Und plötzlich ist der Lack ab

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Lässt uns beim Haarefärben zusehen: Moderatorin Barbara Schöneberger setzt auf ungeschminkte Tatsachen. (Foto: Barbara Schöneberger/Instagram)

Ja, ich habe die Message verstanden!

Prominente Frauen sind auch nur Menschen wie du und ich, und das wollen sie momentan nonstop und auf allen Kanälen beweisen. Jeden Tag posten sie ungeschminkte und porentiefe Fotos in allen sozialen Medien. Und dort erfreut sich die Inszenierung des vermeintlich «Authentischen» grosser Beliebtheit. Unter Hashtags wie #nomakeup finden sich auf Instagram über 12 Millionen Bilder, die zeigen, wie unterschiedlich die Stars und unbekannte Mitmenschen einen «ungeschminkten» Auftritt verstehen. Die Fotos sollen Nähe suggerieren und dem Account eine persönliche Note verleihen. Ich sehe also Augenringe, Pickel und strähniges Haar. Manchmal ist das eine richtige Horror Picture Show. Und darauf habe ich keine Lust. Da kann ich ja gleich selber an einem schlechten Tag in den Spiegel schauen.

Setzt auf Natur pur, auch wenn sie bei Fotoaufnahmen auch schon mal schummelt: Alicia Keys. (Foto: Getty)

Schummelt bei Fotoaufnahmen schon mal: Alicia Keys. (Foto: Getty)

Vor einigen Monaten erklärte die Musikerin Alicia Keys, in Zukunft auf Make-up zu verzichten. Sie sagte, der mediale Druck, perfekt zu sein, belaste sie sehr. Sie wolle ihre «natürliche Schönheit» nicht länger verstecken. So erschien sie ungeschminkt bei den glamourösen MTV Music Awards und löste damit ein riesiges mediales Echo aus. Allerdings scheint ihr No-Make-up-Look nur eine Mogelpackung zu sein. Dies verdeutlicht nun ein Interview des amerikanischen «W Magazine» mit Keys’ Make-up-Artistin Dotti. Denn so ganz ohne gehts anscheinend auch bei Alicia Keys nicht. Sie benutze für Fotoaufnahmen einen Augenbrauenstift, damit male sie die Sommersprossen von Keys nach, erklärte Dotti. Dazu selbst bräunendes Anti-Aging-Serum und mattierenden Puder. Und nicht zu vergessen: die falschen Wimpern.

Manche sehen auch natürlich zum Anbeissen aus

 Sieht an einem schlechten Tag immer noch besser aus, als wir an einem Guten: Gwyneth Paltrow. (Foto:Gwyneth Paltrow/Instagram )

Sieht an einem schlechten Tag immer noch besser aus als wir an einem guten: Gwyneth Paltrow. (Foto:Gwyneth Paltrow/Instagram )

Dann gibt es natürliche Schönheiten wie die Schauspielerin Diane Kruger und die Sängerin Beyoncé. Oder Gwyneth Paltrow, die an ihrem 44. Geburtstag ein ungeschminktes Selfie postete und so der ganzen Welt bewies, dass sie auch ohne Wimperntusche und Lippenstift durchaus ansehnlich aussieht. Okay, auch diese Botschaft ist angekommen: Liebe Fans, ich sehe selbst an meinen schlechten Tagen noch besser aus als ihr an einem guten.

Ein anderes Phänomen: Wenn Frauen wie die toughe, lustige und intelligente Barbara Schöneberger ein Bild von sich posten, wenn sie ihre Haare gefärbt bekommen. Ja, klar, die Moderatorin mit dem lockeren Mundwerk verfügt über Selbstironie und vielleicht fällt dieser Instagram-Post unter das Motto: «Hach, wie bin ich originell!» Was allerdings daran originell sein soll, seinen gebleichten Haaransatz zu präsentieren, verstehe ich auch nicht.

Seltsamerweise, oder auch nicht, ist dieses «Ich zeige mich, wie ich bin» ein rein weibliches Phänomen. Oder haben Sie schon männliche Stars gesehen, die ihre Akne, schwarzen Poren oder eingewachsenen Barthaare der Öffentlichkeit präsentieren?

