Blogs


Darum gewinnt heute …

Steilpass-Redaktion am Samstag den 25. Mai 2013

Heute könnte der Abend sein, an dem der Weihnachtsmann noch das nachliefern könnte, was jeder, dessen Herz für Gelb-Schwarz schlägt, zuoberst auf dem Wunschzettel hatte: den Champions-League-Titel für Borussia Dortmund. Oder aber, er belohnt Philipp und Bastian dafür, dass sie die ganze Saison über so brav waren und ihre Kameraden via London, Turin und Barcelona nach Wembley geführt haben. Es gibt also gute Gründe, dass beide Mannschaften von einem Triumph im historischen deutschen Finale träumen können.


Hier sind – von Thomas Kobler – die besten Gründe,
warum der FC Bayern siegen wird:


Erstens: Bastian Schweinsteiger. Verletzungsfrei, enorm fit und in der Form seines Lebens war er ein Schlüsselfaktor für den bayrischen Durchmarsch zur deutschen Meisterschaft mit sagenhaften 25 Punkten Vorsprung auf den heutigen Finalgegner Dortmund. Perfekt ergänzt und unterstützt von Xavier Martínez lenkt Schweinsteiger das Bayern-Spiel aus der Schaltzentrale des modernen Fussballs – dem defensiven Mittelfeld – heraus. Sein Radius auf dem Feld ist einzig von der Spielfeldbegrenzung beschränkt, was aus ihm bei Bedarf letzter Mann oder Torschütze werden lässt. Kein anderer Mittelfeldspieler dominiert den Fussballplatz mehr im Moment.

Zweitens: Die Bayern-Bank. Jupp Heynckes kann fast seine ganze Startelf praktisch 1 : 1 ersetzen. Gomez und Pizzaro stehen hinter Mandzukic bereit. Shaqiri kann für Ribéry, Müller oder Robben eingewechselt werden. Luiz Gustavo könnte Martínez vertreten. Dante, Van Buyten oder Boateng sind die Qual der Wahl in der Innenverteidigung. Boateng könnte auch für Lahm einspringen und Lahm ist auch Alabas Position hinten links nicht fremd. Tom Starke ist als Nr. 2 im Tor beinahe eine Verschwendung. Und wie wichtig eine starke Bank ist, zeigte sich als Real im Viertelfinale Manchester United ab der 60. Minute mit frischen Kräften bezwang, darunter Modric, Kaká und Pepe.

Drittens: Redemption – Wiedergutmachung. Heute könnte der FC Bayern die 2:5-Klatsche gegen den BVB im letztjährigen DFB-Pokalfinale ausmerzen und die Niederlage vor Jahresfrist gegen den FC Chelsea im «Finale dahoam» vergessen machen – wenigstens fast. Darauf brennen die Münchner Spieler geradezu.


Und hier schreibt Fabian Ruch,
warum Borussia Dortmund am Ende ein Fass aufmacht:


Erstens: Robert Lewandowski. Der Pole ist zu einem der weltbesten Torjäger aufgestiegen, und die Bayern fürchten sich vor ihm. Lewandowski entschied letzte Saison den Pokalfinal (5:2) mit drei Toren, er traf als einziger im entscheidenden Ligaspiel in Dortmund, und er ist mit seiner Klasse, Torgefährlichkeit, Schlauheit auch am Samstag in der Lage, die Bayern-Defensive zu beschäftigen. Vor allem Münchens Innenverteidiger Jerome Boateng ist nicht aufmerksam genug für Lewandowski.

Zweitens: Jürgen Klopp. Natürlich haben die Bayern die besseren Einzelspieler, natürlich fehlt Dortmund der geniale Künstler Mario Götze. Aber: Jürgen Klopp ist nicht nur ein erstklassiger Trainer, wunderbarer Spielerversteher und fantastischer Taktiker, er ist vor allem auch ein sensationeller Motivator. Er wird seinen Akteuren zu verstehen geben, dass sie sich mit einem weiteren Erfolg gegen die Bayern unsterblich machen können.

Drittens: Lockerheit. Borussia Dortmund hat absolut nichts zu verlieren. Der gesamte Druck liegt auf den Schultern der Bayern, die zum dritten Mal in kurzer Zeit und nach 2010 und 2012 ein Champions-League-Endspiel verlieren könnten. Zudem sind die Dortmunder der Angstgegner Münchens. Auch das wird am Samstagabend eine entscheidende Rolle spielen.

Haben wir noch etwas übersehen, Sportsfreunde?

Das Kollektiv-Prinzip

Simon Zimmerli am Freitag den 24. Mai 2013
Fans der Schweizer Eishockeynationalmannschaft erwarten die Mannschaft am Flughafen in Zürich. (Keystone)

Die Weltmeisterschaft im Eishockey wird von der NHL verfälscht: Fans der Eishockeynati erwarten die Mannschaft am Flughafen in Zürich, 20. Mai 2013. (Keystone/Patrick Krämer)

Das Wort Modefan gehört für mich eigentlich als Unwort des Jahres 2013 nominiert. Verpasse ich mal zwei  FCZ-Heimspiele in Folge, gelte ich als Modefan, äussere ich mich positiv über die gelungene Basler Europa-League-Kampagne bin ich ein Modefan und selbst wenn ich Armin Alesevic, 19-jähriger FCZ-Jungspund, bei seinem Super League-Debut nicht auf Anhieb identifizieren kann, sehe ich mich schon wieder mit Modefan-Vorwürfen konfrontiert. Allerdings gibt es noch eine tiefere Fankaste: der Trittbrettfahrer. Die Spezies, welche in den letzten Wochen – anlässlich der Eishockey-WM – aus ihrer Höhle kroch, um mit Schweizer Fähnchen und Kantonslampions einen würdigen Rahmen für einen Public-Viewing-Abend inklusive Grillplausch mit anderen akquirierten Trittbrettfahrern zu schaffen.

