Unterwäschewerbung ohne Photoshop

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Unretuschiert: Transgender-Model Haize Odogbo als Unterwäsche-Model. (Foto: Lonely/June Canedo)

Das neuseeländische Unterwäscheunternehmen Lonely hat ein interessantes Konzept: Es wirbt für seine Lingerie nicht mit Star-Models wie Gigi Hadid oder Rosie Huntington-Whiteley, sondern mit «normalen Frauen» mit Kurven, Ecken und Kanten. In der neusten Kampagne posieren unter anderem Plus-Size-Models, das Transgender-Model Haize Odogbo, eine Ballerina, eine Künstlerin, aber auch die Mutter der Fotografin June Canedo. Das Ergebnis sind schöne, kraftvolle und vor allem unretuschierte Fotos. Ein klares Gegenkonzept zu den überinszenierten und übersexualisierten Fotos, die man sonst von Wäschelabels wie Victoria’s Secret kennt.

Schön und stark: Model in Lonely-Lingerie. (Foto: Lonely/June Canedo)

Schön und stark: Model in Lonely-Lingerie. (Foto: Lonely/June Canedo)

Die Lonely-Designerin Helene Morris sagt über die Wahl ihrer Models: «Unabhängige Frauen, egal welcher Körpergrösse und Hautfarbe, die sich alle sagen können, dass sie stolz auf sich selber sind.» Diese Kampagne ist Teil einer Bewegung, die bewirken möchte, dass sich das einzige Schönheitsideal, nämlich möglichst dünn und perfekt proportioniert zu sein, ändert.

Angefangen hat es bereits vor einigen Jahren mit der erfolgreichen Dove-Kampagne, die verschiedene Körperbilder zeigte. Natürlich stecken hinter solchen Initiativen nicht nur hehre Absichten und Menschenfreundlichkeit, denn mit Frauen, die nicht den klassischen Schönheitsmassen 60–90–60 entsprechen, lässt sich zunehmend ein gutes Geschäft machen. Immer mehr Modelabels produzieren auch Kleider in grösseren Grössen. In einer Gesellschaft, in der bald jede/r Zweite übergewichtig ist, ein wahrhaft zukunftsträchtiges Modell.

Hier die Dicken, dort die Dünnen

Dass der Frauenkörper ein bisschen mehr sein darf, zeigt auch die neue RTL-2-Serie «Curvy Supermodels». An sich wäre die Sendung eine gute Idee, denn hier wird auf den stetig wachsenden Markt an Übergrösse-Models reagiert. Allerdings wäre der Effekt einer solchen Sendung viel grösser, wenn die üppigeren Models ganz selbstverständlich mit den klassischen gemischt würden, denn Schönheit und Ausstrahlung lassen sich bekanntlich nicht in Zentimetern beziffern.

Die Macher von «Curvy Supermodels» wollen eine «offene und vorurteilshafte und frauenfreundliche Sendung», was allerdings nur so lange gut geht, bis eine Kandidatin giftet: «Ich habe keinen Bock so dünn zu sein wie die ekelhaften Hungerhaken bei anderen Casting-Shows.» Hier die Dicken, dort die Dünnen. Solange wir selber nicht toleranter miteinander sind, bringen alle Kampagnen und Shows für ein entspannteres Körperbild wohl nichts.

 

17 Kommentare zu «Unterwäschewerbung ohne Photoshop»

  • Georg sagt:

    Nun, die Modeindustrie hat die Dicken als Geldquelle entdeckt und rausgefunden – war ja auch nicht schwierig -, dass es einfacher ist, ihnen mit entsprechenden „Geil-diese-Kurven!“-Bekleidungsangeboten vorzugaukeln, fett sein sei gut, als zu versuchen, ihnen Kleider für Schlanke zu verkaufen. So können die Fetten fett bleiben (bequem), und die Modeleute können was Neues anbieten (ertragreich). Dass die Gesundheit der Bevölkerung weiter den Bach runtergeht, interessiert (vorerst) weder die Dicken noch die Modeleute.

  • Sara Ferraro sagt:

    Am besten würde mir Werbung mit normalgewichtigen Frauen gefallen. Ich halte es nicht für erstrebenswert, wie ein Hungerhaken auszusehen. Gesund ist Untergewicht auch nicht.

  • Lia sagt:

    was soll der Kommentar, man habe gemerkt, dass man auch mit Frauen Geld machen kann, die nicht dem Ideal 90-60-90 entsprechen? Erstens gibt es verschwindend wenig Frauen, die genau diese Masse habe. Zweitens waren die ursprünglich für eine Frau der Grösse 1.68m gedacht und nicht für eine Frau der Grösse 1.80m, was bei Models heute Stardard ist. Drittens geht es nicht darum, Übergewichtige abzuholen, sondern zu zeigen, dass auch dünne, schlanke oder normalgewichtige Frauen ihre Makel haben.