Reine Anbiederei

Diese zur Schau gestellten Imperfektionen sind für mich reine Anbiederei, die beweisen soll: «Schaut mich an – ich bin eine von euch!» Die weiblichen Fans fühlen sich dabei selber aufgewertet. So, wie man früher entzückt über die Cellulite von Stars gelästert hat, frei nach dem Motto: «Die hat ja auch keine bessere Figur als ich», findet man jetzt diese neue «Natürlichkeit» toll. Es tut irgendwie gut, wenn auch Cameron Diaz ohne Schminke wie ein blasser Pfannkuchen aussieht.

Nein, Cameron ist keine von uns, auch wenn viele weiblichen Fans das glauben. Das ist reines Wunschdenken. Denn am nächsten Tag stehen bei Cameron und Co. wieder ein Heer von Stylisten und Visagisten bereit, um den «Schaden» zu beheben. Während wir uns darüber ärgern, dass der Pickel auf der Nase noch ein bisschen grösser geworden ist.

33 Kommentare zu «Und plötzlich ist der Lack ab»

  • Eduardo sagt:

    Wenn eine Frau lange attraktiv bleiben will, soll sie ganz einfach nicht mit dem Rauchen anfangen und auf Solarium und Sonnenbäder verzichten. Sonst müssen die mehr oder weniger vergeblichen „Reparaturversuche“ mittels Make-up nämlich bereits mit 30 beginnen. Die Zeit arbeitet schon genug an unserer Zerstörung, so dass man ihr dabei nicht auch noch helfen muss.

    Das gleiche gilt natürlich für Männer.

  • Walter sagt:

    Eine fürchterliche Erfahrung: Man(n) küsst eine Frau und das Makeup (und sei es nur ein Hauch) überträgt sich auf die eigene Wange.
    Ceterum censeo, Frauen, die wenig Makeup benützen, haben eine schönere Haut.

    • Henriette sagt:

      Ceterum censeo Carthaginem esse delendam….. Spass beiseite, aber woher sie diese Weisheit nehmen, dass Schminke die Haut hässlich macht ? Dido war wahrscheinlich auch geschminkt… Bildung ist etwas Schönes, aber damit angeben…na ja….

      • Walter sagt:

        Schade, dass man heute schon elementare Schulbildung verstecken muss, um nicht als Angeber herabgewürdigt zu werden. Dominanz des Bildungsproletariats? Dabei ist Wissen heute mit Suchmaschinen allen Personen niederschwellig zugänglich, beispielsweise auch jenes, dass Dido zu den Zeiten der punischen Kriege (Hannibal!) lange tot gewesen sein musste.

        Ernsthaft: Zu den Auswirkungen von Makeup auf die Haut, machen Sie selbst den Versuch und lassen es 3 Monate weg. Als Alternative finden Sie hinreichende Quellen im Netz (oder in Frauenzeitschriften).

  • edith schmidt sagt:

    ich finde alle eure kommentare haben ihre berechtigung. genauso wie die inzenierung der in der öffentlichkeit stehenden frauen und männer ! männer dann eben etwas in anderer form aber auch sichtbar ( z.b der bachelor). lasst die damen doch soviele fotos posten wie sie wollen, geschminkt und ungeschminkt. ist lustig, vielfältig und eben dann doch aufmerksamkeit erbringend. das was wir ja da gerade alles lesen ist ja das was sie wollen!!! meine wenigkeit geht einfach nie aus dem haus ohne mich so, wie ich mich sehe will, wohlzufühlen. mal mehr , mal weniger aufwand betreibend für das mir vorschwebende resultat! und das hängt sicher, wie bei allen menschen davon ab, wie mein tagesgefühl oder meine tagespläne sind. wunderbar ist, wieviele menschen den blog lesen. er ist gut! edith

  • Martin Thalmann sagt:

    Der Unterschied zu Mann und Frau ist eben, dass Mann (auch prominent) nicht permanent geschminkt nach draussen geht. Es gibt also nicht einen permanten Gap zwischen Aussen- und Privatdarstellung, den es auszuhalten gilt. Das gleiche Problem wie mit den Push-up BH’s.

