Ernährungsmärchen und Jo-Jo-Königinnen

Braucht je nach Stimmung eine Kleidergrösse mehr: Mariah Carey. (Bilder: Getty Images)

Braucht je nach Stimmung eine Kleidergrösse mehr: Mariah Carey. (Bilder: Getty Images)

Heute möchte ich einen Buchtipp mit Ihnen teilen, der mir in der Flut der sogenannten Abnehmratgeber positiv aufgefallen ist. Und eigentlich geht es in «Warum nehme ich nicht ab?» nicht um klassische Diäten und um einen möglichst schnellen Gewichtsverlust, sondern um einen natürlicheren Umgang mit dem eigenen Körper. Denn Hungern bringt bekanntlich auf die Länge nichts, sondern bewirkt das Gegenteil, den sogenannten Jo-Jo-Effekt: Nachdem die Pfunde gepurzelt sind, kommen sie innert Kürze wieder zurück. Und meist noch mit einem kleinen Supplement. Pop-Diva Mariah Carey ist die Königin des Jo-Jos und hat zurzeit allen Grund, sich mit Comfort-Food zu trösten. Wurde sie doch kürzlich vor der Hochzeit von ihrem Liebhaber, dem Milliardär James Packer, verlassen. Und sie ist ja bekannt dafür, dass sie, je nach emotionaler Situation, mal 20 Kilo mehr oder weniger wiegt.

Abschied von unrealistischen Erwartungen

«Finger weg vom Fett», sagen die einen, «auf keinen Fall Kohlenhydrate», die anderen. «Möglichst viel Eiweiss essen», behaupten die Diätpäpste, und «kein Essen mehr nach 18 Uhr», die Puristen. Die Übeltäter sind ebenfalls schnell gefunden: Mal ist der Zucker schuld, mal das Weissmehl. Und immer neue Begriffe prasseln auf uns ein: Low Carb, glykämischer Index, Fatburner, Negativkalorien, Schlankhormone und vieles mehr. Dieser handliche Ratgeber schlägt eine kleine Schneise in den Diätdschungel und zerrt all die Versprechungen und Wundertüten ans Licht. Dabei kommen 100 gängige Diätirrtümer, Ernährungsmärchen und Mythen heraus.

«Dieses Buch ist keine wissenschaftliche Abhandlung, kein Werk über komplizierte Moleküle und Hormone. Es ging mir um die ganz praktischen Fragen des Alltags, um einfache Lösungen, die jeder nachvollziehen kann», sagt die Autorin Susanna Walsleben. Sie kennt das Gewicht-Auf-und-Ab aus eigenem Erleben und weiss, was von unrealistischen Erwartungen, Kasteiungen und falschen Versprechen zu halten ist: nämlich nichts. Denn abnehmen ist in erster Linie eine Kopfsache, bei der der Bauch mit dem Richtigen gefüllt werden muss, damit er nicht rebelliert und falsche Botschaften «aussendet».

Es gibt natürlich kein Patentrezept für die tägliche Ernährung, denn das Essen ist eine absolut individuelle Sache, hat mit Lust, Geschmack und Sinnlichkeit zu tun. Ich kenne Menschen, denen es völlig egal ist, ob sie eine Wurst oder ein Steak essen, Hauptsache, der Bauch ist gefüllt. Sie bestellen in der Kantine immer einfach das Menü eins. Dann gibt es die ganz Verfressenen, die stundenlang über die Konsistenz einer Sauce fachsimpeln können und für die das Essen zu den wichtigsten Dingen im Leben gehört. Die meisten von uns aber schätzen eine feine Mahlzeit, essen nach Lust und Laune, und oft auch über den Gluscht.