  • Georg sagt:

    „Schön und stark“‚?! Wohl eher „schön fett“, diese Dame. Da hat man ein zunehmendes Gesundheitsproblem mit Fetten und geht hin und propagiert fett als schön, was Millionen von gedankenlos in sich rein Stopfende in ihrem Fehlverhalten bestärkt. Man könnte diesen Models ja gleich auch noch eine Zigarette in den Mund stecken und das als eigenständig bezeichnen.

    • Christoph Bögli sagt:

      Es ist effektiv interessant zu sehen, wie das Übergewichts-Problem mehr und mehr einfach schöngeredet wird um sich nicht damit abgeben zu müssen und um bloss niemandem auf die Füsse zu treten. Aber letztlich kommt das leider nicht überraschend, schliesslich steigt mit dem höheren Anteil der Übergewichtigen auch deren Einfluss – und wer will sichs schon mit solch einer „gewichtigen“ Gruppe verscherzen. Leider drohen somit auch hier nordamerikanische Verhältnisse..

    • Sara Ferraro sagt:

      Sie haben ein eigentümliches Bild von übergewichtigen Menschen. Ich kenne niemanden, der gedankenlos Essen in sich hineinstopft. Auch die Frau auf dem Foto sieht nicht aus, als würde sie dies tun.

      • Georg sagt:

        Jaja, klar, selbstverständlich… sie isst mit Bedacht und Geist und lässt sich was beibringen. Drum ist sie ja auch fett. Sie will das sicher so. Sie will sicher, dass sie mehr mit sich rumschleppt, als nötig ist. Weil das so lustig ist und sie besser in die Flugzeugsitze passt. – Frau Ferraro, ich habe KEIN eigentümliches Bild von fetten Leuten. Sie haben alle, aus welchen Gründen auch immer, eine nicht ausgeglichene Energiebilanz. Und deshalb werden sie eben fett. Schütten Sie 100 Liter Benzin in Ihr Auto, das 50 Liter fasst? Eben. Oder heizen Sie Ihr Haus mit 50 Scheitern, wenn 30 reichen? Eben. Fette haben, aus welchen Gründen auch immer und manchmal auch verständlicherweise (!), nicht die Disziplin, ihre Energiebilanz in Ordnung zu halten. Klingt einfach. Ist einfach.

  • Sabina Tschudi sagt:

    Finde ich prima. Vor unseren Spiegeln zuhause haben wir alle auch keinen Photoshop, wir begegnen unseren Partnern, Freunden, Lovers etc. auch nicht durch eine Photishop Sicchtweise, sondern wir sind wer wir sind. Mit und ohne Dessous.

    • Christoph Bögli sagt:

      Bloss ist das dann in vielen Fällen halt nicht wirklich schön anzusehen. Dass man Körper in unverfälschter Weise und der ganzen, halt ästhetisch nicht immer erfreulichen Bandbreite präsentiert, ist ja meinetwegen ok, aber es wird halt lächerlich, wenn man das dann zwanghaft als „schön und stark“ verkaufen will..

      • Hans Stucki sagt:

        @ Bögli: Ich hoffe, Sie wenden die gleichen Massstäbe auch bei sich selbst an und gehen nie ohne Photoshop aus dem Haus. Allenfalls würde ich vorschlagen, auch bei der emotionellen Intelligenz regulatorisch anzusetzen – daran scheint es Ihnen zu mangeln – und ein entsprechendes Mindestmass voraussetzen, um in den Kommentarspalten erscheinen zu dürfen…

      • Sportpapi sagt:

        @Hans Stucki: Zunächst sollten man einen Kommentar schon verstehen, bevor man – empört – darauf antwortet.

  • tippse sagt:

    kleiner Tippfehler?
    … klassischen Schönheitsmassen 60–90–60 …

  • THOMAS BURCKHARDT sagt:

    Lieber schlank als dick.

  • Andrea sagt:

    Jeder Körper ist schön, diejenigen in den Heftli sind einfach schöner anzusehen, das heisst nicht, dass die normalen Körper unschön sind.

  • Sämi Schwarz sagt:

    Wow, clever! Den „Tippfehler“ der Schönheitsmasse 60-90-60 (gibt es so was überhaupt?) haben sie aber ganz heimlich einfliessen lassen! 🙂

  • Regina Bischof sagt:

    Diese Dessous würde ich mir nicht kaufen.

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