Aber war dieser Erfolg denn wirklich eine derartige Sensation, um die Tageszeitungen auch heute noch mit Homestorys über unsere WM-Helden zu füllen? Ich will die Leistung der Schweizer an dieser Weltmeisterschaft nicht klein reden, suche aber nach dem Grund, warum die Schweiz jetzt plötzlich eine beinahe unschlagbare Hockeymacht sein soll.

Der Schweizer Auftritt an der Eishockey-WM war beachtlich. Ich wartete stets darauf, dass die Eisgenossen, nachdem sie den drei grossen Eishockeynationen Schweden, Kanada und Tschechien mehr als nur ein Bein stellten, gegen einen Kleinen verlieren. Aber weder in der Vorrunde noch im Viertelfinal, geschweige denn im Halbfinal, wo sie die hochkarätigen Amerikaner in beeindruckender Manier aus dem Turnier warfen, waren Schwächen zu erkennen.

Mich erstaunt dies allerdings nicht, da die vermeintlich stärkeren Mannschaften wie die USA, Russland, Kanada, Tschechien, Finnland und Schweden sich stets anhand der NHL-Playoffs orientieren müssen, wie sie ihr Team zusammen basteln. Dies kann dann andererseits aber auch zu einem Vorteil werden, wenn man kurzfristig die Sedin-Zwillinge und Edler nachnominiert und so beinahe einen ganzen Vancouver-Canucks-Block aus dem Hut zaubert. Die Weltmeisterschaft verkommt zur Farce und ist abhängig von den Playoff-Teilnehmern der nordamerikanischen Profiliga NHL. Und ohnehin muss es ja wohl der Anspruch der Eisgenossen sein, an der Weltmeisterschaft in die Halbfinals vorzurücken, schmückt man sich doch hierzulande mit dem Titel der stärksten Liga ausserhalb Nordamerikas.

Die Schweizer Fussballmannschaft hat ein ähnliches Problem wie die grossen Eishockey-Nationen an Weltmeisterschaften. Sie hat derzeit lediglich vier oder fünf Stammspieler. Die Mannschaft hat keinen eigentlichen Kern und somit kein gesundes Kollektiv. International erfahrene Spieler wie Senderos, Barnetta oder Derdiyok sitzen in ihren Clubs vornehmlich auf der Bank und spielen auch in der Nationalmannschaft keine grosse Rolle mehr. Andere wie Schwegler, Ziegler oder Dzemaili spielen in ihren Clubs gross auf, kommen aber im Nationalteam kaum zum Zug.

Die beste Nationalmannschaft hatten wir unter Roy Hodgson, als sich die Schweiz 1994 erstmals nach 28 Jahren für ein grosses Turnier qualifizieren konnte. Mit Pascolo, Quentin, Herr, Geiger, Hottiger, Ohrel, Sutter, Sforza, Bregy, Knup und Chapuisat. Und vor allem mit Ergänzungsspielern, die sich in den Dienst der Mannschaft stellten. Das Kollektiv war auch das Erfolgsrezept von Jakob Kuhn, der die Mannschaft über lange Zeit zusammenhielt und keine grossen Änderungen in der Aufstellung vornahm. Hitzfeld ist gut beraten, wenn er auf Kontinuität und Vertrauen setzt, wie dies seine Vorgänger sehr erfolgreich getan haben. Er muss jetzt eine Stammelf formen, die er auch in Brasilien auf den Platz schicken würde.

Es würde Sinn machen die Eishockey Weltmeisterschaft ebenfalls nur alle vier Jahre und unter fairen Bedingungen durchzuführen. Sollte die Schweiz dann ebenfalls im Final spielen, würde ich vielleicht auch auf das Trittbrett aufspringen und mich mitfreuen.

Was den Cup-Finalisten noch fehlt

Fabian Ruch am Mittwoch den 22. Mai 2013
Es kann nur einen geben: Cupsieger GC, hier mit Moritz Bauer am «Chübel» (r.), lässt Murat Yakins Basel stehen. (Bilder: Keystone)

Es kann nur einen geben: Cupsieger GC, hier mit Moritz Bauer am «Chübel» (r.), steht Murat Yakins FC Basel vor der Sonne. (Bilder: Keystone)

Ich bin am Pfingstmontag im Cupfinal in Bern von GC eines Besseren belehrt worden. Dieses Team hat mich richtig überzeugt. Es ist vif, mutig, spielfreudig. Und es hat gegen den grossen Favoriten FC Basel zweifellos hochverdient gewonnen. Dieser Grasshopper Club ist deutlich stärker, als ich vor dem Endspiel dachte.

Der Cupsieger ist mit klugen Transfers ideal zusammengestellt worden. Das erfahrene Trio Stéphane Grichting, Veroljub Salatic und Milan Vilotic hat der Mannschaft enorm viel Stabilität verliehen, diese Routiniers leiten die zahlreichen Talente ausgezeichnet an. Und im Tor steht mit Roman Bürki ein riesiges Talent. Die Mannschaft ist homogen, laufstark, willig, ihre Leidenschaft war am Montag derart ausgeprägt, dass sich die Spieler sogar vom unglücklichen Rückstand nicht irritieren liessen – und sie zeigten auch im Elfmeterschiessen gegen den Penaltyspezialisten Yann Sommer keine Nerven. Das hat mich überrascht – und beeindruckt.

Der FC Basel dagegen hat mit einer zu passiven und defensiven Aufstellung und Einstellung agiert. Vielleicht war er nach den vielen Pokalgewinnen in den letzten Jahren auch zu satt. Er wollte den Sieg kühl und relativ emotionslos erringen, und beinahe wäre dieser Matchplan aufgegangen. Nun muss sich FCB-Trainer Murat Yakin aber einige Fragen stellen. Er hat in seiner Trainerkarriere bis am Montag fast alles richtig gemacht und sein aussergewöhnliches taktisches Geschick oft bewiesen. Jetzt steht er erstmals ein bisschen im Gegenwind und sollte die Lehren aus dieser Niederlage ziehen.