  • fabian sagt:

    Ich warte darauf, bis eine Feministin #aufschreit und die Schuld für diese Farce den Männer zuschiebt. Kommt, Frauen, seid Opfer und jammert etwas, wie sich das gehört.

  • Michael sagt:

    Das wird nicht lange gutgehen ! Ungeschminkte Frauen sind der Schminkindustrie ein Graus !! Wenn sie auf einmal auf ihren ganzen Produkten sitzen bleiben würden, wäre es ein Milliardenverlust. Nicht zu vergessen, wie viele Menschen dann arbeitslos werden würden. Ich warte schon auf den gegenangriff – vermutlich werden es Kosmetika sein, die man sorry Frau unbedingt braucht, um auch geschmint natürlich zu wirken…

  • Simone Eppler sagt:

    Sie haben den springenden Punkt nicht verstanden. Das grosse Problem unserer Gesellschaft ist ja genau, dass sich alle das Recht rausnehmen, den Frauen vorzuschreiben, wie sie auszusehen haben, während die Männder ihren Dad-Bod, ihre Furchen und fettigen Haare unbehelligt öffentlich präsentieren können. Ist das fair?
    Mit Ihrer Aussage bestätigen Sie das traurige Bild: „Ich sehe also Augenringe, Pickel und strähniges Haar. Manchmal ist das eine richtige Horror Picture Show. Und darauf habe ich keine Lust. “
    Nun, eigentlich kann es Damen wirklich egal sein, was Sie denken. Sie müssen ja nicht hinschauen. Diese Frauen sind trotz ihres Star-Daseins Individuen, die sich in erster Linie mit sich selber wohlfühlen dürfen. Und genau das Statement wollen sie mit ihren Aktionen vermitteln.

  • Lia sagt:

    was hat diese Frau für ein Problem? Wäre es ihr lieber, wenn gerade junge Mädchen nur die gestylten und gefotoshoppten Stars zu Gesicht bekämen und glaubten, dass die tatsächlich so makellos sind? Egal, wie man es macht, nie ist es recht.

  • Sabine sagt:

    Diese weiblichen Stars werden vom Patriarchat zur Selbstdarstellung genötigt. Dass Männer keine nomakeup-Bilder teilen, ist bloss weil die Männer zu dickköpfig resistent gegen die Schönheitsindustrie sind. Jeder Mann sollte mindestens 10 Pflegeprodukte zu Hause haben, das wurde hier in diesem BIog zu recht auch schon gefordert.

    • andreas sagt:

      liebe sabine
      ich weiss ja nicht, aber anscheinend hast du einen mann der nicht über mindestens 10 pflegeprodukte verfügt. dann – ganz ehrlich und so sorry – selber schuld – hast du den falschen erwischt.

      • DB sagt:

        Ich denke eher, sie hat einen der „richtigen“ Männer erwischt. Mehr als Seife, Duschgel, Shampoo, Rasierschaum, Aftershave, Deo und Haargel braucht kein „richtiger“ Mann. Wenn überhaupt. Mal abgesehen davon, ob das „Pflegeprodukte“ sind.

    • Walter sagt:

      Wieso sollte ein Mann 10 Pflegeprodukte zu Hause haben? Männer und Frauen (!) kommen gut mit deutlich weniger aus, ohne dass dies zu Kollateralschäden führt. Wenn jemand mehr hat, henusode.

  • Immanuel Felder sagt:

    Und wie wäre es, Selbstinszenierung als das vielleicht genuinste, reichhaltigste Statement jenseits der Worte und Taten zu begreifen? Inklusive Wandlung über die Jahre?

  • Barbara Grohé sagt:

    Viel doof ist das denn. Da regt man sich jahrelang furchtbar auf, dass jungen Mädchen und Frauen ein *falsches Bild“ vorgegaukelt wird in Zeitschriften und auf diversen Fotos (Foto-Shop). Und kaum lassen sich diverse Stars mal natürlich ablichten, ist es wieder nicht richtig.

  • Christoph M. Meyer sagt:

    Ich nehme bei einer Frau nicht wahr, ob sie geschminkt ist oder nicht, ausser sie ist wirklich stark geschminkt und dann empfinde ich es eher als störend, auch bei Frauen, welche über 40 sind.

