Wie viel Make-up?

Wie viel Make-up eine Frau im Alltag liebt, ist Geschmackssache. (Foto: iStock))

 

VIEL MAKE-UP
«Make-up macht mich glücklich»
Von Steffi Hidber*

Schminken ist Empowerment!

«If you’re gonna do it, do it right», sang schon George Michael. «Halbbatzigs» macht mich rasend. Selbst beim Thema Make-up. Ich behaupte hier keinesfalls, dass Frauen Make-up brauchen, um schön zu sein. Sondern dass – wenn man sich schon schminkt und sowohl die Begabung mitbringt, die ganzen Farben und Cremen und Puder an der richtigen Stelle aufzutragen – man das ruhig so tun kann, dass es auch ein Aussenstehender wahrnimmt.

Der Nude-Look (dieser «ungeschminkte» Style, der aus neunzehn verschiedenen Beigetönen besteht) ist nämlich sterbenslangweilig. Und sieht auch nur an minderjährigen Models gut aus, die nicht nur mit der perfekten, strahlenden Haut der Jugend gesegnet sind, sondern auch noch ideale Gesichtszüge haben.

Ich habe leider nicht dieses Glück: Meine Nase sieht gleich viel eleganter aus, wenn ich sie mit etwas Puder konturiere. Mein kleiner Mund macht, in einem leuchtenden Rot geschminkt und mit Highlighter umrandet, gleich viel mehr her. Und meine microgebladeten Augenbrauen (googeln Sie es ruhig!) geben meinem hellen, kontrastfreien Gesicht viel mehr Definition und Charakter.

Geschminkt, und zwar wahrnehmbar geschminkt, sehe ich ganz klar besser aus. Ihre Meinung dazu interessiert mich nicht, denn Make-up trage ich für mich, nicht für meine Umwelt. Das ist «Empowerment»!

Genauso wie Sie sich möglicherweise nun über die Tausenden von Franken freuen können, die sich auf Ihrem Bankkonto stapeln, weil Sie sich nie dieser ganzen Make-up-Industrie «unterworfen» haben – genauso freue ich mich, wenn ich am Morgen früh den perfekten Eyeliner ziehe und mich damit schön fühle.

Und stark. Denn diese Schminke macht mich mitunter zu der Frau mit dem perfekten Eyeliner oder den roten Lippen oder den lilafarbenen Nägeln. Man stelle sich bloss vor, was ich sonst so alles kann, wenn das schon sitzt? Make-up macht mich glücklich. Die logische Konsequenz? Mehr davon!

* Steffi Hidber ist Journalistin und seit vier Jahren erfolgreiche Beautybloggerin mit www.heypretty.ch.

WENIG MAKE-UP
«Ich habe nichts zu verstecken»
Von Silvia Aeschbach*

Weniger ist mehr!

Kürzlich trug ich einen wirklich leuchtenden, korallfarbenen Lippenstift. Eher ungewöhnlich für mich. Meine Make-up-affine Freundin Steffi lobte diese optische Veränderung und ermutigte mich: «Setze mehr auf Farben!» Als ich mich wenig später im Spiegel anschaute, erschrak ich allerdings ein bisschen: Mein stark geschminkter Mund hatte etwas Clowneskes.

Nichts gegen Frauen, die kräftig in den Farbkasten greifen. Vor allem, wenn sie das Schminken beherrschen, ergeben sich so verblüffende Resultate. Und als eher blasse Blondine weiss ich den Hauch Rouge auf meinen müden Wangen durchaus zu schätzen. Und Wimperntusche ist ein Muss – ohne sehe ich aus wie ein Albino. Aber das wars dann auch.

Wie man im Alltag Zeit hat, sich mit verschiedenen Schattierungen und Paletten ein sogenanntes Contouring zu schminken, habe ich noch nie verstanden. Und wenn ich die zahlreichen Make-up-Tutorials im Internet anschaue, wird mir schwindelig. Da wird gestrichen und gespachtelt, was das Zeug hält. Schicht um Schicht wird eine Illusion geschaffen, die Stars wie Rihanna oder Kim Kardashian für ein Fotoshooting cool aussehen lassen, bei einer «Normalsterblichen» aber doch eher seltsam anmuten.

Mit zunehmendem Alter gefalle ich mir mit wenig Make-up einfach besser, denn ich habe nichts zu verstecken, auch wenn meine Züge alles andere als perfekt sind. Ich vermisse auch die experimentierfreudigen Zeiten mit hellblauem Lidschatten und pinkfarbenem Lippenstift nicht, auch wenn sie Spass machten.

Heute weiss ich, was in vielen Bereichen stimmt, stimmt für mich auch beim Schminken: Weniger ist mehr. Darum lautet mein Motto heute: «You get what you see.» Du bekommst das, was du siehst.

* Unsere Von-Kopf-bis-Fuss-Bloggerin Silvia Aeschbach ist Chefredaktorin der Lifestyle-Beilage «encore!» der «SonntagsZeitung», Stilberaterin und Autorin.

17 Kommentare zu «Wie viel Make-up?»

  • Lucy Graf sagt:

    Apropos „Make-up trage ich für mich, nicht für meine Umwelt.“

    Ein Gedankenexperiment: Sie sind der letzte Mensch auf Erden, ausser Ihnen gibt es garantiert niemanden mehr. Schminken Sie sich dann trotzdem, da Sie es ja für sich tun?