Der FCB agierte in den letzten, erfolgreichen Jahren fast immer offensiv, druckvoll, stürmisch. Yakin dagegen mag es lieber kontrolliert, er stellt im Zweifelsfall noch einen zentralen, defensiven Mittelfeldspieler mehr auf. Im Cupfinal war diese vorsichtige Spielweise das falsche Signal. Zudem ist ein Stürmer wie Marco Streller in einem Zwei-Mann-Angriff deutlich stärker und präsenter, als wenn er wie am Montag ganz alleine vorne ackern muss. Das bewiesen auch die letzten Jahre an der Seite Alex Freis. Und: Wenn Mohamed Salah gesperrt fehlt und Valentin Stocker für einmal nicht überragend auftritt, sind diese Basler ziemlich einfach auszurechnen. Beide könnten ausserdem wie Abwehrchef Aleksandar Dragovic und Goalie Sommer bald ins Ausland wechseln.

Nun besitzt der FC Basel als Branchenprimus selbstverständlich die finanziellen Möglichkeiten, um Abgänge zu ersetzen. Seine Scoutingabteilung hat oft genug grossartige Fussballer entdeckt. In den letzten Monaten ging bei Basel reichlich Offensivpotenzial verloren, Xherdan Shaqiri und Alex Frei etwa prägten die Meisterjahre entscheidend. Die Frage wird nun sein, ob Murat Yakin auf Spielertypen wie St. Gallens Oscar Scarione oder Zürichs Josip Drmic setzen möchte. Beim FC Thun herrschte zwischen Chef Yakin und Künstler Scarione nicht grenzenlose Zuneigung.

Die FCB-Verantwortlichen sollten dieser kämpferisch prächtigen Mannschaft dringend spielerische Elemente beimischen. Zudem darf man gespannt sein, ob und wie Murat Yakin seine zwei Angreifer Streller und Raúl Bobadilla zusammenbringen kann. Und ob es ihm gelingen wird, den impulsiven Skorer Bobadilla zweitens in Topverfassung zu bringen – sowie dessen Undiszipliniertheiten erstens zu minimieren. Sonst herrscht auch beim FCB bald Zoff um den südamerikanischen Heisssporn.

GC steht gleichfalls vor schwierigen Personalentscheidungen. Talente wie Izet Hajrovic dürften bald weiterziehen, das wird dem Verein wenigstens Transfererlöse einbringen. Mit diesen Einnahmen sollte er, wenn möglich, einen Torjäger engagieren. Denn ein Stürmer, der mindestens 15 Tore in einer Saison garantiert, fehlt GC eindeutig, um näher an den FCB zu rücken. Solche Angreifer sind jedoch äusserst begehrt und dementsprechend schwierig zu finden. Man darf gespannt sein, ob GC und der FC Basel in diesem Sommer auf dem Transfermarkt ein derart glückliches Händchen wie zuletzt besitzen werden.

Welche Spieler benötigen Basel und GC Ihrer Meinung nach, um Fortschritte zu erzielen? Wie sollen sich die beiden Vereine auf dem Transfermarkt im Sommer verhalten?

Waschen, legen, feuern, bitte!

Thomas Kobler am Samstag den 18. Mai 2013
Carlos Bernegger.

Das geht auf keine Kopfhaut: Carlos Bernegger mit vollem Körpereinsatz, 11. Mai 2013. (Keystone/Urs Flüeler).

Wer ist hier der Bekloppte? Im Bild: Bayern-Sportdirektor Mathias Sammer (M.) und Dortmund-Trainer Jürgen Klopp (l.) im Zwiegespräch, 4. Mai 2013. (AP/Martin Meissner)

Wer ist hier der Bekloppte? Im Bild: Bayern-Sportdirektor Mathias Sammer (M.) und Dortmund-Trainer Jürgen Klopp (l.) im Zwiegespräch, 4. Mai 2013. (AP/Martin Meissner)

Als am 32. Spieltag der Bundesliga Matthias Sammer und Jürgen Klopp beim Auftritt der Bayern im Dortmunder Westfalen-Stadion  so richtig aneinandergerieten, prallten auch unterschiedliche Ideologien in Sachen Kopfbehaarung zusammen. «Kojak» Sammer zeigte dem BVB-Trainer aus nächster Nähe, was er vom Haareeinpflanzen hält: nichts! Klopp hingegen, der nur verhindern wollte, dass die sich ankündigenden Geheimratsecken ihn womöglich noch klüger als alle andern Bundesliga-Trainer hätten dastehen lassen, hielt bei diesem munteren Tête-à-Tête voll dagegen und forderte vom Bayern-Sportvorstand mehr Demut vor seiner Trainergrösse. Das ursprüngliche, grobe Foul von Rafinha an Blaszczykowski war plötzlich zur Haarspalterei geworden.

Mario Gomez.

Spieglein, Spieglein...: Mario Gomez verteilt Küsschen, 16. April 2013. (AP/Matthias Schrader).

Was der «King of Soccer-Hair», Mario – die Frisur sitzt - Gomez, zu alledem sagt, weiss man schlicht und einfach nicht, weil auf der Ersatzbank wird man nicht einmal mehr danach gefragt. Und mit Dante kam  diese Saison ja geradezu der Schopf der Liga nach München. Dass man dann auch noch den Mandzukic mit seiner Balkan-Fenchel-Tolle holte, hätte Gomez wahrlich nicht gebraucht.  Eine ganz haarige Geschichte, und nicht die einzige in München im Moment.

Sieht nicht nur aus wie Captain Jean-Luc Picard, führt auch seine Mannschaft so. Beam uns die Tabelle rauf, Carlos! Im Bild: Bernegger am 8. Mai 2013. (Keystone/Urs Flüeler)

Sieht nicht nur aus wie Captain Jean-Luc Picard, führt auch seine Mannschaft so. Beam uns die Tabelle rauf, Carlos! (Keystone/Urs Flüeler)

Besser als Carlos Bernegger kann man als Trainer gar nicht ins etwas haarsträubende Anforderungsprofil von FC Luzern-Tyrann und -Mäzen Bernhard Alpstäg passen. Die argentinische Antwort auf ein schwieriges Umfeld könnte minimalistischer nicht sein.  Kasami hat auch keine Flausen am Kopf, und Alex Frei wird noch eine Weile damit beschäftigt sein, alte Zöpfe abzuschneiden in der Leuchtenstadt. «Coupe Vierwaldstättersee».

