Wohnen wie in den Seventies

Wenn es um Trends geht, spielt die Vergangenheit eine wichtige Rolle. Momentan ist der Happy Hippie Chic überall – auch in der Wohnung.

Das Bild zeigt eine Szene aus dem Film «Dark Shadows» von Tim Burton mit Johnny Depp. Das Schlafzimmer des Teenagers Caroline, gespielt von Chloë Moretz, ist ein Seventies-Paradies – mit allem, was dazugehört: Die Farben Violett und Orange, poppige Blumen, flauschige Teppiche und Kissen und natürlich Poster an der Wand. 

Die Mode machts vor

Wie bei den meisten Trends im Wohnbereich war auch der Seventies-Trend zuerst auf dem Laufsteg zu sehen. Alessandro Michele zeigt ihn mit seinen Kollektionen für Gucci am eindrücklichsten. Der Designer erzählt Geschichten – mit den Outfits und Inszenierungen. Der Designer erinnert uns an die als unbeschwerte Zeit in Erinnerung gebliebene Dekade und interpretiert gleichzeitig alles neu.  

Zurückschauen war schon immer Mode

Der Bezug zur Vergangenheit war bereits in den Siebzigerjahren ein wichtiges Element. Damals orientierte man sich an einer anderen goldenen Zeit, nämlich an der Jahrhundertwende um 1900. Hochgeknöpfte Rüschenkragen an Kleidern und Blusen, grosse Hüte, schlanke Taillen und natürlich lange Kleider sind Beispiele aus der Damenmode. Bei den Männern waren es die breiten Kragen an Hemden und Jacken, Muster und natürlich die Idee, als Lebemann durchs Leben oder zumindest durch die Jugend zu gehen. (Bild links über: Castaroundvintage, Bild rechts über: Susanna Ives)

Die Modemacher des Interiordesigns

So zeigen denn auch viele der führenden Designer im Interiorbereich einen starken Bezug zur Mode. Zu erwähnen sind hier Emiliano Salci und Britt Moran vom Mailänder Dimore Studio. Sie sind eine Art Modemacher des Interiordesigns. Ihre Einrichtungen erzählen Geschichten und kokettieren auf eine moderne, dekorative Art mit der Vergangenheit. (Bild: Sweet Home) 

Die skandinavische Umsetzung

Ganz anders, weniger glamourös und dafür alltagstauglicher interpretieren die Skandinavier den neuen Einrichtungstrend. Dieses entspannte Hippiezimmer, das die finnische Firma Marimekko an der letzten Mailänder Möbelmesse eingerichtet hat, zeigt eine Art Hipsterwohnung von nebenan. 

Der typische Wohnstil der Seventies

Stellen Sie sich vor, Sie haben noch all die tollen Designerstücke der Sechzigerjahre und dann kommt die Blümchenära! So etwa kann man in Kürze den typischen Wohnstil der Seventies beschreiben. Mit Vorliebe wurden die Wände mit einer meist poppigen, sich in ziemlich starken Farben zeigenden Blümchentapete bezogen. Das war dann die Bühne für weisse Möbel, Designstücke, schlichte Regale und poppige Einzelteile. In den Seventies gab es auch viele Wohnaccessoires, die keinen Sinn machten, einfach nur schön, verspielt und dekorativ waren. Beliebt waren Spiegel, Muschelplättchen und Objekte, die sich irgendwie bewegten. Da war aber auch der Flirt mit dem Antiken, Verspielten und Herzigen: Omas Schaukelstuhl etwa, Himmelbetten, Korbmöbel, Geschirr mit Äpfel- oder Birnenmuster, Gläser mit Reliefmustern oder Fonduepfannen! (Bild über: Creepy crookie spooky kabuki)

Der neue Pop

Blümchen, Samt und natürlich viel Pop gehören zu den Seventies. Diese Kissen und Textilien von Marimekko zeigen, wie dieser Trend heute geht. (Bild: Sweet Home)

