Fünf Stimmungsaufheller gegen den Winterblues

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Schon Bridget Jones (Renée Zellweger) wusste: Faulenzen, (Selbst-)Hilfebücher und Schokolade helfen bei fast allen seelischen Tiefs. Foto: Universal Pictures

Der Hochnebel drückt aufs Gemüt, und manchmal möchte man sich nur noch verkriechen. Man könnte den ganzen Tag nur schlafen, hat Heisshunger auf Süsses und Fettiges, kann sich nur schwer zu Sport, Verabredungen oder zur Arbeit aufraffen. «Es ist in Ordnung, sich im Herbst und Winter an einzelnen Tagen müde, antriebslos und niedergeschlagen zu fühlen», sagt der Psychiater Joe Hättenschwiler vom Zentrum für Angst- und Depressionsbehandlung Zürich (ZADZ). «Diese Verstimmungen sind kein Grund zur Sorge. Doch wenn einen konstanter Trübsinn und Müdigkeit länger als zwei Wochen plagen, sollte man einen Arzt aufsuchen. Dann kann es sich um eine saisonale Depression handeln.» Diese wird meist mit einer Lichttherapie behandelt.

Aber warum macht uns die kalte Jahreszeit eigentlich oft so zu schaffen, dass wir unter einem Blues leiden? Bisher haben Mediziner vor allem das Glückshormon Serotonin verantwortlich gemacht. Denn mit dem schwindenden Tageslicht bleibt auch dieser Gute-Laune-Botenstoff in unserem Körper auf der Strecke. Nun haben kanadische Forscher der Universität von Toronto jedoch ein weiteres Puzzleteil im Zusammenspiel von Jahreszeit und Gemütszustand gefunden: einen Eiweissbaustein in unserem Gehirn. Dieser ist im Sommer wenig, im Winter hingegen ganz eifrig damit beschäftigt, das Serotonin aus unserem Körper herauszutransportieren. Leider produziert unser Körper noch dazu in der dunklen Zeit mehr von dem müde machenden Schlafhormon Melatonin. Kein Wunder also, sind wir schlecht drauf und dauerschlapp.

Fünf Tipps gegen das seelische Tief

1. Sex und Kuscheln

Richtig guter Sex setzt einen wahren Hormoncocktail in uns frei. Serotonin wirkt stimmungsaufhellend, und das Anti-Stress-Hormom Prolaktin löst körperliche und seelische Anspannung. Dass Geschlechtsverkehr gut für unsere Gesundheit ist – der Vibrator wurde in den 1880er-Jahren nur aus einem Grund erfunden: Der Londoner Arzt Mortimer Granville entwickelte ihn als Mittel zum gezielten Stressabbau, das er seinen Patientinnen gegen Hysterie und Depressionen verschrieb. Aber auch Kuscheln vertreibt trübe Stimmungen: Berührung, Küsse, Streicheleinheiten. Wenn wir Zärtlichkeiten austauschen, wird das Kuschelhormon Oxytocin ausgeschüttet – ein Hormon, das auch beim Orgasmus ausgeschüttet wird. Wenn Sie keine Lust haben auf Sex und Kuscheln: siehe Punkt vier.

2. Bewegung und Licht

Natürlich ist es drinnen gemütlicher. Aber damit der Körper Serotonin produzieren kann, braucht er Tageslicht. Es müssen nicht einmal Sonnenstrahlen sein. Auch schon das normale Tageslicht fördert die Produktion von Glückshormonen. Am besten mindestens eine Stunde. Noch besser ist natürlich eine ausgedehnte Joggingrunde. Schon, dass man seinen inneren Schweinehund überwunden hat, macht glücklich.

3. Faulenzen und Geniessen

Wer sich genügend bewegt hat, geniesst das Nichtstun umso mehr. Rein in die Lieblingsklamotten und rauf aufs Sofa. Und dann einen grünen Tee geniessen, dessen Inhaltsstoffe freie Radikale abwehren. Oder warum nicht eine heisse Schokolade geniessen? Auch die «guten» Kohlehydrate wie Vollkorn, Nüsse, Bananen, Milchprodukte und Trockenfrüchte unterstützen die Bildung von Glückshormonen. Zum Aufwärmen sind scharfe und aromatische Gewürze wie Ingwer, Chili, Zimt oder Kardamom super. Es gibt auch Menschen, die auf den stimmungsaufhellenden Effekt von Zimtsternen schwören.