Dabei war eigentlich die Vorrunde zum Haareraufen! Im Bild: Ancillo Canepa am 8. Mai 2013. (Screenshot: SRF)

Dabei war eigentlich die Vorrunde zum Haareraufen! Im Bild: Ancillo Canepa am 8. Mai 2013. (Screenshot: SRF)

Freudige Ereignisse begeht man auch mal damit, dass man «die Haare runter lässt», wie das englische Idiom ausgelassenes Feiern bildhaft beschreibt. FCZ-Präsident Canepa entschied sich in seiner üblichen, etwas eigenwilligen Art für das Gegenteil: Ihm standen unlängst beim Heimsieg seiner Mannschaft über den FCB die Haare zu Berge. Dagegen liess  Murat Yakin seine runter hängen. An den Haar- und Führungsspitzen war vor zehn Tagen für Unbeteiligte jedenfalls nicht zu erkennen, wie das Spiel ausgegangen war.

Peter Neururer. (Screenshot: Sport 1/Youtube)

Männer sind allzeit bereit, Männer bestechen durch ihr Geld und ihre Lässigkeit ... wann ist ein Mann ein Mann ...? Im Bild: Bochum-Trainer Peter Neururer. (Screenshot: Sport 1/Youtube)

Peter Neururer, die Quasselstrippe  und Forrest Gumpsche Pralinenschachtel – man weiss nie, was drin steckt – unter den deutschen Trainern, hielt mit Bochum im zweitletzten Moment die Liga. Dabei hatte ihn ein Herzinfarkt auf dem Golfplatz vor gar nicht allzu langer Zeit selbst fast in höchste «Abstiegs- bzw.  Aufstiegsgefahr» gebracht. Zur Feier des Klassenerhalts des VfL und des aktiven Trainerlebens im Allgemeinen liess er sich sein Haar in den Bochumer Vereinsfarben Blau-Weiss colorieren. Schamgrenzen oder  Berührungsängste kennt er sowieso nicht – aber hoffentlich blieb er wenigstens über der Gürtellinie.

Christian Constantin. 6 april 2013 au stade de Tourbillon a Sion. (KEYSTONE/Olivier Maire)

Geht mit Gott, aber geht! In Sion befiehlt der Herr: Christian Constantin, 6. April 2013. (Keystone/Olivier Maire)

Crazy Christian Constantin (CCC) ist es zu verdanken, dass der Begriff «Haircut» – sonst  als Metapher für einen rigorosen Schuldenschnitt verwendet – nun auch im Fussball Einzug hielt. Drei Trainer und fünf bis zehn Spieler (je nach Quelle) auf einen Streich gefeuert, brächte ihm sogar in Holzfällerkreisen einen Spitzenplatz in der Disziplin Kahlschlag. Mal sehen, ob er das nachhaltige Aufforsten auch drauf hat. Der Präsident hats gegeben – der Präsident hats genommen. Ums Tourbillon herum hat der liebe Gott längst ausgedient, lautet die Hiobsbotschaft aus Sion.

Kopfschütteln fördert den Haarwuchs nicht – glauben Sie es mir.

Alex Frei und das Rayonverbot an Carlos Bernegger

Simon Zimmerli am Freitag den 17. Mai 2013
«Bis im Herbst geht er nicht mehr vor die Fans»: Alex Freis Rayonverbot an Carlos Bernegger. (Keystone/Sigi Tischler)

«Bis im Herbst geht er nicht mehr vor die Fans»: Alex Freis Jubelverbot an Carlos Bernegger. (Keystone/Sigi Tischler)

Eine Steilpassvorlage, für einmal im feinen Anzug gespielt, liefert uns Alexander Frei bereits nach kurzer Zeit in seinem neuen Amt als Sportchef. Frei scheint das Rampenlicht bereits zu vermissen. Anders ist seine erste Amtshandlung in Form eines Jubelverbots an die Adresse seines Erfolgstrainers nicht zu erklären. Was ist passiert?

Luzern, mittlerweile seit sechs Runden ungeschlagen, besiegt am vorletzten Mittwoch St. Gallen mit 2:0, was die dankbaren Luzerner Fans mit Sprechchören an die Adresse von Cheftrainer Carlos Bernegger, dem Baumeister des kurzzeitigen Erfolgs, honorieren. Grosszügig und loyal, wie wir Alex Frei kennen, schiebt dieser Bernegger mit den Worten «Geniesse den Moment, lass dich feiern aber nur dieses eine Mal» in Richtung Fankurve an. Drei Tage später gewinnt der FC Luzern auch gegen die Berner Young Boys auf  beeindruckende Art und Weise, und nachdem Bernegger auf dem Rasen ein Interview gibt, lässt sich der heissblütige Argentinier – weil er seine Emotionen nicht unter Kontrolle hatte, wie er später zu Protokoll gab – nochmals hinreissen, sich vor der Kurve kurz feiern zu lassen. Alex Frei, der 33-jährige Partyschreck, war sichtlich verärgert über die Befehlsverweigerung seines Untergebenen und auferlegte dem elf Jahre älteren Bernegger noch an der Medienkonferenz ein Jubelverbot bis Herbst 2013. Vielleicht sehen wir den Luzerner Platzwart ja demnächst beim Aufpinseln einer Anti-Coaching-Zone vor der Luzerner Fankurve.

