Sieben Tipps gegen Flugangst

 

Entspannen ist die halbe Miete: Gewinner eines Red-Bull-Wettbewerbs erleben die Schwerelosigkeit bei einem Parabelflug über Moskau, 2012. Foto: Sergei Remezow (Reuters)

Ich bin in meinem Leben sicher schon tausend Tode gestorben. Davon mindestens 150 in einem Flugzeug. Denn ich hasste das Fliegen, oder besser gesagt, den Kontrollverlust und das Gefühl des Ausgeliefertseins.

Mein schlimmstes und gleichzeitig peinlichstes Erlebnis war ein Flug mit Air Berlin. Nachdem in Zürich alle Türen des Flugzeugs geschlossen wurden, packte mich die Panik, und ich wollte unbedingt wieder aussteigen. Es brauchte zwei Flugbegleiter, die mich beruhigten. Einer davon sass dann beim Start und bei der Landung neben mir und hielt mein Händchen. Als das Flugzeug in Berlin gelandet war, sagte der Pilot übers Mikrofon: «Ich beglückwünsche die Passagierin auf Platz Nummer 19B zu ihrem geglückten Flug.» Worauf ich zuerst tosenden Beifall der Mitpassagiere erntete, beim Aussteigen dann aber manch blöden Spruch über mich ergehen lassen musste.

Die Panik vor dem Fliegen kam plötzlich. Ich habe bis heute nichts Gravierendes an Bord eines Flugzeugs erlebt, und mit 20 wollte ich sogar Flugbegleiterin werden. Zu meinem damaligen Bedauern war der Ausbildungsgang bereits ausgebucht. Über die Jahre habe ich einige Verhaltensmechanismen geübt, die mir das Fliegen heute erleichtern. Ich fliege zwar noch immer nicht gern, aber ich leide nicht mehr so stark, dass ich vor jedem Flug mit meinem Leben abschliesse.

1. Vorbereitung ist alles

Vor einem Flug ein bisschen Gymnastik oder eine Runde an der frischen Luft sorgen dafür, dass ich mich danach besser entspannen kann. Wer, wie ich, die Enge hasst, sollte bei den Kleidern auf einen lockeren Zwiebellook setzen. Zu enge Oberteile oder zwickende Hosen verstärken das Gefühl von Eingeschlossensein.

2. Entspannt bleiben

Autogenes Training hat mir enorm geholfen. Mit ein paar wenigen Übungen schaffe ich es, den Körper zu lockern. Eine weitere Hilfe: die Muskeln oder auch nur die Fäuste einige Sekunden fest anspannen und danach wieder lockern. Bewusst ein- und ausatmen. Und das nicht zu schnell. Sonst droht Hyperventilation.

3. Ablenken

Bücher, Magazine, Musik – alles, was hilft, die Gedanken unter Kontrolle zu halten, ist gut. Manchmal beobachte ich auch meine Mitreisenden. Ich bin inzwischen Expertin darin, festzustellen, wer auch Angst hat. Ein aufmunterndes Lächeln zwischen Betroffenen verbindet.

4. Hilfe annehmen

Das Personal an Bord ist bezüglich Flugangst geschult. Warum also nicht gleich auf seine Angst hinweisen? Geholfen haben mir auch schon Gespräche mit Sitznachbarn.

5. Den richtigen Platz (und die richtige Begleitung) finden

Wenn ich nicht allein fliegen muss, hilft mir das ganz ungemein. Aber leider geht das nicht immer. Mein bevorzugter Platz ist einer nahe bei den Tragflächen, hier wackelt es am wenigsten.

6. Einen Kurs gegen Flugangst besuchen

Damit habe ich keine Erfahrung, aber ich weiss von Kollegen, dass das eine flotte Sache ist.

7. Beruhigen

Viel trinken – kein Kaffee und höchstens ein wenig Alkohol –, Bachblüten, Baldrian und Beten sind einen Versuch wert. In Zeiten grosser Flugangst hatte ich immer eine Beruhigungstablette in der Tasche. Für den Worst Case. Allein die Tatsache, dass ich sie dabei hatte, half bei der Bewältigung der Panik.

5 Kommentare zu «Sieben Tipps gegen Flugangst»

  • Lanzelot sagt:

    8. Zugfahren! Geht meistens in Europa, und ist erst noch intensiver….

  • Christoph Bögli sagt:

    Ich finde das Ganze ja immer schwierig nachzuvollziehen. Was ist denn mit dem Kontrollverlust und dem Ausgeliefertsein in einem Auto (als Beifahrer), Bus oder Zug? Verursacht das auch Panik?

    • Hanspeter Niederer sagt:

      Sehr wichtige Komponenten sind eben auch die Fallangst und die Höhenangst, welche nicht erwähnt wurden im Artikel, im Verkehrsmittel Flugzeug aber zusätzlich aktiviert werden.

  • Hanspeter Niederer sagt:

    Ich schliesse mich der Aussage von maia an. Es sollte viel mehr Menschen mit extremer Flugangst geben, sodass diese ökologisch verheerende Herumfliegerei drastisch reduziert würde. Überfällig ist zudem die Besteuerung des Kerosins analog zu Benzin und Diesel. Eine unglaubliche Frechheit und ein politisches Totalversagen, dass dies nicht schon längst realisiert wurde.

  • maia sagt:

    Ich habe einfach das Fliegen auf ein absolutes Minimum reduziert. d.h. ich fliege nur, wenn der Ort kaum anders erreichbar ist und nur, wenn ich mindestens 5-6 Wochen im Zielland bleiben kann. Das war bis jetzt 2x in meinen Leben der Fall (ich bin über 50ig). Alles andere ist in meinen Augen auch ökologisch nicht vertretbar. Nach Berlin z.B. gibt es beste Zugverbindungen.
    In den beiden genannten Fällen habe mir die obigen Tipps sehr geholfen. Da ich in der Regel die Nächte vor dem Flug kaum schlafen konnte, war ich ausserdem extrem müde.

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