Zeichen der Stärke

Blumen, Blüten und Blätter von Tattookünstler David Allen verschönern die Brust einer Krebspatientin. (Foto: David Allen)

Wer den Brustkrebs überlebt hat, sieht sich, neben der psychischen Belastung, oft auch mit einem veränderten Aussehen konfrontiert. Nach einer Operation bleiben grössere Narben zurück, selbst wenn die Brust wieder aufgebaut wurde. So auch bei Corinne*, die sich nach der Brustkrebsdiagnose vor sieben Jahren ihre linke Brust amputieren und danach wieder aufbauen liess. Heute gilt Corinne als geheilt. Trotzdem erinnern sie die inzwischen verheilten, aber immer noch sichtbaren Narben an die schwere Zeit. «Ich habe mich oft gefragt, ob ich trotz der Narben immer noch schön bin», sagt die 43-jährige Rechtsanwältin. Doch heute schaue sie wieder selbstbewusst in den Spiegel. «Dass ich mich trotz der Krankheit immer noch mag, hat auch mit meinem Mann zu tun, der mir immer das Gefühl gibt, dass ich eine begehrenswerte Frau bin.»

«Wir haben die Kontrolle zurückgeholt»

Jährlich erkranken in der Schweiz rund 5900 Frauen an Brustkrebs. Viele Patientinnen, bei denen eine Mastektomie oder partielle Entfernung der Brust nötig war, vermissen danach einen wichtigen Teil ihrer Weiblichkeit. Die amerikanische Website P.ink bietet Brustkrebspatientinnen an, ihre Brust zu tätowieren – egal ob mit einem kleinen Tattoo oder einem kunstvollen «Gemälde». So werden unschöne Narben überdeckt, die die Frauen jeden Tag beim Blick in den Spiegel an die Krankheit erinnern. Auf der Website können Brustkrebspatientinnen mit den verschiedensten Tattoo-Künstlern wie David Allen oder Samantha Rae in Verbindung treten. Die Non-Profit-Organisation, die sich, unter anderem, mit Spenden finanziert, hat auch eine App entwickelt, mit der man die Entscheidung zuerst mit verschiedenen Motiven durchspielen kann.

Wer sich bezüglich Motive inspirieren lassen will, kann das ebenfalls tun. Hier finden sich viele Beispiele und Ideen für eine mögliche Verschönerung. Viele Motive orientieren sich an der Natur und zeigen Zweige, Blumen oder Blätter. Sie eignen sich besonders, wenn man erneut operiert werden muss und die Tattoos angepasst werden sollten. David Allen, der regelmässig Brüste mit seinen Tattoos verschönert, findet fast poetische Worte für das Projekt: «Was klinisch war, ist jetzt wieder wunderschön – wir haben Steriles wieder sinnlich gemacht. Wir haben die Kontrolle zurückgeholt.»

Auch in Deutschland

In der Schweiz gibt es (leider) noch keine Tattookünstler, die wie P.ink arbeiten. Die amerikanische Organisation ist aber bestrebt, auf Anfrage, «das Know-how an Interessierte weiterzugeben». In Deutschland vermittelt eine ehemalige Brustkrebspatientin namens Silke, die sich ebenfalls die Brust tätowieren liess, geeignete Tattookünstler. Ihr habe diese Art der Verschönerung sehr geholfen, mit der Krankheit fertigzuwerden. «Die Wahl meines Tattoomotivs stand schnell fest. Ich wollte einen Krebs. Meinen ganz persönlichen Krebs. Ende Mai 2013 setzte ich den Plan in die Tat um. Als ich nach der individuellen Anpassung meiner Motividee und nach drei Stunden unter der Tätowiernadel dann mein Brustkrebs-Tattoo im Spiegel sah, war das ein unglaubliches Gefühl. Ich fühlte mich wieder ganz», erzählt sie auf ihrer Website.

Auch Corinne ist von der Tattoo-Idee begeistert, hätte aber selbst «nicht den Mut gehabt, mir ein grosses Tattoo stechen zu lassen». Bei ihr erinnert aber eine kleine Rose am Handgelenk an die Stärke, mit der sie ihre Krankheit überwunden hat. Das Motiv hatte sie sich nach dem Brustaufbau stechen lassen.

*Namen der Redaktion bekannt

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