Der neue Trainer des FC Luzern, Carlos Bernegger, feiert den Sieg gegen St.Gallen. (Keystone/Urs Flüeler)

Der neue Trainer des FC Luzern, Carlos Bernegger, feiert den Sieg gegen St.Gallen. (Keystone/Urs Flüeler)

Es darf spekuliert werden, denn eine einigermassen plausible Erklärung gibt es für eine solche Massnahme nicht. Hat sich Bernegger vielleicht mit falschen Federn geschmückt, da Frei diesen kurzfristigen Erfolg für sich beansprucht? Ist es eine Machtdemonstration des neuen Kadermitarbeiters, Profilierungssucht oder einfach Selbstinszenierung? Ich habe mich ohnehin gefragt, was denn genau einen Frei als Sportchef qualifiziert, mal abgesehen von seinen Kontakten. Sein ungesunder Ehrgeiz, der Egoismus und die Kaltblütigkeit vor dem Tor waren tolle Eigenschaften für einen Goalgetter; aber ob sie im Leistungsausweis für den Posten eines Sportdirektors ebenfalls gefragt sind, ist fraglich.

Der FC Luzern bräuchte nach all den Querelen um Herrmann, Yakin, Alpstaeg und Komornicki vor allem Ruhe und keine Selbstdarsteller. Dieser plötzliche Schritt vom Rasen in die Direktionsabteilung ist bestimmt nicht einfach. Aber Frei sollte bewusst werden, dass er nicht mehr auf der grossen Bühne sondern auf den Nebenplätzen spielt, im Hintergrund. Den Miesepeter an der Öffentlichkeit kann er dann wieder raushängen, wenn es Gründe dafür gibt. In erster Linie sollte er sich jetzt darum kümmern, eine schlagkräftige Mannschaft für die nächste Saison zu formen und in einer freien Minute – von mir aus auch alleine in seinem Büro – soll er sich doch wie Kollege Bernegger freuen, die neue Saison nicht in der Challenge League planen zu müssen, denn ohne die gewonnenen Punkte unter Bernegger wäre der FC Luzern jetzt Letzter.

Vielleicht sind sie sich beim FC Luzern ja auch noch nicht ganz sicher mit Frei. Anstelle eines Fotos von ihm prangt im Organigramm auf der Website jedenfalls ein FCL-Logo. Es ist aber auch gut möglich, dass Frei ohnehin bald vom FC Sion abgeworben wird. Er könnte dann Sportdirektor und Sturmspitze spielen, während Christian Constantin den Präsidenten, den Torhüter, die Verteidigung und das Mittelfeld bildet. Und falls Michel Decastel bis zu diesem Zeitpunkt wider Erwarten nicht mehr als Cheftrainer beim FC Sion agiert, dann hat einst Rolf Fringer Interesse bekundet für diesen Job. Allerdings bloss für ein verlängertes Wochenende.

GC-Höhenflug als Sinnbild für diese bescheidene Saison

Fabian Ruch am Donnerstag den 16. Mai 2013
YB's Samuel Afum rechts, im Kampf um den Ball gegen GC's Veroljub Salatic links, waehrend dem Raiffeisen Super League Spiel zwischen den BSC Young Boys und dem Grasshopper Club Zuerich, am Dienstag 7. Mai 2013 im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Vielleicht waren einfach alle anderen Teams dieses Jahr schlecht: GC-Spieler Veroljub Salatic (l.) und der Berner Samuel Afum kämpfen um den Ball, 7. Mai 2013. (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

Ich muss und möchte dem geschätzten Kollegen Thomas Kobler vehement widersprechen. Er kritisierte vor drei Tagen an dieser Stelle Uli Forte heftig und warf dem GC-Trainer sogar vor, dieser sei mit seinen personellen Massnahmen verantwortlich dafür, dass der Grasshopper Club nicht Meister werden würde.

Diese Behauptung ist natürlich völlig falsch. In Wahrheit lebte GC in dieser Saison weit über seine Verhältnisse und absolvierte – gemessen an den Erwartungen – eine überragende Spielzeit. So viel falsch kann da der Trainer nicht gemacht haben. Im Gegenteil. GC präsentierte sich auch dank kluger Transfers vor der Saison in der Regel gut organisiert. Unter Uli Forte, daran besteht kein Zweifel, hat GC eine äusserst positive Entwicklung genommen. Schliesslich wäre der Rekordmeister letzte Saison abgestiegen, hätten bei Xamax und Sion nicht zwei Fussball-Wahnsinnige gewütet. Aber das ist eine andere unschöne Geschichte aus dieser Liga.

Dass GC aber bis Mitte Mai vom Meistertitel träumen durfte, beweist, wie schwach das Niveau in dieser Super-League-Spielzeit insgesamt ist. Denn die Zürcher profitierten von den krassen Schwächen bei der wirtschaftlich und sportlich eigentlich besser aufgestellten Konkurrenz. Jene Vereine, die Basel von der Substanz her am ehesten gefährden könnten, begingen auf vielen Ebenen zahlreiche Fehler. Bei YB und Sion, Zürich und Luzern herrschte Kontinuität in den letzten Monaten und Jahren einzig in Sachen Unruhe.

Jetzt sind bei den vier Vereinen mal wieder neue Verantwortliche am Werk. Sie geloben Besserung, präsentieren Konzepte, schüren Hoffnungen. Am Ende aber jubelt in 12 Monaten wohl wieder der FC Basel. Sions rücksichtslosem Präsidenten Christian Constantin jedenfalls ist es leider nicht mehr zuzutrauen, zur Besinnung zu kommen und zu realisieren, dass er trotz beachtlicher Investitionen kaum Erfolg haben wird, wenn er Halbjahr für Halbjahr die halbe Mannschaft rausschmeisst und Trainer im Zwei-Monate-Rhythmus entlässt. Um am von Constantin so oft zitierten Totomat bestehen zu können, benötigt es: Geduld, Ruhe, Kompetenz. Zu finden sind diese Tugenden vorbildhaft in Basel. Die Entscheidungsträger der meisten Vereine in dieser Liga sollten beim FCB in die Lehre gehen müssen.