Hartnäckige Mythen und Pfunde

In den Kapiteln «Ab sofort gilt: nie wieder über die Stränge schlagen» oder «Eigentlich esse ich überhaupt nicht viel» konfrontiert uns die Autorin mit beliebten Selbstlügen und zeigt auf, warum bei diesen der Schuss nach hinten losgeht. Sie schreibt, warum Low Carb auf Dauer keine Lösung ist, auch wenn solche Diäten immer als Zaubermittel der Promis verkauft werden, und warum Schokolade (leider) keine Nervennahrung ist. Die Fabel, dass, wer genügend Eiweiss isst, sogar im Schlaf abnehmen soll, wird ebenso aufgeklärt wie die Fragen, ob man durch körpereigene Hormone schlank werden oder ob eine Anti-Cellulite-Creme beim Körperstraffen helfen kann. Eigentlich unglaublich, welche Märchen sich 2016 immer noch ums Abnehmen ranken und wie anfällig wir auf diese Versprechungen sind.

Daneben gibt Susanne Walsleben Tipps, welche Lebensmittel positiv fürs Wohlfühlgewicht sind. Denn, das ist auch eine Kernaussage des Buches: Machen Sie sich nicht verrückt mit Kalorienzählen, sondern lernen Sie, auf ihre natürlichen Bedürfnisse zu hören. Wenn Sie einen vergnüglichen und informativen Ratgeber suchen, um den inneren Schweinehund besser zu verstehen, kann ich «Warum nehme ich nicht ab?» nur empfehlen.

Warum nehme ich nicht ab von Susanne Walsleben

 

Susanne Walsleben: «Warum nehme ich nicht ab? Die 100 grössten Irrtümer über Essen, Schlanksein und Diäten», Neuauflage 2015, Südwest Verlag, 144 Seiten, Fr. 17.90

 

3 Kommentare zu «Ernährungsmärchen und Jo-Jo-Königinnen»

  • Gabriela Betz Widmer sagt:

    Die meisten wollen abnehmen, aber sich körperlich nicht anstrengen. Sport ist jedoch die Grundvoraussetzung zum Abnehmen. Muskeln sind das einzige Organ im Körper, das Kalorien verbrennen kann! Das heisst, ich muss mich zweimal, besser dreimal die Woche sportlich betätigen. Und Krafttraining in Kombination mit Ausdauertraining machen. So aktivieren sich die Muskelfasern, wir bekommen starke Muskeln, die im Ruhezustand viel Kalorien verbrennen. Dazu ausgewogen essen am besten dreimal pro Tag und Mahlzeitenpausen von 4-6 Stunden einhalten. Gute Kohlenhydrate (Vollkornprodukte) und viel Gemüse. Viel trinken 2-3 Liter. Mit der Kombination aus Sport und Ernährung kommt der Stoffwechsel auf Touren und dann schmilzt das Fett. Und wir erreichen nachhaltig und langfristig eine Veränderung.

  • Stibe sagt:

    Jeder Körper ist anders, der eine breiter, der andere dünner und der BMI ist eine Erfindung einer amerikanischen Versicherungsgesellschaft. Ich habe schon alles ausprobiert, doch salzarm Essen und ein bisschen Trennkost haben mir geholfen. Ich bin nun seit bald einem Jahr bei 1.74 nur noch 62 Kg. Essen soll lustvoll sein, aber in Massen. Ich dokumentiere seit einem Monat meine Gerichte und Infos zum Essen auf meinem Blog. Wichtig: Man soll ein gesundes Verhältnis zum Essen haben und die Waage lügt: https://lustvollkochen.wordpress.com/

  • Mike Gerber sagt:

    Das Problem, warum viele nicht weiter abnehmen ist eigentlich folgendes:
    -Zuerst essen sie weniger und haben ein Kaloriendefizit und nehmen dadurch ab
    -Da viele keinen Sport treiben kommt jetzt die kritische Phase: aufgrund des verringerten Körpergewichts (Auch Muskelmasse), sinkt der Allgemeine Kalorienbedarf. Viele essen aber wie bisher weiter und traben dann auf der Stelle.
    -Hier muss man dann ansetzen: nimmt man wieder weniger Kalorien zu sich (was unsinnig ist), oder fängt man mit Sport an um den „Überschuss“ abzudecken und seinen Grundumsatz wieder zu erhöhen?

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