Wohnen mit Wohnlandschaften

Samt hiess in den Seventies Velour und war der Lieblingsstoff in Sachen Polster. Es musste einfach alles weich sein! Kein Wunder, wurde in den Siebzigerjahren auch die Wohnlandschaft erfunden; die Supersofas, die oft ganze Räume füllten. Man wohnte ganz einfach darauf, nicht selten hatten sie eingebaute Regale, Fernseher und Beleuchtung. Was nicht von der Wohnlandschaft besetzt wurde, bespannte man noch mit einem flauschigen Teppich, der meist nicht nur die Böden, sondern auch Teile der Wände bedeckte. Die schlanken Nachkommen der Wohnlandschaften, die heute noch viele Wohnzimmer zieren, sind die Eckgruppen. (Bild über: My retrospace)

Hauptsache weich

Wichtig beim Einrichten im Seventies-Stil ist das Entspannte, und das bedeutet vor allem weiche Möbel. Eines, das diese weiche, entspannte Wohnidee am besten darstellt, ist das Sitzmöbel Togo von Ligne Roset. Es wurde 1973 entworfen und ist auch heute noch ein begehrtes Wohnmöbel. (Bild über: Archzine)

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Die Seventies sind relaxt

Ein schönes Beispiel, wie Einrichten im Seventies-Stil heute aussehen kann: Verschiedene Vintagestücke, die frische Farbe Apfelgrün, flauschiger Teppich, Pop und viel Entspanntheit. (Bild über: Inspirationsdeco)

Verspieltheit, Statement und Stilmix

Wichtig im Seventiesstil ist eine gewisse Verspieltheit und Grosszügigkeit. Beim Einrichten spielt zudem auch der Stilmix eine wichtige Rolle, denn Wohnen ist ein Prozess und wird nicht einfach aufgesetzt. Die tolle Leuchte ist von CTO Lighting. (Bild über: Plastolux)

Credits: 

Shops und Kollektionen: MarimekkoGucciCTO LightingLigne Roset
Interior Design: 
Dimore Studio
Blogs und Magazine: PlastoluxCastaroundvintage, Susanna IvesCreepy crookie spooky kabukiInspirationsdecoArchzineMy retrospace
Filme: 
Dark Shadows 

 

2 Kommentare zu «Wohnen wie in den Seventies»

  • Michael sagt:

    Anders als Anh Toàn fand ich die 70er voll cool – das war komplett meine Zeit ! ’74 Abi und Fussballweltmeister, ’76 zu studieren begonnen – Freiheiten ohne Ende kennengelernt. Die Haare waren schon immer lang und sorry Anh, wir haben sie schon damals gewaschen. FlowerPower war in der Tat am abklingen, aber wir haben immer noch quietschbunte Hemden getragen und hatten Tapeten mit riesiegen bunten Mustern an den Wänden. Und Plakate unser Idole – Hendrix, Che, NoNukes etc.
    Einen 70iger Stil finde ich hier auf keinem der Beispiele wieder – bis auf das Schlafzimmer des Teenagers Caroline. Der Rest ist, wie Anh es so schön auszudrücken vermag – ein vom bourgoisen Kommerz vereinnahmter Versuch einer Wiederbelebung zwecks Umsatzsteigerung der Einrichtungsindustrie.

  • Anh Toàn sagt:

    Die erste Hälfte der 70er war furchtbar, was die Hippies revolutionierten wurde vom bourgoisen Kommerz vereinnahmt. Die Haare waren zwar noch länger, aber gepflegt geschnitten und regelmässig gewaschen, da wären die Blumen in den Haaren auch unhygienisch gewesen und mussten ab sofort auf Tapete, Vorhänge, Teppiche und Kleider. Überall waren niedliche, nette, schöne Blümchen, aber nirgendwo war mehr flower power. Zum Glück kam gegen Ende der 70er Punk und endlich war es ganz ok, dem aufkommenden Brechreiz beim Anblick eines Flokati in violett kombiniert mit einer Tapete voller regenbogenfarbenen Blümchen freien Lauf zu lassen.

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