Und nicht nur bei Sion sind Zweifel angebracht, ob die nahe Zukunft deutlich besser werden wird. Zürich muss sparen, Luzern sortiert sich neu, YB plant den nächsten Umbruch. Die unzähligen Skandale, Schlagzeilen und Sensationen bei diesen Vereinen bieten zwar beste Unterhaltung für uns, sind der Klasse der fussballerischen Darbietungen auf dem Rasen aber abträglich. Und so bot diese Super-League-Spielzeit letztlich bestenfalls bescheidenen Sport. Zu oft standen Rochaden auf den Trainerbänken oder in Sportchefbüros im Mittelpunkt. Zu hektisch agierten die meisten Klubs. Zu unbeständig spielten viele Mannschaften. Auch deshalb durfte sich der tapfere, aber keinesfalls unwiderstehliche Aufsteiger St. Gallen im Spitzentrio etablieren. Und darum spielte GC ein bisschen um den Titel mit.

Die Frage aber ist: Was wird am Ende von dieser Saison in Erinnerung bleiben?

Warum nicht auch eine Wunder-Nati
auf Rasen?

Annette Fetscherin am Mittwoch den 15. Mai 2013
Schweizer Nationalspieler in zwei Welten: Die bisher ungeschlagenen Eishockeyaner an der WM in Stockholm (l.) und der Fussballer Shaqiri in der WM-Qualifikation auf Zypern. (Bilder: AFP/Keystone)

Schweizer Nationalspieler in zwei Welten: Die bisher ungeschlagenen Eishockeyaner an der WM in Stockholm (l.) und der Fussballer Shaqiri in der WM-Qualifikation auf Zypern. (Bilder: AFP/Keystone)

Mit grossen Augen schauen wir in diesen Tagen nach Stockholm. Die Schweizer Nati verblüfft, überzeugt, und nicht nur das – sie setzt nach. Die Schweiz gewinnt gegen Schweden, man spricht von einem Überraschungssieg. Als Underdog schlägt man auch das Eishockey-Mutterland Kanada und setzt gegen den Hockey-Riesen Tschechien einen drauf. Die Augen werden grösser. Man prophezeit den Eisgenossen, sie würden dafür gegen die schwächeren Gegner die Nerven verlieren. Doch von Verlieren wollen unsere Hockeyaner ganz und gar nichts wissen, seien es Nerven oder Spiele. Und plötzlich dämmert es dem normalerweise so von Unsicherheit durchtränkten Schweizer Sportlerherz: Diese Jungs haben Selbstvertrauen!

Eine Wunder-Nati auf Erfolgskurs. Wäre dies auch im Fussball denkbar? Vergleicht man die Weltranglisten, hat die Schweiz klar im Hockey die Nase vorn. Nach dieser WM darf man sich wieder zu den Top Acht der Welt auf Kufen zählen. Stellen wir uns vor, es gäbe einen Lockout im Fussball. In der (noch?) stärksten Liga der Welt, in Spanien. Es ist kaum denkbar, dass Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Konsorten Zuflucht in der Schweiz suchen würden. Deutschland würde locken, England oder Italien. Im NHL-Lockout aber zog es Patrick Kane, John Tavares und Joe Thornton in die Schweiz, um auf hohem Niveau Hockey zu spielen.

Doch wie klein ist die Fussballschweiz wirklich? Und: Kommt es nur auf die Grösse an? Weltfussballer Messi tanzt, wenn er fit ist, mit seinen 168 Zentimetern nach Belieben jeden Riesen aus. Die Schweiz ist als Weltnummer 15 nahe dran an der Spitze. So kann es auch einmal gelingen, an der WM den späteren Weltmeister zu schlagen. Doch was passiert dann? Nichts mehr. Man erliegt dem Druck und bricht in sich zusammen. Statt das Erfolgserlebnis in sich aufzusaugen und sich mit breiter Brust den drauffolgenden Reifeprüfungen zu stellen.

Anders macht es unsere Hockey-Nati zurzeit vor – obwohl die grossen Namen wie Mark Streit und Damien Brunner nicht dabei sind. Ein Anti-Star-Team auf Erfolgskurs. Von der Truppe, die den Viertelfinaleinzug scheinbar mit Links gepackt hat, spielen nur drei Akteure nicht in der heimischen Schweizer Liga. Die Mannschaft lebt vom Kollektiv und vom Kampfgeist. Etwas, was der Fussball-Nati manchmal etwas abgeht.

Dabei wären die Voraussetzungen im Fussball ähnlich gut und werden immer besser. Grosse Talente wie Xherdan Shaqiri präsentieren sich an den besten europäischen Adressen. Stephan Lichtsteiner raucht als wichtiger Eckpfeiler von Juventus Turin wie selbstverständlich die Meisterzigarre. Im Nachwuchsbereich kann die Schweiz erst recht mit den ganz Grossen mithalten, holt mit der U-17 vor vier Jahren gar den Weltmeistertitel. Regelmässig qualifiziert sich inzwischen auch mit die A-Nationalmannschaft für die grossen Turniere. An der WM in Deutschland wird man Gruppensieger und scheidet dann gegen den vermeintlich schwächsten Gegner Ukraine im Elfmeterschiessen aus. Es fehlt der Glaube daran, einen Schritt weiter gehen zu können. Auch an der Heim-EM hält man dem Druck nicht stand und verabschiedet sich frühzeitig aus dem Wettbewerb.

Jetzt steht man wieder vor einer grossen Chance. In der Qualifikation für die WM 2014 ist man Gruppenleader und damit auf gutem Weg nach Brasilien. Doch die Herkulesaufgabe wird erst an der Endrunde folgen. Dann heisst es, das Selbstvertrauen aus einer hoffentlich erfolgreichen Qualifikation mitnehmen und es der Hockey-Nati gleich zu tun.

Was glauben Sie? Sind für die Schweiz auch im Fussball Wunder möglich?