  • Sophie sagt:

    Ich habe Freude am Schminken und am jeweiligen Resultat. Es mag komisch klingen aber ich fühle mich richtig schön geschminkt gleich viel Selbstsicherer als ungeschminkt. Gleichwohl finde ich mein Gesicht auch ungeschminkt schön.
    Ich schminke mich für mich selbst und nicht für Andere, trotzdem geniesse ich Blicke oder Komplimente wenn ich welche erhalte.

  • Mody Bühler sagt:

    Gutes Makeup ist fast unsichtbar. Die Ausnahme bestätigt die Regel.

  • Lia sagt:

    der verlogenste Satz der Welt: „Make Up trage ich für mich“. Nein! Für sich würde jede Frau ungeschminkt im Trainer herumlaufen. Sie tut es nicht, weil sie die Blicke der anderen schätzt, die sie einheimst, wenn sie mit Make Up besser aussieht als ohne.

    • Dina sagt:

      Was ist denn das für eine seltsame Argumentation.
      Die Frau tut es nicht für sich, aber Sie tut es, weil Sie die Blicke der anderen schätzt?. Dann tut Sie es ja eben gerade für sich, weil die Frau sich selber ein möglichst angenehmes Leben gestalten will. Was ist daran ein Problem? Jeder „normale“ Mensch versucht sich das Leben optimal zu gestalten. Und bei der Gestaltung des Lebens werden Mitmenschen notwendigerweise einbezogen. Jeder (ich sag mal psychisch gesunde) Mensch kümmert sich darum, was andere Menschen von ihm halten, weil der gesunde Mensch die Konsequenzen abschätzen kann, was es bedeutet, die Gunst der anderen zu verlieren. Weder das Schminken noch das Nichtschminken ist ein Akt von Selbstlosigkeit. Muss es auch nicht sein.

  • Hans Knecht sagt:

    Frauen haben von Natur aus ein schönes ansprechendes Gesicht. Und durch Makeup wird dies nicht schöner.

    Es ist aber meines Erachtens besser Frau spielt mit Kleidung, Frisur oder Makeup als dass sie wie manche Männer diese Zeit in gesellschaftsschädigende kranke Machtspiele aufwendet.

    • Lia sagt:

      „die“ Frau an sich gibt es nicht. Es gibt solche mit ansprechenden Gesichter und solche ohne. Was wirklich tragisch ist, ist, dass Menschen die einzigen Tiere sind, bei denen das Weibchen sich farblich aufplustert, um dem Männchen zu gefallen..

      • Hans Knecht sagt:

        Liebe Lia, Menschinnen müssen sich meines Erachtens nicht aufplustern um den Männchen zu gefallen. Die Natur reicht. Bei vielen haben ich aber eher den Eindruck dass sie sich aufplustern um sich selbst noch mehr zu gefallen. Warum Frau sich selbst dies antut weis ich nicht. Vielleicht weil manche Frau in der Gesellschaft von heute zu wenig Aufmerksamkeit, Beachtung oder Wertschützung erhält?

        Des weiteren sind Menschen keine Tiere. Kein Tier nimmt einen Menschen als Haustier. Umgehrt hingegen schon. Und kein Tier zahlt meines Wissens von sich aus Steuern oder verwendet Geräte wie ein Smartphone oder fährt ein Auto.

  • Michael sagt:

    Analog wäre hier doch die Frage – wieviel PS braucht der Mann ? Schminke hat ein vielfältiges Einsatzgebiet. Das beginnt beim Abdecken von Hautunreinheiten bis hin zur Unterstützung der Verlockung.
    Da sollte jede Frau selber ihren Weg finden, was sie machen, bzw. bezwecken will. Wenn Sie Frau Aeschbach mal Lust auf eine knallige Farbe hatten, dann versuchen
    Sie es. Und klar, das Spiegelbild zeigt nicht das gewohnte Bild. Sie sollten dann aber nach der ersten Schreckminute, die meist fremdbestimmt ist, sich mal realistisch betrachten. Wenn es Ihnen gefällt, trotz gegenläufiger Meinung, dann bleiben Sie dabei. Das Leben ist zu kurz für blasse Momente !

    • Mike Gerber sagt:

      Zu Ihrer PS-Frage: das hängt ganz davon ab, wen Sie fragen. 60 PS in den Händen eines Könners, werden immer mehr Wert sein, als 150 in den Händen eines Stümpers. Ob Auto oder Motorrad ist schon fast egal, die 70PS meiner BMW haben bisher immer ausgereicht, um den gebückten
      Rennpapageien eine Lektion in Sachen Schräglagenfahren zu erteilen; was die für Augen machen, wenn man mit den Ventildeckeln schleifend ums Eck kommt, einfach unbezahlbar!

  • Sparkly-Tess sagt:

    Irgendwie seltsam, irgendwie bezeichnend, und auch irgendwie langweilig, dass sich gewisse Zeitgenossen offenbar ständig genötigt sehen, sogar via ein Lifestyle Thema ihre politischen Ansichten zu vertreten……
    Aber gut, wer keine sonstigen Hobbies hat…..

  • Roland K. Moser sagt:

    Was meinen eigentlich unsere rosa, roten und grünen Linken zu Make-Up? Sexistisch und frauenverachtend solange sich die Männer nicht auch schminken?

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.