Geniessen ohne Reue

Wohl bekomms: Dass der Festtagsbraten nicht schwer im Magen liegt, dafür kann man vorsorgen. (Bild: iStock)

Wenn selbst Menschen, die sich unter dem Jahr ausgewogen und vernünftig ernähren, über Magendrücken und Völlegefühl klagen, dann ist garantiert wieder einmal Festtagszeit. Und diese beginnt in unseren Breitengraden früh: Kaum ist der Dezember ins Land gezogen, werden Mailänderli & Co. gebacken und natürlich auch gegessen, Gäste grosszügig bewirtet und Büro-Weihnachtsessen gefeiert. Sind dann die Feiertage da, haben Fondue chinoise, Chügelipastetli und Filet im Teig Hochkonjuktur. Und natürlich werden der edle Schampus und der beste Wein aus dem Keller geholt, schliesslich gönnt man sich ja sonst nichts. Für viele hat Essen auch viel mit Liebe zu tun, darum fällt es schwer, bei der verwöhnenden Mutter Nein zu sagen zum üppigen Braten und zum selbst gemachten Pudding.

Was aber passiert, wenn wir zu üppig schlemmen? Während die Leber Schadstoffe aus dem Blut filtert und aus dem Körper ausscheidet, ist die Gallenblase vor allem für die Aufspaltung der Fette in der Nahrung zuständig. Sie dient als Auffangbecken für den Gallensaft, der auch in der Leber produziert wird. Verändert sich die Zusammensetzung dieser Flüssigkeit, etwa durch sehr fettige Mahlzeiten, kann es zu Gallenbeschwerden kommen. Auch Übelkeit und Aufstossen sind typische Symptome bei belasteter Galle und Leber. Rebelliert der Magen vor lauter Völlerei, kann es zu Sodbrennen, Reflux und Magenschmerzen kommen.

Was also tun, damit man verdauungsmässig gut über die Festtage kommt?

1. Bitter hilft

Falls man schon vorher weiss, dass man seine Verdauungskraft mit reichhaltigem Essen überfordern wird, könnte man vorsorglich eine halbe Stunde vor dem Essen eine halbe Tasse Wermuttee langsam trinken. «Alle bitteren Kräuter helfen sehr gut, die Verdauungssaftproduktion anzuregen», sagt die Winterthurer Gesundheitsberaterin Elke Müller.

Artischockenpräparate können die Fettverdauung fördern, indem sie einen Einfluss auf den Gallenfluss nehmen. Allerdings darf man keine Wunder erwarten; wer sich richtiggehend «überfressen» hat, sollte ein, zwei Tage Schonkost einlegen.

2. Langsam essen

Unser Magen meldet sich erst mit einem Zeitverzug von ca. 15 bis 20 Minuten. Darum sollte man sich Zeit lassen und gut kauen. So wird das Sättigungsgefühl auch rechtzeitig wahrgenommen.

3. Anis erleichtert

Darüber, ob ein Magenbitter Erleichterung verschafft, streiten sich die Gemüter. Viele sprechen sich dagegen aus, da sie finden, dass Alkohol zusätzlich die Organe belaste. Andere schwören auf einen Kräuterschnaps, der eine vorteilhafte Wirkung auf die Verdauung haben kann. Vor allem Anisöle, die zum Beispiel in Ouzo und Pastis enthalten sind, wirken sich positiv aus. Sie enthalten Karminative, die grosse Luftblasen im Verdauungstrakt in kleine zerlegen und so das Wohlgefühl zurückbringen können. Beliebt ist auch starker Schwarztee, zum Beispiel zum Fondue genossen.

4. Espresso hilft beim Verdauen

Wer Kaffee nach dem Essen und vor dem Einschlafen verträgt, der sollte sich ein Tässchen genehmigen. Espresso enthält ebenso wie typische Aperitifs wie Wermut, Sherry oder Campari Bitterstoffe. Diese regen spezielle Zellen in der Magenschleimhaut dazu an, Säure freizusetzen, was die Verdauung vereinfachen kann.

5. Luft ablassen

Bei geblähtem Bauch eignen sich Tees und Tropfen aus Kümmel, Fenchel, Melisse oder die Einnahme von Heilerde. Bei leichter Übelkeit und geblähtem Bauch hilft auch ein starker Pfefferminztee.

6. Bewegung tut gut

Natürlich kann man sich nach dem üppigen Mahl auch mit einer warmen Bettflasche auf die Couch hauen, aber ein ausgiebiger Spaziergang an der frischen Luft hat den besseren Effekt. Denn körperliche Bewegung bringt auch die Organe und die Verdauung in Gang. Zudem bringt solch ein Spaziergang Ruhe und Besinnlichkeit, und letztlich sind die Festtage zum Geniessen da.

6 Kommentare zu «Geniessen ohne Reue»

  • Ehn Walter sagt:

    Weinachten sollte man abschaffen, alles nur Komerz Money schenken, schenken. Mit dem religiösem Sinn, der Weinachten sein SOLLTE, hat es nichts mehr zu tun

  • Hanspeter Niederer sagt:

    „Für viele hat Essen auch viel mit Liebe zu tun ….“ Genau, darum verzichte ich nicht nur an Weihnachten auf Tierprodukte, sondern das ganze Jahr hindurch. Mitgefühl mit Lebewesen ist allumfassend, sonst zeugt es von einem gespaltenen Geist. Und ein gespaltener Geist ist nie ein zufriedener Geist – trotz Festagsbraten, foie gras und kiloweise Butter-Guetzli – sondern ein ruheloser Geist auf der Suche nach Einheit und Zugehörigkeit zur Schöpfung.

  • Andrea sagt:

    Viel Sport hilft. Einfach um 6 aufstehen und joggen/schwimmen/velofahren gehen.

    • marusca sagt:

      @Andrea, die Sportkanone: Sie klingen nicht danach, als wüssten Sie, dass es diese merkwürdigen Zeitgenossen gibt, die um 7.30 Uhr an ihrem Arbeitsplatz zu erscheinen haben; geduscht, vernünftig angezogen, mit etwas Frühstück im Magen und die eine einigermassen aufgeräumte Wohnung hinterlassen wollen, damit sie abends nicht gleich der Schlag trifft, wenn sie nach Hause kommen, und – auch das kann ab und zu vorkommen – die vor Arbeitsbeginn noch ihre Kinder in die Kita bringen müssen.

  • marusca sagt:

    Guetsli, „Champus“ und Braten liegen mit Sicherheit nicht schwer im Magen, sofern man weiss, wenn man genug hat und nicht end- und zügellos weiter(fr)isst wie das Vieh. Ein wenig das Hirn einschalten wäre eigentlich die beste Medizin gegen Magenschmerzen durch Völlerei. Aber eben…

    • Hanspeter Niederer sagt:

      Vieh ist und isst nicht zügellos, falls ihm nicht Chemikalien ins Futter gemischt werden – das ist dem gierigen Menschen vorbehalten. Allerdings muss man zur Verteidigung des Menschen sagen, dass diesem sehr wohl Chemikalien ins Futter gemischt werden.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.