Das Phrasenschwein-Derby

Thomas Kobler am Montag den 13. Mai 2013

Der Trainer der Grasshoppers ist immer wortreich, aber selten einfallsreich. Dass GC seit gestern die Meisterschaft wahrscheinlich endgültig abschreiben kann, lag nicht nur am Übungsleiter, aber was soll eine Mannschaft machen, wenn sie falsch auf- und eingestellt wird? Ich behaupte, dass es selten so einfach gewesen wäre, die Dominanz des FCB zu brechen wie in der laufenden Saison. Am Anfang waren die Basler unsortiert, und jetzt zum Ende hin sind sie müde von einer langen, strapaziösen Saison. Aber die Zürcher schlugen die Einladungen zu den Satzbällen ein ums andere Mal aus, obwohl die Aufgaben keineswegs unlösbar gewesen wären.

Ich behaupte weiter, dass Uli Forte dafür die Verantwortung übernehmen muss. Wenn ein Trainer nicht feststellt, dass Nassim Ben Khalifa kein Mittelstürmer ist, weil seine Stärken kaum zum Tragen kommen, wenn er mit dem Rücken zum Tor spielen muss, dann ist ihm nicht zu helfen. Gestern hätte er Frank Feltscher als Mittelstürmer aufstellen können und Ben Khalifa als 10 dahinter. Feltscher wäre nicht schlechter gewesen. Warum er seinem Spielmacher, Salatic, seit Wochen solch pomadige Auftritte wie gestern ohne Konsequenzen durchlässt, ist mir schleierhaft. Vielleicht sollte er ihm mal ein paar Schweinsteiger-Videosequenzen vorspielen und nicht nur die letzten Spiele, die Günter Netzer für GC machte.

GC hat die bessere Defensive als der FCZ. Da kann man schon mal etwas riskieren, wenn der Gegner so offensiv aufgestellt antritt wie die Roten gestern. Chermiti und den formschwachen Gavranovic in Schach zu halten, war weder auf dem Papier noch auf dem Platz eine schwierige Aufgabe für die robuste Innenverteidigung. Und Drmic zu doppeln wäre auch keine Kunst gewesen, wenn Salatic nicht wieder so pomadig zwischen Strafraum und Mittelkreis Standplätze eingenommen hätte.

Schlaue Taktiker wie Yakin wissen auf die Schwachstellen des Gegners zu reagieren. Als klar war, dass Urs Meier das defensive Mittelfeld mit dem bescheidenen Buff und Gajic besetzen würde, war Fortes Mittelfeld-Trio Salatic, Abrashi und Gashi nicht offensiv genug, um die Schwachstelle Buff unter Druck zu setzen. Forte ging das Derby ängstlich – fast defätistisch – an. Die Mannschaft musste dafür mit einer unnötigen Niederlage bezahlen, die sie aus einem nicht aussichtslosen Meisterschaftsrennen wirft. Ich wäre ziemlich sauer gewesen als Spieler.

Natürlich kann man im Fussball die Dinge immer ganz unterschiedlich sehen, aber die Zahlen lügen nie. Die linke Zahl beim GC-Torverhältnis sagt alles: Unter den Spitzenmannschaften haben die Grasshoppers mit Abstand am wenigsten Tore erzielt. Ihre Offensive ist schlicht und einfach zu wenig durchschlagskräftig. Das, obwohl sie mit Zuber, Hajrovic und Feltscher über beachtliche Qualität auf den Aussenbahnen verfügen und mit Anatole und Ben Khalifa ein aggressives bzw. technisch sehr begabtes Offensiv-Zentrum vorhanden ist. Nochmal, dass spielerisches Potenzial möglichst grosse Wirkung erzielt, dafür ist in hohem Masse der Trainer verantwortlich.

Die nicht vorhandenen GC-Meisterschaftsträume sind gestern geplatzt, aber noch gäbe es einen Pokal zu gewinnen. Wird es Uli Forte bis dahin gelingen, GC offensiver auszurichten, um die einmalige Chance à la Wigan Athletic zu nutzen? Wie seht ihr das, Sportsfreunde?

Die Liga braucht unbedingt ein starkes YB

Fabian Ruch am Mittwoch den 8. Mai 2013


4050! So wenig Menschen wollten am Samstagabend das Heimspiel der Grasshoppers gegen Servette (2:0) live im Letzigrund anschauen. 4050! Das ist sehr bitter für den Fussballstandort Zürich. Da kann GC dank guter Arbeit, ausgezeichneter Transfers und begabten Spielern endlich, endlich wieder mal Meister werden (zumindest theoretisch), und dann erscheinen nicht mehr Zuschauer zu einer der letzten Begegnungen der Saison.

Die Erkenntnis ist gewiss nicht neu, dass der Fussball im Vergnügungsparadies Zürich einen schwierigen Stand hat. Sein Stellenwert ist gering. Es ist beinahe wie in der Westschweiz, wo stolze Vereine wie Lausanne, das letzte Saison Konkurs gegangene Xamax und Servette leider eher wenig Begeisterung in der Bevölkerung wecken – und auch finanziell darben müssen. Anderswo – in Sion, Luzern und St. Gallen beispielsweise – herrscht zwar Fussballeuphorie, doch die Klubs sind letztlich nicht gross genug, um den in allen Belangen überragenden FC Basel konstant zu attackieren.

Es gibt in der Schweiz nur einen Verein, der ähnlich stark, erfolgreich, mächtig wie der FCB sein könnte. Die Young Boys verfügen über ein wunderschönes Stadion, sie haben eine riesige Fanbasis und dank vermögender Besitzer die wirtschaftlichen Möglichkeiten, um Basel zu gefährden. Die YB-Verantwortlichen jedoch arbeiteten seit Sommer 2010 miserabel und leiteten mit Missmanagement eine gewaltige sportliche und finanzielle Talfahrt ein – obwohl die Brüder Rihs als Investoren ansehnliche Beträge zur Verfügung stellten, um ein Meisterteam hinzustellen. Allein im Jahr 2012 betrug das Minus im Betrieb deshalb 15 Millionen Franken!