4. Berührungen und Massagen

Dass Massagen nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele guttun, kann jeder bestätigen, der schon einmal massiert wurde. Es ist auch nachgewiesen, dass dieser positive Effekt auch bei Depressionen helfen kann. An der Berliner Universitätsklinik Charité erhielten im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie 32 Patienten mit schweren Depressionen zusätzlich zur sonstigen Behandlung drei Ganzkörpermassagen, bei welchen sie eine Stunde lang relativ sanft massiert wurden. Das Ergebnis war sehr positiv: Die Patienten waren nach der Massage weniger angespannt und vor allem deutlich besserer Stimmung, insbesondere wurde die körperliche Berührung offenbar als sehr wohltuend erlebt. Und wenn Massagen selbst bei schweren Depressionen helfen, wie gut tun sie dann bei kleineren Stimmungstiefs? Es muss auch keine Ganzkörpermassage sein, schon eine Fussmassage kann Stresshormone wie Cortisol senken und die Produktion von Serotonin anregen.

5. Schmökern und Träumen

Ich nehme mir jedes Jahr vor, selber Weihnachtsguetsli zu backen, aber ich schaffe es nie. Dieses Jahr nehme ich mir die Zeit, denn ich weiss, dass mich der Duft und der Geschmack von frischen Mailänderli, Brunsli und Co. glücklich machen. Oder warum nicht endlich den dicken Schmöker in Angriff nehmen, einen Serien-Marathon anschauen, das Fotobuch gestalten oder die Mail an eine liebe Freundin schicken? Hauptsache, man ist bei seinen Tätigkeiten so konzentriert im Flow, dass man die Zeit und die Umgebung vergisst.

6 Kommentare zu «Fünf Stimmungsaufheller gegen den Winterblues»

  • Flo sagt:

    Jetzt muss ich aber etwas loswerden!
    Ich lese die Mamablog Beiträge meist irgend wann am Morgen/Vormittag und dann noch einmal die bis dahin eingetroffenen am Abend. Zu meinem grossen erstaunen sind bis jetzt gerade Mal 3 Beiträge veröffentlicht, drei Beitröge, wovon einer von mir selbst ist.
    Sonst sind doch bis zu Abend jeweils dutzende Kommentare mit Pro und Contra argument zu lesen und oftmals auch ziemliche Diskussionen entstanden..
    Lag es am Thema; ein Thema was mir in der heutigen Zeit als sehr wichtig erscheint, oder liegt es daran das in der Adventszeit niemal Zeit und Lust hat dazu zu äussern? Oder kannn es allenfals sein, dass dieses Thema, besonders jetzt, einfach nicht angesprochen werden darf/soll weil es oft aktuell oder gar schmerzhaft ist?

    • Luise sagt:

      Das ist nicht der Mamablog, sondern der Blog von Kopf bis Fuss, wo es selten viele Kommentare gibt. Sie haben vielleicht recht: Depressive Verstimmungen sind ein Tabuthema, das immer noch gern totgeschwiegen wird.

    • Flo sagt:

      Sorry liebe Luise!
      Hab ich dann auch bemerkt, konnte es aber nicht mehr korrigieren – es ist nicht der Mamablog – mea culpa!

  • Luise sagt:

    „Ein paar Stunden länger im Bett, ein Buch und mit der Katze kuscheln“… wird schwierig, wenn man voll berufstätig ist. Bleibt nur, in der Mittagspause raus, bewegen, atmen und jeden Sonnenstrahl geniessen.

  • Flo sagt:

    W i n t e r b l u e s
    Die meiste Zeit geniesse ich diese Tage. Natürlich kann es auch bei mir vorkommen ds mich ein Anflug von Blues überkommt.
    Da helfe ich mir mit einem fein duftenden Bad, ein paar Kerzen, einem lieben Telefonanruf und einer guten Tasse Kaffee oder je nach Tageszeit einem Glas Wein.
    Auch kann es vorkommen das mich solche Gefühle überkommen und ich sie ganz einfach zulasse. Mal so ein paar Stunden länger im Bett gekuschelt, ein Buch, in meinem Fall die Katze neben mir und vielleicht noch gute Musik im Radio – das kann so wunderbar sein und mich danach gestärkt und bereit für den „Lebenskampf“ in den Alltag entlassen. Gibt zudem auch Zeit um über sich selbst nachzudenken und das kann oft gut tun.

    • Beatrice sagt:

      da kann ich ihnen nur zustimmen, flo. muss man jedes negative gefühl bekämpfen und wegmachen versuchen?

      klar, niemand ist gerne deprimiert und traurig und im winterhalbjahr fehlt uns ganz einfach das sonnenlicht und die wärme aber ich hüte mich davor, mich deswegen dem zb. vorweihnächtlichen stress hinzugeben und wie bei einem dauerlauf ständig was zutun, nur damit das gefuehl des traurigseins mich nicht ueberkommt.

      manchmal tut es gut traurig zu sein und in sich selbst gekehrt zu sein. ein bisschen mehr focus auf sich und sein innersten täte jedem gut!

      aber es ist halt einfach sich dauernd zu beschaeftigen, dann muss man sich nicht mit seinen ’schatten‘ auseinander setzen. komischerweise fällt es uns leicht, dies bei anderen zu tun!

Kommentar

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