mass-Index über 25, gelten also als übergewichtig. Zudem haben sie leichte depressive Symptome. Ein Zusammenhang zwischen Adipositas und einem erhöhten Depressionsrisiko gilt durch eine Reihe von Querschnitts- und Längsschnittsstudien als belegt: Adipöse haben gegenüber normalgewichtigen Personen ein um bis zu 55 Prozent erhöhtes Risiko, depressiv zu erkranken.

Auf der anderen Seite haben einige Studien, die bis jetzt in diesem Bereich gemacht wurden, ergeben, dass Menschen, die sich vollwertig ernähren – frisches Gemüse, Früchte, Fisch und Vollkornprodukte –, ein geringeres Risiko haben, an Depression zu erkranken.

Nahrungsergänzungsmittel

Kann es sein, dass eine ungesunde Ernährungsweise unglücklich macht – im schlimmsten Fall sogar depressiv? «Einige Studien weisen darauf hin, dass es einen komplexen Zusammenhang zwischen Ernährung, Übergewicht und Depression gibt», sagt Kohls. Jetzt soll unter anderem untersucht werden, welche Auswirkungen eine Ernährungsberatung und die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln auf das Depressionsrisiko haben.

Die «Mood Food»-Studie will vor allem im Bereich der Prävention von Depressionen Aufschluss geben. Die Teilnehmer bekommen Nahrungsergänzungsmittel in Tablettenform, darunter Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D und B, Kalzium, Folsäure, Selen und weitere Nährstoffe. «Bei der Studie werden Nahrungsergänzungsmittel verwendet, weil Einnahme und Dosierung leichter zu überprüfen sind als die tägliche Ernährung», erklärt Elisabeth Kohls. «Ziel ist es, eine wirksame Ernährungsstrategie zur Vorbeugung von Depressionen zu finden. Ich hoffe, dass wir nach Auswertung der Daten besser wissen, wie Ernährung, Übergewicht und Depression zusammenhängen», sagt die Projektkoordinatorin. «Und ob und mit welchen Nahrungsergänzungsmitteln oder Ernährungsempfehlungen man das Depressionsrisiko senken kann.»

Dr. Elisabeth Kohls, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Leipzig, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, forscht im Bereich Depression und Ernährung und ist Projektkoordinatorin der Studie «Mood Food».

 

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