Die Jahre zwischen 2006 und 2010 jedoch hatten bewiesen, dass in Bern mit vernünftiger, kluger Arbeit ein Fussballgigant aufgebaut werden könnte. Da machte YB glücklich. Da erschienen regelmässig über 25’000 Zuschauer zu wichtigen Partien der Young Boys im Stade de Suisse. Da spielte YB um mehrere Titel in Liga und Cup, zelebrierte aber auch den Status als Verlierermannschaft und veryoungboyste einen Pokal nach dem anderen. Immerhin aber qualifizierte sich das Team in den letzten Jahren zweimal für die Europa League – und hat sich insgesamt trotz aktueller fussballerischer Baisse als zweite Spitzenkraft in der Super League etabliert. Eigentlich. Und auf dem Papier.

Die Liga jedenfalls braucht zur Steigerung der Attraktivität unbedingt ein starkes YB als Gegenpart des dominanten FC Basel.

In dieser fürchterlich miesen Spielzeit der Young Boys jedoch läuft der Berner Riese mal wieder den hohen Erwartungen hinterher. Von einer weiteren Finalissima gegen den Rivalen Basel ist YB derzeit so weit entfernt wie die Grasshoppers von hohen Sympathiewerten in der Südkurve. Es wird die grosse Herausforderung für Sportchef Fredy Bickel sein, das bemerkenswerte Potenzial in Bern auszuschöpfen – und vor allem das ungenügend zusammengestellte Team auszumisten und sinnvoll zu verstärken. Damit die Titelsehnsucht im YB-Umfeld bald gestillt werden kann. Die Ungeduld in der treuen Fangemeinde wächst.

Und es ist ja so: Wenn der SC Bern Eishockeymeister wird, freuen sich die Leute in der Hauptstadt und feiern routiniert ein bisschen. Werden aber die Young Boys (irgendwann) erstmals seit 1986 nationaler Champion, wird in Bern ein gigantisches, vermutlich einmaliges Fest steigen. Würde dagegen in ein paar Wochen in Zürich eine GC-Meisterparty stattfinden, dürfte man das wohl nicht einmal richtig bemerken.

Wer anders als YB also kann diesen souveränen FC Basel langfristig herausfordern?

Blau-rote Endstationen

Thomas Kobler am Montag den 6. Mai 2013


Mit dem «Primavera», dem ersten Grün des Frühlings, biegen auch die Fussballmeisterschaften und internationalen Wettbewerbe auf die Zielgeraden ein. Für die einen oder andern bedeutet das auch immer, dass sie am Ende ihres Weges angekommen sind.

Da wäre zunächst einmal der heimische FC Basel. An der Stamford Bridge beim FC Chelsea schlug ihm am vergangenen Donnerstag die Stunde im Europa-League-Halbfinal-Rückspiel. Nach der äusserst knappen 1:2-Heimniederlage verloren die Basler das Rückspiel deutlich mit 3:1. Auch wenn die überragende Qualität und das Talent in Reihen des noch amtierenden Champions-League-Siegers aus Südwest-London in der zweiten Halbzeit erdrückend wurden, darf die Mannschaft um Kapitän Marco Streller auf das Erreichte zu Recht ein wenig stolz sein.

Wie weit der FCB mittlerweile ist, verdeutlichte Murat Yakins Erklärung am Tag danach: «Chelsea hatte ich schon beim 3:1 abgeschlossen, deshalb habe ich Streller und Stocker ausgewechselt.» Das Spiel war nach 62 Minuten verloren; der kühle Taktiker zog sich, mit Blick auf die noch anstehenden Aufgaben daheim, geordnet auf eine Verteidigungslinie zurück und richtete das Augenmerk bereits auf die anstehenden Super-League-Begegnungen. Der mühsame Arbeitssieg gestern in Sion gab ihm recht. Am Rheinknie beherrscht man es, über den Tag hinaus zu denken.

Etwas anders sieht die Situation bei den katalanischen Blau-Roten aus. Für den FC Barcelona endete am vergangenen Mittwoch eine Ära: Nämlich die jener grossen Barça-Mannschaft, die unter Pep Guardiola zum Symbol für höchste Fussballkunst gereift war. Ihr legendäres «Tiki-Taka» fand seinen Meister, als der FC Bayern dem perfekten Pass- und Stellungsspiel noch weitere Dimensionen hinzufügte und sie im Camp Nou vernichtend schlug. Der bayrischen Angriffswucht und Zielstrebigkeit, sowie der überlegenen Physis hatten die Spieler um Xavi und Iniesta nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Wer nach dem Hinspiel noch die Hoffnung hegte, dass nur der angeschlagene Messi die Münchner im Hinspiel 4:0 gewinnen liess, musste nach dem Rückspiel erkennen, dass diese grosse Mannschaft erschöpft am Ende ihres Weges angekommen ist.

Natürlich ist das nicht «das Ende der Welt» für die Katalanen. Nichts ist so zerbrochen, dass man es nicht wieder ziemlich rasch reparieren könnte. Viel eher ist der Moment gekommen, wo man sich in Barcelona wieder daran machen muss, die nächste grosse Mannschaft aufzubauen. Die hier ist nur noch gut. Dass man dabei auf Lionel Messi – den bisher vielleicht begabtesten Fussballer aller Zeiten – und auf eine der grossartigsten Vereinsphilosophien überhaupt zählen kann, erleichtert einiges. Weiter schaffen der fantastische Fussballtempel Camp Nou sowie finanzieller Handlungsspielraum eine beneidenswerte Ausgangslage für die unumgänglich gewordenen Restaurationsarbeiten.

Barcelonas Trainer Tito Vilanova tut sich noch schwer mit dem Gedanken, dass das «Guardiola-Barça» letzten Mittwoch den Betrieb einstellte, viele Fans vermutlich auch. Aber die Champions League lügt nicht. Azulgrana, die Blau-Roten, haben das Klassenziel zum zweiten Mal hintereinander deutlich verfehlt. Jetzt muss einiges hinterfragt werden – selbst der krankheitsgeschwächte Trainer, was angesichts dieser besonderen Umstände für die Vereinsführung eine menschlich äusserst heikle Situation darstellt.

«Més que un club» oder am Ende doch auch nur ein Club? Was glaubt ihr, Sportsfreunde?