  • Hugo Niemer sagt:

    Wie wäre es, von dem ganzen Schönheitswahn runterzukommen und die Mitmenschen nach ihren Taten und nicht nach Ihrem Aussehen zu beurteilen? Und wenn es schon Äusserlichkeiten sein müssen: Die „Ausstrahlung“ einer Person ist mir persönlich viel wichtiger als die Perfektion Ihrer Haut.

    OK, OK… Ich höre schon auf mit meinen Träumereien…

    • Eduardo sagt:

      Das mag ja von einem hohen moralischen Standpunkt aus gesehen alles wahr und edel sein, aber wenn es dann ums Liebemachen geht (Sie wissen schon, Sex), kommt es doch wieder wie zu allen Zeiten vor allem aufs ausreichend gute Aussehen an. Man verliebt sich nicht in Taten, und man geht nicht wegen eines guten Charakters ins Bett.

      Sexualität ist natürlich nicht alles, aber ohne sie kommt eine erotische Bindung (oder Beziehung, um ausnahmsweise mal dieses schreckliche Wort zu verwenden) leider nun mal nicht zustande.

  • Xana sagt:

    Natürlich machen bei diesem neuen „Trend“ nur Frauen mit, denn die Männer müssen sich ja auch nicht so zupflastern, verkleiden und anmalen, damit „man“ sie sogenannt attraktiv findet.
    Und leider haben Sie bei Alicia Keys vergessen zu erwähnen, welchen Shitstorm sie nach den MTV Awards auslöste, weil sie es gewagt hat dort ungeschminkt zu erscheinen – das wurde von vielen nicht goutiert.
    Aber dass diese Frauen nicht mehr viel mit der sogenannten Durchschnittsfrau gemein haben, da gehe ich mit Ihnen einig. Wobei dies eine Frau vom Züriberg oder von der Goldküste auch nicht hat – dank gut gepolstertem Bankkonto.

  • klaus wolf sagt:

    schönenberger brauchte sich nie zu schminken sie war nur wirklich immer hässlich genug.

    • Marcus Ballmer sagt:

      Ziemlich bescheidener Kommentar. Kommt sowas bei Ihnen öfters vor?

      • Henriette sagt:

        Herr Balmer, genau wie sie finde ichHerrn Wolfs Kommentar daneben. Im Übrigen sind die ungeschminkten Frauen in der Überzahl, ich sehe täglich viel mehr schminkefreie Gesichter als solche mit Makeup. Ich selber zeige mich aber leider nur ungern ohne in der Öffentlichkeit.

  • AlfredFrei sagt:

    nicht dass ich generell gegen Makeup wäre, aber wenn ich zwischen überschminkt und ungeschminkt wählen muss, nehem ich garantiert ungeschminkt.

    • Franz Hablützel sagt:

      Dem würde ich noch hinzufügen, dass 90% der Frauen die Trennlinie zwischen geschminkt und überschminkt nicht kennen. Bzw. sie ist „individuell“.

  • Andrea sagt:

    Makeup habe ich schon längst aufgegeben. Es ist schön, einfach so zu sein, wie man wirklich ist. Ja, den Männern gefällt es auch, zumindest besser als der Farbtopf im Gesicht.

    • Salvo sagt:

      Ich gebe Ihnen recht, wenn Sie zwischen 15-25 Jahre alt sind. Danach sehen ungeschminkte Frauen schnell mal kränklich und ungepflegt aus.

      • Lia sagt:

        ein wirklich armseliger Kommentar. Ich denke eher, dass Frauen über 25 in Ihrem Umfeld merken, mit wem sie sich da abgeben müssen, und man ihnen den Frust darob ansieht.

    • Andreas sagt:

      Grüß Gott,
      ja dann kann ich Sie als Mann nur zu ihrer Entscheidung beglückwünschen!
      Echte Männer wollen echte Frauen und keine Chemielabore.

    • Andreas sagt:

      Danke Andreas für die lieben Worte.

      @Salvo: schön stereotypisch gedacht, aber leider falsch. Dank Sport und ein glückliches Leben habe ich keine Falten, rosige Haut und werde auch mind. 10 Jahre geschätzt. Kein Witz.

Kommentar

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